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Warum wirken einige Antihistaminika nicht?

NwoIsek hat die Diskussion gestartet


Ich leide seit vielen Jahren unter sehr starker Pollenallergie.

Die Augen jucken und tränen, die Nase läuft und ich habe Husten (Asthma im Anfangsstadium).

Vor einigen Jahren machte ich eine langwierige Hyposensibilisierung. Dass Ergebnis ist, dass ich auf mehr Dinge allergisch bin als vorher, ob durch die Spritzen oder nicht, kann ich nicht sagen.

Früher nahm ich auch Nasensprays, die nehme ich aber nicht mehr, weil die Nase damit entweder völlig austrocknet oder ständig fließt.

Für die Augen nehme ich Augentropfen, mit dem Namen Opatonol (kann der Arzt aufschreiben).

Vor einigen Jahren fing ich an, zusätzlich Antihistaminika in Tablettenform zu nehmen. Ich bekam Zyrtec, später Telfast verschrieben, die aber nicht halfen. Viele JAhre nehme ich nun Aerius, was mir sehr gut hilft. Vor kurzem versuchte meine Allergologin, mich auf Tabletten mit dem Namen Ebastel umszustellen, aber erfolglos. Sie halfen nicht.

Also zu meiner Frage, wisst ihr oder versteht ihr, warum es Antihistaminika gibt, die dem einem gut helfen und dem anderen gar nicht.

Meine Ärzte wissen es nicht und geben sich damit zu frieden. Wenn ich z.B. Tabletten gegen Bluthochdruck nehme, helfen die doch auch und nicht nur bestimmten Menschen.

Ich kann dass leider so nicht akzeptieren, da ich in den letzten Jahren bereits die doppelte Menge Aerius einnehme, damit es hilft. Aber in diesem Sommer wirkt sogar die doppelte Menge immer schlechter.

Im Frühling begann ich eine neue Therapie um meine Allergie zu bekämpfen (GRAZAX). Diese musste ich zwischenzeitlich absetzen und bekam auch kurzzeitig sogar Kortison-Tabletten.

Mittlerweile weiß ich echt nicht mehr weiter, vor allem, da meine Allergiezeit von etwa Februar bis etwa Oktober läuft. Meine gesundheitlich beste Zeit ist, wenn der Schnee liegt.

Bis bald Euer

Nosek

Antworten
_idemowlantx_ hat geantwortet


Jeder Mensch hat seine eigene Physiologie. Da kann es schon mal sein, dass ein Medikament bei Patient X anders wirkt, als bei Patient Y.

Es gibt viele Ursachen, weshalb das Medikament nicht wirklich bei dir wirkt. Könnte sein, dass es bei dir abgebaut wird, bevor es wirkt oder deine Rezeptoren, aufgrund einer anderen chemischen Struktur nicht von den Histaminblockern beeinflusst werden. Gibt 1000 Gründe.

Grüße

n6eo=zed hat geantwortet


Antihistaminika wie du sie bekommst, sind H1-Antagonisten - d.h. dass sie die Histamin-1-Rezeptoren blockieren. Die Wirkstoffe werden grob unterteilt in die weitestgehend unspezifischen Generation1-H1-Antagonisten (Dimenhydrinat (Vomex), Diphenhydramin, Doxylamin (Hoggar), Dimetinden (Fenistil) und die zunehmend spezifischeren Generation2-H1-Antagonisten, zu denen u.A. gehören:

- Cetiricin (Zyrtec)

- Loratadin (Lisino)

- Desloratadin (Aerius)

- Fexofenatin (Telfast)

- Levocabastin (Livocab)

- Ebastin (Ebastel)

Davon ist das Fexofenasdin (Telfast) eines der stärksten, aber auch der spezifischsten. Man muss folgendes Wissen: ein Wirkstoff passt zu einem Rezeptor ähnlich wie ein Schlüssel zu seinem Schloss. Ähnlich deshalb, weil Stoffe, die nicht 100% spezifisch zu einem Rezeptortyp sind, auch an anderen Stellen Wirkungen auslösen können. Spezifizierung geht sogar soweit, dass ein Stoff evtl. nur auf bestimmte Populationen des Rezeptor-Subtyps wirkt (Es gibt oft mehrere Ansammlungen ("Populationen") von Rezeptortypen in bestimmten Bereichen des Körpers). Sobald ein Stoff also nicht mehr ganz spezifisch ist, löst er an anderen Stellen evtl. auch Wirkungen aus. diese Wirkungen können erwünscht sein, indem z.B. die antihistamine wirkung durch zu hohe Spezifizierung evtl. sogar gemindert wird, weil noch andere Bestandteile als eben jeder H1-subtyp für die Wirkung verantwortlich sein können (man weiß über das menschliche Gehirn noch immer relativ wenig, verglichen mit dem, was man wissen müsste, um alles zu verstehen und nachvollziehen zu können). Oft werden durch geringere Spezifizierung aber auch unerwünschte Wirkungen (z.B. Müdigkeit) hervorgerufen.

Daraus folgt: Es ist immer ein Drahtseilakt, derartige Wirkstoffe zu entwickeln, zumal die Wirkung von Mensch zu Mensch etwas variiert.

Mit Desloratadin (Aerius) ist, obwohl Fexofenadin in gewisser Hinsicht stärker wirkt, aber auch spezifischer ist, ein sehr guter Mittelweg gelungen, da es kaum müde macht und trotzdem eine breite Palette von Symptomen lindert.

Cetirizin (Zyrtec) hingegen macht eher müde und erfasst weniger, Loratadin ist besser, aber auch noch nicht so gut. Fexofenadin und Desloratadin dürften momentan die wirkungsvollsten Antihistaminika sein. Sollte man damit allein nicht zurecht kommen, bleibt oft nur der Griff zu Kortikoiden!

Übrigens: Die alten H1-antagonisten werden heute gegen Schlafstörungen (allerdings mit miesem Hangover) und Übelkeit eingesetzt. H2-antagonisten bewirken hingegen etwas ganz anderes, nämlich eine Hemmung der Magensäureproduktion (Wirkstoffe hier: z.B. Ranitidin oder Cimetidin).

n7eoz'ed hat geantwortet


Nachtrag: Antihistaminika wirken bei Menschen auch daher unterschiedlich, weil unterschiedliche Menschen unterschiedliche Allergien haben und unterschiedlich sensibel sind. zudem ist die Zahl der rezeptoren unterschiedlich und der Metabolismus sowieso. die Rezeptordynamik der Wirkstoffe wird davon nicht beeinflusst - daran liegts nicht!

Übrigens findet man diese Effekte bei allen Medikamenten wieder, auch bei Antihypertonika! Auch da wirken die Calciumantagonisten, Diuretika und ß-adrenozeptorantagonisten bei unterschiedlichen Menschen nie genau gleich!

Jweti hat geantwortet


desweiteren war die pollenbelastung dieses jahr auch noch nie so hoch,laut tagesspiegel 10 mal so hoch,wie erlaubt,was ich schon unglaublich finde,die frage ist,wo das noch enden soll,.zumindest für uns allergiker

dmieTxine hat geantwortet


@ Jeti:

wie meinst du das "

desweiteren war die pollenbelastung dieses jahr auch noch nie so hoch,laut tagesspiegel 10 mal so hoch,wie erlaubt

?

Das hört sich ja so an, als müssten die Pflanzen ihren Pollenausstoß bewilligen lassen ;-D kuhle Idee 8-) . Sicher gibt es da spezielle Formulare *:) *:) ....

Nee, nichts für ungut, war nur ein Scherz. Ich finde neozeds Erklärungen sehr gut, danke! Hab mich auch schon gewundert, warum ein Antihistaminikum bei einem wirkt und beim anderen nicht.

Im Übrigen nehmen meine Kids und ich Cetirizin und haben nicht die Bohne mit Müdigkeit zu kämpfen!

Alles Gute @ Nosek!

Grüße

Tine

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