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Was haltet ihr von Heilpraktiker

s1chn!attierguschxe


maasai

Dass nicht jeder Patient an seinem Übergewicht arbeiten möchte, ist mir nicht neu. Aber mir scheint, hier prallen mal wieder (Denk-) Welten aufeinander.

Du siehst die fortgeschrittene Arthrose als Ursache der Kniebeschwerden an. Das ist für mich durchaus nachvollziehbar. Wenn Du dann erneut dazu übergehst, andere Sichtweisen abzuwerten und die Polemik nur bei anderen bemerkst, habe ich es allerdings schwer, das bei Dir zu ignorieren. Von mir selbst weiß ich, dass ich meine eigenen Fehler bei anderen Leuten am deutlichsten bemerke. Bei Dir scheint es ähnlich zu sein, wenn auch Dir offenbar nicht bewußt.

Den Mangel an guten Diagnostikern kenne ich aus eigener Erfahrung und auch aus der Sicht von Ärzten. Die Aussage, dass es kaum noch gute Diagnostiker gibt, mag zwar überzogen erscheinen und deshalb zu einer eher emotionalen als sachlichen Antwort reizen. Aber bei genauer Betrachtung trifft das zu. Die Diagnostik gehört zu den grundlegenden Fertigkeiten eines Arztes. Ihr Ergebnis bestimmt grundsätzlich die Therapie. Wenn aber ein verletztes Zehengelenk selbst neben dem zum Vergleich danebengehaltenen anderen Fuß keinen Befund ergibt, obwohl es geschwollen und durch das Hämatom verfärbt ist, oder wenn komplett weiß überzogene Rachenmandeln, die ein Bereitschaftsarzt bereits als eitrige Tonsillitis diagnostiziert hat, als "nur leicht belegt" erkannt werden, verfestigt sich das Bild vom Mangel an guten Diagnostikern. Dann braucht es gute Fachärzte, um die Fehler zu korrigieren.

Ich behaupte sogar, eine wirklich ganzheitliche Behandlung ist nur bei einem Arzt möglich, weil nur ein Arzt wissen kann, wie breit das Spektrum ist (nicht jeder)

An dieser Stelle bin ich geneigt, Dir zuzustimmen. Aber es ist wieder Dein kategorischer Anspruch, der gleichzeitig die Ablehnung der Nicht-Ärzte impliziert, der mich zögern läßt. Eine wirklich ganzheitliche Behandlung kann ich mir nur in der Kombination aus vielen Wissensgebieten vorstellen. Deshalb bin ich ein Befürworter der Komplementärmedizin und lehne das elitäre Denken sowohl unter den Schulmedizinern als auch unter den echten "Alternativen" ab. Erst wenn jeder, der sich die Gesundheit seiner Mitmenschen auf die Fahnen geschrieben hat, auch bereit ist, die Begrenztheit seines Wissen ohne Selbstabwertung zu akzeptieren, wird er auch die Begrenztheit des Wissens der Anderen tolerieren können. Dann wird es ihn nicht mehr enttäuschen (weil er sich nicht mehr in ihnen täuscht), sondern geradezu herausfordern, seinen Teil beizutragen.

Deshalb kann ich auch respektieren, dass Du die fortgeschrittene Arthrose als Ursache für die Kniebeschwerden ansiehst. Wenn Du Arzt bist wird das reichen. Mir nicht. Mich interessiert dann die Ursache der Arthrose. Denn als Laie muss ich mich nicht mit den Krankheiten im Detail befassen, sondern interessiere mich ganz allgemein für die Gesundheit und ihre Stärkung. Das tun Ärzte zwar auch, aber eben ers an zweiter Stelle. Ich lande dann womöglich bei der Frage nach ganz bestimmten Denkmustern an, die einerseits eine Störung des Stoffwechsels zur Folge haben und andererseits zu körperlichem Stress führten, wodurch die Arthrose ermöglicht wurde, welche dann erst in der Folge zu Beschwerden im Knie führte. Der Körper ist durchaus in der Lage, Arthrose auch im fortgeschrittenen Stadium einzudämmen. Wenn die Zeit reicht, kann er sie sogar auflösen. Nur wird kein Weg allein zum Ziel führen. Selbst der in solchen Fällen manchmal notwendige radikale Eingriff des Chirurgen löst zwar das Problem im betroffenen Knie. Er erzeugt aber nicht wirklich Gesundheit. Die tatsächliche Ursache bleibt fast immer vorhanden und kann an anderer Stelle zu einer Erkrankung führen, die dann als neu und unabhängig vom ersetzten Kniegelenk angesehen wird.

Wer kann an dieser Stelle allein ganzheitlich vorgehen?

... aber in seiner Muttersprache den Unterschied zwischen "das selbe" und "das gleiche" offenbar nicht kennt, muss ich einfach entsprechend antworten.

Solche zwanghaften Reaktionen amüsieren mich. Das nehme ich als Hinweis, dass ich auch nicht frei davon bin. Denn was ich bei anderen bemerke... ;-) Vielleicht habe ich den Vorteil, dass ich mich immer wieder entspannt zurücklehnen und auch über mich selbst schmunzeln kann. In dieser Position bemerke ich nicht nur im ähnlichen Zusammenhang Deinen Gebrauch von "offenbar", sondern bemerke auch, dass von Deiner anfänglichen Behauptung, Kniebeschwerden kämen in den meisten Fällen vom Knie und nicht "von anderswo her" soviel zum deutschen Ausdruck nicht viel übrigbleibt. Klaus F hatte an keiner Stelle behauptet, dass Kniebeschwerden (fast) nie vom Knie kämen, sondern nur indirekt auf die lediglich etwa 20%ige Erfolgsquote hingewiesen. Mir liegen keine Zahlen vor, anhand derer ich diese Zahl prüfen könnte, und ich bin auch gerade zu faul zum Suchen. Seine eigentliche Aussage war aber, dass es auch Fachleute anderer Disziplinen braucht, und selbst ein erfolgreich abgeschlossenes Medizinstudium kein Garant für eine wirksame Hilfe ist. Nach meiner persönlichen Einschätzung fehlt einfach oft die Wertschätzung der Arbeit anderer Leute. Der Stolz auf die eigenen Erfolge einschließlich bestandener Staatsexamina mag den Blick dafür trüben. Standesdünkel kann aber keine Grenzen der eigenen Möglichkeiten verwischen. Den Leuten, die sich auf ein noch nicht schulmedizinisch anerkanntes Gebiet spezialisiert haben, pauschal und unbelegt zu unterstellen, dass sich oft ihr ganzes Weltbild darauf beschränke, ist in meinen Augen genau das, was Du an anderen zu Recht kritisierst: Billigste Polemik.

miaas\aJi


@ schnattergusche

ich danke dir für deine offenen Worte. Allerdings war ich der Meinung, ich hätte den Grund für meine überzogene Formulierung dargelegt. Wenn ich von der "meisten" Ursache sprach, dann deswegen, weil Klaus F. eben doch genau diese Formulierung verwendet, als er die Ursachen für orthopädische Beschwerden an einem anderen Ort lokalisiert-lies noch mal. Wenn jemand behauptet, es gebe kaum noch gute Diagnostiker (ebenfalls Klaus F.), heisst das doch, das es diese einmal gab und vor allem: er kann es besser; um eine solche Aussage zu machen, muss man vom Fach sein (wie könnte er es denn überhaupt sonst beurteilen?) Aber ausser leeren Phrasen (etwa:ein funktionierendes System heilt seine Patienten und gut ist) ist da nichts.

Ich wollte niemanden verletzen und habe die Weisheit bestimmt nicht gepachtet, aber wenn wir in der Therapie so weit wären wie bei der Diagnostik, sähe die Welt anders aus!

Grüsse vom Maasai

sNchnat>tergsuscxhe


Ich wollte niemanden verletzen und habe die Weisheit bestimmt nicht gepachtet, aber wenn wir in der Therapie so weit wären wie bei der Diagnostik, sähe die Welt anders aus!

Im Bereich der Diagnostik habe ich lange Zeit gearbeitet. Nur am Rande, aber so habe ich doch einen recht brauchbaren Einblick bekommen. Gerade die technischen Möglichkeiten faszinieren mich noch heute. Und sie werden immer besser, immer ausgefeilter, immer feiner. Daneben kann ich mich sehr stark für die Erfahrung von Ärzten erwärmen, die mit ihrer Diagnose bereits anfangen, wenn die Tür aufgeht.

Daneben habe ich Erfahrungen gemacht, die in eine völlig andere Richtung gehen. Was nützen uns all diese immer feineren Methoden, wenn es uns nicht gelingt, grundlegende Dinge im Blick zu behalten? Die menschliche Wärme, die oft verlorengegangen ist, ist nur einer von vielen Punkten dabei. Deine Sicht auf Klaus F ist dafür nur ein sehr banales und doch symptomatisches Beispiel. Du bemerkst bei ihm sprachliche Schwächen, die Du nicht zu verzeihen bereit bist. Außer leeren Phrasen ist da nichts? Einem Kind geholfen zu haben, bei dem die etablierte Medizin – aus welchen Gründen auch immer – nicht helfen konnte, ist in meinen Augen sehr viel. Dass er mit seiner Hilfe Geld verdient ist in meinen Augen nicht verwerflich. Diese wirtschaftliche Notwendigkeit soll auch schon bei Ärzten beobachtet worden sein. :=o Natürlich verlange ich nicht von Dir, meine Bewertungsmaßstäbe anzunehmen. Auch wenn Du vom Fach sein solltest und Dich deshalb von Klaus' deutlichen Worten persönlich angegriffen gefühlt haben solltest, wirst Du sicher zustimmen, dass es nicht immer nur auf die prinzipiellen Möglichkeiten ankommt, sondern auf die ganz konkrete Umsetzung in der Realität jedes einzelnen Falles.

Für mich ist es auch keine leere Phrase, dass ein funktionierendes System seine Patienten heilt. Ist nicht das die Absicht eines jeden Arztes? Natürlich heilt nicht er persönlich. Aber er unterstützt normalerweise den Patienten in dessen Selbstheilung. Zu diesem System gehört aber noch mehr. Es steht einer Vielzahl neuer oder neu erscheinender Erkrankungen gegenüber. Manchmal erscheint das nur so, weil durch die Fortschritte der Diagnostik auf dem Papier aus einer Erkrankung mehrere werden. Ein Grundübel des Systems sehe ich aber darin, dass Methoden, die sich als komplementär anbieten, rigoros abgewertet werden. Sehr beliebt ist der Ruf nach placebokontrollierten doppelverblindeten Studien. Besonders unbeschwert kommt der an, wenn diese Nachweismethode aus offensichtlichen Gründen gar nicht funktionieren kann. Als Beispiel sei Reiki genannt. Die Hände nur scheinbar auflegen ist genau so unmöglich wie eine unbeabsichtigte Wirkung der Berührung durch Ungeübte zu verhindern. Zur gleichen Zeit wird die Weiterbildung vieler Ärzte in der Hauptsache durch die Vertriebsvertreter der Pharmaindustrie übernommen. Es gibt in der modernen Medizin das bekannte Phänomen, dass Studien zur Wirksamkeit von älteren Medikamenten plötzlich schlechtere Werte liefern, sobald es neue Medikamente auf dem Markt gibt. In ihrem Buch Die Wissenschaftslüge haben Goldacre und Gabler das auf eher amüsante als wertende Weise beschrieben. Solche Dinge werden aber ausgeblendet, um den Glauben an die Medizin vor allem bei denen zu erhalten, die sie sich zum Lebensinhalt gemacht haben. Auch das ist nicht verwerflich, denn der Glauben daran ist eine Grundvoraussetzung sowohl für den Arzt als auch für seinen Patienten. Für verwerflich halte ich nur, andere Ansätze zu diffamieren, um den Glauben an sie zu erschüttern. Letztlich hilft alles, was zur Heilung führt. Sogar Placebos. Sie sind eine wunderbare Sache. Sie regen die Selbstheilung an, ohne Nebenwirkungen hervorzurufen. Außer sie enthalten Stoffe, die zwar nicht als Wirkstoff deklariert sind, aber dennoch eine Wirkung hervorrufen. Mit der überzeugten Erklärung "das ist doch nur ein Placebo" die beabsichtigte Wirkung zu zerstören, halte ich für eine bewußte, wenn auch nicht unbedingt gewollte Schädigung der Gesundheit. Es sei dahingestellt, ob dahinter eine monetäre Absicht, missionarischer Eifer einer (nichtreligiösen) Glaubensrichtung oder einfach ein verletztes Ego steht.

Wirklich weiter kommen wir nach meiner Überzeugung nicht einfach durch immer bessere Diagnostik, sondern durch die Rückkehr zur Achtung des Menschen, zu Mitgefühl und Zuwendung. Und das nicht nur auf medizinisches Personal bezogen.

mmaas'ai


schnattergusche

jetzt lässt du aber wieder schwer nach. Zunächst gibst du mir prinzipiell recht, um dich dann bei deinen Einschränkungen auf Allgemeinplätze zurück zu ziehen!

Noch mal: ich habe mich von den Ausführungen von Klaus F. nicht persönlich angegriffen gefühlt. Meine Absicht war, sie zu korrigieren, weil sie nicht nur falsch sind, sondern auch potentiell gefährlich. Hier lesen jede Menge Leute mit, die etwa Homöopathie mit Naturheilkunde gleichsetzen. Wenn dann noch behauptet wird, ein Heilpraktiker habe "im Prinzip die selbe Ausbildung wie ein Arzt", ist das eine Mischung, die durchaus lebensgefährlich sein kann!

Übrigens: jeder (allgemeinärztlich tätige) Arzt beginnt mit der Diagnose, wenn der Patient zur Türe hereinkommt; und: kein System hat jemals einen Patienten geheilt.

Grüsse vom Maasai

sZchnatterNguxsche


Schade. Du hast entweder meinen (zugegeben etwas langen Text) nur überflogen, oder nicht verstanden. Wenn Du erwartet hast, dass ich eine Position ausschließlich für oder gegen Dich beziehe und keine Anstufungen machen würde, habe ich Dich sicher enttäuscht. Dann aber mit Absicht.

Übrigens: jeder (allgemeinärztlich tätige) Arzt beginnt mit der Diagnose, wenn der Patient zur Türe hereinkommt

Och, das ist jetzt so eine Aussage, die Du sie Klaus F vorwirfst. Sie ist nicht nur völlig pauschal, sondern auch falsch. Oder ich habe das vergangene Wochenende im falschen Film gesessen. In kurzen Worten: Notfallklinik, flüchtiger Blick der Allgemeinärztin, Diagnose, medikamentöse Therapie, Verschlimmerung. Nochmal Notfallklinik, Kopfschütteln des Spezialisten, Ersatz des Medikaments, Linderung der Beschwerden schon nach einem halben Tag.

... und: kein System hat jemals einen Patienten geheilt.

Kannst Du erklären, wie Du das gemeint hast? Hättest Du behauptet, dass kein System jemals alle Patienten geheilt hätte, würde ich sofort mitgehen. Wenn Du die Heilung auf die Selbstheilung zurückführst und ein davon unabhängiges Konstrukt (z.B. Gesundheits- oder Therapiekonzept, wirtschaftliches oder Verfahrenssystem) als das betrachtete System bezeichnest, kann ich es sicher verstehen. Aber in dieser Pauschalität kann ich dieser Aussage keine Wahrheit andichten.

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