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Wobenzym N & Phlogenzym

T!h5anaptoxs hat die Diskussion gestartet


Hallo,

durch meine Freundin kam an das Präparat Wobenzym N. Soll ja bei Entzündungen wunder wirken. Tut es auch und in verschiedenen Kommentaren und Beiträgen im Internet hört man nur sehr Positives darüber. Als Alternative zu Wobenzym N gibt es vom selben Hersteller das Phlogenzym. Kann mir einer darüber mehr Auskunft geben, was es mit diesem Präparat auf sich hat? Beide sind ja arg teuer. Schon alleine diese Tatsache läßt eine regelmäßige Einnahme nicht zu. Was meint ihr?

Gruß

Antworten
Reetxra


Ich frag mich nur immer...

...wie diese Enzyme überhaupt an ihren Wirkort kommen sollen. Bekanntlich werden ja Proteine bereits im Magen in mehr oder weniger lange Peptidketten gespalten, die dann im Anfangsabschnitt des Dünndarms endgültig in einzelne Aminosäuren zerlegt werden. Und selbst wenn aus irgendwelchen Gründen dieses Enzym dieses unbeschadet überleben sollte, wie sollte es dann durch die Darmwand kommen? Denn zum Glück ist diese ja, außer sie ist stark geschädigt, für Peptidketten absolut dicht!

Kann mich mal jemand bitte aufklären ???

Tshanatxos


Interessante Frage ...

habe mich auch schon gefragt, ob und wie diese Enzyme wirken. Immerhin kosten sie eine Menge Geld. Meine Freundin schwört darauf. Ich muß mir den schnellerne Heilungserfolg irgendwie einbilden. Aber wie unterscheiden sich nun beide Präparate? Der Preisunterschied ist ja erheblich.

T;err@anexr


Re: Enzyme

Phlogenzym besteht aus einem Enzymkomplex der Ananas (Bromelain) und Trypsin (Ein Enzym, welches der *gesunde* Mensch in ausreichendem Maße selbst produziert. Die Firma Mucos gewinnt es vom Schwein.) Darüber hinaus enthält Phlogenzym. das Flavonoid Rutosid, welches u.a. die Gefäßwände stabilisiert.

Diese drei Bestandteile sind auch im Wobenzym enthalten, allerdings nur in halber Dosis. Wobenzym enthält allerdings noch zusätzlich Papain (ein aus der Papaya gewonnenes Enzym) und Pankreatin.

Betrachtet man aus dieser Sicht das "Preis-Leistungs-Verhältnis" ;-) ,dann erscheint mir Phlogenzym etwas zu teuer, zumal es -wie gesagt- kein Papain enthält. Ich bevorzuge daher Wobenzym. Es ist als 800-er Großpackung schon für unter 100 EUR zu bekommen.

Wobenzym hat sich nicht nur bei Entzündungen, Gelenkbeschwerden und Sportverletzungen bewährt. Es unterstützt auch die körpereigenen Abwehrkrafte wirkungsvoll bei Virusinfektionen und wirkt chronischen Krankheitsverläufen entgegen. Es ist allerdings nicht rezeptfähig, weil es mehr als drei Wirkstoffe enthält. (So will es die Bürokratie)

Phlogenzym kann ärztlich verordnet werden, ist aber nicht rezeptpflichtig.

Beide Enzympräparate sind magensaftresistent, können also im Magen nicht zerstört werden. Und das ist der entscheidende Punkt. Enzyme sind ja Proteide d.h. komplex aufgebaute Eiweiße. Es ist inzwischen belegt, dass diese Enzyme zum großen Teil tatsächlich resorbiert werden, obwohl man das immer nicht so recht glauben wollte. Aber wissenschaftlich durchgeführte Experimente lassen hier keine Zweifel mehr offen: Sie passieren die (gesunde) Darmwand und nehmen im Körper unbeschadet ihre Aufgaben wahr.

Hierbei ist allerdings wichtig, sie nicht zeitgleich mit anderen Proteinen einzunehmen. Sonst funktioniert die Sache nicht richtig. Unser Körper (speziell das Enterische Nervensystem) ist viel intelligenter als wir glauben. Es "erkennt" Enzyme als *besondere* Eiweißverbindungen und reagiert darauf entsprechend. Nur der Magen kann nicht "differenzieren".

Man verträgt diese Enzyme besser, wenn die Gesamtdosis dreimal auf den Tag verteilt wird. Ansonsten ist (bei hoher Dosis) mit Blähungen und dergleichen mehr zu rechnen.

Tvhanaxtos


@Terraner

danke für Deine ausführliche Info. Das läßt für mich die Sache doch schon ein bißchen besser verstehen. Nur finde ich 100 Euro für 800 Pillen Wobenzym auch sehr teuer, wenn man sie regelmäßig -als Prophylaxe- einnehmen will. Wenn ich das richtig verstanden habe, dann ist das Phlogenzym bei Konkreten Verletzungen oder anderen Beschwerden hilfreicher weil höher dosiert?

R5etrxa


Sorry...

...aber jetzt versteh ich noch weniger. Wieso sind denn diesen Enzympräparaten Pankreasenzyme beigemischt, die normalerweise nur bei Pankreasinsuffizienzen eingenommen werden müssen? Gerade diese Enzyme sind doch für Proteinspaltung zuständig und können bestimmt nicht "intelligent" denken, fangen also wahrscheinlich sofort nach der Magenpassage mit der Verdauung der gleichzeitig eingenommenen Ananas- und Papayaproteine an?

Oder umgekehrt, denn Bromelain und Papain sind selbst ja auch proteinspaltende Enzyme.

Mich würde diese Studie schon sehr interessieren, denn mir ist kein einziges Carriersystem bekannt, das einen Proteintransport durch die Darmwand und vor allem IN DIE GEFÄSSE zuwege bringt!

Meiner Meinung nach kann diese Art von Enzymkur nur bei Injektion funktionieren, die parenterale Gabe hilft höchstens bei Verdauungsproblemen ;-)

Tve[rranxer


@ Retra

Gerade diese Enzyme sind doch für Proteinspaltung zuständig und können bestimmt nicht "intelligent" denken

Der menschliche Körper (speziell das Enterische Nervensystem) leitet einen "intelligenten" Resorptionsmechanismus ein, der oral zugeführte proteolytische Enzyme als solche erkennt, die nicht erst in Aminosäuren zerlegt werden müssen, weil sie ja bereits schon in wirksam-komplexer Form vorliegen. Die Enzyme selbst "denken" nicht autonom, sondern sind nur Mittel zum Zweck.

Mich würde diese Studie schon sehr interessieren

Es sind noch nicht alle Detailfragen restlos geklärt. Vom Prinzip her gilt die orale Resorptionsfähigkeit proteolytischer Enzyme jedoch als erwiesen. Findest du dich im Internet-Dschungel zurecht? Dann setz mal hier an:

[[http://www.mucos.de/homedeutsch/wissenschaft/pharmakologie/body_pharmakologie.html]]

Oder hier:

[[http://www.mucos.cz/ger/reuma/evibchpd.html]]

Oder gib bei Google die Stichwörter: Enzymtherapie + Prof. Wrba ein.

T`e~rraxner


Ergänzung

Die vorgeschlagene Begriffskombination bringt nicht viel Informatives ans Licht. (Nur über FTP)

Besser wäre das Buch: "Enzyme - Wirkstoffe der Zukunft"

Von Wrba/Pecher Orac Verlag ISBN 3701502978

R^e.trxa


Vielen Dank -

- für die Links (was mich allerdings etwas daran stört, ist die Tatsache, daß es Untersuchungen von dem gleichen Pharmakonzern sind, der auch und anscheinend ausschließlich diese Präparate vertreibt). Was mich allerdings immer noch sehr interessieren würde, ist der Grund, warum es durch die Aufnahme dieser Enzyme nicht zu erheblichen Schädigungen innerhalb des Gefäßsystems kommt. Immerhin werden ja Pankreatiden und Pankreasnekrosen dadurch ausgelöst, daß die normalerweise als inaktiv ausgeschiedenen Vorstufen der Verdauungsenzyme schon innerhalb des Pankreas aktiviert werden und das Organ sich dadurch praktisch selbst verdaut.

Wieso kommt es dann innerhalb des Gefäßsystems nicht zu solchen Schädigungen?

Viele Grüße von (einer zugegebenermaßen etwas ungläubigen)

TPerr anxer


@ Retra

Tja - damit triffst du wohl den wunden Punkt, denn der Einwand ist berechtigt.

Aber wie gesagt: Einige Dinge sind hier aus wissenschaftlicher Sicht noch klärungsbedürftig. Ich kann dir die Frage im Moment jedenfalls nicht beantworten. Sicherlich gibt es eine plausible Erklärung dafür. Dass diese Enzyme in beschriebener Weise wirken, habe ich an mir selbst und andern Menschen erfahren. Es steht für mich daher außer Frage. Aber auch ich hätte gern gewusst, wie und warum das so funktioniert.

Wenn ich's herausgefunden habe, gebe ich dir Bescheid. :-)

R!e"tr?a


Hallo Terraner -

- das wär super, vielen Dank!:-)

Liebe Grüße -

moarcso_6


Rein pflanzlich

Als "light-Version" zu Wobenzym/Phlogenzym könnte man unter Umständen auch auf "Granozym" zurückgreifen.

Diese Lutschtabletten enthalten die Enzyme Bromelin und Papain; allerdings in weit geringerer Dosis. Die Resorption erfolgt hier weitgehend über die Mundschleimhaut. Das Zeug schmeckt angenehm fruchtig, hat aber einen stolzen Preis.

Wer unter chronischem Mundgeruch leidet, dem ist es sehr zu empfehlen. Ich habe dieses Problem Gott sei Dank nicht, kenne aber Leute, die damit gute Erfahrung gemacht haben.

Gut ist es auch für diejenigen, die viel tierisches Eiweiß essen.

Die Enzyme unterstützen da merklich den Verdauungsprozess.

b"exrnd


@Retra, Terraner

Gerade diese Enzyme sind doch für Proteinspaltung zuständig und können bestimmt nicht "intelligent" denken, fangen also wahrscheinlich sofort nach der Magenpassage mit der Verdauung der gleichzeitig eingenommenen Ananas- und Papayaproteine an?

Oder umgekehrt, denn Bromelain und Papain sind selbst ja auch proteinspaltende Enzyme.

Daß die Enzyme sich nicht gegenseitig verdauen liegt daran, daß es sich nicht um simple Aminosäureketten handelt, an denen Endo-und Exopeptidasen angreifen können, sondern um komplexere Moleküle, die in der Regel durch Metallionen räumlich stabilisiert sind und somit keine Angriffsfläche für Proteasen bilden.

Was mich allerdings immer noch sehr interessieren würde, ist der Grund, warum es durch die Aufnahme dieser Enzyme nicht zu erheblichen Schädigungen innerhalb des Gefäßsystems kommt. Immerhin werden ja Pankreatiden und Pankreasnekrosen dadurch ausgelöst, daß die normalerweise als inaktiv ausgeschiedenen Vorstufen der Verdauungsenzyme schon innerhalb des Pankreas aktiviert werden und das Organ sich dadurch praktisch selbst verdaut.

Wieso kommt es dann innerhalb des Gefäßsystems nicht zu solchen Schädigungen?

Weil der pH-Wert im Gefäßsystem zu niedrig ist. Alle Enzyme haben ein Wirkungsoptimum in einem definierten pH-Bereich, da die entsprechenden Elektronenkonfigurationen für die aktive/inanktive Stufe durch Protonierung/Deptrotonierung, also durch pH-Änderungen, hervorgerufen werden. Verdauungsenzyme wirken hauptsächlich im alkalischen Bereich. Das Blut ist dafür zu sauer.

Nun mag man sich fragen, wieso diese Enzyme denn dann überhaupt wirken, wenn doch der pH-Wert im Blut dafür alles andere als optimal ist. Sicherlich ist hier noch viel Klärungsbedarf. Allgemein kann man aber davon ausgehen, daß in pathologisch verändertem Gewebe, wie man es ja bei Entzündungen und Traumatisierungen vorfindet, kein normales Milieu mehr herrscht. Möglicherweise werden die Enzyme direkt am Ort des Geschehens durch Zerfallsprodukte oder Mediatoren aktiviert.

TJeJrrzaner


@ bernd

Danke für die Information. Das klingt sehr einleuchtend.

Hältst du es für ausgeschlossen, dass die Enzyme im Lymphsystem aktiv werden könnten? Da herrscht meines Wissens nach ein höherer ph-Wert als im Blut. Proteolytische Enzyme sollen ja auch über die Eigenschaft verfügen Immunkomplexe aufzulösen.

Gruß

b.ernxd


@Terraner

Hältst du es für ausgeschlossen, dass die Enzyme im Lymphsystem aktiv werden könnten? Da herrscht meines Wissens nach ein höherer ph-Wert als im Blut.

Für ausgeschlossen halte ich es nicht, kann aber keine empirischen Untersuchungen dazu angeben. Theoretisch wäre es aber durchaus denkbar, denn das pH-Optimum funktioniert ja nicht nach dem Alles-Oder-Nichts-Prinzip, der pH-Wert ist ja nur eine Konzentrationsangabe. Die Protonenkonzentration wirkt sich aber stochastisch aus, d.h., je genauer die "richtige" Konzentration (also der optimale pH-Bereich) gegeben ist, desto wahrscheinlicher sind die funktionellen Aminogruppen am Enzymmolekül "richtig" protoniert. Ist der pH-Wert dagegen z.B. zu niedrig, dann sind "im Durchschnitt" zu viele negative Ladungen durch Protonen neutralisiert bzw. zu viele Aminogruppen positiv geladen, was aber nicht heißen muß, daß im Laufe der Zeit gelegentlich doch mal die "richtige" Konfiguration vorhanden ist. Dieser Fall ist dann halt im Zeitverlauf nur umso seltener, je stärker der aktuelle pH-Wert vom optimalen abweicht.

Resumee: die Reaktionsgeschwindigkeiten fallen außerhalb des jeweiligen Optimums zwar drastisch ab, trotzdem kann durchaus ein Substratumsatz stattfinden, wenn der Zeitfaktor groß genug ist, also über Tage z.B.

Proteolytische Enzyme sollen ja auch über die Eigenschaft verfügen Immunkomplexe aufzulösen.

Insbesondere pflanzliche Proteasen, wie Papain z.B. haben diese nützliche Eigenschaft. Aber auch hier wird nicht einfach "verdaut", wie im Darm, sondern der Immumkomplex wird an bestimmten nichtcovalenten Bindungsstellen und Disulfidbrücken des Immunglobulins abgespalten, wobei z.B. bei einem Immunglobulin der IgG-Klasse zwei Fab- und ein Fc-Fragment entstehen. An den beiden Fabs hängt dann das Antigen dran.

Da solche Immunkomplexe unaufgelöst schon durch ihre Gegenwart Entzündungen verursachen können (in Kapillaren und Nierenglomerula vor allem) ist der antiphlogistische Effekt von Enzymgemischen bereits durch die von Dir genannte Eigenschaft rational erklärbar. Ob sich die Enzymwirkung darin bereits erschöpft, ist sicherlich noch nicht in allen Details erforscht. Aber gerade darin liegt ja das Wesen der Alternativmedizin: der Wirkungsmechanismus solcher Methoden ist nach der jeweils gültigen Lehrmeinung zwar (noch) nicht genügend begründet, er sollte aber meines Erachtens zumindest zwei Kriterien erfüllen, um nicht zu einer reinen Glaubensfrage zu werden, nämlich:

1. nicht im Widerspruch zu gesicherten Erkenntnissen stehen und

2. zumindest in Begriffen von plausiblen Naturgesetzmäßigkeiten erklärbar sein.

Wenn man nun die elementaren Mechanismen von Enzymen zugrundelegt (was ich hier darzustellen versucht habe), sehe ich beide Kriterien erfüllt. Die Wirkung von Enzympräparaten kann somit bereits aus logischen Gründen nicht als reiner Placeboeffekt abgetan werden, sondern verdient einer systematischen Erforschung.

Gruß

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