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Starkes Nachleuchten oder Farbsehproblem?

SwtefSan1984xHL


Bitte beschreibt mir mal eure Sypthome. Ihr habt zwar gesagt, dass ich das Selbe habt wie ich, aber mich würde interessieren, wie euer eigenes Empfinden dafür ist.

Würdet ihr das machen?

JHaba


Hallo zusammen,

Hallo Stefan,

dann versuchen wir es mal zu beschreiben. Also ganz grundsätzlich gibt es keinen grossen Unterschied zwischen negativen Nachbildern von "normal" Sehenden und meinen Nachbildern.

Schaut man 20 – 30 Sekunden starr auf ein Objekt und sieht danach konzentriert eine weisse Wand an, so erscheint kurz darauf das Nachbild in komplementären Farben. Es wird etwas stärker und klingt danach wieder ab. Dabei wird das Nachbild, je nach Abstand zur "Projektionsfläche", grösser oder kleiner. Ein Beispiel könnt ihr hier ausprobieren:

[[http://www.digitalefolien.de/biologie/mensch/sinne/nachbild.html#]]

Wenn ihr auf die olympischen Ringe klickt, dann erhaltet ihr zuerst das normale Bild und bei erneutem klicken eine weisse Projektionsfläche. Geht ihr nun mit dem Kopf weiter vom Bildschirm nach hinten, so wird das Nachbilder ebenfalls grösser.

Ich sehe also genau diese Nachbilder, jedoch benötige ich dazu keine 20 sondern höchstens 2 Sekunden ansehen. Dies kann nun z.B. beim lesen stören oder, wie Du erwähnst, an Ampeln, an denen die Autofahrer auf der Bremse stehen bleiben. In diesem Fall gibt es beim wegschauen ein lila / grünliches Nachbild der Bremslichter, wenn man z.B. in den bewölken Himmel sieht.

Zudem bin ich sehr Lichtempfindlich geworden. Eine weisse Hauswand sieht für mich z.B. bei Sonnenschein sehr grell aus. Ich denke hier gibt es mögliche Zusammenhänge. Ebenfalls "brennt" sich ein Fotoblitz stark in meine Wahrnehmung ein und braucht einige Minuten, bis er wieder weg ist.

Es wurde mir berichtet, dass es einen Filter vor der eigentlichen Wahrnehmung gibt, der Nachbilder normalerweise ausblendet. Dieser könnte z.B. durch eine Migräne oder psychische Probleme (u.a. auch Stress) "gestört" sein.

Ich hoffe, das hilf weiter. Bin gespannt auf Eure Berichte.

Gruss, Jaba

B=rit^8x2


Hallo Ihr zwei!

Also, bei mir hat alles nach einer ziemlich Stressphase begonnen, allerdings hatte ich keinen körperlichen Stress sonder seelisch, und das ziemlich stark! Ich hatte wieder dieses Flimmern auf dem linken Auge, dann die Glaskörpertrübung und dann diese Nachbilder! Ich muss auch nur kurz eine stärkere Farbe ansehen und dann schaue ich auf eine weisse Wand oder den weissen Teppich, sehe ich die Farbe nochmal, allerdings nicht immer in der Komplementärfarbe. Es ist auch so, das ich wenn ich in das Waschbecken sehe, flimmert der Abfluss rechts und links nochmal auf! Das ist echt schwierig zu erklären. Vor allem sehe ich so kleine blitzende Pünktchen wenn ich in den Himmel schaue. Eigentlich brennt sich wirklich alles in meine Netzhaut ein, egal was und ich sehe bei jeder Augenbewegung das Licht, die Farbe usw. nochmal nachleuchten. Am schlimmsten ist es beim Fotografieren, es dauert sehr lange bis ich den Blitz nicht mehr sehe! Angeblich ist das Migräne. Jetzt habe ich aber wieder gehört das die Netzhautzellen aufgrund von niedrigem Blutdruck nicht genug versorgt werden und dann anfangen zu spinnen. Ich weiss nicht mehr weiter, ich versuche auch das alles zu ignorieren, aber das ist schwer! Grüsse Britta

T:DK


re:

Die hier beschriebenen Phänomene sind auf die hyper-Erregbarkeit des visuellen Kortexes zurückzuführen. Es noch nicht ganz klar warum das so ist, aber wahrscheinlich liegt es an der nicht dämpfenden Reizübermittlung GABAergitischer Interneuronen.

Auf deutsch gesagt: Es ist die verstärkte Wahrnehmung bereits vorhandener Seheindrücke: hierzu gehören Palinopsie (Nachbilder), mouches volantes (Glaskörpertrübungen) und das sog. Scheerer Phänomen (die kleinen hellen Leuchtpunkte, die man beim Blick in den blauen Himmel sieht - eigentlich retinale Leukozyten, d.h. weiße Blutkörperchen). Wie bereits oben erwähnt gibt es hierfür eine Reihe von Ursachen: Stress, Migräne, einige Antidepressiva, ein Fruchtbarkeitsmittel (Clomifen) u.a.

S2te&fan19x84HL


Ok, das ist schön zu wissen, aber kann man was dagegen machen, bzw. geht das irgendwann mal wieder weg??

BWrixt82


Hallo TDK!

Woher weisst Du das ???

T,DK


re:

Ich kenne Einzelfälle in denen die Symptome in komplette Remission gingen, d.h. verschwunden waren. Leider kenne ich weitaus mehr Betroffene die das sehr lange haben. Die meisten kommen aber damit ganz gut zurecht.

Es sind div. Migräneprophylaxemittel ausprobiert worden, leider zumeist ohne Erfolg. Ein Medikament das in Einzelfällen geholfen hat war clonazepam (ein Antikonvulsivum und auch ein starker Angstlöser - hat aber starkes Suchtpotenzial, ist ein langwirksamer Benzodiazepin).

Was mich interessieren würde: Wird nachts vollständig schwarz gesehen? Oder ist das Blickfeld von einem Feld sehr kleiner jedoch diskreter Leuchtpunkte (zumeist bläulich-violett) überzogen?

Btrit8x2


HALLO TDK!

Bist Du Arzt oder Krankenschwester/pfleger?? Woher weisst Du das alles? Kann das denn was schlimmes sein ??? Ja, manchmal sehe ich einen blauen Leuchtpunkt im dunklen, aber nur einen!

B&rOixt8x2


Nomal an TDK!

Ne, Du hast Recht, manchmal sinds auch mehrere kleine aufblitzende Leuchtpunkte, bläulich-violett!!! Was bedeutet das ???

TwDK


re:

Es bedeutet gar nichts. Die Leuchtpunkte nennt man Eigenlicht oder Eigengrau, und ist die Folge zufälliger Entladungen der Sehzellen.

Es ist nichts "defekt" oder krankhaftes per se. Ich gehe davon aus, dass eure Augen gesund sind. Ihr müsst Euch das eher als Wahrnehmungsverschiebung vorstellen. Das klingt vielleicht esoterisch, ist aber nicht so gemeint. Durch einen von verschiedenen möglichen Auslöser hat euer Sehzentrum sich auf "sehr empfindlich" eingestellt. Was folgt ist die bewusste Wahrnehmung sog. entoptischer Phänomene. Diese werden zumeist vom Sehzentrum (evtl. auch schon vorher) ausgefiltert. Dieser Filter ist bildhaft gesprochen dünner geworden und so erfolgt die Wahrnehmung dieser Eindrücke.

Ihr brauch aber keine Angst zu haben. Von den hunderten von Betroffenen mit denen ich in den letzten Jahren gesprochen habe ist nicht einer erblindet oder arbeitsunfähig geworden. Viele haben aber bemerkt, dass es Ihnen leichter fällt wenn sie versuchen es möglichst zu ignorieren.

JHabxa


Hallo TDK,

das sind sehr interessante Informationen. Ich würde mich nun aber dafür interessieren, wie man diese Wahrnehmungsgrenze wieder nach oben korrigiert bzw. wie es überhaupt zu einer Änderung kommen konnte. Sind da in der Menge der Betroffenen Muster zu erkennen (psychische Belastungen, Migräne, Stress)?

Ganz ehrlich gesagt finde ich das trotz allem recht spannend. Ich gehe mal davon aus, dass Du selber nicht von diesem Problem betroffen bist. Bei Deinen umfangreichen Kontakten müsste es aber doch mehr oder weniger erfolgsversprechende Behandlungsalternativen gegeben haben. Ich denke da gar nicht an das erwähnte clonazepam sondern vielmehr an Entspannungsübungen, Umstellungen in der Ernährung o.ä. um den Stoffwechsel zwischen den Nervenzellen wieder zu normalisieren.

Letztlich würde mich noch interessieren, wie viel Menschen schätzungsweise von solch einer Problematik betroffen sind. Vielleicht hast Du auch hier nähere Informationen.

Danke und Gruss, Jaba

TSD6K


re:

>>Ich würde mich nun aber dafür interessieren, wie man diese Wahrnehmungsgrenze wieder nach oben korrigiert

Kenne keine wirklich durchgreifende und universelle Therapie

>>bzw. wie es überhaupt zu einer Änderung kommen konnte

Es gibt verschiedene Theorien: Zum einen die Theorie einer 5HT2a Rezeptor Blockade und zum anderen einer sog. Migräne Aura Status, d.h. eine atypische Migräneaura die länger als 72 Stunden anhält.

>>Sind da in der Menge der Betroffenen Muster zu erkennen (psychische Belastungen, Migräne, Stress)?

Allerdings. Die Komorbidität mit div. psychischen Erkrankungen ist sehr hoch, insbesondere div. Angststörungen. Außerdem gibt es eine große Gruppe mit Migränevorbelastung, dh. regelmäßige Migräneanfälle mit und ohne Flimmerskotom. Interessanterweise haben viele seitdem sie diese Sehstörungen haben keine klassische Migräne mehr.

>>Ich denke da gar nicht an das erwähnte clonazepam sondern vielmehr an Entspannungsübungen, Umstellungen in der Ernährung o.ä. um den Stoffwechsel zwischen den Nervenzellen wieder zu normalisieren.

Ich kenne leider nichts. Psychische Entlastung bringt manchen Betroffenen manchmal etwas Linderung (weniger jedoch denen mit Migränevergangenheit). Wie gesagt, es ist viel ausprobiert worden, insbesondere an Nahrungsergänzungen aber auch an "harten" Antikonvulsiva - leider zumeist ohne Erfolg.

>>Letztlich würde mich noch interessieren, wie viel Menschen schätzungsweise von solch einer Problematik betroffen sind. Vielleicht hast Du auch hier nähere Informationen.

Schwer zu sagen. Es ist schon relativ selten. Ich hatte persönlich Kontakt mit vielen. Habe insgesamt von ca. 1000 Fällen gehört (es gibt aber sicher weit mehr).

Was vielleicht auch interessant ist: Es gibt im DSM-IV (das amerikanische Diagnostikschema für "mentale Störungen" die Diagnose HPPD (Diagnostic Code 292.89). HPPD steht für Hallucinogen Persisting Perception Disorder und ist gekennzeichnet durch die langanhaltende Wahrnehmung von Eindrücken, die denen unter Halluzinogeneinfluß ähneln. Die Betroffenen berichten über sehr ähnliche Symptome wie ihr. Dies wurde als Hinweis auf den gleichen Wirkmechanismus gewertet.

Ich kenne aber auch Betroffene die durch intensive Meditation diese veränderte Wahrnehmung "erreicht" haben und die das teilweise als Pforte zu tieferen Bewusstseinsebenen ansehen.

S:te/fa.n19x84HL


Das hört sich alles so an, wie z.B. bei einer winzigen Beule im Auto. Wenn man weiß, dass sie da ist, sieht man sie ständig. Wenn man es jedoch nicht weiß, bemerkt man sie garnicht.

So kann man das doch auf die Augen übertragen und auch auf viele Angststörungen übertragen. Wenn man einmal etwas bemerkt oder erlebt hat, prägt sich das in unser Gedächnis ein und ist mehr oder weniger unser ständiger Begleiter.

Die einzige Möglichkeit diese Effekte, bzw. Sympthome mit den Augen nicht mehr zu bemerken wäre wohl, es nie "gesehen" zu haben. Meditation und Medikamente ändern ja nichts daran, dass wird wissen, das da was ist.

Mir ist aufgefallen, wenn ich mal überhaupt nicht dran denke und das vollkommen "vergesse", sei es auch nur für einen Moment, dann bemerke ich die Sympthome garnicht mehr. Wenn ich aber anfange das ganze wieder zu beobachte, also ich denke mir, hey, du siehst ja "normal", dann sind die beschwerden gleich wieder da.

Wahrscheinlich sollten wir versuchen damit so gut es geht zu leben....

J}axba


Hallo zusammen,

ich finde Stefan spricht einen guten Punkt an. Das Problem ist, dass es für einige erst dann "normal" ist, wenn es "nicht normal" ist. Daran sollte man arbeiten, aber wie?

Zunächst ist es wirklich toll, wie viel brauchbare Information sich hier in wenigen Tagen gefunden hat. Einiges davon kannte ich bereits in leichten Variationen. Gibt es nicht eine Quelle, die diese ganzen Informationen zusammenfasst? Vielen Leuten, darunter auch Ärzte, die noch nichts von diesem Problem gehört haben, würde eine umfassende Quelle sehr viel nutzen und damit auch dem Patienten. Die Informationen sind leider sehr weit verstreut oder unzugänglich aufbewahrt. Wir konnten auch gerne zusammen an einer Zusammenfassung arbeiten.

Gibt es ansonsten einen Überblick über die Altersverteilung der Betroffenen?

Gruss, Jaba

M ar|oni


Hallo,

besonders die Beiträge von TDK finde ich sehr informativ.

Ich bin erst 16 Jahre alt und nehme "entoptische Phänomene" oder was auch immer wahr. (Blitze, Farbpunkte, Farbflecke ...) Besonders bläulich-violett.

Auch der Blick an helle Wände ist nicht gerade der schönste. Zudem habe ich Muchos Volantes.

Die Augenärztin sagte, dass der der Gläskörper etwas an der Netzhaut zieht, was durch den Kreislauf beeinflusst sein kann.

Wenn man einmal darauf achtet, ist es nicht leicht, dies zu ignorieren.

ABER MAN MUSS DAS NICHT SEHEN

Als ich letzten Samstag z.B. fast den ganzen Tag unterwegs war, Zugfahrt nach Venlo und dort bummeln und shoppen, habe ich die Symptome nicht gemerkt, erst als ich wieder daran dachte.

Es ist unglaublich. Wenn man sich doch einfach immer so ablenken könnte.

Im Sommerurlaub wirds bestimmt klappen.

Ich würde mich über eine weitere konstruktive Diskussion zu diesem interessanten Thema freuen.

mfg Gerrit ;-)

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