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Schwerste Sehstörungen nach Sportunfall bei meinem Freund

Jpulia=-10 hat die Diskussion gestartet


Ich bin momentan doch sehr verzweifelt. Mein Freund hatte einen schweren Sportunfall (Kieferfraktur, Jochbeinbogenfraktur und Orbitabodenfraktur). Der Gesichtschirurg hat alles sehr gut wieder hinbekommen und man sieht von den Verletzungen kaum noch etwas. Nur durch den Bruch des Orbitabodens hat er zur Zeit schwerste Sehstörungen auf dem rechten Auge, mit für ihn fast unerträglichen Doppelbildern. In der Augenabteilung der Klinik wurden sehr viele Messungen durchgeführt und er trägt jetzt auf seinem rechten Brillenglas eine Prismenfolie (45 cm/m) , aber es ist für ihn unerträglich. Jede Woche muss er zur Nachuntersuchung zur Klinik. Das Auge ist noch ziemlich bewegungseingeschränkt und es soll besser werden mit der Zeit. Fernsehen kann er nur wenige Minuten, dann nimmt er seine Augenklappe und nur mit dem linken Auge gehts ihm besser. Er geht auch zur Zeit kaum noch raus, weil er immer auf seine Brille angesprochen wurde. Ich bin richtig verzweifelt !

Antworten
WoaJterrlxi


Es ist eigentlich nicht schädlich, wenn er manchmal nur mit dem linken Auge guckt. Nach einer gewissen Eingewöhnungszeit müsste das gehen, viele Leute sehn ja nur mit einem Auge und immer noch besser, als wenn es ihn ständig stört. Dass dein linkes Auge sich mehr anstrengt, wird wohl auch ohne Augenklappe so sein.. am besten ihr fragt mal beim Arzt, ob er die Augenklappe nicht ständig tragen kann (weiß nicht, ob das linke davon kurzsichtiger werden kann bei Erwachsenen... oder ob das damit gar nichts zu tun hat).

Haben die denn was gesagt ob das noch weggeht? Wie gesagt, nur mit einem Auge dürfte nicht schlimm sein... ich hab das auch, allerdings fast von Geburt an, und ich darf Autofahren damit. Es gibt auch Basketballprofis und alles Mögliche, die nur mit einem Auge was sehen. Also man weiß ja, ob was räumlich ist, da muss man nicht unbedingt räumlich sehen können, nur bei bestimmten Berufen geht es nicht.

JTu|lia- 10


Er soll es nicht, damit das Auge wieder deine Beweglichkeit zurückbekommt, so hab ich es wenigstens verstanden. Aber es ist für ihn fast unerträglich, mit beiden Augen zu sehen. Ich bin einfach nur noch traurig, weil er sich auch psychisch sehr verändert hat.

TBi4kkxa


Es ist leider so, dass die Menschen sich bei Krankheit auch psychisch verändern. :°_

OOrthopctistxin


Das was dein Freund jetzt braucht ist Geduld! Bei einem Bruch des Orbitabodens kommt es dazu, dass in die Bruchstelle Gewebe eingeklemmt wird. Dieses Gewebe wird man versucht haben bei der ersten OP zu befreien. Leider kommt es dann zu Narbenbildungen, die die Beweglichkeit des Auges weiter einschränken. Da er eine so starke Prismenfolie trägt scheint die Bewegungseinschränkung relativ stark ausgeprägt zu sein.

Anfangs ist es sehr gut möglich dass es noch zu Verbesserungen der Situation kommt. Wie lange ist denn der Unfall her und wann war die letzte OP in diesem Gebiet? Es ist aber eher unwahrscheinlich, dass das ganze ganz weggeht...

Bleiben die Bewegungseinschränkungen dann stabil, kann man über eine "Schiel-OP" nachdenken (denn durch die Bewegungseinschränkung entsteht eine Schielstellung). Leider kann man durch so eine OP nicht die Beweglichkeit des Auges wiederherstellen, aber man versucht ein Feld aufzubauen, wo dein Freund wieder einfach sehen kann. Dieses Feld sollte so groß sein, dass er auch wieder Autofahren darf (was er übrigens im Moment nicht darf!). Ganz Doppelbildfrei (d. h. in jeder Blickrichtung) kann man es in der Regel nicht erreichen!

Jetzt werde ich versuchen dir zu erklären, wie dein Freund sieht. In der Regel kommt es bei solchen Frakturen zu einer Bewegungseinschränkung des Auges nach oben und nach unten (anderes ist natürlich auch möglich!). Schaut dein Freund also jetzt nach oben, bleibt das rechte Auge stehen es entstehen vertikale Doppelbilder, schaut er nach unten gehen diese Doppelbilder in die andere Richtung! Also überall Doppelbilder, die sich ständig ändern - man kann sich also noch nicht mal irgendwie daran gewöhnen! Es ist auch möglich, dass er dadurch Schwindelgefühle bekommt! Du kannst dir das selbst ein bisschen simulieren, indem du von unten gegen eines deiner Augen drückst. Dann siehst du auch doppelt. Und jetzt stell dir vor: wenn du mit jemanden sprichst und den Kopf bewegst, dann wechselt ständig dieses Doppelbild! Das nervt tierisch! Auch mit der Prismenfolie ist ein stabiler Ausgleich wahrscheinlich nicht gut möglich. Schon allein dadruch dass die Sicht durch eine so starke Primenfolie eingeschränkt ist, sind die Doppelbilder ja in jeder Blickrichtung wechselnd - also wahrscheinlich auch nicht perfekt! Ich kann gut verstehen, dass er momentan keinen Bock hat groß wegzugehen! Es ist echt belastend.

Dass er meistens lieber mit einem Auge schauen möchte ist absolut okay und schadet ihm gar nicht! Es erleichtert ihm eher die Situation! Wann ist denn geplant über ein weiteres Vorgehen nachzudenken?

Sollte er extrem gestört sein, gibt es auch die Möglichkeit einer sogenannten Okklusionslinse. Dabei handelt es sich um eine Kontaktlinse, durch die man nicht durchsehen kann. Also wie wenn er das Auge zugeklebt hat, bzw. die Klappe trägt (nur für andere ist es halt nicht erkennbar!). Das könnte für ihn vorübergehend eine Möglichkeit sein, wenn er so arg gestört ist.

Ansonsten sollte er viel in die betroffenen Blickrichtungen schauen (dorthin wo die Doppelbilder am weitesten auseinander sind). Je nach dem wie lange das ganze her ist, kann man tatsächlich noch mit Übungen ein bisschen Bewegungsverbesserung erreichen. Dabei ist es aber egal, ob das Auge zugeklebt ist oder nicht!!!!

Hab Geduld - es wird auch wieder anderst! Er hat es echt schwer und braucht eine Freundin, die zu ihm steht und ihn versteht! Er wird momentan sicher auch darüber nachgrübeln ob er wieder der alte wird. Er wird sich Sorgen darüber machen, was das ganze für seine Zukunft für Konsequenzen hat. Du hast geschrieben, dass es ein Sportunfall war. Er wird sicher auch überlegen ob er wieder Sport machen kann. Was war denn das für ein Sport?

Es steht für ihn auch tatsächlich einiges auf dem Spiel und wir würden uns doch in seiner Situation auch darüber nachgrübeln.

Wo seid ihr denn in Behandlung? Ist es eine auf Schielen spezialisierte Klinik?

Liebe Grüße

J8ulixa-10


Ich bin doch sehr überrascht, hier so kompetente Antworten zu bekommen. Vielen Dank an die Orthoptistin. Und ich bewundere ihr Engagement hier.

Der Unfall passierte vor 6 Wochen bei einem Hallenfußballturnier. Glück im Unglück war, dass die Rettungssanitäter die Verletzung sehr schnell richtig beurteilt haben und ihn sofort in eine berufsgenossenschaftliche Unfallklinik gebracht haben. Entlassung nach 4 Wochen, alles ist sehr gut von den Gesichtschirurgen "geflickt" worden, so dass man äußerlich fast nichts mehr sieht, mit Ausnahme eines starken Gewichtsverlustes, bedingt durch seine Kieferfraktur. Danach eine Überweisung in die Augenklinik mit einwöchigem Aufenthalt und einem kleinen operativen Eingriff. Es ging wohl um Vernarbung und Fettgewebe in der Augenhöhle. Sein Sehvermögen wurde danach fast täglich von den Augenärzten und Orthoptistinnen überprüft und vermessen. Also beste medizinische Versorgung! Einmal wöchentlich muss ich ihn zur Sehschule fahren, an Autofahren und Sport denken wir momentan am wenigsten. Die Folie ist wohl sehr beeinträchtigend, aber man hofft, dass durch die Zeit eine Verbesserung eintritt. Prognosen will niemand machen.

Ogrthopti-stin


Ganz ehrlich? - Nach 6 Wochen wird sich eher keine gravierende Änderung des Befundes mehr einstellen... Es wird jetzt abgewartet, dass das Ganze sich "beruhigt", dann kann man einen weiteren Eingriff (nochmal eine kleine Schiel-OP) planen. Wie oben schon geschrieben geht es dann bei diesem Eingriff darum ein Blickfeld zu erreichen, in dem dein Freund einfach sehen kann. Schafft er es denn mit der Folie kurzzeitig einfach zu sehen, oder ist das Bild auch verkippt?

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