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Probleme nach Schiel-OP

C#hrbisx_84 hat die Diskussion gestartet


Hallo,

ich bin 29 und hatte am Montag, 20.01. eine Schiel-OP bei der das Außenschielen meines linken Auges korrigiert wurde. Laut Aussage meiner Eltern schiele ich seit frühester Kindheit und war lange in einer Sehschule. Dort wurde das rechte Auge zukeklebt. Dennoch hat sich eine leichte Ambyopie im linken Auge entwickelt. Links sehe ich 80% und rechts 100% (mit Brille).

Vor der Schiel-OP habe ich immer alterniert, d.h. wenn ich mit rechts geguckt habe, schielte das linke Auge nach außen weg und umgekehrt.

Seit der OP sehe ich auf dem linken Auge deutlich schlechter, alles ist leicht verschwommen. Ich habe gelesen, dass dies ein normaler Effekt der OP ist und sich nach einiger Zeit wieder legt. Stimmt das?

Zudem passiert nun wenn ich mit dem rechten Auge schaue folgendes: Anstatt nur das Bild des rechten Auges zu sehen, so wie vor der OP, sehe ich nun auch einen Teil des Bildes des linken Auges. D.h. auf dem Bildschirm sehe ich die linke Hälfte verschwommen und die rechte scharf. Schließe ich das linke Auge, ist alles scharf.

Ich bin mir nicht sicher ob dies eine gute oder schleche Entwicklung ist. Mir wurde mal von einem Augenarzt gesagt, dass ich kein Simultansehen habe, aber offensichtlich werden ja doch die Seheindrücke beider Augen verarbeitet. Ich sehe auch keinerlei Doppelbilder.

Diese neuen Sichtweisen irritieren mich. Besteht Hoffnung, dass man sich daran mit der Zeit gewöhnt?

Viele Grüße

Chris

Antworten
Sfmaroagda!uxge


Ich hatte mit 21 auch so eine OP. Ob ich danach eine Sehverschlechterung hatte, weiß ich nicht. Aber Deine OP ist doch gerade erst 4 Tage her! Gib Deinem Gehirn doch erst mal die Chance, sich an die neuen Reize zu gewöhnen.

Trägst Du KL oder eine Brille? Eine Brille ist auf jeden Fall besser, weil sie die Augen "zusammenhält". Mir wurde damals auch gesagt, unbedingt mit beiden Augen gucken üben und trainieren. Ob Du mit beiden Augen gleichzeitig schaust, das lässt sich einfach herausfinden. Ich habe meine Brille genommen und mit dem Daumen auf dem einen Glas von oben nach unten gewischt und auf dem anderen Glas von rechts nach links. Also dass man so ein bisschen Schlieren auf den Gläsern hat. Dann Brille aufsetzen und in ein Licht schauen. Wenn Du mit beiden Augen schaust, hast du ein Schlierenkreuz, weil das Gehirn von beiden Augen simultan einen optischen Input bekommt. Ich hab das immer gemacht um zu testen. Aber ich habe auch geübt, z.B. mit diesen Bildern, wo man unter einem bestimmten Winkel 3-D-Figuren sehen kann. Das fordert das räumliche Sehen heraus. Also, es wäre sicherlich ganz gut viel zu üben.

C-hrisV_8x4


Danke für deine Antwort!

Habe kein Kreuz gesehen, also fällt Binokkularsehen wohl flach. Meine Theorie ist, dass bei der Suppression nur ein Teil des Bildes unterdrückt wird. Da das linke Auge jetzt nicht mehr nach außen schielt, hat es mehr Anteil am gesamten Gesichtsfeld als vorher. Daher sehe ich die Hälfte des Bildes verschwommen.

Aber das ist wahrscheinlich völlig falsch, denn ich bin ein absoluter Laie... =)

LG

Chris

m_atzfaxtz


Hallo Chris_84,

der Augenarzt der dir "kein Simultansehen" diagnostizierte, hat die Aussage VOR der Schiel-OP getroffen und war, so wie ich deiner Beschreibung entnehmen kann, mit seiner Diagnose bestimmt richtig gelegen. Vorallem beschreibst du ja selbst, dass du alterniert hast. Entweder war das rechte Auge oder linke Auge in Verwendung.

Dein nächster Job muss es sein bei einem Optiker oder Augenarzt deiner Wahl festzustellen, um wieviel die Sehleistung auf deinem linken Auge nach der Schiel-OP geringer ist als vor der Schiel-OP. Bitte die Angaben immer mit Brillenglas-Korrektion.

Dann hast du sicherlich noch eine Nachkontrolle nach der OP. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der überweisende Augenarzt sich nicht das postoperative Ergebnis anschauen möchte. Dieser Augenarzt kann dir mehr zum Zustand deiner Hornhaut, Bindehaut etc. erzählen. Sind nach der OP alle optischen Medien klar?

Das von Smaragdauge vorgeschlagene Bagolini-Verfahren ist nur zu empfehlen wenn beide Augen einigermaßen die gleiche Sehleistung haben. Sollte die Sehleistung links wesentlich geringer sein als die Sehleistung am rechten Auge, kann der Versuch gerne schiefgehen und ist nicht aussagekräftig genug. Das du momentan zeitgleich die beiden Bilder verarbeitest beschreibst du ja schon, in dem du schreibst, dass dein PC-Bildschirm links nicht deutlich erscheint und zeitgleich die rechte Hälfte deutlich erscheint. (Mit Brille oder ohne? Bitte auch an die 20% Sehleistungsdifferenz denken die präoperativ auch schon vorgelegen haben)

Dein dich behandelnder Augenarzt kennt bestimmt eine Orthoptistin (Sehschule). Diese Person wird dir einige Tricks zeigen die Zusammenarbeit deiner Augen zu trainieren. Ansonsten gibt es auch in deiner Region bestimmt einen Funktional-OptometristenIn, der/die sich der Sache verantwortvoll annimmt. Diese Person kann auch feststellen ob eine Teilsuppression oder temporäre Suppression etc. des Einäugigen-Gesichtsfeld existiert

Bitte gib Bescheid welche Sehleistung und welche Korrektionswerte nach der OP bestehen. Dann kann die Antwort auch präziser ausfallen.

all the way Kingston Jamaica

C=hris_>84


Hallo matzfatz,

vielen Dank für deine umfangreiche Antwort.

Ich war Anfang letzter Woche bei meinem Augenarzt zur Kontrolle. Es ist wohl soweit alles in Ordnung, d.h. das Auge ist nicht beschädigt worden bei der OP. Die Orthoptistin der Praxis hat noch einen verbleibenden Schielwinkel von 5 Grad gemessen mit dem ich aber gut leben kann.

Die gute Nachricht ist, dass die Sehschärfe links wieder erheblich besser geworden ist! Teilweise sehe ich noch immer etwas verschwommen, was aber auch daran liegt, dass das Auge noch manchmal tränt. Die Orthoptistin meinte, dass es nach einer Schiel-OP zu einer verübergehenden Hornhautverkrümmung kommen kann, da die operierten Muskeln stärker ziehen. Dieser Effekt legt sich aber in aller Regel nach einigen Wochen wieder.

Ich habe in ein paar Wochen einen weiteren Termin, wo dann die Sehschärfe gemessen und evtl eine neue Brille verordnet wird.

@ matzfatz,

eine kleine Off-Topic Frage:

Da du offensichtlich über großes Fachwissen in diesem Bereich verfügst, würde mich interessieren, was du von den aktuellen Studien über Amblyopie und Stereopsis Recovery hältst?

Hier beispielsweise die Studie der McGill University. Dort wurde Tetris für die Behandlung von Amblyopie eingesetzt:

[[http://www.news-medical.net/health/New-hope-for-adults-with-amblyopia.aspx]]

Die UCA forscht an Behandlungsmöglichkeiten für Stereoblindheit:

[[http://www.journalofvision.org/content/10/7/1124]]

Mein Ziel/Traum ist es in 3D sehen zu können. Ich weiss, dass es sehr unwahrscheinlich ist, 3D Sehen als Erwachsener zu erlangen. Was mich allerdings nervt ist, dass in Deutschland sämtliche Ärzte und OrthoptistInnen stereoblinde Patienten mit der Aussage nach Hause schicken, dass dies unmöglich sei.

Ganz offensichtlich ist es das aber nicht, wie mittlerweile Studien belegen.

Viele Grüße

Chris

m$atzz'faxtz


Hallo Chris_84

die Sehleistung mit und ohne Korrektion ist wichtig um eine umfassende Aussage für deine Situation zu machen. Sobald du diese Angaben bekommst gebe ich gerne weitere Auskunft. Über PN?

Sooo off-topic finde ich deine Frage nicht. Was haben die Amis für tolle Bezeichnungen: stereopsis recovery, tolle Wortschöpfung.

Mich nervt es genauso, dass im deutschsprachigen Raum noch immer die Aussage gemacht wird, dass Menschen, die älter als 11 Lebensjahre sind und amblyop, kein Stereosehen erlangen können, was in englischsprachigen Ländern etwas differenzierter betrachtet wird.

Meiner Meinung nach ( und da wird jetzt deine Orthoptistin wahrscheinlich aufschreien oder lachen) ist es in fast jedem Lebensalter möglich einige "Arten" der Amplyopie zu beseitigen bzw. zu minimieren und Stereosehen in welcher Qualität auch immer zu generieren.

Die Orthoptisten glauben nicht daran, da sie stur nach der Lehrmeinung gehen und die Funktional-Optometristen machen aus der normalsten Sache ein großes Geheimnis mit entsprechender €-Rechnung und ohne Erfolgsgarantie.

Die "Tetris-Spielchen" sind sehr wirksam, aber nur wenn unter beidäugiger Bedingung dein amblyopes Auge, muskulär und neuro-sensorisch trainiert wird. Das besser sehende Auge wird nicht abgeklebt, es sieht nur andere Objekte als das amblyope Auge. Da du anscheinend gleichzeitiges Sehen hast ("linke Hälfte des Bildschirms ist unscharf, rechte Hälfte ist deutlich) kann dieses Tetris-Spiel funktionieren

Das "Tetris-Spiel" kannst du auch erwerben, unter dem Namen:

Home therapy system. HTS.

Meines Wissens wird dieses HTS-Lern-Programm für Deutschland in Österreich verkauft. ca. 280$ inkl. Anleitung und 100 Trainings-sessions.

Wenn du googlest, bitte nicht von der schlechten Homepage abschrecken lassen.

Ich schau in 2 Wochen hier wieder vorbei?

mGatzfYatz


all the way Kingston Jamaica!

C.hrLis<_x84


Hallo,

eine sehr später Rückmeldung für alle, die es interessiert.

Nach der OP hat sich im Laufe einiger Wochen die Sehschärfe links wieder komplett normalisiert. Der letzte Sehtest ergab links 90% und rechts 100% mit Brille.

Leider wurden keinerlei Binokularfunktionen festgestellt. Aber immerhin schiele ich jetzt deutlich weniger als vorher und bin daher mit dem Ergebnis sehr zufrieden.

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