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Mir fehlt der Mut, Brille zu tragen

Mjare/ike03x04 hat die Diskussion gestartet


Hallo zusammen,

möglicherweise ist mein Anliegen etwas speziell, aber vielleicht finde ich hier den passenden Rat. Ich heiße Mareike und bin 21 Jahre alt, studiere zurzeit Sozialwissenschaften.

Als ich damals von der Grundschule aufs Gymnasium gewechselt bin, habe ich feststellen müssen, dass ich immer schlechter sehen kann. Ich war aber zu eitel – oder wie man es auch immer nennen mag – um zum Augenarzt/Optiker zu gehen für eine Brille. Damals wurde tatsächlich ein Mitschüler, der plötzlich eine Sehhilfe tragen musste, auch ein wenig gehänselt, vielleicht hat mich das abgeschreckt.

Wie auch immer: Meine Kurzsichtigkeit hat sich natürlich verstärkt, sodass ich in der Schule kaum noch etwas an der Tafel erkennen konnte. Ich habe es aber tatsächlich geschafft, dass es niemandem aufgefallen ist. Rückblickend ziemlich blöd von mir, ich weiß.

Als ich dann vor zwei Jahren an die Universität und in eine neue Stadt gekommen bin, habe ich mich dann getraut und habe mir meine erste Brille anfertigen lassen – mit minus 3 Dioptrien plus Hornhautverkrümmung. Niemand kannte mich dort (ohne bzw. mit Brille), das war irgendwie ein Vorteil. Und das Gefühl, scharf sehen zu können, war überwältigend. Ich habe mich richtig in meine Brille verliebt, schließlich habe ich vorher acht oder neun Jahre nicht scharf sehen können. Wenn ich in Münster bin, wo ich jetzt lebe, trage ich die Brille von morgens bis abends und bin froh, sie zu haben.

Allerdings fahre ich fast jedes Wochenende zu meiner Familie und meinen Freunden nach Hause, habe mich aber bis heute noch immer nicht getraut, dort meine Brille zu tragen. Ich laufe dort wieder ohne Brille herum, was natürlich alles andere als angenehm ist. Aber ich kenne die Umgebung, ich fahre natürlich kein Auto und komme sogar halbwegs "gut" zurecht. Doch gerade jetzt in der dunklen Jahreszeit wünschte ich mir, auch in diesen Situationen auf meine Brille zurückgreifen zu können, doch ich traue mich nicht.

Wieso? Weil ich Sorge vor blöden Sprüchen und vor allem den Diskussionen habe. Warum ich plötzlich eine Brille mit fast 4 Dioptrien trage? Wie ich vorher überhaupt noch etwas sehen konnte? Einige meiner Freundinnen tragen Kontaktlinsen (die ich aber nicht vertrage) und wissen, wie schlecht man ohne Brille sieht. Nicht einmal sie kennen mich mit Brille. Ich weiß, das klingt verrückt. Aber ich mache mir darüber echt Gedanken. Jeder bzw. sehr viele in meinem alten Umfeld werden mich auf meine Brille ansprechen, vor allem wenn sie sehen, dass ich bereits vier Dioptrien habe.

Ich weiß, mir mangelt es diesbzgl. an Mut und Selbstbewusstsein. Habt ihr vielleicht einen guten Tipp, wie ich dieses "Problem" endlich lösen kann?

Viele Grüße

Mareike

Antworten
g\aulvo(ise


Die Dioptrienzahl kann man einer Brille nicht ansehen. Du wirst einfach ins kalte Wasser springen müssen, hab Mut, du bist ja nun nicht mehr in der Grundschule, wo man wegen einer solchen Normalität gehänselt wurde.

Interessant finde ich in diesem Zusammenhang, dass du offensichtlich auch deine Eltern jahrelang täuschen konntest, wie geht das denn?

M\areikUe0304


Meine Eltern haben meine Kurzsichtigkeit nie bemerkt. Und ich war so unvernünftig, es ihnen nie gesagt zu haben. Auch diese Hürde gilt es noch zu überspringen.

Ansonsten ist das ja genau meine Sorge. Ich habe feststellen müssen, dass man einer Brille sehr wohl ansieht, ob sie eher schwache oder doch schon etwas stärkere Gläser hat.

M;arZeike9030x4


Für mich ist das schon eine kleine Lebenslüge, weshalb ich mich so schwer damit tue. Im Prinzip muss ich jetzt meinen Freundinnen (und meiner Mutter) eingestehen, in den letzten zehn Jahren ziemlich schlecht gesehen zu haben. Wenn ich nur eine Dioptrien oder so hätte, würde mir das leichter fallen.

L!ich~tAmHgorizxont


Es bestehen ja nur zwei Optionen. Entweder weiter "lebenslügen" oder diese ausräumen und eventuelle dumme Sprüche über sich ergehen lassen. Wenn Dich das Versteckspiel und blind herumzulaufen nerven, wirst Du da einfach durch müssen. Manchmal reagieren Menschen verständnisvoller als man erwartet. Und wenn nicht, kann man seine Schlüsse über diese daraus ziehen. Erstaunte Fragen wie "wie hast du das die ganze Zeit hinbekommen" müssen ja auch nicht mal böse gemeint sein, man staunt dann eben einfach.

Also: Augen zu ;-) und durch.

PFlüscShbPiest


Man strumpelt lieber blind durch die Gegend, als eine Brille zu tragen? ;-D

Mensch Mareike heute weiß jeder dass die Sehstärke nichts mit dem IQ zu tun hat.

sLchnu^pfenx08


Wenn du dich partout nicht trausnimm doch Kontaktlinsen.

MxarBieCuPrixe


Welche Kontaktlinsen hattest du denn?

Harte? Weiche?

Es gibt ja schon ne Vielzahl an Linsen, ich würde da nicht so schnell aufgeben bist du die Passende gefunden hast.

CHhoms@ky


Es bestehen ja nur zwei Optionen. Entweder weiter "lebenslügen" oder diese ausräumen und eventuelle dumme Sprüche über sich ergehen lassen.

Wobei: welche dummen Sprüche sollen da eigentlich kommen?

Klar wird den Leuten auffallen, dass Mareike jetzt eine Brille trägt, aber da sagt man eben "Och, ich habe schon länger nicht mehr gut gesehen. Jetzt mit Brille ist alles paletti." und gut. Ist ja jetzt weder etwas hochgradig skandalöses noch total außergewöhnliches, dass jemand eine Brille braucht, der vorher keine brauchte. Meine Güte. Und wenn wegen der Sehstärke nachgehakt und nach Nennung der Dioptriezahl schockiert aufgeschrieen wird (- was ich persönlich bezweifle), sollte ein kurzes: "Ja, ziemlich hoch, aber was soll's." reichen.

Mareike, mal im Ernst: ist ja nicht so, dass du deinen Leuten ne Scheidung, zweite Hochzeit, Adoption von Drillingen sowie den Umzug nach Hongkong verschwiegen hast. Keep cool und setz deine Brille auf. Ist doch bescheuert, so durch die Gegend zu stolpern und dann auch noch ausgerechnet am Wochenende.

H/ausWfindmüxhle


Bei meiner ersten Brille, als ich 15 war, hatte ich auch diese Ängste. Zum Glück konnte ich diese überwinden und kann heute völlig Problemlos mit Brille rumlaufen.

ich finds aber interessant, dass du es geschaft hast, derart lange vor diesem Problem davon zu laufen und es entsprechend immer schwer wird.

Spinn die Geschichte mal weiter und lass nochmal 10 oder 20 weitere Jahre vergehen ;-D

Jedes mal, wenn du dann in deine Heimat zurück gehst, musst du wie ein Maulwurf durch die Stadt laufen :-D

Klingt auf jeden Fall sehr Absurd.

MFarieCkurie


Heutzutage ist eine Brille ja nicht nur Sehhilfe, sondern auch ein modisches Ac­ces­soire. :)^

tPominxe


Liebe Mareike!

Ich kenne das Problem sehr gut. Auch ich habe mich lange gesträubt, eine Brille zu tragen. Ich wusste, dass ich kurzsichtig bin, habe mich aber in der Schule irgendwie durch gewuppt. Dann zum Studium habe ich mir die Brille geholt, ich habe ähnliche Werte wie Du gleich bekommen.

Das "Upps, wie bist Du eigentlich klar gekommen?" von Familie und Freunden dauerte nicht lange. Mit meiner Familie war es eher weniger das Problem, da alle Brillen tragen. Es war irgendwie nicht verwunderlich, dass ich auch eine brauche. Das "Naja, sie hat sich halt nicht getraut" ging auch schnell vorbei. Alle fanden es gut, dass ich mir diese Seh-HILFE organisiert habe. Denn ja, es ist eine Hilfe. Und ausnahmslos Jeder hat sie mir gegönnt :)*

Ich weiß nicht, wie Du das hinkriegst, ohne Hilfe zeitweise klar zu kommen. Ich hatte zwar eine Eingewöhnungsphase auf meine neue Brille (wohl auch wegen der Hornhautverkrümmung, habe zuerst alles schief gesehen), aber einmal eingewöhnt, haben sich meine Fähigkeiten, auch ohne Brille irgendwie klar zu kommen, deutlich verschlechtert. Das Gehirn stellt sich um.

Bitte, setz sie auf. Und sag so was wie: "Guck mal, schick, oder? Jetzt sehe ich Dich auch richtig! Ich habe das Ding nicht haben wollen, habe gezögert, aber jetzt ist es mir eine echte Hilfe."

Liebe Grüße *:)

tomine

CIomrxan


Sag doch einfach, dass das ganze Studieren auf die Augen geht und du mit Brille sowieso viel schlauer aussiehst ;-) .

LSuftMscxhi*ff-Faxn


Hallo Mareike,

ich kann sehr gut nachempfinden, wie du dich fühlst. Auch ich habe mich viele Jahre lang in der Schule durchgemogelt, mit 18 Kontaktlinsen bekommen, um den Führerschein machen zu können, niemand wusste von meiner Kurzsichtigkeit (meine Eltern wussten es im Prinzip, ich hatte schon im Grundschulalter meine erste Brille, aber sie waren zu beschäftigt, um darauf zu achten, dass ich sie auch trug, bzw. ihnen als Normalsichtigen war es nicht klar, wie wichtig es für mich gewesen wäre, wenn sie mich dazu angehalten hätten, sie zu tragen).

Natürlich habe ich es mit den Kontaktlinsen maßlos übertrieben, und als ich ungefähr in deinem Alter war, passierte das, was ich am meisten gefürchtet hatte: Mit Kontaktlinsen ging gar nichts mehr, ich musste von einem Tag auf den anderen komplett darauf verzichten. Und, nachdem ich nun gutes Sehen gewohnt war, gab es auch kein Zurück. Also meine billige, hässliche Reservebrille (braucht man ja als Autofahrer mit KL) hervorgeholt und getragen, mit -6/-7 Dioptrien, und zwar mehrere Wochen lang, bis ich eine neue, schönere Brille hatte.

Und, Mareike, ob du es glaubst oder nicht: An diese Zeit, die ich vorher gefürchtet hatte wie kaum etwas anderes, habe ich kaum Erinnerungen. Es war alles so schnell vollkommen normal, ich kann mich an keine dummen Kommentare erinnern, auch nicht daran, dass ich mich für die Stärke der ersten Brille, die ich tatsächlich getragen habe, hätte rechtfertigen müssen, nichts, einfach nichts!

Vielleicht kannst du ja notfalls sagen, du hättest bisher Linsen getragen. Oder tatsächlich etwas in der Richtung, dass die Augen durchs Studieren schlechter geworden sind, das ist nichts Außergewöhnliches.

Ich drück dir die Daumen - zieh es durch, tu es für deine Lebensqualität!

Msa rei&ke03"04


Danke für eure Worte! :-)

Ich kenne halt mein direktes Umfeld. Da wird sicher viel nachgefragt, das ist mir vielleicht etwas unangenehm. "Problem" ist halt der große Sprung von Gar-keine-Brille zu fast 4 Dioptrien. Nicht-Brillenträger interessiert das nicht, alle anderen fragen da natürlich besonders intensiv nach, wie man zuletzt noch sehen konnte.

Ich weiß natürlich auch, dass das nur ein kurzes Thema ist und danach schnell zur Normalität wird. Einzig natürlich, wenn man zwischendurch andere Leute "von früher" trifft und die Brille dann auch wieder kurz thematisiert wird. Ich wohne in einer Kleinstadt, ich war in Sportvereinen usw., da kennt man halt viele. Vielleicht sollte ich aber auch einfach auf @tomine und @Luftschiff-Fan hören und die Argumente abwägen. Auf der einen Seite ein paar unangenehme Fragen und Feststellungen, auf der anderen Seite ein Stück Lebensqualität und eine Hilfe, die ich speziell in der dunklen Jahreszeit echt gut gebrauchen kann.

Für mich habe ich die Brille jedenfalls längst akzeptiert und ich trage sie aufgrund der Sehqualität wirklich gerne. Ich hatte auch schon Momente wie letzten Samstag, da hatte ich die Brille in der Tasche, habe sie im Bus vor einer Verabredung mit Freundinnen auf der Nase und habe sie dann beim Aussteigen doch wieder abgesetzt. Ich muss mich einfach trauen. Vielleicht nicht in einer große Runde, sondern wenn man nur zu zweit oder dritt unterwegs ist. Dann ist der erste Schritt gemacht.

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