Eigene Behinderung mit Humor nehmen?

04.02.11  10:39

Hallo ihr lieben

Die Frage steht ja schon oben und ich würde gern wissen, was ihr darüber denkt. :-)

Kurz zu mir ich bin 22 Jahre alt und sitze seit einem Jahr im Rollstuhl, da ich nach einem Unfall nicht mehr laufen kann. Mein Freund hat mich kurz darauf leider verlassen, seitdem bin ich single. Ich hab versucht mich davon nicht entmutigen zu lassen, mache Sport, damit ich nicht mangels Bewegung "verfette", achte auf mein Äußeres und gehe gerne zusammen mit meiner besten Freundin aus. Wenn ich bei unseren Touren Leute kennen lerne, kommen natürlich irgendwann Fragen nach meinem Rollstuhl. Zum Beispiel: "Fühlst du dich damit eigentlich noch als Frau?" ich denke, das ist im sexuellen Sinne gemeint, keine Ahnung ]:D Jedenfalls antworte ich dann "Eigentlich schon, obwohl ich keinen Schuhtick mehr habe." Zum Beispiel. Ich finde es blöd, wenn einen die Leute wie ein rohes Ei behandeln und sich kaum trauen den Mund aufzumachen aus Angst, sie könnten was politisch inkorrektes sagen

MpissK.oxala

04.02.11  22:49

Wenn ich einen Hut tragen würde, würde ich ihn vor dir ziehen.

Genau richtig, deine Einstellung ! :)= :)^

A/sxiga

04.02.11  22:52

@ Miss Koala

Was Du schreibst beeindruckt mich. Du findest Deinen Weg!!

gcopkyo

04.02.11  22:54

Wenn ich einen Hut tragen würde, würde ich ihn vor dir ziehen.

Genau richtig, deine Einstellung !

DAs trifft es wohl sehr sehr gut!

Respekt :)^ :)^ :)^ :)^ :)=

LZiTitLe529

04.02.11  23:04

Respekt – tolle Einstellung! :)^

Meine Behinderung (schwere Kniegelenksarthrose, mit entsprechenden Einschränkungen der Beweglichkeit: Laufen geht mit Schmerzen, beim Radfahren & Schwimmen hört's dann schon auf) ist deutlich geringer.

Aber mehr als Humor bleibt oft nicht – wobei ich auch schwanke. Es ist halt nicht so offensichtlich, darum werde ich auch von Freunden konstant konfrontiert mit "ach, das geht auch nicht?". Wodurch ich mich immer wieder auf's Neue erklären muss und ausgeschlossen fühle.

Da ist mir manchmal auch zum Heulen zumute...

Habe vor einiger Zeit ein tolles Buch gelesen: Maximilian Dorner: "Mein Dämon ist ein Stubenhocker" Daraus stammt auch folgendes Zitat, welches es ganz gut trifft:

Behindert sein bedeutet, ein Leben in Extremen und Widersprüchen zu akzeptieren: Dass ich heute darüber lache und morgen deswegen heule, dass ich gleichermaßen durch die Einschränkungen gewinne wie verliere, dass sie Teil von mir sind und gleichzeitig nicht, dass ich bei anderen mit meiner Stärke auf Schwäche stoße und mit meiner Schwäche auf Stärke – und dass ich meinem Dämon den Tarnanzug herunterreiße bei einer Gelegenheit und ihn zwinge, ihn zu tragen bei einer anderen.

SIunfloIwer_73

04.02.11  23:18

Hi MissKoala, :)^ :)=

also ich sitze seit 30 Jahren im Rollstuhl. Meinen Schuh- und Klamottentick habe trotz allem behalten und wenn ich auf meine manchmal viel zu langen, lackierten aber unpraktischen Fingernägel angesprochen werde, dann bekommen die "Fußgänger"zur Antwort: Mehr als 100% Schwerbehinderung im Ausweis geht leider nicht! ;-)

Du machst das völlig Richtig! Egal, ob es Humor oder manchmal eher Galgenhumor ist!!!

Weiter so! :)=

A}n6ke7x1

04.02.11  23:41

Ich bin nicht behindert, habe aber im Freundeskreis jemanden mit einer Behinderung.

Humor finde ich gut! Ich bin aber auch eher der Typ, der mit schwarzem Humor gut umgehen kann und auch mal recht "bösartige" Witze über sich selber macht. Für mich ist das wichtig – ich möchte nicht immer alles so "ernst" sehen.

Ich denke, Du wirst so behandelt, weil die Leute einfach Angst haben Dich zu verletzen. Ich lasse meinem Humor bei fremden Leuten auch ersteinmal nicht einfach so freien Lauf – egal, ob die behindert sind oder nicht – weil ich ja gar nicht weiß, ob die damit klarkommen und ich sie schocken oder verletzen würde. Naja, manchmal sprudelt es auch schonmal aus mir heraus und ich tappe damit mal gern in das ein oder andere Fettnäpfchen. Hab ich übrigens bei der oben erwähnten Person am Anfang auch geschafft, als ich noch nichts von der Behinderung wusste (ist nicht sofort zu sehen). Hat derjenige mir zum Glück gar nicht übel genommen, ganz im Gegenteil.

H5al$bUnYdHSalb

05.02.11  00:16

Es ist bei vielen so, dass sie verklemmt sind, wenn eine Behinderte auftaucht. Und dann machst du es genau richtig, mit Humor (ruhig deftig) das Eis zu brechen.

Boonnxer64

05.02.11  01:02

Ich hab eine Borderline-Persönlichkeitsstörung und gehe damit auch ganz locker um. Sicher, man sieht es mir nicht an (bis auf die Narben an den Armen...), aber da ich da eben ganz offen drüber rede, wenn das Gespräch, auch durchaus in einer Runde, auf das Thema kommt, kommen dann auch schonmal komische Fragen.

Mein Therapeut fragte mich mal, ob eine angehende Therapeutin, die bei ihm Praktikum machte, bei einem Therapiegespräch mit mir und meinem Therapeuten dabei sein dürfe. Sie sah schon ängstlich aus und wich meinem Blick aus. Als ich ihr dann die Hand gab und er uns vorstellte, hielt ich die Hand einfach fest und fragte sie ganz direkt: und, glauben Sie, dass ich Sie gleich anspringe?

Die gute Frau schaute meinen Therapeuten ganz panisch an und zuckte zurück... tja. Grade solche Leute sollten es eigentlich besser wissen. Mein Therapeut hat sich übrigens kaum eingekriegt vor Lachen ;-)

Aber auch im Alltag reisse ich schon mal Witze über meine Gestörtheit. Müssen die Menschen abkönnen. Können sie dann meist auch.

K0ylixnn

05.02.11  13:01

Das ist mal ein Thread für meine Wenigkeit, denn ich lebe seit meiner Geburt mit einer Querschnittslähmung und wenn es bezogen auf meine Behinderung um den schwarzen Humor geht: BIN ICH GANZ VORN MIT DABEI :-)

Ich rolle mit meinem getunten Rollstuhl nahezu jedes Wochenende auf die Piste und ich kenne das Gefühl, beobachtet, bewundert und auch kritisch beäugt" zu werden, sehr gut.

Ich sage euch ganz klar: Scheißt drauf, denn wie heißt es so schön: "behindert ist man nicht, behindert wird man" und wenn man es richtig macht, kann Euch der Rollstuhl in gewissen Maßen sogar vom Vorteil sein (und damit meine ich nicht nur die geilen Parkplätze :-))

Also, da es hier verboten ist, Werbung zu machen, googled doch einfach mal nach meinem User-Namen POLOHUNTER (egal wo, ihr werdet mich 120%ig finden ^^)

Greetz, POLOHUNTER

P-OLO6HmUNTxER

05.02.11  13:14

Ohne eine dicke Portion schwarzen Humor geht es für mich gar nicht Ich lache lieber Tränen, als dass ich Tränen weine.

Mitleid und Selbstmitleid ist Gift für mich ;-)

Und ab und zu gibt es solche Steilvorlagen...

Beispiel: Tatua kurvt rasant und scheinbar gefährlich mit dem Rolli einen Abhang herunter oder hüpft den Rolli mit Schwung in einen Bus oder den Borsstein hoch. Passant ruft: Passen Sie auf das ist gefährlich!" Tatua (mit Grabesstimme – Ja, sie haben recht, am Ende lande ich noch im Rollstuhl!" ]:D

t.atua

05.02.11  14:28

Ich habe auch Borderline-Syndrom, ich selbst sehe das eigentlich nichtmal als Behinderung für mich an...denn es hindert mich eigentlich an nichts!

und Miss Koala: RESPEKT! =) :)=

hpaku.namiatatagixrl

05.02.11  15:50

Ich werde diesen Faden weiterempfehlen!

Ich halte es eh für eine Gabe, unabänderlichen Widrigkeiten möglichst mit Humor begegnen zu können. :)^ :)=

Es muß ja nicht in Bösartigkeit umschlagen wie in der köstlichen schwarzen Komödie "Aaltra" ]:D

[[http://www.filmstarts.de/kritiken/40687-Aaltra/kritik.html]]

[[http://www.youtube.com/watch?v=RtOxOaSGwis]]

C"he

05.02.11  18:19

Hallo Che,

danke für den Hinweis auf diesen thread.

Gefällt mir, denn Humor ist wichtig und gesund :)z

Es ist ja allgemien bekannt, dass Leute, die nur mürrisch oder verbittert sind und zum Lachen in den Keller gehen, im Großen und Ganzen gemieden werden. Egal ob behindert oder nicht.

Humor hilft das Eis zu brechen, denn viele Nichtbehinderte haben nun mal keine Ahnung, wie sie sich einem Behinderten gegenüber verhalten sollen. Das kann man ihnen auch gar nicht verübeln. Wer nie mit so etwas zu tun hatte, ist erst mal irritiert und ratlos.

Wenn dann von seiten des/der Behinderten ein paar lockere Sprüche kommen merkt der Nichtbehinderte, dass ja alles gar nicht so wild ist und das Eis ist gebrochen.

Ich erzähle auch ganz gerne den Uraltwitz: Was bedeutet es, einen Rollstuhlfahrer in einen Dschungel mit Kannibalen zu schieben? .......... Essen auf Rädern!!

Ganz am Anfang meiner Behinderung (Querschnitt) redeten Bekannte oft mit meiner Begleitung, als ob ich nicht mehr hören und reden könnte. Es wurde über mich gesprochen, in meinem Beisein:"ja, wie geht´s ihm denn, wie fühlt er sich bla bla bla". War ich alleine unterwegs, haben die gleiche Leute oft sie Straßenseite gewechselt.

Bis ich dann immer den Anfang gemacht habe. Als sie merkten, dass ich ja im Oberstübchen klar bin, gab es keine Probleme mehr. Nach einer Weile gab es dieses über mich sprechen in meinem Beisein nicht mehr, auch ohne mein Zutun. Anfangsschwierigkeiten eben.

Also, immer locker bleiben und sich nie selbst bemitleiden (warum ich?). Dann wird man auch ganz anders im positiven Sinne wahr genommen.

RRollinHgwatLchBer

05.02.11  22:45

Es wurde über mich gesprochen, in meinem Beisein:"ja, wie geht´s ihm denn, wie fühlt er sich bla bla bla". War ich alleine unterwegs, haben die gleiche Leute oft sie Straßenseite gewechselt.

:-o Das muß verdammt übel sein, solchen Behinderten zu begegnen, zumal Du sicher gewaltig an Deiner Verletzung und den schlimmen Folgen zu beißen hattest. ;-)

g*ok!yo

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