15.10.11 10:31
Hallo zusammen, da ich neu bin, weiß ich nicht ob dies Thema schon mal diskutiert wurde. Ich bin Vater eines 17 jährigen jungen Mannes mit DS. Er ist mir unheimlich wichtig und vlt. habe ich ihn auch zu sehr verwöhnt. Jetzt ist er in der Pubertät und muss feststellen, dass die Welt nicht nur rosarot und himmelblau ist. Er schwankt zudem zwischen der Stufe eines 5 jährigen und dann ist er wieder ein 17 jähriger junger Mann mit allem was dazu gehört. Also will er,
in einem Moment "Titten sehen" und im nächsten Moment schaut er sich Feuerwehrmann Sam an. Wie mache ich ihm klar, ohne ihn zu verletzen oder zu entmutigen, dass er wohl nie, den Füherschein machen kann, das 18 jährige Topmodel zur Freundin haben kann etc. ?? 
19.10.11 20:35
Tja, das mit dem 18jährigen Topmodel müssen wohl die meisten Jungs lernen, wir haben nämlich 'nen Mangel an Topmodels.
Ohne Verletzungen wird das nicht ablaufen können... so ist das Leben nunmal leider für uns alle.
19.10.11 20:59
Gebe Fluchtgedanke Recht – das mit dem Topmodel müssen leider verdammt viele Herren früher oder später verkraften. 
Was den Führerschein angeht: Hat er dich denn schon darauf angesprochen?
Ansonsten kannst du dich sicherlich, wenn du nicht weißt wie du es anfangen sollst, bei Hephata oder ähnlichen Organisationen informieren. Vielleicht ist hier ja auch heut' Abend noch ein(e) Heilerziehungspfleger(in) unterwegs, die dir mehr dazu sagen kann.
Wegen der Titten könntest du ihm ja z.B. die 'Praline' kaufen. ^^
19.10.11 21:14
Dein Kommentar ist einfach nur dämlich. Bestenfalls hast Du einfach nur keine Ahnung von geistig Behinderten. Ich habe eine Tochter, die im Rollstuhl sitzt und geistig in einigen Bereichen nicht über den Stand einer 10-jährigen hinauskommt.
Sie ist inzwischen 31 und seit 9 Jahren verheiratet. Sie hat ihren Haushalt (und meinen Schwiegersohn) fest im Griff, kann sogar einigermaßen mit Geld umgehen. Aber wehe, wenn sie müde wird, dann sitzt ein Kind vor mir. Die Pubertät war eine Katastrophe. Ich bin bestimmt nicht prüde, aber ständig kamen Anrufe aus der Schule, dass meine Tochter es mit jedem treibt. Das hat sich zum Glück gelegt. Die Schule wollte meine Tochter rausschmeißen. Da habe ich mal nachgefragt, ob die noch alle Tassen im Schrank haben und mit einer Anzeige wegen Verletzung der Aufsichtspflicht gedroht.
Pubertät und geistige Behinderung sind echt ein Problem.Vor allem, weil für viele Behinderte asexuelle Wesen sind. Ich weiß nicht, wie es jetzt ist, aber als meine Tochter in der Pubertät war, war es sogar schwierig mit anderen betroffenen Eltern zu reden, weil sie erstens selbst recht verklemmt waren und Behinderte keine sexuellen Bedürfnisse haben dürfen.
19.10.11 21:18
Zum Thema Sexualität und Behinderung gibt es ein tolles Buch:
Aber nicht aus Stein
Ich weiß im Moment nicht, ob es noch aufgelegt wird. Werde gleich mal googlen.
19.10.11 21:51
Hallo!
Ich lebe seit meiner Geburt mit meinem Bruder zusammen, der auch das DS hat.
Ich habe also seine Pubertät sehr genau mitbekommen.
Es ist ganz natürlich, dass auch er seinen "Trieben" nachgehen will und du musst ihm das bis zu einer gewissen Grenze auch gewähren lassen. Alles andere finde ich einfach nicht menschengerecht.
Wenn er z.B. auf 18jährige Topmodels abfährt,so wie du das sagst, dann lass ihn doch ne Zeitschrift kaufen, in der er sich nackte Mädels angucken darf. Mein Bruder hat(te) das immer und das reichte ihm dann irgendwann auch. Zusätzlich hat er sich dann auch noch entsprechende Poster ins Zimmer gehangen..
– aber mein Gott, er ist eben auch nur ein Mann.
Ansonsten haben wir ihm klar gesagt, was man bei einer fremden Frau machen darf und nicht. Das heißt kein Grabschen, aber er darf durchaus sagen,dass er jemanden toll findet, usw.
Ich erinnere mich daran,dass mein Bruder das erst gar nicht verstehen wollte, er wollte ständig Küsschen geben,usw, aber irgendwann hat er es akzeptiert und konnte sich gut damit arrangieren. Vor allem kommt es dabei auch auf die Reaktionen der Damen an. Wenn diese ihm klar,deutlich und kontinuierlich sagen,was nicht in Ordnung ist,dann wird er es befolgen.
Was den Führerschein betrifft, würde ich sagen,dass du da auch wieder einen gewissen Kompromiss eingehen solltest. Nicht direkt sagen, nein , auf keinen Fall,sondern ihm eine Alternative anbieten (eben kein richtiges Auto,sondern ein Kettcar, Videospiele mit Autos, mit ihm mal auf einem abgelegenen Weg mit (!) deinen Händen kurz lenken lassen, eine Automesse besuchen (er könnte sich in tolle Autos setzen und so tun,als ob er fährt),etc pp)
Und dass er sich teilweise immer noch wie ein 5 jähriger behandelt,sollte hoffentlich kein Problem sein. Das wird sich im Übrigen nicht großartig ändern, schätze ich. Zumindest ist es bei meinem Bruder so. Wenn er dann mit Mama schmusen und Küsschen haben will,dann kriegt er das und im nächsten Moment schlürft er wie der coolste Mann der Welt seine Cola und sagt "Ich bin Coolman." 
20.10.11 16:48
Zum einen hast du absolut keine Ahnung was ich an Vorwissen und Vorerfahrungen habe, zum anderen sind geistig behinderte Menschen in vielen Punkten genauso wie "gesunde" Menschen auch.
Eine Pubertät läuft bei niemandem (!) ohne Verletzungen ab und der junge Mann wird vermutlich nie im Leben ein Topmodel kennenlernen- zumindest geht es den meisten Männern so.
Ich versteh absolut nicht warum du meinst mich hier so angehen zu müssen. Deine Tochter hat doch anscheinend auch ganz gut pubertiert (und sich nicht anders benommen wie viele Mädchen heute
).
Sie ist verheiratet. Mit einem Top Star nehme ich an? Oder hat sie, wie die meisten Frauen, auch nicht den Star abbekommen den sie mal angehimmelt hat?
20.10.11 20:01
Hallo zusammen,
war ne paar Tage unterwegs, so dass ich erst jetzt dazu komme zu antworten. Also den Tipp ne Praline zu kaufen find ich nicht hilfreich. Es ist ja nicht so, dass es ihm am Angebot von nackten Frauen im TV oder so fehlt. Ich war mit ihm wieder auf Rügen, wo wir immer auch
zum FKK Strand gehen. Diesmal habe ich es abgebrochen, weil es ihm wohl zu viel wurde an
optischen Reizen. Ich will ihn auch nich asexuell haben, aber er soll ja bewusst aber auch zurückhaltend mit seiner Sexualität umgehen. Ich habe ihm das auch schon versucht zu erklären, dass er mit Zurückhaltung, Körperpflege und Höflichkeit weiter kommt, als mit "bo die sie gut aus die will ich" oder wenn er mal nen Mädel kennen lernt "die will ich heirtaen, sex machen und Kinder haben". Letzteres ist auch son Thema für sich. Du hast recht LITTLEE, er wird so bleiben und auch dafür liebe ich ihn. RITA 173 Danke für den Buchtipp. Natürlich heisst Pubertät auch Schmerzerfahrung. Auch wenn meine schon lange zurück liegt. Daran erinnere ich mich noch genau. Nun steh ich hier ich armer Tor............
21.10.11 16:27
Das mit der Praline war nicht ganz ernst gemeint. Ich kam im ersten Moment nur drauf, weil es eine eher harmlose Zeitschrift ist im vgl. zu vielen anderen Magazinen dieser Kategorie.
Wie Littlee schrieb:
Vor allem kommt es dabei auch auf die Reaktionen der Damen an. Wenn diese ihm klar,deutlich und kontinuierlich sagen,was nicht in Ordnung ist,dann wird er es befolgen.
Ich denke auch das das wichtig ist. Also, natürlich musst auch du auf seine Zurückhaltung achten, aber die Erfahrung an sich muss er hier und da auch selbst machen. Ich denke das wird sich ihm am deutlichsten einprägen.
Der Bruder einer Bekannten (körperlich & geistig behindert) hatte damals öfter einen Freund zu besuch, der eine geistige Behinderung hatte. Da er grad auch genau in der Pubertät hing, versuchte er ständig meine Bekannte und mich zu küssen oder an zu tatschen – da haben wir ihm auch häufiger zu verstehen gegeben das es so nicht geht, so hat sich das nach nicht allzu langer Zeit auch gelegt (Nebeninfo: Wir waren ca. zwölf und besagter Junge ca. sechzehn/siebzehn).
Ist er denn öfter mit Mädchen zusammen, so dass er diese Resonanz auch bekommt? Ich denke im öffentlichen Raum gibt es nur die Problematik, dass sich viele nicht äußern weil sie unsicher sind; Nach dem Prinzip: "Der Junge kann ja nichts dafür, da darf man nichts sagen."
Ich habe ihm das auch schon versucht zu erklären, dass er mit Zurückhaltung, Körperpflege und Höflichkeit weiter kommt, als mit "bo die sie gut aus die will ich" oder wenn er mal nen Mädel kennen lernt "die will ich heirtaen, sex machen und Kinder haben". Letzteres ist auch son Thema für sich.
Was hat er denn dazu gesagt? Und warum ist letzteres "auch son Thema"?
21.10.11 19:24
Tja Kinder bekommen ist aus dem Grunde ein besonderes Thema, da die Wahrscheinlichkeit von Menschen mit DS auch wiederum Kinder mit DS zu zeugen immens hoch ist. Kann man das wollen? Kann man auf der anderen Seite jemanden "untersagen" Kinder zu zeugen, nur weil die Wahrscheinlichkeit ein Kind mit handicap zu zeugen groß ist.? Inwieweit ist das ein Eingriff in die persönliche Selbstbestimmung? Ach es ist schon sehr vertrackt. Zusätzlich schwierig macht es, dass er mit der Körperhygiene eher nachlässig ist. Seine Mutter (ja sch... Scheidungsopfer ist er auch noch) achtet da nicht so drauf, oder sie kann nicht so daruf achten. Ja da kommt was zusammen oder? Ich fürchte fast, ich überfordere euch, oder?
Bis hierher jedenfalls schon mal vielen Dank an alle.
21.10.11 19:37
Tja, das mit dem 18jährigen Topmodel müssen wohl die meisten Jungs lernen, wir haben nämlich 'nen Mangel an Topmodels.
Ohne Verletzungen wird das nicht ablaufen können... so ist das Leben nunmal leider für uns alle.
Ein gesunder junger Mann hat aber Möglichkeiten, sich geistig damit auseinander zu setzen, was in seinem Leben möglich ist und was nicht. Und anders als jemand mit DS kann er auch kompensieren, z.B. durch gute Leistungen in der Schule, Sport, Musik machen usw. Und er hat in der Regel die Chance, eine Partnerin zu finden, die zu ihm passt. Dass das in den wenigsten Fällen ein Topmodel sein wird, versteht sich von selbst. Das gehört zum Erwachsen werden. Aber jemand mit DS bleibt seinen Bedürfnissen gegenüber unerwachsen, ist ihnen in viel größerem Maße ausgeliefert, kann sich schwerer von ihnen distanzieren. Deshalb finde ich diesen Beitrag extrem unempathisch gegenüber einem jungen Mann mit DS, vor allem wenn er von jemand kommt, der vorgibt sich mit dieser Thematik auszukennen.
Außerdem klingt dieser Beitrag recht verbittert. Was ist Dein Problem, Fluchtgedanke? Wärst Du gerne ein Topmodel? Weil andersrum funktioniert das ja auch.
21.10.11 19:40
Gebe Fluchtgedanke Recht – das mit dem Topmodel müssen leider verdammt viele Herren früher oder später verkraften.
Genauso wie viele junge Damen, dass da kein Traumprinz auf einem weißen Ross angeritten kommt.
21.10.11 20:21
Wohl wahr. 
Sorry, das wusst' ich nicht. Daher hab ich ja gefragt. 
Überfordern würd' ich nicht sagen, aber es fehlen z.B. mir sehr viele Informationen dazu. Denke aber das sich sicherlich noch jemand meldet, der mehr dazu sagen kann.
Dein Sohn wird ja nicht sofort Geschlechtsverkehr haben, insofern ist da noch genug Raum um sich Gedanken zu machen wie man damit umgeht und wie's mit dem Nachwuchs ausschauen würde. Hier nochmal mein Vorschlag, sich mit Mitarbeitern von Hephata oder einer/einem Heilerziehungspfleger/Heilerziehungspflegerin zusammen zu setzen. Ich denke die werden sich mit dem Thema ausführlich beschäftigt haben und dich weitgehend beraten können.
Ist zwar jetzt nichts was dir sehr weiterhilft, aber ich möchte auch nicht rumspekulieren weil ich nicht so viel Ahnung habe, als das ich sinnvollere Ratschläge geben könnte.
22.10.11 20:27
Nix da verbittert. Realistisch.
Und nö, Topmodel War nie einer meiner Traumberufe, viel zu stressig und ich kann einfach nicht so... topmodelmäßig perfekt sein. Dafür bin ich einfach zu sehr ein Wirbelwind.
Unempathisch? Na wenn du meinst... hier fragt nicht der Junge, sondern der Vater- und dem hab ich nur gesagt dass es nicht ohne Verletzungen gehen kann.
Wie mache ich ihm klar, ohne ihn zu verletzen oder zu entmutigen, dass er wohl nie, den Füherschein machen kann, das 18 jährige Topmodel zur Freundin haben kann etc. ??
Das klang für mich halt nach einer reichlich naiven Idee.
Leider bin ich da eine Verfechterin von direkten Ansagen- gerade weil ich Vorerfahrungen habe. Man kann auch Kinder mit DS oder anderen Erkrankungen/Behinderungen nicht vor allem Bösen schützen, auch wenn Eltern es gern wollen.
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