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Eigenkündigung aus psychischen Gründen

Jja%nLa_Mbonaco hat die Diskussion gestartet


Hallo liebe Forums-Mitglieder,

bestimmt bin ich nicht die erste mit diesem Thema, aber bisher habe ich die "richtigen" Antworten für meine Situation einfach nicht gefunden (ich hoffe auch, mein Beitrag ist im richtigen Unterforum!). Mir geht es mittlerweile in meinem aktuellen Job überhaupt nicht mehr gut. Ich bin psychisch (und sogar physisch) stark angeschlagen und habe das auch bereits von "offizieller" Seite bestätigt bekommen (u.a. Arzt).

Ich habe nun beschlossen, bei meinem jetzigen Arbeitgeber zu kündigen, will aber auf keinen Fall einen Fehler machen. Vielleicht kann mir ja jemand bei meinen Fragen weiterhelfen:

1. Ich habe länger mit meinem Hausarzt gesprochen und er wird mir die

psychischen und physischen Probleme bestätigen. Reicht das aus um etwaige Sperrzeiten zu umgehen? Wie detailliert muss das Arztschreiben denn ausfallen (reicht hier eine allgemeine Aussage oder müssen die Probleme genau umschrieben werden)?

2. muss das Schreiben vom Arzt in diesem Fall "Attest" heißen oder einfach nur "Empfehlungsschreiben" oder "ärztlicher Bericht"?

3. Ich würde gerne eine Weiterbildung/Qualifizierungsmaßnahme machen und mir in einem anderen Bereich eine neue Tätigkeit suchen. Kann es sein, dass mich das Arbeitsamt bei der Weiterbildung bzw. der Vermittlung nicht unterstützt, da ich aufgrund meiner Erkrankung dort als vorübergehend nicht vermittelbar gelte (auch wenn es ein anderer als mein jetziger Bereich ist)?

4. Einen Tag nach dem Arztbesuch habe ich vor, meine Kündigung bei der Firma einzureichen. Tags darauf würde ich das Arbeitsamt aufsuchen und den Fragebogen zur Selbstkündigung ausfüllen. Wäre es sinnvoll, mit einem Arzt vom Arbeitsamt vorher zu sprechen oder ist mein Hausarzt, der mich seit Jahren kennt, ausreichend?

Vielen lieben Dank für Eure Hilfe!!! ???

Jana

Antworten
B`utcxh


Jana_Monaco

Hi!

Ich weiß nicht ob du rechtsschutzversichert oder in der Gewerkschaft bist, aber ich fände einen Anwalt für Arbeitsrecht am Besten. Dein Hausarzt ist Mediziner und kein Rechtsexperte und die Agentur für Arbeit (obwohl ich die mag) auch nicht immer der beste und kompetenteste Ansprechpartner. Dort musst du auf jeden Fall Fristen einhalten.

Also heute Kündigung einreichen und morgen zum Arbeitsamt reicht z.B. meiner Einschätzung nach nie und nimmer. *:)

I~sa&bell


Also heute Kündigung einreichen und morgen zum Arbeitsamt reicht z.B. meiner Einschätzung nach nie und nimmer.

Nein, reicht auch nicht. Dein Hausarzt kann da noch so viel reden und bestätigen. Das Arbeitsamt, bzw. die heutige Agentur für Arbeit will und muß da ihre eigenen "Experten" zu Rate ziehen, sprich ein sogenanntes "amtsärztliches Gutachten" wird von denen angefordert. Das kann aber dauern.

Sprich: Wenn DU kündigst, dann kann das vorerst heißen, dass Du drei Monate gesperrt bist, was Arbeitslosengeld (I) angeht. Zumindest solange, bis die amtsärztliche Untersuchung durch ist - diese kann aber dauern, bei mir war es sogar ein halbes Jahr damals (2004).

Somit war das Paradoxe: Hätte ich die dreimonatige Sperre wegen Eigenkündigung akzeptiert, dann hätte ich auch nach drei Monaten mein Arbeitslosengeld bekommen. Da ich aber gesundheitliche Gründe anbrachte, zog sich das Ganze auf 6 Monate hinaus, bis ich auch nur einen Cent gesehen habe. Klar wurde dann alles rückwirkend gezahlt - dennoch....In diesem halben Jahr hat sich meine finanzielle Situation so drastisch nach unten bewegt - logischwerweise - dass ich noch heute, 4 Jahre später, dran zu knabbern habe.

Also bitte, bitte, bitte: Versuche eine Einigung zu finden, dass DIR gekündigt wird. Und DANN, wenn es um Deine Arbeitsfähigkeit geht, betreffend gesundheitlicher Definzite, dann kannst Du noch immer mit dem Arbeitsamt/der Arbeistagentur "verhandeln". Also damit meine ich, dass Du dann noch immer die Möglichkeit hast, Dich amtsärztlich untersuchen zu lassen und so - aber nicht mehr unter dem Druck, kein Geld zu erhalten.

Ich finde unsere staatliche Versorgung sehr gut - doch ohne Defizite läuft es leider nicht ab. Und die Sachbearbeiter sind grade was diese angeht unglaublich gebunden.

Eigenkündigung - kein Geld.

Daran müssen die sich halten, vorerst, und da gibt es keine Schlupflöcher. Egal was anliegt. Ich habe da schon die verzweifelsten Sachbearbeiter erlebt, die mir am liebsten von sich aus was gegeben hätten - geht natürlich nicht. Bevor nicht amtsgemäß etwas vorliegt, können die nichts machen, sprich, Dir kein Geld geben ohne sich selber in Teufels Küche zu bringen.

:-/

gWp5x6


Ich kenne deinen Arbeitgeber nicht, aber du solltest auch mal überlegen mit einem zuständigen Menschen zu reden ob sie dich nicht aus betrieblichen Gründen entlassen wollen. Allerdings müsste man dann klären wie ein rechtssicherer Verzicht deinerseits auf Abfindung zu machen ist und ob das Arbeitsamt dann stutzig wird. Bei Kleinbetrieben dürfte das einfach sein. Bei großen Betrieben weniger.

Tdhe NDreLamexr


Also grundsätzlich gibt es hier zwei Möglichkeiten:

1. Eigenkündigung

Wenn diese Möglichkeit in Frage kommt, würde ich dringend empfehlen, vor der Kündigung mit der Agentur für Arbeit zu sprechen. Dort wird man Dir sagen, unter welchen Voraussetzungen dies ohne Einbußen beim Arbeitslosengeld möglich ist und ggf. kannst Du dann in Abstimmung mit der Arbeitsagentur Deine Kündigung einreichen.

Die Komplexität dieses Verfahrens hat Isabell ja sehr schön erläutert.

Vielleicht macht es Sinn, erst zu dem Amtsarzt zu gehen und vor der Kündigung das Ergebnis abzuwarten. Das wird man aber nur im Vorgespräch mit dem AA klären können.

2. Arbeitgeberseitige Kündigung

Zu dieser bereits von Isabell und gp 56 erwähnten Möglichkeit ist zu sagen, dass man dem Amt gegenüber jeglichem Anschein der Eigenkündigung unterlassen sollte. Denn sozialversicherungsrechtlich sind derartige Vereinbarungen, auch wenn formell der Arbeitgeber gekündigt hat, als arbeitnehmerseitige Kündigungen zu bewerten (mit den entsprechenden Folgen). Es handelt sich um dieselbe Problematik wie bei Aufhebungsverträgen.

Solltest Du Dich also für diese Möglichkeit interessieren, ist ein Vorgespräch mit der Agentur für Arbeit nicht sinnvoll, da ansonsten Verdacht geschöpft werden könnte.

Bei der betriebsbedingten Kündigung gibt es sofort (na ja, nach Prüfung der Unterlagen, bla, bla) Arbeitslosengeld und Du könntest sofort mit der Suche nach einem anderen Job suchen, sofern Dein Gesundheitszustand dies erlaubt (zum Beispiel, weil Du in einem anderen Beruf / einer anderen Firma nicht den derzeitigen Belastungen ausgesetzt wirst). Problematisch könnte hier ein Dir evtl. zustehender Abfindungsanspruch sein, siehe Beitrag von gp 56 und [[http://bundesrecht.juris.de/kschg/__1a.html]].

Finanziell besser stündest Du Dir bei einer krankheitsbedingten Kündigung. Die krankheitsbedingte Kündigung ist eine Unterform der personenbedingten Kündigung. Dann hättest Du einen Anspruch auf Krankengeld anstelle des Arbeitslosengeldes über die Beendigung des Arbeitsverhältnisses hinaus, und zwar solange, wie die AU andauert. Einen gesetzlichen Abfindungsanspruch gibt es bei personenbedingter Kündigung nicht.

ALG: 60 % (67 %, sofern Kinder vorhanden) - sofern Anspruch auf ALG 1, ansonsten gem. ALG 2

Entgeltfortzahlung während der ersten sechs Wochen 100 % durch den Arbeitgeber

Krankengeld: ca. 75 % vom letzten durchschnittlichen Nettoeinkommen.

Wirst Du dagegen erst während der Arbeitslosigkeit krankgeschrieben, entspricht das dann gezahlte Krankengeld dem Arbeitslosengeld.

Die Wirksamkeit einer krankheitsbedingten Kündigung ist an bestimmte Voraussetzungen gebunden (negative Zukunftsprognose, etc.). Du müsstest Dich also krankschreiben lassen und den Arbeitgeber über Deine Krankheit informieren. Die Entgeltfortzahlung könnte bei kurzen Kündigungsfristen über diese hinausragen, bei krankheitsbedingter Kündigung muss der Arbeitgeber sie bis zum Anspruch auf Krankengeld weiter leisten: [[http://bundesrecht.juris.de/entgfg/__8.html]].

Wenn Du Dich also erst einmal um Deine Gesundheit kümmern möchtest / musst, halte ich diese Variante im Vergleich zur betriebsbedingten Kündigung für die bessere Wahl, sowohl finanziell als auch in Hinblick auf evtl. zukünftige Eingliederungsmaßnahmen durch das Amt.

Bezüglich Details bzw. weiterer Schritte solltest Du Dich beraten lassen oder hier im Forum noch mal fragen.

Tahe mDrea<mxer


Dann hättest Du einen Anspruch auf Krankengeld anstelle des Arbeitslosengeldes über die Beendigung des Arbeitsverhältnisses hinaus, und zwar solange, wie die AU andauert.

Da sollte noch etwas stehen:

... jedoch ma. 78 Wochen.

|-o :=o

KKestdrxa


Wenn diese Möglichkeit in Frage kommt, würde ich dringend empfehlen, vor der Kündigung mit der Agentur für Arbeit zu sprechen. Dort wird man Dir sagen, unter welchen Voraussetzungen dies ohne Einbußen beim Arbeitslosengeld möglich ist und ggf. kannst Du dann in Abstimmung mit der Arbeitsagentur Deine Kündigung einreichen.

:)^ :)^ Ich würde dringend empfehlen einen Termin beim Teamleiter Arbeitnehmer/Leistung zu vereinbaren und über diese Problematik zu sprechen

IUsabHell


Kestra und The Dreamer

Ich würde dringend empfehlen einen Termin beim Teamleiter Arbeitnehmer/Leistung zu vereinbaren und über diese Problematik zu sprechen

Ich auch :)^

Ich bereue es wie gesagt bis heute, dass ich das damals nicht getan habe, sondern mich darauf verließ, dass meine krankheitsbedingte Kündigung "schon ok wäre" - was sie ja auch war letztendlich, ich hatte nur vergessen mit dem langen Weg der Bürokratie zu rechnen. :-/

r;oslaliescxhen


Also ich habe damals die Bescheinung von einem Psychologen bekommen, dass es für mich gesundheitlich nicht tragbar ist, diese Arbeit weiter auszuführen. Am Tag danach habe ich gekündigt und am Tag danch mich Arbeitslos gemeldet und es hat alles reibungslos und wunderbar geklappt.

TWhe MDreatm5exr


Ich muss das nochmal klarstellen:

Ich würde dringend empfehlen einen Termin beim Teamleiter Arbeitnehmer/Leistung zu vereinbaren und über diese Problematik zu sprechen

... aber nur, wenn die Möglichkeit der Eigenkündigung in Betracht kommt.

Zunächst sollte eine Abwägung erfolgen, ob die krankheitsbedingte Kündigung durch den Arbeitgeber nicht doch die bessere Alternative ist. In diesem Fall sollte man m.E. das Amt vorher nicht einweihen.

I_sab-exll


rosalieschen

Ist nicht bös' gemeint, aber da würde ich einfach mal sagen: "Glück gehabt". Ich hatte nämlich auch so eine Ärztin, die mir das bescheinigt hat - hat nichts genützt. Das -damalige- Arbeitsamt bestand auf eine amtsärztliche Untersuchung. :-/

T8he Drewamer


Ist nicht bös' gemeint, aber da würde ich einfach mal sagen: "Glück gehabt".

???

Vielleicht war ihr Fall einfach gravierender bzw. eindeutiger? Wie kann man da von Glück reden?

Ich denke, jeder Fall ist anders, genau wie die Laune / Tagesform des jeweiligen Sachbearbeiters und die internen Richtlinien zu verschiedenen Zeitpunkten.

Insofern macht es doch Sinn, wenn hier Erfahrungen ausgetauscht werden.

I2sabexll


The Dreamer

Grundsätzlich gebe ich Dir natürlich vollkommen recht.

Wenn ein Arbeiter, der absolut auf seine Hände angewiesen ist, diese nicht mehr gebrauchen kann, dann geht es eindeutiger sicher nicht.

Aber rosalieschen sagt:

..(...)...die Bescheinung von einem Psychologen bekommen, dass es für mich gesundheitlich nicht tragbar ist,....(...)

Sprich, es ging - wie bei mir auch - um eine psychische Erkrankung weswegen man nicht mehr diesen Job ausüben kann. Noch präziser: Bei mir war es nicht der Job als Solches, auch nicht die Arbeitsstelle selbst, sondern die Fahrtzeit und die Arbeitszeiten. Da ist für das Arbeitsamt/die Arbeitsagentur erst mal so gar nichts "eindeutig", das muß geklärt werden, dazu sind sie verpflichtet.

Und deswegen sage ich auch, dass rosalieschen Glück gehabt hat (was ich persönlich ihr absolut gönne, denn ich kenne ja das "nicht Glück haben") - doch es wäre eben einfach gefährlich, sich darauf zu verlassen!!!

*:)

Tthe D4rea{mer


Isabell

@:)

Sachlich-inhaltlich hatte ich ja verstanden, was Du sagen wolltest. Aber zwischen Deinen Zeilen klang so ein Hauch von leichtem Vorwurf, dass rosalieschens Beitrag, sagen wir, unangepracht, unpassend, wie auch immer war ("nicht bös' gemeint", "Glück gehabt"). "Glück gehabt" könnte in dem Zusammenhang auch bedeuten, dass es eigentlich hätte anders sein müssen. Aber das kann man nun aufgrund der kurzen Beschreibung nun wirklich nicht beurteilen.

Dabei hat rosalieschen m.E. das einzig Richtige gemacht, in dem sie sagte: "Also bei mir war es so ..." :)^ Sie hat eben nicht den Tipp gegeben, sich darauf zu verlassen, dass es klappt.

Deshalb fühlte ich veranlasst zu sagen, dass Eure Erfahrungsberichte gleichwertig sind. Ihr habt quasi die Bandbreite der Möglichkeiten abgesteckt. Fehlt nur noch jemand, der sagt, dass sie es bei ihr / ihm nicht anerkannt, sondern eine Sperrzeit verhängt haben. Ich dagegen kenne aus dem Bekanntenkreis noch ein Fall, bei dem schon der Name der Firma für eine Erlaubnis zur Kündigung gereicht hat. Da bedurfte es nicht einmal eines amts- oder fachärztlichen Attests. Das Unternehmen war für seine Mobbingmethoden bekannt und der betroffene Bekannte nicht der erste, der sich gemeldet hat. Ab zum Hausarzt und gut war ;-)

Schade, dass die TE sich nicht mehr meldet, dann könnte sie die Leute nach Details fragen und sich anhand der Situation, welche am ehesten zu ihr passt, ein Bild machen, wie ihre Chancen wirklich stehen.

Ifsabiell


The Dreamer

Sorry, aber worauf willst Du eigentlich hinaus??

Dabei hat rosalieschen m.E. das einzig Richtige gemacht, in dem sie sagte: "Also bei mir war es so ..." Sie hat eben nicht den Tipp gegeben, sich darauf zu verlassen, dass es klappt.

Was Anderes habe ich auch nicht getan.

Ich habe rosalieschen Erfahrungswert in keiner Weise herabgesetzt, sondern eben lediglich gesagt, dass man sich auf einen solchen Ablauf nicht verlassen kann

Deshalb fühlte ich veranlasst zu sagen, dass Eure Erfahrungsberichte gleichwertig sind.

Natürlich sind sie das *verwirrt guck*.

Ihr habt quasi die Bandbreite der Möglichkeiten abgesteckt. Fehlt nur noch jemand, der sagt, dass sie es bei ihr / ihm nicht anerkannt, sondern eine Sperrzeit verhängt haben.

Ähm....da fällt mir nur ein "Hähh ???" - genau betreffs einer solchen Sperre habe ich doch erzählt - oder nicht?

Ich verstehe grade Deine Diskussionsgrundlage hier nicht.... ??? :-/

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