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Wohnungskauf Asbest und andere Schadstoffe

dOeniGse7x7 hat die Diskussion gestartet


Hallo zusammen,

wir würden gerne umziehen, bzw. uns eine eigene Wohnung kaufen. Jetzt kommen so viele Fragen auf, Ich habe vor kurzem einen Artikel gelesen der echt erschreckend war! In wie fern sind Altbauwohnungen denn wirklich so schwer belastet (gerade mit Asbest, Formaldehyd, evtl. Schimmel) und wie gesundheitsschädlich ist es wirklich, denn so wie ich das verstanden habe ist gerade beim Asbest ein Verbot ja erst seit 1993 in Kraft getreten. Wo macht es sinn auf gewisse Dinge zu achten, und wo ist evtl. auch eine gewisse Panikmache dabei? Ich persönlich, finde gerade Altbauwohnungen schön, vom Schnitt her (die Küchen sind noch so schön gross x:)) irgendwie fühlt man sich ja nirgends mehr richtig sicher! Wenn ich denke was wir damals in unserer Altbauwohnung alles renoviert haben, stellenweise Wände rausgerissen, PVC Böden rausgerissen und weder meine Eltern noch ich hatten dadurch bisher gesundheitliche Einschränkungen. Was meint ihr, worauf würdet ihr so achten, und was kann man evtl. vernachlässigen. Es ist noch gesagt das ich einen Sohn habe, und schon alleine ihm zu liebe mir solche Gedanken mache, ich möchte ja das er Gesund bleibt x:)! Bin für Tipps und Ratschläge aller art dankbar.

Liebe grüße

Denise

Antworten
-fHTasxe-


Ich glaube, dass Panik da fehl am Platze ist. Vielleicht die Vormieter fragen ( bei Schimmel?).

G}rRin(seKaxter


Also wenn du mit "Altbauwohnung" eine Wohnung so aus der Jahrhundertwende bis 30er/40er Jahre meinst, dann brauchst du dir um Asbest in der Regel erstmal keine Sorgen machen. Asbest wurde hauptsächlich in Neubauten der 50er bis 70er Jahren verbaut (hauptsächlich bei Fassadenverkleidungen und Dacheindeckungen, "Welldachplatten" etc.) sowie im Brandschutzbereich. Solche Asbestplatten sind im "Ruhezustand" auch mehr oder weniger ungefährlich, nur wenn man sie z.B. bearbeitet, sägt, bohrt oder beim Abriss solcher Bauteile werden die darin gebundenen gesundheitsschädlichen feinen Fasern freigesetzt. Wenn du also in eine Altbauwohnung in einem schön verputzten oder geklinkerten Haus mit gemauerten Wänden und vllt. Parkettfußboden einziehst, brauchst du dir darüber keine Gedanken machen. PVC steckt wie der Name schon sagt z.B. in PVC-Bodenbelägen. Daß die Weichmacher, die da rausdiffundieren nicht grade Veilchenduft sind, ist bekannt, aber wenn man bedenkt, wo überall heutzutage Kunststoffe (nicht nur PVC) verwendet werden aus denen ebenfalls Dämpfe entweichen, dann scheints mir manchmal so, daß es dann auch schon egal ist, ob man noch einen PVC-Boden hat. Allerdings ist PVC eben auch in der Entsorgung recht umweltschädlich, weil es bei der Verbrennung u.a. Salzsäure (oder wars Schwefelsäure?) freisetzt. Hohe Formaldehyd-Konzentrationen stecken vor allem in Spanplatten bis ca. Ende der 80er Jahre, also z.B. Möbel, Einbauschränke, Fußbodenunterkonstruktionen usw. aus dieser Zeit. Allerdings könnte ich mir vorstellen, daß wenn man noch z.B. Möbel aus dieser Zeit hat, das Formaldehyd da mittlerweile zum großen Teil ausgedampft ist. Wenn man die jetzt rausschmeißt und sich dafür neue Möbel kauft, dann dampfen vllt. deren Spanplatten kein Formaldehyd aus, dafür die frische Lack- oder Kunststoffbeschichtung um so mehr irgendwelche andere Dämpfe...

Schimmel ist durchaus ein ernstzunehmendes Thema, wobei man auch da keine Panikmache betreiben sollte. Zum einen sind Bauausführungsfehler eine Ursache, oft auch in der Altbausanierung. Z.B. kann es in frisch sanierten Altbauten wunderbar anfangen zu schimmeln, wenn in eher dünne, Außenwände mit schlechten Wärmedämmeigenschaften sehr dichte und gut dämmende Fenster eingebaut werden. Dabei kann es vorkommen, daß rund um die Fenster in den Leibungen Kondenswasser anfällt und Schimmelbefall auftritt. Das gleiche, wenn man Schränke oder ähnliches direkt an schlecht dämmende Außenwände stellt, oder an dünne Innenwände, auf deren anderer Seite z.B. ein Bad ist, in dem oft hohe Luftfeuchtigkeit herrscht und das keine vernünftige Feuchtigkeitssperre unter den Fliesen eingebaut hat --> Feuchtigkeit wandert ins Mauerwerk und würde im Normalfall auf der anderen Mauerseite langsam verdunsten. Der Schrank verhindert das, wodurch hinter ihm ein schönes leicht feuchtes Klima entsteht, worüber sich der Schimmel richtig freut. Passiert gerne auch in Küchen (hohe Luftfeuchtigkeit) hinter den Einbaumöbeln, wenn die an der (schlecht gedämmten, dünnen) Außenwand montiert sind (--> Wandoberfläche kühl, feuchte warme Luft kühlt an der Wand ab, Wasserdampf kondensiert auf der Wand und trocknet hinter den Einbaumöbeln nur schlecht wieder ab).

Wiegesagt, das sind alles "Kann"-Szenarien, die keinesfalls in allen Wohnungen auftreten, aber mit dem Wissen davon kann man ja schon mal auf manche Ecken in einem evtl. interessanten Mietobjekt achten...

TWhe DIreaDme]r


@ GrinseKater

Sehr schöner und fundierter Beitrag mit vielen hilfreichen Informationen :)^

d`eni9se7x7


wow, ich bin echt begeistert von der ausführlichen Antwort. :)^ Ja, das Problem ist, das uns ein Objekt das 1967 gebaut wurde besonders ins Auge gestochen ist (Raumaufteilung etc). Und noch ein alter PVC Boden inne liegt, den wir natürlich sowiso entsorgen müssten, nicht weil er Kaputt wäre sondern extrem hässlich ;-D

Aber da es ganau in diesen Zeitrahmen fällt, lasse ich lieber die Finger davon!

Das mit den Möbeln beunruhigt mich ziemlich, wenn ich denke was für "Mist" man sich da ins Haus holt ist schon ziemlich erschreckend. Entweder ist man heute ein kleiner Millionär, dann kan man sich die guten Holzmöbel leisten, oder man muss halt mit dem Auskommen was man sich leisten kann :-(

Gibt es denn noch irgendetwas was nicht gesundheitsschädlich ist?

Auf jeden Fall vielen vielen Dank für die ausführlichen Infos

G)rinsexKater


Ich denke, ideal wären natürlich Massivholzmöbel. Da ist am wenigsten Mist drin. Aber auch Pressholzmöbel sind heutzutage im Vergleich zu früher wirklich sehr viel weniger schadstoffbelastet. Insofern war das in meinem vorherigen Beitrag zwar Kritik, aber auf hohem Niveau.

Wenn der PVC-Boden schon sehr alt ist und flächig verklebt, dann könnte man auch einfach den neuen Boden darüberlegen. Kommt natürlich drauf an, was ihr da reinlegen wollt.

Und versteht mich nicht falsch: die aufgeführten Risikostellen tauchen zwar oft grade in Gebäuden aus der Zeit ab den 50er Jahren auf (aber auch in älteren Häusern), das bedeutet jedoch keinesfalls, daß das in jedem zweiten Haus so ist. Ich hab selbst lange in einem typischen recht billig gebauten 60er Jahre Haus gewohnt aber das war vollkommen frei von "Fehlstellen". Und das ist in jeder Menge dieser Häuser so, aber es gibt halt AUCH Fälle bei denen es Probleme gibt.

G\ra_mmy


denise77

Der Grinsekater hat ja schon eine Menge interessanter Aspekte angesprochen und gut erläutert, insbesondere zum Formaldehyd und Schimmel :)^. Ergänzen möchte ich noch etwas zum Thema:

Asbest
Im privaten Wohnungsbau sind (im Gegensatz zum Industriebau und größeren Bürogebäuden) im Innenbereich vor allem [[http://www.sanierungsfachbetrieb.de/presseupload/AsbestBodenbelaegeBauBGaktuell.pdf asbesthaltige Bodenbeläge]] und [[http://img156.imageshack.us/img156/6220/img3958xe9.jpg Asbestzement-Fensterbänke]] verbreitet (was tatsächlich nicht heißt, das jedes Haus aus den 60er oder 70er Jahren betroffen ist!).
Häufiger anzutreffen sind die in dem Artikel zu den Bodenbelägen erwähnten sog. [[http://img237.imageshack.us/img237/3255/img3969kf2.jpg Floor-Flexplatten]], meist melierte kleinformatige Kunststoffplatten (ca. 20 x 20 cm) in verschiedenen Farben, oft mit dem typischen schwarzen und ebenfalls oft asbesthaltigen Kleber darunter. Problematisch sind diese, sofern unbeschädigt, nur beim Ausbau. Daher könnte man bei einwandfreier Beschaffenheit der Beläge durchaus einen neuen Bodenbelag darüber legen, wovon ich aber beim Kauf einer Wohnung absehen würde, da man das Problem so nur in die Zukunft verlagert.
Die Fensterbänke erkennt man recht gut an der waffelartigen Struktur auf der Unterseite, es sind meist ca. 2 cm dicke, harte, manchmal gepunktete oder melierte und oberseitig polierte Platten in schwarz oder hellgrau. Auch hier ist eine Gesundheitsgefährdung nur bei unsachgemäßem Ausbau, Anbohren oder starken Beschädigungen gegeben.
Gerade beim Kauf einer Eigentumswohnung sind darüberhinaus auch Asbestzement-Bauteile im Außenbereich (z.B. Fassadenplatten oder Wellplatten als Dacheindeckung) von Bedeutung, da diese bei einer zukünftigen Sanierung des Gebäudes sich durchaus deutlich in den Sanierungskosten niederschlagen, die in der Regel auf die Eigentümergemeinschaft umgelegt werden.

Schimmel
Neben den von Grinsekater bereits genannten Ursachen können auch andere nutzerbedingte Ursachen denkbar sein: z.B. unzureichende Lüftung, ständiges Wäschetrocknen in der Wohnung, mehrere größere Aquarien etc. Wenn eindeutig keine größeren baulichen Ursachen zur Schimmelbildung geführt haben, kann man im Rahmen der wahrscheilich ohnehin anstehenden Renovierungsarbeiten die befallenen Tapeten, ggf. auch den Putz entfernen und erneuern. Manchmal reicht auch ein gründliches Abwaschen mit Essigwasser (stinkt halt ein wenig... %-|). Sieht die Bude aber [[http://resources.vol.at/FastResource.aspx?ResourceID=news-20071005-02221325-image so]] aus - besser Finger weglassen. Bei der Besichtigung einer noch möblierten Wohnung deshalb am besten mal ein paar Möbel von den Wänden rücken (lassen), insbesondere an den Außenwänden.

Fazit: Das Vorhandensein solcher Schadstoffe muß nicht unbedingt vom Kauf einer ansonsten vielleicht absolut ansprechenden Wohnung abschrecken. Jedenfalls kann man versuchen, den Preis hinsichtlich der anstehenden Sanierungskosten zu drücken... ;-)


Noch 'ne Info für den Grinsekater: Salzsäure als Verbrennungsprodukt von PVC war schon richtig, [[http://de.wikipedia.org/wiki/Polyvinylchlorid#Umwelt-_und_Gesundheitsaspekte hier]] noch ein paar interessante Infos dazu.

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