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An alle Selbständigen: Umsatzsteuerfrage

mNausefuCsses hat die Diskussion gestartet


Hallo!

Ich bin momentan etwas verwirrt ...

Wie genau definieren sich die 17.500 Freigrenze?? Ist das nur der Umsatz vor Abzug sämtlicher Ausgaben wie Miete etc... ???

Antworten
zLenaxri


Hallo mausefusses,

damit meinst Du sicher die Umsatzsteuerfreigrenze für Kleinunternehmer USTG §9 Abs 1

(1) Die für Umsätze im Sinne des § 1 Abs. 1 Nr. 1 geschuldete Umsatzsteuer wird von Unternehmern, die im Inland oder in den in § 1 Abs. 3 bezeichneten Gebieten ansässig sind, nicht erhoben, wenn der in Satz 2 bezeichnete Umsatz zuzüglich der darauf entfallenden Steuer im vorangegangenen Kalenderjahr 17.500 Euro nicht überstiegen hat und im laufenden Kalenderjahr 50.000 Euro voraussichtlich nicht übersteigen wird. Umsatz im Sinne des Satzes 1 ist der nach vereinnahmten Entgelten bemessene Gesamtumsatz, gekürzt um die darin enthaltenen Umsätze von Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens. Satz 1 gilt nicht für die nach § 13a Abs. 1 Nr. 6, § 13b Abs. 2, § 14c Abs. 2 und § 25b Abs. 2 geschuldete Steuer. In den Fällen des Satzes 1 finden die Vorschriften über die Steuerbefreiung innergemeinschaftlicher Lieferungen (§ 4 Nr. 1 Buchstabe b, § 6a), über den Verzicht auf Steuerbefreiungen (§ 9), über den gesonderten Ausweis der Steuer in einer Rechnung (§ 14 Abs. 4), über die Angabe der Umsatzsteuer-Identifikationsnummern in einer Rechnung (§ 14a Abs. 1, 3 und 7) und über den Vorsteuerabzug (§ 15) keine Anwendung.

Quelle: [[http://www.gesetze-im-internet.de/ustg_1980/__19.html]]

Also im Klartext: Es zählen alle Umsätze (per Kasse und Konto) die Du einschließlich irgend welcher anderen Steuern von Deinen Kunden erhalten hast. Betriebsausgaben (Miete; Porto, Telefon, Büro) spielen keine Rolle. Sie werden bei der Gewinnermittlung berücksichtigt. Nur der Gewinn wird dann auch besteuert.

Beispiel: Du bastelst Puppen. Als Kleinunternehmer brauchst Du keine 19% Umsatzsteuer draufschlagen, was Deine Puppen für den Endverbraucher sonst teurer mache würde. Dafür kannst Du aber auch nicht die in den Materialien steckende Vorsteuer (z.B. bei Deinem Einkauf Wolle) von Deiner Umsatzsteuerschuld abziehen. Als Kleinunternehmer darfst Du keine Rechnung "incl. Mwst" ausstellen.

Grüße

m:ausPefuxsses


Ich bastel leider keine Puppen, ich habe ein Second Hand Geschäft. Mein Umsatz beläuft sich auf ca. 28.000 brutto im Jahr, dann noch ca. 15.000 Betriebskosten für Miete etc., vom spärlichen Rest muß ich dann Krankenversicherung und meine privaten Ausgaben zahlen....

Wenn ich von diesen 28.000 aber noch 4.500 Euro abgeben soll muß ich mich langsam fragen wofür ich 45 Stunden in der Woche arbeite und ob das Sinn macht.

Mit Hartz 4 wäre ich also besser dran. Es ist echt ätzend das kleine Unternehmen so ausgebeutet werden...

Danke für die Antwort.

z)enarxi


Hallo mausefusses,

das mit den Puppen war nur ein Beispiel; Meine Frau hat ein Gewerbe, in dem sie Kunsthandwerk erstellt, wenig Material, viel Arbeitsleistung. Ihr Produkt würde durch die Umsatzsteuer nur beim Privatmann teurer werden. Also bleibt sie Kleinunternehmerin.

Ich bin Handelsvertreter, kaufe Ware incl Vorsteuer und Verkaufe meist an Gewerbetreibende + Umsatzsteuer.

zu Dir: Du verkaufst sicher nur an Privatpersonen. Stellst Du denen eine Quittung aus incl. Mwst?

Kaufst Du Deine Ware von Händlern oder von Privatleuten? Wenn Du von Privat kaufst, dann hast Du auch keine Rechnung incl. Vorsteuer?

Deinen Frust kann ich gut verstehen, Gewinn und Arbeitsleistung müssen zueinander passen. Ist in der Miete Deiner Gewerberäume Vorsteuer enthalten? Leider hat der Gewinn nichts mit der Umsatzsteuer zu tun. Gerade bei der UST versteht das Finanzamt keinen Spass. Kenn ich aus eigener Erfahrung.

Trotzdem frohes Fest und viele Kunden

mha.usefVuxsses


Ich verkaufe an Privatpersonen ohne Quittung, muß ich auch lt. Finanzamt nicht da ich nur Umsatzsteuer auf meinen Provisionsanteil von 55% zahle (das sind die 28.000).Ich verkaufe Ware von Privatleuten in Komission und bekomme dafür einen Anteil von 55%.

z%enaxri


ok, dann sind die 28.000 die Bemessungsgrundlage für die UST. Das FA argumentiert so: Du schlägst auf Deinen Warenpreis ja noch die 19% USt. drauf und die mußt Du dann wieder abgeben. Also wenn Du mehr Gewinn brauchst, um zu überleben, mußt Du entweder den Endverbraucherpreis erhöhen (was wahrscheinlich nicht geht) oder den Warenumsatz, z. B. durch mehr Verkaufsfläche. Kannst Du an den 55% Provision nicht was machen?

mNau}sef:usses


Danke!!

Wenn ich an den 55% was mache laufen mir die Bringer der Ware weg und auf die bin ich leider ebenso angewiesen wie auf die Käufer....

Trotzdem vielen Dank!

Gruß Alex

pNa&paN07


mausefusses, da musst Du Dich aber mal besser einarbeiten. Als Unternehmerin sind diese Themen für Dich Pflicht, das gehört zum Handwerkszeug. Und irgendwann am Jahresende oder noch viel später merken, das man da noch mal 19% abgeben muss (evtl. sogar mit hohen Verzugszinsen, wenn es spät aufgefallen ist), führt einen Betrieb in die roten Zahlen. Würde bei Dir tippen, sogar in einen Liquiditätsengpass, mit anderen Worten, keine Kohle, Schulden, pleite. Und, ich gehe davon aus, dass Du persönlich haftest. Und die Steuern holt sich das Finanzamt von Dir, auch wenn es bis an Dein Lebensende dauert.

Ok, wollen wir aber mal "lessons learned" annehmen. Deine Kosten könnten auch einiges an Vorsteuer beinhalten, zu deren Abzug Du bereichtigt bist. Im besten Falle wären da über 2.300 Euro Vorsteuer abziehbar. Gegenüber den gut 4.400 Euro Steuerschuld. MAcht eben eine Differenz von 2.100 Euro. Schon besser als 4.400, aber die 2.100 sind zu zahlen, da wird kaum ein Weg dran vorbeiführen.

Und jetzt mal ganz harte Worte: Du als Unternehmerin bist erst mal die Einzige, die bewerten kann, ob Dein Geschäftsmodell tragfähig ist. Du bist erst mal die Einzige, die daran auch Veränderungen vornehmen kann, bis es trägt. Ein Geschäftsmodell ist aber nur tragfähig, wenn es nach Abzug aller Kosten und auch nach Zahlung der Steuern noch einen Gewinn abwirft, den Du als Unternehmesziel hast. (Und finanzierbar - von der Liquidität her - muss es auch bnoch sein). Dein Gewinnziel scheint "Deckung des Lebensunterhaltes" zu sein, damit kennst Du mal Deine erste Unternehmenskennziffer, nämlich den Zielgewinn nach Steuern. Du musst einen Geschäftsplan haben, der Dir genau aufzeigt, welche Umsätze Du täglich, wöchentlich, monatlich machen musst, wie genau Deine geschäftliche Kostenstruktur ist, wie Dein "Cash Flow" aussieht. Das klingt wahsinnig kompliziert, ist es aber nicht. Der aktuelle Kontostand ist keine Kennziffer, anhand derer Du irgendeine Steuerung oder Beurteilung Deiner Unternehmenslage vornehmen kannst.

Und noch eins: Trenne bitte unbedingt geschäftliche und private Kassen auf.

Amen. ;-) Sorry für das "Wort zum Sonntag" hier, aber ich krieg immer ne Allergie, wenn die Leute sagen "Steuern machen mein Geschäft kaputt". Steuern zahlt nur der, der Gewinne macht. Und wer Gewinne macht, kann auch Steuern zahlen. Ausser es werden andere Fehler gemacht (s.o.), das ist aber immer erst mal der Fehler des Unternehmers, nicht des Staates.

m^ausqefu4sseVs


Der Staat ruiniert Kleinunternehmer mit geringem Einkommen, das ist kein jammern sondern fakt.

Ich bin aus der Arbeitslosigkeit in die Selbständigkeit gegangen und habe damals einen Steuerberater aufgesucht zwecks Beratung, diese hat leider versäumt mir diese Umsatzsteuergeschichte zu erläutern. Einen Steuerberater auf Dauer kann ich mir leider nicht leisten.

Da ich, wie gesagt, ein second hand bin und Ware auf Komission verkaufe, tätige ich keine Einkäufe und habe somit keine nennenswerte Vorsteuer.

Ich habe bereits von meinem "Privatvermögen" Umsatzsteuer für 2 Jahre nachgezahlt, das Problem daran ist halt nur das ich in diesen Jahren entsprechend niedrige Preise hatte, seit ich es weiß hab ich die Preise etwas angehoben.

Ich weiß grundsätzlich das ich mich hätte informieren müssen, ich habe allerdings fälschlicherweise auf den Steuerberater vertraut.

Nun weiß ich ja Bescheid und kann weiter beobachten ob die Kunden langfristig die Preiserhöhung mitmachen. Von einer Pleite bin ich zum Glück weit entfernt da ich ein vorsichtiger Mensch bin.

Den Laden Miete ich, das Inventar hat mich ca. 3000.- gekostet, die Ware die ich verkaufe nehme ich in Komission, ich hab also nix investiert. Ich könnte hier innerhalb von 3 Monaten die Türen schließen ohne das ich deshalb Schulden habe.

p\apxa07


Bin froh zu hören, das es bei Dir besser aussieht, als man nach Deinem ersten Post hätte denken können!!!

Der Staat ruiniert Kleinunternehmer mit geringem Einkommen, das ist kein jammern sondern fakt.

Das halte ich nicht für richtig. Wie macht er das? Indem er sich erdreistet überhaupt irgendeine Art Steuer einzufordern? Bei Deiner GuV bleibst Du doch sogar von Deinem zu versteuernden Einkommen unter den Steuerfreigrenzen, mit anderen Worten, ausser Umsatzsteuer zahlste nix. Was tut Dir der Staat denn sonst noch an, hab ich da was übersehen?

W&eiszs_nBichxt


[quote]Ok, wollen wir aber mal "lessons learned" annehmen. Deine Kosten könnten auch einiges an Vorsteuer beinhalten, zu deren Abzug Du bereichtigt bist. Im besten Falle wären da über 2.300 Euro Vorsteuer abziehbar. [/quote]

Wie kommst du auf 2.300 EUR Vorsteuer? *kopfkratz*

Beim Kauf von Privat darf man sich keine Vorsteuer abziehen. Somit fällt "Vorsteuer aus der Ware" schon mal flach.

Die einzige Möglichkeit wären Dinge wie Miete, Telefon, Internet, "Verkaufstüten", Betriebskosten etc.

Weiters denke ich, dass bei dir noch Einkommensteuer anfällt da du die Freigrenze überschreitest.

W8ei5s0s_nMicxht


Im Übrigen würd mich interessieren, wieviel du deinem Steuerberater zahlst.

Irgendwie scheint mir, dass er dich absolut nicht aufgeklärt hat. :-/

mBavusef!usses


Ich hatte einen Steuerberater vor Beginn der Selbständigkeit zwecks Infolehrgang zur Buchführung, ich kann es mir nicht leisten dauerhaft einen zu beschäftigen.

Ich zahle keine Einkommenssteuer da mein Netto die 7.800 nicht übersteigt, damit lebe ich von einem monatlichen Netto von 650.- Euro, also unter Hartz 4, aber es ist ok, ich fahre nur Rad und dann geht das schon.

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