» »

Ich möchte aus dieser Prüfungssituation heraus

SSetzxen6 hat die Diskussion gestartet


Hallo!

Ich könnte diesen Thread auch in einem Lehrerforum posten, aber ich entscheide mich bewusst für dieses Forum. Dies liegt daran (liebe Kollegen, bitte verzeiht mir!), dass in den Lehrerkollegen ein ziemlich übler Ton herrscht und diese Berufsgruppe tatsächlich teilweise nicht vor Empathie strotzt.

Empathie will ich auch gar nicht haben, sondern irgendetwas anderes.

Ich fasse mich kurz: Bin Lehramtsanwärterin in Bayern an einer Hauptschule. Befinde mich im ersten Jahr, unterrichte also seit 5 Monaten. Mir wurde von allen Seiten bescheinigt, dass ich meinen Job gut mache, wenn nicht sogar sehr gut. Es gab bisher keinerlei Beschwerden, im Gegenteil. Die Schüler respektieren mich, mein Unterricht ist solide und in den Lehrproben im sehr guten Bereich. Alles palletti. Und ja, ich gehe sogar gerne zur Schule.

Aber das alles wird übermächtig. Alle wollen irgendetwas von mir, ich bin nicht mehr incognito im Leben unterwegs, ich muss etwas "sein", etwas "können", mein Geld wert sein, meinen Leistungsstandard weiterhin unter Beweis stellen.

Und jetzt lähmt es mich plötzlich. Montag habe ich eine Lehrprobe und muss erschreckenderweise zugeben, noch nichts dafür getan zu haben. Irgendwie werde ich es schon noch schaffen – das letzte Mal habe ich auch 4 Tage und Nächte durchgearbeitet.

Nur weshalb konnte ich mich nicht vorher motivieren? Wieso geht alles nur noch unter dem allerhöchsten Druck? Ich merke, wie es mir entgleitet, wie es mich in Beschlag nimmt, mich lähmt.

Wie lange ertrage ich das noch? Als ich meine Zweifel bei Seminarleiter und Betreuungslehrerin ansprach, fielen die aus allen Wolken. Man habe mir nichts angemerkt und meine Leistungen würden es nicht erlauben, dass ich jetzt aufhöre.

Aufhören will ich auch gar nicht. Aber irgendwie halte ich es auch nicht aus. Mittlerweile reagiere ich regelrecht manisch: Schlafe kaum noch (2 Stunden pro Nacht), bin überdreht, himmelhochjauchzend. In einer Minute denke ich, ich schaffe das, mit Bravour. Erinnere mich an all das Lob, die Anerkennung. Im nächsten Moment bin ich mir sicher, es nicht zu schaffen, das Niveau nicht zu halten, nicht mehr zu können.

Was soll ich tun? Ich erkenne mich nicht wieder.

Antworten
Tnwis"ter2


Hört sich irgendwie nach Burn Out an. Ich kann dir nichts dazu raten, da mir die persönliche Erfahrung fehlt, aber vielleicht liest du mal nach, ob das deiner Situation nahe kommt.

S;elt%zen6


Danke für deine Antwort! @:)

Ich weiß, dass das nach Burn-Out klingt. Aber ich kann nicht nach 5 Monaten ein Burn-Out haben. Wie schwächlich bin ich, wenn ich das nicht aushalte? Und ich gehe ja gerne in die Schule. Nur zuhause bin ich völlig lethargisch, kann den Unterricht kaum vorbereiten geschweige denn Lehrproben planen. Sobald ich aus der Schule raus bin, klappt nichts mehr.

N4i&obUex30


Ich habe in meinem Freundeskreis sehr viele Lehrer. Das Referendariat war für die meisten die absolute Hölle. Die waren alle nach den zwei jahren völlig ausgebrannt und haben währenddessen sehr gelitten. Auch die bei denen es gut lief! Es ist wohl unglaublich stressig wenn alles was man tut genau beobachtet, mitnotiert und bewertet wird. Deshalb denke ich, dass es bei dir völlig normal läuft.

Ich kann dir nur raten durchzuhalten und immer daran zu denken, dass du nur einen begrenzten Zeitraum unter so einem extremen Druck stehst. Danach wird bestimmt alles viel bessser. Augen zu und durch!

S?u&n,flowerj_x73


Es gibt leider einige Berufsbereiche, wo der Einstieg im Prinzip zu einer langandauernden Prüfungssituation wird (Lehre, Juristen, Psychologen).

Ich bin letzteres, stecke seit Jahren in der Psychotherapeuten-Weiterbildung und arbeite aktuell in einer Klinik. Es macht Spaß – aber es ist anstrengend, weil man eben nicht nur den Job an sich macht, sondern von Außen ständig Druck bekommt. Ständig unter Beobachtung steht, ständig irgendwelche Anforderungen erfüllen muss, statt "einfach" nur zu arbeiten. Was am Anfang ja auch schon eine Umstellung und mit Anstrengung verbunden ist.

Ein wichtige Punkt ist aber auch:

Wie viel Druck macht man sich selber? Wo schaltet man nicht ab, gönnt sich zu wenig Freizeit, will zu toll sein und Vorgesetzten/Prüfenden extrem gefallen? Klar, es hängt auch hier wieder die Zukunft dran...

So richtig weise Ratschläge kann ich gerade auch nicht geben, da ich mein Verhalten auch als suboptimal einstufe: Arbeit – esse – Bett. Keine Abwechslung, Mitte der Woche gehe ich auf dem Zahnfleisch, ständig noch x Dinge, die ich für Weiterbildung/Abschlussprüfung machen müsste.

THEORETISCH müsste man Druck rausnehmen und mal besser für sich sorgen. Wieder grundlegende Sachen wie normales Schlafverhalten beachten (ich falle oft nach der Klinik in den Tiefschlaf, werde späabends wach, drehe wieder auf, komme nicht zur Ruhe – und morgens komme ich kaum aus dem Bett).

Überprüfe mal, wo Du selber Druck rausnehmen kannst. Und wenn Du eh überlegst, alles hinzuwerfen: Vielleicht besser durchhalten mit weniger tollem Ergebnis und dann neuorientieren, wenn Du ALLE Optionen hast?

Und – mal ganz pragmatisch: Notfalls mal 1, 2 Wochen krankschreiben lassen. Sich erholen und Entscheidungen in Ruhe durchdenken, statt aus Überforderung und akutem Druck heraus etwas Falsches zu entscheiden.

Tmwiste!rx2


Das ist kein Zeichen von Schwäche. Ganz im Gegenteil. Es erwischt oft gerade die wirklich Guten in ihrem Job. Wenn man Erfolg gewohnt ist, muß man immer mehr und mehr geben, bis man nicht mehr kann oder bis der ganz große Fall kommt. Eine Art von Wettrüsten.

Aufgeben willst du ja sicher nicht und wenn du dich zum Burn Out einliest und vielleicht für dich ein paar sinnvolle Tipps entdeckst, wird das auch nicht schaden.

Ansonsten bieten manche Unis auch eine psychologische Beratung an, die dir hilft, wenn du meinst, daß es grenzwertig wird. Manchmal muß man sich einfach 'auskotzen'. :)*

SEa}tine


Ich drück dich mal (unbekannterweise) ganz fest. :°_ :)_

Habe auch von ganz vielen Bekannten gehört, dass ihr Referendariat die Hölle war. :-/ So gesehen bin ich froh, damals nicht auch auf Lehramt umgeschwenkt zu haben wie meine damals beste Freundin. Die hat sich trotz vieler privater Probleme durchs Examen gequält wäre jetzt im Juli mit dem Referendariat fertig geworden. Für sie war es besonders schwer, da sie das Gefühl hatte von allen Seiten nur Druck zu bekommen. Bei ihr waren auch oft negative Bemerkungen über ihre Leistungen dabei, was sie noch mehr unter Druck gesetzt hat. Sie war immer eine gute Studentin und hat alles gewissenhaft erledigt. Das es jetzt anscheinend nicht mehr gut genug war, hat sie total fertig gemacht. Ihre betreuende Lehrerin hat sie wo es nur ging in die Pfanne gehauen (vorbereitete Stunden "geklaut" etc.) und der Direktor hat sich nicht hinter sie gestellt bei Konflikten mit den Eltern.

Mein letzter Stand (irgendwann im Januar) war, dass sie abgebrochen hat. Nach all der Zeit im Studium und im Referendariat. Nach all der Arbeit. Ihr einziges Ziel war es, Lehrerin zu sein und den Kindern etwas beizubringen. Es besser zu machen. Alles zunichte. Das finde ich sehr schade. Die paar Monate hätte sie noch gar durchhalten sollen. Wobei ich ganz genau weiss, wie sie sich gefühlt hat, denn ich habe auch schonmal ein Studium abgebrochen bzw unterbrochen. Es geht dann einfach nicht mehr. Man will einfach weg von dem ganzen Scheiß. Nix mehr sehen und hören müssen, was damit zu tun hat. Im Nachhinein könnte ich mich selbst in den Arsch beißen, dass ich damals nicht durchgehalten habe. Ich habe zwar nach eineinhalb Jahren den Abschluss gar gemacht, aber es war ein harter Kampf für mich. Und die verlorene Zeit kommt nie wieder.

Bitte gib jetzt nicht auf. Rede mit den Betreuungspersonen und vor allem: Wenns nicht mehr geht: Lieber ein paar Tage krank sein, da hat Sunflower ganz recht!!

Viel Erfolg bei deiner Lehrprobe! :)* :)* :)*

Tschakka, du schaffst das! @:)

S]etXze_n6


Danke für die Antworten! @:)

@ Niobe30

Ich kann dir nur raten durchzuhalten und immer daran zu denken, dass du nur einen begrenzten Zeitraum unter so einem extremen Druck stehst. Danach wird bestimmt alles viel bessser. Augen zu und durch!

Das sage ich mir ja auch dauernd. Und das werde ich mir vermutlich auch Montag nach der Lehrprobe sagen. Aber jetzt gerade gehe ich irgendwie unter.

@ sunflower

Du scheinst meine Situation wirklich zu kennen. :)_ :°_

Wie viel Druck macht man sich selber? Wo schaltet man nicht ab, gönnt sich zu wenig Freizeit, will zu toll sein und Vorgesetzten/Prüfenden extrem gefallen? Klar, es hängt auch hier wieder die Zukunft dran...

Ich habe da aber ein konkretes Problem: Ich denke, dass ich nur etwas wert bin, wenn ich etwas leiste. Ich bin optisch keine Schönheit und irgendwie blieb mir bisher immer nur mein beruflicher Erfolg. Ich wollte immer überall die Beste sein um irgendeine Rechtfertigung zu haben, warum ich leben darf. Ich schäme mich dauernd für mich selbst und meine guten Noten sind das einzige, was mich irgendwie bestätigt.

Und – mal ganz pragmatisch: Notfalls mal 1, 2 Wochen krankschreiben lassen. Sich erholen und Entscheidungen in Ruhe durchdenken, statt aus Überforderung und akutem Druck heraus etwas Falsches zu entscheiden.

Ich war letzte Woche schon komplett krankgeschrieben, da ich eine Gürtelrose im Gesicht hatte. Untypisch in meinem Alter, sagte der Arzt. Ob ich Stress hätte...?! :=o

Aber anstatt mich auszuruhen, wurde ich völlig lethargisch, die Gedanken waren düster. Kein Entspannen, sondern ein Gefühl von Nutzlosigkeit. Ich habe mich schrecklich gefühlt, weil meine Kollegen mich vertreten mussten. Dabei vertrete ich sie sonst auch oft.

@ Twister

Das ist kein Zeichen von Schwäche. Ganz im Gegenteil. Es erwischt oft gerade die wirklich Guten in ihrem Job. Wenn man Erfolg gewohnt ist, muß man immer mehr und mehr geben, bis man nicht mehr kann oder bis der ganz große Fall kommt. Eine Art von Wettrüsten.

Ja, genau das ist es.

Ansonsten bieten manche Unis auch eine psychologische Beratung an, die dir hilft, wenn du meinst, daß es grenzwertig wird. Manchmal muß man sich einfach 'auskotzen

Mir hat mein Arzt schon geraten, mir Hilfe zu suchen. Weil ich ständig Herpes habe und nun letzte Woche sogar die Gürtelrose. Außerdem verfalle ich im Sekundentakt aus völliger Lähmung in Aktionismus und beides ist völlig unangemessen.

@ satine

Ich drück dich mal (unbekannterweise) ganz fest.

Danke schön! :)_

Habe auch von ganz vielen Bekannten gehört, dass ihr Referendariat die Hölle war.

Bei uns haben schon ganz viele abgebrochen. Es ist absolut klar, dass Lehrjahre keine Herrenjahre sind, aber irgendwie ist es schon heftig. sehr heftig.

Bitte gib jetzt nicht auf. Rede mit den Betreuungspersonen

Wie gesagt, die waren baff erstaunt. Man merke mir das angeblich gar nicht an und ich sei doch auch nicht der Typ der etwas abbricht und blablabla. Die machen mir genau den Druck, den ich nicht will. Aber vielleicht haben sie Recht und ich brauche diesen Druck. Merkwürdig nur, dass eine Seminarkollegin, die abgebrochen hat, kommentarlos ziehen gelassen wurde. Auf die hat niemand eingeredet, sie solle bleiben. Mir machen sie Stress.

Tschakka, du schaffst das!

Danke schön.

b/iene300x7


Das Referendariat war für die meisten die absolute Hölle.

Das kann ich leider aus eigener Erfahrung bestätigen. Ich kenne fast niemanden, der im Ref nicht in irgendeiner Art und Weise sehr deutlich an seine Grenzen gestoßen ist. Das Ref war die schlimmste Zeit meines Lebens, ich war enorm unkreativ und ständig unter Druck. Du bist mit diesem Problem also nicht allein. :)_

Für den Moment kann ich Dir folgende Tipps geben:

1. Nimm Dir Zeit für Dich. Bei mir ist z. B. die Zeit von Freitagnachmittag bis Sonntagnachmittag für die Vorbereitung tabu und war es auch schon immer (abgesehen von den Lehrproben). Unter der Woche war meine abendliche Deadline im Ref glaub ich um 21 Uhr.

2. Arbeite keine Nächte durch, egal wie viele Lehrproben anstehen. So wichtig ist die Schule nicht, und so wichtig sind die Lehrproben nicht.

3. Leg den Perfektionismus ab. Die anderen kochen auch nur mit Wasser. Bereite Deine Stunden solide, aber nicht zwingend perfekt vor – vor allem, was den alltäglichen Unterricht angeht.

4. Halte Dir vor Augen, was Du alles gut kannst und wie viel Du schon erreicht hast. Es ist nur noch ein kleiner Schritt, bis Du die ganze Ref-Scheiße hinter Dir lassen kannst.

5. Mach Dir klar, dass das Ref vergeht. Danach wird definitiv alles besser! @:)

Vielleicht fällt mir noch mehr ein, dann schreib ichs in diesen Thread.

:)_ Alles Gute und viel Durchhaltevermögen,

S?at|ine


Mir machen sie Stress.

Weil sie von dir überzeugt sind. :)^

Ach ja, von einem (GS)-Lehrer Mitte 30 hab ich gehört, das das Referendariat zwar eine harte Zeit war, aber auch nicht die Hölle auf Erden. Wirklich keine Ahnung, was der anders gemacht hat. ":/ Er ist jetzt jedenfalls Konrektor und selbst Betreuungslehrer für Referendare. Er meinte damals zu dem Problem meiner Freundin, dass sie durchhalten soll, da es danach echt super ist, weil man dann sein eigenes Ding durchziehen kann. Anscheinend fühlt er sich nicht mehr von allen Seiten beobachtet.

Also wenn man nach ihm geht, dann lohnt es sich, durchzuhalten.

Saetzce2nx6


Letzte Woche war ich krangeschrieben wegen einer Gürtelrose im Gesicht. Seit heute bin ich wieder krank geschrieben: Grippe mit relativ hohem Fieber.

Es hört einfach nicht auf...

Smati ne


Naja, dein Körper sagt dir, dass du eine Pause brauchst. Nimm sie dir. :)*

bvieQne0x07


Bei echter Grippe bitte auf jeden Fall ins Bett legen und mindestens zwei Wochen lang nicht in die Schule! Sonst tust Du weder Dir, noch Schülern, noch Kollegen einen Gefallen.

@:) Gute Besserung!

SMetzLen6


Der Arzt konnte nicht sagen, ob es "echte" Grippe oder nur ein grippaler Infekt ist, aber da das Fieber ausgeprägt ist und ich mich wirklich elend fühle (höre schlecht, Augen geschwollen), soll ich auf jeden Fall Bettruhe halten. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass sich mein Immunsystem gegen nichts mehr wehrt. Als würde mein Körper aufgeben.

Gute Besserung!

Danke!

b(ienex007


Ist doch aber eigentlich gut, wenn Dein Körper Dir jetzt mal eine Zwangspause verschafft (wenn auch Fieber echt anstrengend ist! {:( ). Stell Dir vor, Du wärst nicht ganz so krank, dann würdest Du womöglich erwägen, in die Schule zu gehen. Jetzt ist es erstmal an der Zeit, dass Du Dich ausreichend kurierst, erholst und durchatmest. Versuch das einfach zu akzeptieren und nicht zu hadern, warum Du jetzt krank bist. @:)

Wollen Sie selber etwas dazu schreiben?

Dann melden Sie sich an bzw. lassen Sie sich jetzt registrieren, das ist kostenlos und innerhalb weniger Minuten erledigt. Interessant sind sicher auch die übrigen Diskussionen des Forums Beruf, Alltag und Umwelt oder aber Sie besuchen eines der anderen Unterforen:

Allergien · Zahnmedizin


Nicht angemeldet: Anmelden | Registrieren | Zugangsdaten vergessen? | Hilfe

Startseite | Impressum | Nutzungsbedingungen | Netiquette | Datenschutz | Mobile Ansicht   © med1 Online Service GmbH