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Wie kündigt man richtig beim Chef/ Geschäftsführer?

Avcinbonxyx hat die Diskussion gestartet


Hallo zusammen,

ich stecke grad in einer Zwickmühle, da ich von Freunden und Verwandten unterschiedliche Ratschläge höre und ich selbst einfach nicht weiß, wie ich handeln soll. Deswegen würde ich gern noch weitere Sichtweisen von Euch lesen wollen.

Zur Vorgeschichte:

Ich arbeite seit knapp vier Jahren bei einer Firma und habe dort als Berufseinsteiger angefangen. Seit zwei Jahren habe ich ständig Dienstreisen über vier-fünf Tage und die sind nicht grad direkt um die Ecke. In den letzten Monaten merke ich, dass mich das ziemlich auslaugt und ich einfach nicht mehr kann. Jede Dienstreise mehr dorthin macht mich einfach fertig. Vor einem Monat war ich dann deswegen so erledigt, dass ich krank wurde. Ich bat daraufhin Chef und Bereichsleiter zu einem Gespräch und hatte vorher schon angekündigt, dass die Krankheit psychische Ursachen hatte. Die Firma ist eigentlich sehr sozial und verständnisvoll und nimmt auf Wünsche der Arbeitnehmer Rücksicht. Bei anderen langwierigen Dienstreisen wird normalerweise auch halbjährlich rotiert, so dass jeder mal eine Pause hat und andere dafür "randürfen". Ich sah das nicht als Problem, das in meinem Fall auch so durchzuführen. Ich bin also mit einem guten Gefühl zum Gesprächstermin gegangen.

Nach der Krankheit ging es also zum Sechs-Augen-Gespräch mit besagten Chef und Bereichsleiter. Ich nannte die Gründe, bat um Rotation und schon hieß es vom Bereichsleiter, dass ich egoistisch und unkollegial sei. Ich zeige keinen Einsatz für die Firma usw. Er hat sich regelrecht in einen Rausch geredet (wohl schlechten Tag gehabt, aber man sollte das nicht an andere auslassen). Und als ich dann um ein Beispiel bat, dass diese ... ähm, "Kritik" (Beleidigungen) ... beweisen würde, blickte er auf den Schreibtisch runter und sagte: "Hab jetzt keins." Boah, ich hab vor Wut gekocht!

Danach hab ich beschlossen, nach anderen Stellen Ausschau zu halten und tatsächlich schon zwei Wochen später eine Zusage erhalten. Ein Job in einer anderen Stadt mit null Dienstreisen und deutlich mehr Gehalt (pro Jahr im fünfstelligen Bereich mehr). In dieser Stadt wohnt auch die Hälfte meiner Verwandtschaft – passt also alles super!

Das heißt also, dass ich bald kündigen werde. Ursache sind die Dienstreisen und das geringe Gehalt (auch wenn ich erfahren habe, dass ich nächsten Monat eine Gehaltserhöhung bekommen soll ... fällt das unter Ironie?). Auslöser waren die Beleidigungen des Bereichsleiters. Problem: Dreimonatige Kündigungsfrist bis Quartalsende. Aufhebungsvertrag kann ich vergessen, da dort pro Wissensgebiet nur zwei Experten gibt und die andere im Elternzeit ist. Da hab ich also irgendjemand ordentlich einzulernen und das ist nicht in vier Wochen erledigt. Ich hab einen guten Draht zur Geschäftsführung. Niemand ahnt auch nur das geringste.

Meine Fragen sind nun, wie ich kündigen soll? Soll ich das kurz und knapp mit "Neue Herausforderung" begründen? Dienstreisen und Gehalt als Grund nennen (ich wusste als Berufseinsteiger schließlich nicht, wie belastbar ich mit Dienstreisen bin)? Plus familiäre Gründe? Oder auch die Beleidigungen des Bereichsleiters aufzählen, die schließlich das Fass zum Üerlaufen gebracht haben?

Und bei wem kündige ich? Beim Chef, der schweigend beim Sechs-Augen-Gespräch dabei war und hauptsächlich dem Bereichsleiter zugestimmt und nie widersprochen/gebremst hat? Beim Geschäftsführer persönlich? Bei der Person, die zwischen Mitarbeiter und Geschäftsführung steht (eine Art Betriebsrat – ist sehr nett)?

Und letzte Frage: Die werden bestimmt nach dem neuen Arbeitgeber fragen. Da der nicht zur Konkurrenz gehört, würden sie da ja erstmal nicht nach Luft schnappen. Andererseits vertraue ich dem Bereichsleiter überhaupt nicht mehr und weiß nicht, ob er da noch Wege findet, mich dort schlechtzureden. Aber die Frage mit "Kein Kommentar" abzuwürgen, wird beim Geschäftsführer wohl nicht gut ankommen und drei Monate muss ich da ja noch irgendwie durchhalten und ich will eigentlich einfach in Ruhe die anderen Leute einarbeiten und gut. Ist nicht mein Plan, dort im Streit wegzugehen.

Meine Gedanken drehen sich echt im Kreis. Wie würdet Ihr das machen? Bzw. was sind Eure Erfahrungen bei Kündigungen?

Antworten
C"ao(imChe


Ich würde ein Gespräch mit dem Chef führen, die schriftliche Kündigung schon dabei. Dann sagst du, dass die Kombination aus mehr Geld und keine Dienstreisen der Grund sind, das Austicken des Bereichsleiters aber auch zu deinen Kündigungsgründen gehört. Du erwähnst, dass es dir in der Firma gefallen hat und du die gute Zusammenarbeit bis heute schätzt und hoffst, dass das bis zum Ausscheiden aus der Firma so bleibt. Dann gibst du die Kündigung ab und gut.

Würde ich so machen. Als ich kündigen musste war ich sehr traurig, aber jeder wusste dass ich gehen muss. Die Kündigung war trotzdem nicht so easy. Klappt trotzdem ;-)

k2ami6kvaxze


Andererseits vertraue ich dem Bereichsleiter überhaupt nicht mehr und weiß nicht, ob er da noch Wege findet, mich dort schlechtzureden. Aber die Frage mit "Kein Kommentar" abzuwürgen, wird beim Geschäftsführer wohl nicht gut ankommen und drei Monate muss ich da ja noch irgendwie durchhalten

Ich finde caoimhes Vorschlag sehr gut und möchte bezüglich deiner oben zitierten bedenken ergänzen, dass ich an Deiner stelle einfach ein bißchen lügen würde. Ich würde (wenn er überhaupt fragen sollte) einfach mitteilen, dass Du derzeit noch nichts in Aussicht hast, jedoch suchst und sicher im Laufe der nächsten drei Monate etwas finden wirst.

H=erTman_Ythe_+German


Du brauchst die Kündigung doch nicht zu begründen. Das wäre mir neu. So lange Du die Kündigungsfrist einhältst.

KBadphidxya


Das finde ich gut!

Vielleicht kannst Du im Gespräch sagen, dass Du ausgelöst von der harschen Kritik ohne Beispiel des Bereichsleiters, überlegt hast, was Du von dieser Kritik annehmen kannst und zu dem Ergebnis kamst, dass die in weiten Teilen ungerechtfertigt ist. Sie war ja auch ohne Beispiel.

Dass Du es bei einem Gespräch unmittelbar wegen Krankschreibung mit psychischen Problemen menschlich ganz unmöglich findest, so mit einem Arbeitnehmer zu sprechen und unbelegbare Kritik auf diese Weise zu äußern.

Dass Du alles was Du kannst für die Firma gegeben hast und Dich nicht geschätzt fühlst.

Dass Du letztendlich nach einiger Beurfserfahrung gemerkt hast, dass Du nicht soviele Dienstreisen machen kannst und einen Job offeriert bekamst, der weniger Dienstreisen und besseres Gehalt beinhaltet und der noch dazu in der Nähe von Verwandtschaft liegt, die Du wegen der Entfernung nicht so oft sehen konntest.

Vielleicht noch, dass es Dir angesichts abgesehen von diesem kürzlich vorgekommenen Vorkommnis in der Firma sehr gut gefallen hast und Du Dich wohl gefühlt hast, dass Du aber zu dem Schluß gekommen bist, dass Du nicht 100 % in das Arbeitsprofil passt, weil Du nicht so viele Fienstreisen machen kannst, und daher andere Wege beschreiten willst.

*:)

K,adhqi&dya


Was ich sagte, bezog sich auf Caoimhe.

A3cinonxyx


@ Caoimhe

Hm, klingt vernünftig, auch wenn ich noch ziemlich sauer auf meinem Chef bin. Erst dem Bereichsleiter zustimmen und dann im Mitarbeitergespräch kurze Zeit später das ziemliche Gegenteil sagen – was soll denn so ein Mist?

@ kamikaze

Nee, lügen werde ich auf gar keinen Fall. Dann doch lieber "Kein Kommentar". In dem Punkt werden die das vielleicht verkraften.

@ Herman_the_German

Ja, Arbeitnehmer sind nicht verpflichtet, eine Kündigung zu begründen. Aber mich drei Monate lang von 50 Kollegen + Chef + Geschäftsführer mit der Frage "Warum?" durchlöchern zu lassen stelle ich mir ziemlich stressig vor und wirkt sich bestimmt nicht positiv aufs Arbeitsklima aus. Auf der anderen Seite können eigentlich Chef und Bereichsleiter von selbst drauf kommen ... grrr >:(

C#aoiGmhge


Wut ist kein guter Berater wenn man im Guten aus der Firma gehen will. Ich würde beide Augen zudrücken, du bist ja eh bald weg.

A5c"inoxnyx


@ Kadhidya

Danke, das klingt alles ganz gut. Wenn aber diese "tolle" Sechs-Augen-Gespräch mit erwähnt wird und bis zur Geschäftsführung dringt, stehen ja zwei Aussagen gegen eine. Es kann passieren, dass der Bereichsleiter eine übern Schädel gezogen bekommt. Es kann aber auch passieren, dass die mich als Lügner hinstellen wollen, der noch Gift ins Klima streuen will. Deswegen mache ich mir so viele Gedanken zum Nennen dieses Grundes. Ob es doch nur unter den drei Mitwissern bleiben soll oder ob sich das rumspricht und jeder seins denken soll...

L7udi8x4


Dein neuer Arbeitgeber geht Deine alte Firma aber mal überhaupt gar nichts an. Würde ich denen auch nicht sagen. Wenn sie fragen, ob Du schon was neues hast, würde ich einfach sagen "vielleicht" oder sowas.

ABcifnonyxx


@ Caoimhe

Ja, die Wut muss ich noch in den Griff kriegen, aber es wird von Tag zu Tag besser. Im Endeffekt können sie mir dann ja auch nix mehr – ich bleibe so nett wie möglich, gebe mein Wissen an andere Kollegen weiter und will zum Schluss noch ein gutes Zeugnis bekommen.

@ Ludi84

Also ich glaub langsam auch, dass ich den neuen Arbeitgeber nicht nennen werde. Andere, die gekündigt haben, haben den immer genannt, aber ich werde dazu schweigen.

Frage an alle: Weiß jemand, ob neuer und alter Arbeitgeber irgendwann in Kontakt treten um irgendwelche Daten auszutauschen (Krankenkasse, Lohnsteuer...)?

L|u?d>ix84


Von der Lohnsteuerkarte könnte Dein neuer Arbeitgeber Deinen alten Arbeitgeber herausfinden, aber ich dachte, die Lohnsteuerkarten seien dieses Jahr offiziell abgeschafft?

Dein alter Arbeitgeber kann meines Erachtens nichts über Deinen neuen herausfinden.

RpHxW


Hallo,

den neuen Arbeitgeber würde ich auch nicht nennen. Mein Antwort würde vernmutlich lauten: "Da möchte ich aus persönlichen Gründen nicht drüber reden" oder "Das ist noch nicht spruchreif". Vielleicht gibt es dann später Gerüchte, dass man beim Geheimdienst anfängt.

Die Gründe würde ich in dem Kündigungsschreiben nicht angeben. Die Kündigung erhält die Person, die den Arbeitsvertrag unterschrieben hat. Wenn ich dann im Gespräch den Eindruck hätte, dass wirkliches Interesse besteht, würde ich die Gründe nennen. Aber wenn möglich mit Ich-Botschaften. Die Dienstreisen als Grund und das Gespräch als Anlass.

Der bisherige Arbeitgeber hat kein Recht und keine Notwendigkeit Daten an den neuenb Arbeitgeber weiterzuleiten. Auch die neue dienstliche Telefonnummer würde ich nicht weiterleiten (ggf. auch die Familie informieren). Der neue Arbeitgeber benötigt die Lohnsteuerkarte 2010 und ggf. eine Bescheinigung, welcher Urlaub 2011 bereits genommen wurde. Ggf. mit der bisherigen Personalabteilung klären, wann die Unterlagen ausgehändigt oder zugeschickt werden.

Gruß

RHW

Craoigmxhe


Hast du irgendwelchen Dreck am Stecken, oder warum dürfen die keinesfalls was erfahren? ":/

o lle rtante


jedoch suchst und sicher im Laufe der nächsten drei Monate etwas finden wirst

Das würde ich nicht sagen, sondern, dass du es nicht sagen willst, da du erst eine mündliche Zusage hast. Und später blockst du dann einfach ab,du willst dich nicht dazu äußern.

Mit Äußerungen zum Abteilungsleiter wäre ich vorsichtig, DER schreibt normalerweise dein Zeugnis, und du musst ohnehin damit rechnen, dass er "nur mäßige Belastbarkeit" darin andeutet. Dass es mit ihm zu tun hat, können die sich ohnehin denken. Freu dich lieber heimlich, dass es dich bald nichts mehr angeht :=o

Betone lieber, dass du natürlich gern bis dahin einen Nachfolger gründlich einarbeiten wirst.

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