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Stets zur Karriere gepusht, nun ohne Karriere glücklich

A\zraVel hat die Diskussion gestartet


Hallo zusammen,

ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der Leistung die oberste Prämisse war. Und egal, wie gut ich war – ich war für meine Eltern nie gut genug, vor allem für meinen Vater, der zudem oft Wochen oder Monate nicht zu Hause war. Er war Chef eines erfolgreichen Unternehmens und ich wurde immer als Nachfolger gehandelt. In der Schule war ich stets Klassenbester, hab mehrere Studien mit Auszeichnung abgeschlossen und innerhalb kurzer Zeit hatte ich eine leitende Funktion in einem Großunternehmen. Und doch war ich nie glücklich. Ich hatte immer das Gefühl, es ist zu wenig, ich muss mehr schaffen... mehr mehr mehr... und ich war vollkommen unzufrieden, egoistisch und ignorant meiner Umwelt gegenüber.

Und dann passierte etwas, das mein Leben vollkommen verändert hat: ich bin Vater geworden. Mir ist klar, dass sich durch diesen Vorfall ein Umdenken bei mir eingestellt hat. Plötzlich wurde mir bewusst, dass mir Karriere und Erfolg nicht mehr wichtig ist, keine Bedeutung mehr hat und mir nichts bringt. Nur das Glück meiner Familie ist wichtig, denn dafür lebe ich. Ich habe die Nachfolge im Unternehmen meines Vaters abgelehnt und mich in meiner Firma auf eine niedrigere, schlechter bezahlte Funktion ohne Führungskompetenz versetzen lassen. Mein gesamtes Umfeld hat mit Unverständnis reagiert und mich als "dumm" bezeichnet. Meine Eltern reden seither nichts mehr mit mir. Aber mir geht es heute besser denn je. Ich bin glücklich, wenn ich meine Kinder sehe, glücklich wenn ich privat Zeit für mich habe und glücklich, dass ich keinen Karrierezwängen mehr ausgesetzt bin. Ich muss keine Leistung in Richtung Karriere bringen, ich muss nicht intelligent sein, nicht top-gestylt, nicht meine Klappe aufmachen, um mich bei irgendwelchen Bonzen einzuschleimen ... ich muss nur glücklich sein. Und ich bin heute reicher, als alle Menschen in meiner Umgebung ... reich an Kindern, reich an Liebe, reich an dem Menschen, der ich geworden bin... und ich habe begonnen, die Menschen zu bedauern, die dieses Glück nicht haben (auch wenn sie wesentlich mehr verdienen als ich). Ich bin nicht mehr der Mensch, der ich einmal war... und das ist gut so. Ich bin frei, ich passe in keine Schublade mehr und ich unterwerfe mich keinen beruflichen Systemzwängen mehr.

Ich sehe meine Kinder jeden Tag, esse mit ihnen, lache mit ihnen, wickle sie, putze ihre Zähne, bringe sie ins Bett, singe ihnen Lieder vor... das alles ist für mich soviel schöner und bedeutsamer als jede Gehaltserhöhung oder Projektprämie, die ich früher bekommen habe. Das ist mehr, als ich als Kind je von meinen Eltern bekommen habe. Das gibt meinem Leben einen Sinn und in nur 30 Minuten lachen und strahlen sie mich mehr an, als meine Kollegen im Büro es in einer Woche tun. Sie suchen meine Nähe und rufen "Papa, Papa", wenn sie etwas von mir wollen. Diese Aufmerksamkeit und dieses Urvertrauen schenkt mir auf der ganzen Welt sonst kein Mensch. So schön kann das Leben sein und das würde ich für kein Geld und keinen Job auf der Welt mehr aufgeben :-)

Liebe Grüße,

Azrael

Antworten
Sgunfloweer_x73


Das klingt doch super (dass Deine Eltern nicht mehr mit Dir reden natürlich nicht!).

Momentan ist doch Burnout in aller Munde – und es wird immer wieder angemerkt, dass schneller-höher-weiter-mehrGeld nicht die Lösung ist; dass die Leute danach oft radikal ihr Leben ändern und v.a. eines wichtig ist: Was macht mich glücklich?

Du hast es gefunden. Und es ist zudem ja nicht so, dass "ohne Karriere" gleichzusetzen ist mit "ich hänge faul rum und mache nichts mehr". Du setzt lediglich andere Prioritäten – und das zeugt von einer gewaltigen Stärke, wenn man immer nur über Leistung definiert wurde und sich plötzlich über andere Dinge definiert, sich an anderen Dingen freut.

Respekt!

Ich kenne übrigens etliche Leute, die nach mehreren sehr stressigen Jahren im Job sagen: So will ich auf Dauer nicht leben, lieber weniger Geld, dafür mehr Freizeit, Anerkennung, Zufriedenheit. Nach außen tolle Positionen machen längst nicht immer glücklich, sondern sind nur Schein nach außen und polieren bei manchen so ganz gewaltig das Ego auf.

M,elJanPie0x8


Wow! Das nenn ich mal Mut.

Darf ich fragen, warum du dich nicht in einer anderen Firma beworben hast? (Aber dort ist dann womöglich wieder das Problem, dass von dir mehr erwartet wird, aufgrund deiner vorigen Position. ":/ )

Das beste, was du tun kannst, ist weiterhin so glücklich zu sein, dein Glück offen zu zeigen und deine Eltern und die anderen damit Lügen zu strafen. (Sofern das dein Wunsch ist.) Womöglich kommen deine Eltern irgendwann auch drauf. Und ob sie so kalt sind, dass ihnen ihre Enkel egal sind... Ich weiß es nicht. Aber wäre echt mies.

Sunflower hat Recht. Du gehst diesem Druck und evtl. einem bösen Burnout oder Nervenzusammenbruch schon vorher aus dem Weg.

Witzig wie du die Geburt deines Kindes einen Vorfall nennst.

Gdaro/u78


Super Einstellung und Deine Kinder werden es Dir danken! Das mit Deinen Eltern tut mir zwar Leid, aber es ist Dein Leben und wenn Sie es nicht akzeptieren können, dann ist das ihr Problem und nicht Deins!

S8annimleUin


Ich frage mich, wozu du das hier schreibst. Schließlich scheinst du keine Frage oder ein Problem zu haben? Willst du andere überzeugen, so zu sein, wie du es nun bist?

Oder bist du doch garnicht so zufrieden wie du schreibst und brauchst bestärkende Worte und Komplimente, um dich so zu fühlen, wie du denkst, dass du es jetzt solltest?

Was war die Intention, den Beitrag hier zu verfassen? Das habe ich nicht verstanden.

k:einsxtein


Man kann dazu nicht mehr sagen als:

:)^ :)=

W^atexrli


Ich sag mal so: wer so viel geleistet hat und dann irgendwann lieber weniger/anderes macht, der ist nicht "dumm". Die sollen dir das erstmal alles nachmachen (Kinder liebevoll erziehen/Studium mit Auszeichnung usw...), bevor sie dir vorschreiben, was du nun damit anzufangen hast (und selbst dann liegt es wohl nicht an deiner "Dummheit", wenn du nicht alles nutzen willst... lieber viel können und weniger machen als nichts können und jammern, dass man nichts groß machen kann... du hast doch deine Schuld erfüllt, wenn du mit allem glücklich bist.

Find ich toll. :)^

A6siga


Ich sehe den Beitrag als Aussage: "Verbiegt euch nicht, tut, was euch gücklich macht"

Azrael :)^

A>zlrLael


Hallo zusammen,

wow, mit soviel Zustimmung habe ich überhaupt nicht gerechnet. Danke euch vielmals :)^

Der Grund, warum ich diesen Beitrag geschrieben habe, war keine Frage und auch nicht mein Bestreben, andere Menschen zu missionieren. Jeder Mensch muss letztendlich selbst erkennen, was für ihn das beste ist und wie er leben möchte. Als ich diesen Beitrag geschrieben habe, ist mir nur wieder klar geworden, wie erfüllt mein Leben ist... das wollte ich gerne mit euch teilen.

Meines Erachtens misst der Mensch sein Glück heutzutage viel zu sehr am Profitstreben. Wer viel verdient = glücklich, der "hat es geschafft".... Aber dann sehe ich im Fernsehen Millionäre, die einsam sind oder ich sehe Chefs, die keine Zeit für ihr Leben und ihre Familien haben. Und mir ist im Laufe meiner beruflichen Laufbahn auch klar geworden, dass Karriere und Freizeit, also die Zeit, die es erlaubt, sein Leben nach eigenen Vorstellungen und mit geliebten Menschen zu gestalten, nicht zusammenpassen. Jeder Job, der gut bezahlt ist, impliziert automatisch eine Mindestverantwortung, die auch ein Pensium an Mindestzeit in Anspruch nimmt. Dieses Pensium steigt, je höher die Verantwortung ist. Gegenläufig dazu nimmt die Zeit ab, die für alles andere bleibt... und gerade Familien bleiben dabei auf der Stecke. Ich persönlich (das ist meine eigene Meinung !!!) bin überzeugt davon, dass sich Karriere und Familie NICHT unter einen Hut bringen lassen, obwohl das gerade bei bekannten Persönlichkeiten gerne so verkauft wird.

Ich habe einige Freunde, die bereits eine Scheidung hinter sich haben. Die meisten davon sagen, dass sie sich auseinander gelebt hätten und dass der Job einer der Hauptgründe war: tolle Posten, viel Arbeit, oftmalige Dienstreisen, Wochenendtätigkeiten... Genau so war es auch bei mir. Und ich habe erkannt, dass das meiner Ehe nicht gut getan hat. Ich liebe meine Frau und es tat weh, sie nicht zu sehen, wenn ich selbst z.B. 3 Wochen auf Dienstreise war. Oder ich musste am Wochenende arbeiten, um Projekte abzuschließen... Zeit, die mir in meiner Beziehung fehlten. Wenn ich an unsere Hochzeit denke, hatte ich nicht einmal Zeit für Flitterwochen. Wir heirateten an einem Samstag und am Montag steckte ich wieder mitten in Projektarbeiten, als wäre nichts gewesen. Aber das alles war damals für mich vertretbar, bis ich Papa geworden bin. Es hat dann etwa 4 Monate gedauert, als mir klar wurde, in welche Richtung ich mich bewege und in welche Richtung ich mich eigentlich bewegen möchte.

Ich wollte kein Papa sein, der

- seine Kinder fast nie sieht

- der sich nicht an der Erziehung beteiligt

- der nicht das gleiche Vertrauen geniest, das die Mama hat

- zu beschäftigt ist, um sich um seine Kinder zu kümmern oder erkennt, wenn es Probleme gibt

- nicht alles tun kann, was die Mama kann, um seine Frau 100% entlasten zu können

- nicht mit bekommt, wie seine Kinder die ersten Schritte gehen, die ersten Worte sagen

- nicht weiß, was seine Kinder gerne essen, trinken, für Vorlieben, Eigenschaften und Talente haben

- nicht in der Lage ist, Entscheidungen für seine Kinder zu treffen, weil er sie zu wenig kennt

Gerade in den ersten Jahren verändert sich ein Mensch so stark, wird so stark von seinem Umfeld geprägt und lernt, sich an den Menschen in seiner Umgebung zu orientieren. Und ich wollte stets, dass meine Kinder mich als jemanden wahrnehmen, der seine Frau und Kinder liebt, der für seine Kinder da ist, der Verständnis und Interesse für seine Kinder zeigt und der seinen Kindern all das gibt, das ich mir als Kind von meinem Vater gewünscht hätte. Ich will ein positives Vorbild sein und meinen Kindern vermitteln, dass wir ein starkes Team sind, das immer füreinander da ist und in allen Lebenslagen zusammen hält.

Aber ich glaube, das muss man selbst erleben. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Singles oder Menschen ohne Kinder für diese Einstellung selten Verständnis zeigen. Wenn ich z.B. an meine Abteilung denke, in der ich arbeite, bin ich der einzige (!!!), der Kinder hat. Und ich stoße täglich auf Unverständnis, wenn ich sage, dass ich mich darauf freue, Abends meine Kinder zu baden oder wenn ich es abschlage, mit meinen Kollegen auf ein Bier zu gehen. Auch das ist Zeit, die ich lieber mit meiner Familie verbringe. Und ich hätte selbst nie gedacht, wieviel einem Kinder zurück geben können. Das Leuchten in ihren Augen, ihr Lachen, das Gefühl, wenn mir mein Sohn einen Kuss gibt, wenn sich meine Tochter an mich kuschelt oder ich ihre Hand halte, während sie einschläft... das sind alles Gefühle, die tief in mein Herz gehen und mich alle Sorgen vergessen oder klein erscheinen lassen.

Und was meine Eltern angeht: es macht mir nichts aus, dass sie nichts mehr mit mir reden. Ich passe eben nicht in ihr Konzept, dort hab ich nie hinein gepasst und das ist auch gut so. Ich werde in ihren Augen wohl immer ein dummer Versager sein, der nichts aus sich gemacht hat. Dabei bin ich aus meiner Sicht jetzt schon mehr, als mein Vater je war. Aber das würden meiner Eltern nie verstehen. Dass sie ihre Enkel nicht sehen, ist nicht mein Problem und ist vermutlich auch besser so. Umso netter, offener und freundlicher sind meine Schwiegereltern, die sehr herzliche und familienorientierte Menschen sind und uns mehrmals pro Woche besuchen.

Alles Liebe :-D

gTwexndoylynn


ich muss nicht intelligent sein, nicht top-gestylt, nicht meine Klappe aufmachen, um mich bei irgendwelchen Bonzen einzuschleimen ... ich muss nur glücklich sein.

Ach, das glaubst du doch wohl selbst nicht.

Mfolli<enchexn


@ Azrael

Also ich finde es erstaunlich, gerade für einen Mann, für den eine jobliche Verschlechterung ja oft noch viel schlimmer ist und noch mehr am Ego kratzt als bei einer Frau, sich freiwillig auf so ein Ding einzulassen und in Kauf zu nehmen, von allen Kollegen belächelt und als Weichei verspottet zu werden. Das schafft man nur, wenn man sich seiner Sache ganz sicher ist, und das ist bei Dir offensichtlich so. Ich finde das beachtlich.

g)wen:dolxynn


Vor allen Dingen das

ich muss nicht intelligent sein

kitzelt mich ;-D

Als ob man vorhandene Intelligenz abstellen könnte oder sich wohlfühlen würde, wenn man sich dümmer stellt als man ist ;-)

Lpudi8w4


Meines Erachtens misst der Mensch sein Glück heutzutage viel zu sehr am Profitstreben. Wer viel verdient = glücklich, der "hat es geschafft"

Es gibt genug Menschen, die mit einem Job als Arztassistentin oder Buchhalter zufrieden sind und gar nicht bis in die Chefetagen wollen. Gut verdienen kann man ja auch vor dieser Karrierestufe.

Aber dann sehe ich im Fernsehen Millionäre, die einsam sind oder ich sehe Chefs, die keine Zeit für ihr Leben und ihre Familien haben.

Es lebe das Klischee.

Und mir ist im Laufe meiner beruflichen Laufbahn auch klar geworden, dass Karriere und Freizeit, also die Zeit, die es erlaubt, sein Leben nach eigenen Vorstellungen und mit geliebten Menschen zu gestalten, nicht zusammenpassen.

Und das ist Dir ehrlich erst im Laufe der beruflichen Karriere aufgefallen? ":/

MKel?anige08


Ludi84 – Manche steigen plötzlich die Karriere-Leiter rauf, und merken dann erst, dass sie sich entweder länger als die üblichen 8 oder 10 Stunden am Tag in die Arbeit knien müssen, um dem Job gerecht zu werden und die Anforderungen zu erfüllen, oder sie sagen, nach 2 Überstunden oder so, gehen sie heim, denn da warten Freunde und Familie. Man weiß nicht immer alles vorher. Glaub mir, dann wäre das Leben einfacher!

bEmed


Hallo Azrael,

mein Kompliment für Deinen Weg.

Es zählt nicht, was andere wollen oder womit sie glücklich wären, oder was sie schön fänden ... NEIN, es zählt nur, womit DU glücklich und zufrieden bist.

Ich habe vor 10 Jahren in meiner Firma durchgesetzt, dass ich nur 4 Tage arbeiten musste ... natürlich gegen Gehaltsverzicht. Bist das soweit war, hat es 1 Jahr Argumentation etc. gedauert. Und bei der nächsten Gehaltsrunde gab es keine Erhöhung ... "sie sind ja nicht so viel wert wie die anderen ..."

Ok, ich hatte Freitags frei, und auch unter der Woche Zeit für die Kinder. Habe sie täglich zum Kindergarten gebracht, und eben Freitags hatte ich noch mehr Zeit.

Für die Firma konnte ich Freitags so manchen Notfall lösen, für den niemand sonst Zeit hatte.

Zurückblickend lässt sich sagen, dass ich, ähnich wie Du, sehr viel Zeit mit und für meine(n) Kinder(n) verbracht habe ...

Das ging auch noch weiter, da ich dann auf Montags frei umgestellt habe, damit meine Frau mindestens einen Tag die Woche ins Büro gehen konnte zum Arbeiten (einmal in der Woche muss man vor Ort sein!)

Im Moment sieht es wieder etwas anders aus, da sich unser Privatleben gerade ändert, aber ich denke, die Kinder hatten zur rechten Zeit viel von meiner und unserer Zeit ... jetzt kommt sowieso die Zeit, wo sie selbständiger werden, und es eher auf die Qualität der gemeinsam verbrachten Zeit ankommt als auf die reine Menge an Zeit.

Ich wünsche weiterhin viel Glück und Zufriedenheit auf Deinem Lebenswege.

Ganz lieben Gruß

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