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Referendariat überfordert mich!

C;int,ya hat die Diskussion gestartet


Hallo ihr,

derzeit bin ich (27 Jahre) ziemlich verzweifelt, weil mich das Referendariat (Lehramt GHS) überfordert.

Ich denke täglich daran, es einfach abzubrechen, bin dauernd gestresst, müde, appetitlos, mir fällt es schwer, mich noch über irgendetwas zu freuen und ich denke NUR noch an Schule.

Aber was wird dann... ohne fertige Ausbildung? Das 1. Staatsexamen zählt ja leider nichts.

Da hat man jahrelang studiert und merkt auf einmal, dass das alles nicht das richtige für einen war :(

Verweifelte Grüße, Cintya

Antworten
m!ara1k983


Liebe Cintya,

Ich kann gut verstehen, wie es dir damit geht. Bei mir war's ähnlich...

Was genau stresst dich denn? An was genau denkst du immer?

Liebe Grüße,

Mara

MYicauqMIixau


Auch ich kenne dieses Gefühl sehr gut und kenne auch einige, die diesem Druck nicht standhalten konnten und wirklich den Mut hatten, noch einmal neu zu beginnen. Das war mit Sicherheit keine einfache Entscheidung, da – wie du sagst- das 1. Stex nicht wirklich viel bringt. Aber was bringt dir ein Job, bei dem du schon jetzt keine Freude hast und an deine Grenzen stößt? Wie willst du dann diesen Job, für den man ja doch jede Menge Leidenschaft und Engagement braucht, jahrelang ausführen?

Oder aber macht es dir nachwievor Spaß und du brauchst vielleicht "nur" ein bisschen mehr Unterstützung oder Tipps rund ums Thema Zeit- und Stressmanagement?

Ich wünsch dir alles liebe und viel kraft!

Iwlluvsio


Ich kann das auch gut nachvollziehen.

Hättest Du denn mit Deiner Fächerkombination anderweitig Chancen, etwas zu finden?

Davon einmal abgesehen: ich würde die Flinte nicht so schnell ins Korn werfen. Ausbildung ist was anderes als Beruf. Jetzt hast Du den geballten Stress, weil alles neu für Dich ist und Du zudem selbst geprüft wirst.

Letztlich ist das ein toller Beruf.

CEin9tya


Mein Problem ist das Erziehen der Kinder.

Ich bereite daheim gerne meinen Unterricht vor, der Stoff macht mir auch Spaß und ich mag Schüler, die das mitmachen was ich geplant habe.

Mir fällt es aber schwer, im Unterricht durch Strenge, Autorität, Regeln und Konsequenzen oder was auch immer ein diszipliniertes Arbeiten zu fördern.

Kurz: Disziplinprobleme machen mir das Leben schwer!

Pnerxros


Hallo Cintya,

Erst einmal zum Trost. Das Referendariat ist nun mal eine total stressige Zeit und es ist fast normal, dass es dir so geht.

Wenn man diese Ausbildungsphase erst einmal überstanden hat ...

Später als Lehrer oder Lehrerin erlebt man zwar auch noch stressige Phasen, aber so anstrengend und belastend wie diese Monate ist es dann bei den meisten nicht mehr.

Aber nun guck und beschreib mal genauer, was dich stresst und überfordert:

- der Druck, mit einer guten Note abzuschließen, um später eine Planstelle zu bekommen

- die tausend Anforderungen seitens des Seminars und der Schule

- der Umgang mit den Schülerinnen und Schülern

- das Miteinander mit deinen Mentoren

- die Ahnung, es könnte doch nicht der richtige Beruf für dich sein

- die Fächer, die dich anöden

- oder noch etwas anderes oder eine Summe einzelner dieser Punkte?

Ich gehe davon aus, wenn es nur eine oder zwei Baustellen sind, dass man daran arbeiten kann, evtl. auch mit Hilfe der Seminarleiter oder der Mentoren (falls diese nicht das Problem sind).

Aber was wird dann... ohne fertige Ausbildung? Das 1. Staatsexamen zählt ja leider nichts.

Das ist leider wahr; es sei denn, du hast eine Fächerkombination, mit der sich eine andere berufliche Richtung verwirklichen lässt.

Vielleicht magst du ja hier noch mal posten.

LG

C;intyxa


Ich hab Mathematik, Deutsch, kath. Religion, allerdings nur auf Grund- und Hauptschule und ein Promotionsaufbaustudium (Fächer: Mathematikdidaktik GS und Erziehungswissenschaft)

P_errxos


Mir fällt es aber schwer, im Unterricht durch Strenge, Autorität, Regeln und Konsequenzen oder was auch immer ein diszipliniertes Arbeiten zu fördern.

Kurz: Disziplinprobleme machen mir das Leben schwer!

Natürlich ist das nervig und diese Probleme begleiten einen das ganze Lehrerleben lang.

Man hat nicht immer Lust, den Autoritären zu spielen. Andererseits sind klare Strukturen und eindeutige Regeln für das schulische Miteinander in den meisten Fällen unerlässlich.

Tröstet es dich, wenn ich behaupte, eine natürliche Autorität, sicheres Auftreten und Eindeutigkeit kann man sich erwerben? (Auch wenn das später nicht in jeder Situation ein "Allheilmittel" ist.)

Gibt es an deiner Schule oder im Seminar evtl. die Möglichkeit der Supervision? Zumindest etliche deiner Referendariatskollegen müssten doch von ähnlichen Erfahrungen berichten können.

vjachDe_nxoir


Ich berichte dir mal aus meiner Erfahrung als Schülerin ;-)

Als wir damals am Gymi die Zeit der Referendare hatten wurde die auch KEIN bisschen Ernst genommen, egal wie sehr sie sich bemüht haben – zweifle bitte nicht and dir selbst, es liegt an der Rolle!

Zieh es einfach durch, denn nach und nach wirst du sehen, dass es besser wird.

Wenn du als Junglehrer auf eine Schule kommst kann es vllt auch noch etwas anstrengend sein, aber entweder schaffst du dir dann schnell Respekt, oder mit der Zeit pendelt es sich ein.

Ich hatte damals einen Junglehrer als Klassenlehrer, welcher nach 1 oder 2 ??? Jahren erstmal ein Sabbathjahr nahm, weil es ihm zu viel wurde... Lass es nicht so an dich rankommen, und fang nicht an an dir zu zweifeln. Auch wenn es schwer sein mag :)

PS: Er ist scohn lange wieder zurück an der Schule und lehrt meines Wissens immernoch problemlos dort – Bin zwar auch schon ne Weile dort raus, aber er scheint noch da zu sein ;-D

Viel Durchhaltevermögen und Kraft wünsch ich dir!! @:)

fHlutt;erbxy


Das Referendariat ist einfach eine ekelhafte Zeit. Ich war auch oft genug kurz davor die Brocken hinzuschmeißen und was anderes zu machen. Es werden einem da Sachen abverlangt, die teilweise unmenschlich sind und, mal am Rande bemerkt, wenig mit dem eigentlichen Alltag als Lehrer zu tun haben.

Aber bevor du wirklich aufgibst solltest du dich mal ganz ernsthaft fragen, ob du Spaß in der Schule hast und ob das der Beruf ist, den du ausüben möchtest. Genau das habe ich mich auch gefragt und das hat mir geholfen durchzuhalten.

Blende dafür mal kurz alles, was mit dem Ref zu tun hat (schwierig, ich weiß!) aus, also stressige Unterrichtsbesuche, Seminarfahrten, anstrengende Seminarleiter, was auch immer. Gehst du gerne in die Schule? Macht dir der Unterricht als solcher Spaß? Was bekommst du für ein Feedback von deinen Schülern?

Ich habe grade meine erste feste Planstelle angefangen und kann nur sagen, auch wenn mein Alltag jetzt noch stressiger ist (kein Wunder, bei der doppelten Anzahl an Stunden), macht mir jetzt alles viel mehr Spaß. Ich unterrichte so wie ich es möchte und wie meine Schüler es brauchen und nicht so, wie ein verkalkter Seminarleiter das gerne hätte. Keine bis ins letzte Fitzelchen ausgefeilten Stunden, die kein Mensch braucht, sondern an den Schülern orientiert und flexibel.

Der ganze Quatsch, der im Ref von einem verlangt wird, ist mit ner vollen Stelle schlicht nicht zu leisten. So soll man nur das Handwerkszeug lernen, um dann die vielen kleinen Schritte später im Kopf durchlaufen zu können (wo man dann großzügig auf Vieles verzichtet :=o ).

Ich wünsche dir viel Kraft für dein Ref und für die Entscheidung, ob du weitermachen möchtest! :)*

CRintbysa


Tröstet es dich, wenn ich behaupte, eine natürliche Autorität, sicheres Auftreten und Eindeutigkeit kann man sich erwerben? (Auch wenn das später nicht in jeder Situation ein "Allheilmittel" ist.)

–> Hier kommt dann leider noch die Angst vor den Lehrproben dazu.

Wenn ich jetzt an die 7 Wochen bis Weihnachten denke graut es mir schon.

Unterrichtsbesuche, Schulrechtprüfung, Dokumentation und dann noch meine großen Probleme mit der Disziplin.

Es ist wirklich schwer sich immer wieder neu zu motivieren...

vTachea_xnoir


Da gebe ich dir recht flutterby, diese viel zu festgelegten Pläne sind absolut realitätsfremd.

Habe derzeit einen Lehrer der sich aber total drauf eingeschossen hat, was ihm in der Uni einge"prügelt" wurde und wir versuchen ihm seit geraumer Zeit diese festgefahrenen Pläne und dauernd zu den mini-mini-ministen Themen Gruppenarbeiten zu machen, die unnötig aufhalten, wieder aus zu "prügeln" ]:D

vZach.e_noxir


Bestich die Schüler für die Lehrprobe mit ner Runde Eis o.ä. dann geht das alles wie geleckt :)_

fLluttexrby


Oh und was die Autorität und so weiter angeht, Schüler testen immer wieder ihre Grenzen aus. Das ist normal, gehört zur Entwicklung und wird zu Hause auch oft noch gefördert, wenn dort keine oder kaum Regeln und Grenzen vorhanden sind. Im Laufe der Zeit entwickelt man Strategien, die Schüler unter Kontrolle zu bekommen und die eigenen Grenzen ganz klar abzustecken. Ganz wichtig sind da Konsequenz und Berechenbarkeit. Wenn du klare Regeln aufstellst und konsequent einforderst, dass die Schüler sich daran zu halten haben, werden sie das in kurzer Zeit akzeptieren. Sie müssen für die Schüler klar sein und eben bei Bedarf wiederholt werden. Am Anfang kostet das viel Durchhaltevermögen, aber es lohnt sich. Du wirst merken, dass die Schüler deine Grenzen respektieren und sich entsprechend verhalten. (Ich mache übrigens Haupt- und Realschullehramt und habe da schon einige anstrengende Klassen erlebt, einige wenige Schüler sind manchmal leider komplett beratungsresistent, da geht es dann darum deine eigenen Nerven zu schonen)

Ich arbeite außerdem immer lieber mit nem Belohnungssystem, als mit Strafe (Hausaufgabengutscheine, Bonussystem, ...). Strafen sollten direkt zum "Vergehen" passen und angemessen sein. Als heilsam erweisen sich auch immer Arbeitsstunden beim Hausmeister, denn wenn einem die ganze Schule beim Kloputzen oder Hoffegen beobachtet, ist das um einiges unangenehmer als einen Aufsatz zu schreiben oder so.

SvetzBenx6


Du musst hinterfragen, ob die Schwierigkeiten, die du hast, erfahrungsbedingt sind (sich also mit der Zeit bessern können), oder ob es generelle Schwierigkeiten sind, die durch deinen Charakter bedingt sind und sich somit nur schwierig lösen lassen.

Ich arbeite an einer reinen Hauptschule. Anfangs gingen sie über Tische und Bänke. Heute gehe ich jeden einzelnen Tag gerne in die Schule, weil es geregelt ist.

Ich leier ein paar Phrasen runter, die meiner Ansicht nach aber wahr sind:

Schüler brauchen Regeln, sie wollen auch Regeln haben. Bist du nicht der Boss im Raum, sind sie verunsichert. Du sicherst dir ihre Zuneigung nicht dadurch, dass du lieb zu ihnen bist und Strafen vermeidest. Die Schüler brauchen Konsequenz und Achtung, heißt: Strafen nie androhen und dann zurücknehmen. Dadurch verlieren die Schüler die Orientierung.

Konsequenz ist, so schwer und anstrengend es auch ist, der einzige Weg.

Mittlerweile lache ich auch viel mit meinen Schülern. Sie wissen, wie weit sie gehen können. Und wenn sie die Grenze dann doch einmal übertreten, müssen sie mit der Konsequenz leben können.

Und noch etwas, eine Erfahrung die mir sehr geholfen hat:

Die Schüler nehmen die Strafen meist nicht übel. Im ersten Moment reagieren sie unwirsch (meine zum Teil sogar mit Gewalt, Wutausbrüchen und totaler Impulskontrolle), aber nach ein paar Tagen sind sie oft erstaunlich einsichtig. Nicht selten kommt nach ein paar Tagen: "Sie hatten Recht!", obwohl sie im ersten Moment der Bestrafungssituation ausrasteten und sich ungerecht behandelt fühlten.

Sie sind angewiesen auf deine Stärke. Das erfordert viel Durchhaltevermögen und Stärke deinerseits, die du gerade nicht zu haben meinst. Aber ich verspreche dir eins: Es wird belohnt.

Ich habe den schönsten Beruf, den man haben kann, seit ich gezeigt habe, wer der Boss im Ring ist. Niemand kann mir so schnell Freude bereiten wie meine Schüler.

Denk nicht so sehr an die Lehrproben. Auch das vergeht.

Mir hilft in den letzten Monaten eins sehr viel: Immer nur an das Nächste denken. Im Buch "Momo" von Michael Ende gibt es eine Passage in der der Straßenkehrer Beppo sagt, dass er immerzu Angst hätte, wenn er immer die ganze Straße ansehen würde, die er noch kehren muss. Also denkt er immer nur an den nächsten Kehrstrich.

Mach du es auch so.

Tu, was jetzt wichtig ist. Alles andere kommt später. :)*

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