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Referendariat überfordert mich!

M$aeO8x2


Ich lese gerade in deinen anderen Fäden, dass du auch noch andere Probleme hast. Das macht die Sache natürlich nicht gerade einfacher ":/ .

C5inutya


Ohje, das ist ein Chaos.

Ständig redet jemand dazwischen, sie unterhalten sich untereinander, können nicht konzentiert und ruhig arbeiten. Bei Arbeitsphasen ist es wirklich unangenehm laut.

Es fangen einige Kinder an und reißen dann die anderen mit.

Die Kinder die lernen wollen, können nicht.

Ich weiß, dass das größtenteils an mir liegt. Aber ich weiß nicht wie ich reagieren soll.

Und es wird jetzt warscheinlich sehr schwer werden, das Ruder nochmals rumzureißen.

f;ettnaepqfch$enhBuepxfer


Ich weiß nicht, ob es dich beruhigt, aber bei uns ging es vielen Referendaren auch so. Nur in den Lehrproben nicht, da haben wir immer fleißig mitgemacht :-X

Hatten wir die Lehrer später nochmal, war das Verhältnis auch ganz anders und sie konnten sich auf einmal durchsetzen ;-)

C.intyxa


Habe momentan eine 7te Klasse Hauptschule. Und hätte ich die Disziplinprobleme nicht, würde mir das Unterrichten wirklich Spaß machen. Weil ich auch tolle Ideen habe, aber die lassen sich so nicht umsetzen.

Mae82: Ja, die Probleme sind schon einige Jahr her, aber ich habe damals tolle Hilfe bekommen. Diesbezüglich bin ich momentan noch sehr stabil.

fTettnae{pfcUhenhxuepfer


7. Klasse waren wir damals auch in der schlimmsten Zeit ;-)

Da muss man seine Grenzen austesten, Erwachsene sind eh doof und so ;-)

Das liegt sicher nicht an dir :)_

Lxig_Sa


Und hätte ich die Disziplinprobleme nicht, würde mir das Unterrichten wirklich Spaß machen.

Dann würde ich versuchen, das durchzuziehen. Der Spaß dabei ist das Wichtigste. Kannst Du vielleicht außerhalb der Schule etwas machen, damit Du als Person selbstbewusster und ruhiger wirst? Vielleicht eine Entspannungstechnik lernen? Oder ein Trainig gegen soziale Unsicherheit machen? (Das gibt es in manchen psychologischen Ambulanzen) Ich denke, dass sich viel allein schon dadurch ändern würde, wenn Du diese innere Unsicherheit ablegen könntest.

SAe@tzenx6


Ständig redet jemand dazwischen

Gibt es klare Regeln, was geschieht, wenn sie dazwischen reden? Und wenn ja, ziehst du deren Einhaltung konsequent durch? Ist dein Maßregelverhalten nachvollziehbar? und für den Schüler durchschaubar?

sie unterhalten sich untereinander

Gibt es klare Regeln, was geschieht, wenn sie unterrichtsfremde Dinge (und dazu gehört das Quatschen) tun?Wissen die Schüler, was ihnen droht? Droht ihnen überhaupt etwas?

können nicht konzentiert und ruhig arbeiten

Das kann viele Ursachen haben.

Überforderst / Unterforderst du sie vielleicht? (Stichwort Lernvoraussetzungen!)

Sind deine Arbeitsanweisungen präzise und erfordern eine konkrete nachweisbare Handlung der Schüler? Heißt: Forderst du etwas, das überprüfbar ist? In einer Hauptschule ist beispielsweise der Arbeitsauftrag "Lies den Text" zu unpräzise, da der Schüler sich nicht genügend überprüft fühlt. Einfache Ergänzung: "Unterstreiche dies und das, mache dir x Stichpunkte, gliedere den Text in Sinnabschnitte usw.) Fordere immer eine konkrete Handlung, die über "Lies", "Erarbeite", "Lerne" hinausgeht.

Bei Arbeitsphasen ist es wirklich unangenehm laut.

Hast du das denn trainiert? Gruppenarbeiten beispielsweise sind anfangs immer von zu hoher Lautstärke geprägt, daher müssen sie trainiert werden (GA sind die Hochform unter den Sozialformen!). Wird auch in Stillarbeiten geredet? Dann hilft ein konsequentes Herunterzählen mit klaren Strafen, zum Beispiel: "Ich zähle jetzt bis Null, dann sind alle still, der erste der redet, muss xy". Zähl dann nicht von 3 runter (so schnell können sie nicht umschalten in den Stummmodus und dann müsstest du alle bestrafen), sondern zähle von 10 runter. Bestrafe dann wirklich konsequent. Die Schüler wussten, was ihnen droht.

Es fangen einige Kinder an und reißen dann die anderen mit.

Dann ist es schon zu spät.

Die Kinder die lernen wollen, können nicht.

Sie haben aber ein Recht darauf, halte dir das immer vor Augen. Das habe ich auch getan. Habe dann auch gesagt: "Es gibt Leute hier im Klassenzimmer, die lernen wollen. Ich finde es unfair, dass ihr das euren Mitschülern nicht zugesteht"

Ich weiß, dass das größtenteils an mir liegt. Aber ich weiß nicht wie ich reagieren soll.

Das allerwichtigste ist: Konsequenz und Transparenz deiner Erwartungen. Sowohl in Arbeitsaufträgen als auch beim Aufstellen von Regeln. Wehret den Anfängen. Und auch wenn es schwerfällt: Lasse dich nicht erweichen. Und was auch wichtig ist: Bleibe ruhig. Das ist wohl das allerschwerste, ich weiß. Aber nur wenn du sicher vorne stehst, strahlst du das auch aus. Heißt: Atme gut durch, bevor du in die Klasse gehst. Sage dir, dass du das kannst.

Und: Sitze nicht am Pult. Stehe vorne. Verändere deine Position im Klassenraum (aber nicht hektisch). Sei präsent für die Schüler.

Es ist noch nicht zu spät, glaube nicht den Unkenrufen der Kollegen, die mit Sprüchen wie "don't smile till christmas" aufwarten. Es ist noch nicht zu spät.

Viel Erfolg. :)*

S.etAzen6


Ich führe übrigens derzeit eine 7.Klasse HS.

Ich verstehe dich also.

SIetjzenx6


Und noch etwas anderes: Kannst du dem Gedanken, Macht über eine Gruppe zu haben, etwas positives abgewinnen?

Was passiert, wenn du dir vorstellst, jemandem zu widersprechen?

CnintyPa


Wenn ich "Macht" über meine Klasse hätte, dass diszipliniertes Arbeiten möglich ist, wäre ich sehr froh. Aber das wird glaube ich noch ein langer Weg...

Du hast in deinem Beitrag viele Aspekte angesprochen über die ich mir nochmals Gedanken machen muss. Regeln und Konsequenzen haben wir gemeinsam besprochen, aber irgendwie ziehen die noch nicht richtig. Wobei ich gestehen muss, ab und an auch unkonsequent zu sein. Ohje... wenn ich das schreibe, wird mir das erst richtig bewusst.

Den Tipp mit dem Runterzählen bei der Stillarbeit (die nicht still ist) werde ich versuchen.

Würdest du darüber nochmals gezielt mit den SchülerInnen reden oder einfach die Dinge umsetzen?

gyaul'ois}e


Mae82 und Setzen6 haben alles wichtige gesagt. Von mir (9.HS) noch: die müssen dich nicht mögen, die müssen dich respektieren. Sei nicht lieb, lieb, kannst du zu deinen Katzen und deiner Familie sein. Sei freundlich, aber strikt.

Konsequenz wurde schon öfters erwähnt, bitte sei das von Beginn der Stunde an, wirklich von der ersten Minute! Es hat keinen Sinn, erst lieb und nett zu bitten, daß Ruhe ist und sich dann irgendwann immer hektischer in Strafandrohungen und Geschrei zu steigern. Damit macht man sich lächerlich.

Ein ganz wichtiger Punkt ist, wie schon erwähnt, nicht hinter dem Pult zu sitzen zu bleiben. Ich selber bin fast permanent in der Klasse unterwegs (vor allen Dingen bei Stillarbeit) und appariere gerne unvermutet aus dem Nichts neben irgendwelchen Störenfrieden...sie hassen es, aber das ist sehr wirksam! ;-D

Sag mal, ist das deine erste HS-Klasse? Alles, was du beschreibst, hört sich nämlich nicht nach Chaosklsse, sondern nach ganz normalen 7.-Klässlern an.

S;etzxen6


Du hast in deinem Beitrag viele Aspekte angesprochen über die ich mir nochmals Gedanken machen muss.

Gut. Nicht, dass ich es angesprochen habe, sondern dass du drüber nachdenken willst.

Regeln und Konsequenzen haben wir gemeinsam besprochen, aber irgendwie ziehen die noch nicht richtig. Wobei ich gestehen muss, ab und an auch unkonsequent zu sein.

Das ist der springende Punkt.

Ohje... wenn ich das schreibe, wird mir das erst richtig bewusst.

Ein guter Schritt! :)*

Den Tipp mit dem Runterzählen bei der Stillarbeit (die nicht still ist) werde ich versuchen.

Allerdings nicht irgendwie nebenbei. Erkläre das Vorgehen vorher, inklusive Strafen. Inszenier das ganze wie ein großes Geschehen. Klingt bescheuert, aber manchmal wirkt sowas Wunder. Dem Schüler bestimmte Bedeutungen von Handlungen bewusst zu machen...

Würdest du darüber nochmals gezielt mit den SchülerInnen reden oder einfach die Dinge umsetzen?

Ich halte viel davon, bestimmte Dinge anzusprechen. Allerdings darf man es nicht zerreden. Das ist ein verdammt schmaler Grat. Was ich immer wieder feststellen kann: Alles, was man irgendwie nur larifari nebenher macht, geht gerade in der Hauptschule oft unter. Also: Es kann nicht schaden, wenn du dich mal hinstellst und sagst: "Es geht so nicht weiter, das und das muss geschehen." Schildere deine Situation (aber nicht die Mitleidstour oder die Kumpeltour, sondern sachlich und strikt), erläutere dein weiteres Vorgehen ("ich werde so und so vorgehen, wenn du das und das machst) und schließe das ganze dann nach wenigen Minuten ab und fange mit der Umsetzung an. Die Schüler müssen merken, dass du es ernst meinst jetzt. Und dass du keine Gnade kennst.

Vielleicht werden die ersten verhängten Strafen (nebenbei: Man darf es nur Erziehungsmaßnahmen nennen) erstaunlich hart sein und der ein oder andere wird sich ungerecht behandelt fühlen, aber das ist der einzige Weg. Und: Scheue nicht den Konflikt.

Mit einigen Schülern muss man ganz heftig aneinander knallen, damit das Verhältnis geklärt ist.

Und: Mir ging es wie dir. Heute kann ich mit meinen Schülern regelmäßig lachen, Späße machen. Und auch "Laberzeiten" sind mal drin, wo sie ruhig mal quatschen dürfen und Witze reissen. Aber das geht eben erst, wenn bestimmte Rahmenbedingungen gegeben sind. Versuche nicht "cool" und "lieb" zu sein.

Sie werden dich erst cool finden, wenn sie wissen, was du verlangst, wie sie bei dir Erfolge verbuchen können und welche Erziehungsmaßnahmen ihnen drohen, wenn sie gegen die Regeln verstoßen.

Man darf den Schülern niemals das Gefühl geben, willkürlich zu sein.

Ccintxya


Bis jetzt bin ich noch keine Minute hinter dem Pult gesessen :) Dafür halten die mich viel zu sehr auf Trab. Geschrien hab ich bis jetzt auch noch nie...

Aber meine Unsicherheit spüren die Kids bestimmt und nützen es natürlich aus.

Ja, das ist meine erste HS-Klasse. Aber wenn ich mit anderen Referendaren rede hört sich das nicht so an, als ob es bei ihnen gleich schlimm wäre.

Eure Tipps motivieren mich... Aber ich glaube die Umsetzung wird mir schwer fallen. Hoffentlich schaffe ich das!

Danke an euch! @:)

pTetit_sMorUciere


"Es gibt Leute hier im Klassenzimmer, die lernen wollen. Ich finde es unfair, dass ihr das euren Mitschülern nicht zugesteht"

Meiner Meinung nach (Schülern, Q11) schlechter Satz. Der fördert Mobbing ziemlich gut und so ein Satz hat schnell eine Betonung, die "zickig" wirkt. Bzw. entnervt.

Dann hat man als Lehrer überhaupt keine Chance mehr.

Die anderen Vorschläge finde ich eigentlich echt gut. Strafreferate wirken bei uns übrigens Wunder. Wenn die ersten zwei halten mussten, ist normalerweise niemand mehr laut. Oder "One-minute-speech" aus dem Stegreif. Eine Minute lang zu vorgegebenen Thema erzählen. Mit Note. Danach ist jeder ruhig.

S{etz6exn6


Meiner Meinung nach (Schülern, Q11) schlechter Satz. Der fördert Mobbing ziemlich gut und so ein Satz hat schnell eine Betonung, die "zickig" wirkt. Bzw. entnervt.

Ansichtssache. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Schüler betroffen sind, wenn man ihnen mangelnden Teamgeist vorwirft. Selbst in Klassen, in denen es Mobbing gab (in meiner 8. Klasse letzte Jahr) wollten sie doch nicht den Ruf haben, einander im Stich zu lassen und stattdessen lieber als Einheit "gegen" den Lehrer dastehen. Ich denke, man kann zu Fairness auch animieren.

Aber wie gesagt: Das ist Ansichtssache. Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht. @:)

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