» »

Literaturstudium = arbeitslos?

sechuOmsetiker2x5 hat die Diskussion gestartet


Hallo, ich hab jetzt Abi neben meinen 3 Jobs nachgeholt. Das war für mich sehr nervenzehrend und ich muss sagen, dass es auch nur geklappt hat, weil ich letztlich ein Ziel vor Augen habe, nämlich ein Literaturstudium. Davon träume ich bereits als Kind :-x Ich würde es gerne zum nächstmöglichen Zeitraum anfangen. Bei der Studienberatung war ich schon. Da klang noch alles wunderbar.

Allerdings krieg ich von meinem Freundeskreis nur Verachtung entgegengebracht. Mit sowas käme man ja nie aus seinem Elfenbeinturm heraus und der Verdienst sei ein Hungerlohn :(. Meine Eltern haben mich natürlich auch nicht aufgemuntert (hab ich aber auch nicht erwartet) und auch Arbeitskollegen nörgeln die ganze Zeit herum und reißen bereits Witze über mich ("Studieren, um dann bald arbeitslos zu sein"). usw. :( Das zieht mich alles schon ziemlich runter, muss ich gestehen und ich bin ganz betrübt.

Sogar mein Chef nervt und meint, wer heutzutage was erreichen will, brauch Naturwissenschaften, Jura, Medizin oder BWL.

Studiert jemand Literatur und kann ein bissel was dazu sagen?

Antworten
H@a0galwaz77


ich kann dir das nur aus sicht eines arbeitsvermittlers sagen, der jeden tag arbeitslose akademiker am tisch hat. ein literaturstudium ist leider ein ziemliches interessenstudium und eine sache von der es sich toll träumt, die aber eine recht brotlose kunst ist, wenn man nicht unwahrscheinlich gut spezialisiert ist, neben dem studium zig praktika macht um kontakte zu knüpfen. und die große frage ist was willst du damit später werden? bei einem verlag arbeiten? was stellst du dir vor? ich habe manchmal den eindruck bei solchen studiengängen, dass man sie zwar studiert, aber sich wenig gedanken gemacht hat, was man danach machen möchte. und das sollte dir dringend klar sein, damit du dem ganzen wenn du es dir zu einem so späten zeitpunkt noch antust eine richtung geben kannst. es tut mir leid, aber die einwürfe deiner bekannten sind leider nicht ungerechtfertigt. ein akademischer grad ist heute keine garantie mehr für eine spätere arbeitsaufnahme und wenn dir das abitur schon so schwer gefallen ist, ist die frage, wie es im studium sein wird. denn du kannst nicht nur sachen belegen, die dich interessieren und es gibt auch etliche gebiete in der literatur die wenig begeistern. durch die einführung von bachelor und co ist der druck auch nicht weniger geworden. ich kenne zwei literaturstudentinnen im bekanntenkreis, die heute vollkommen artfremd arbeiten, weil mit der literatur an sich nichts zu machen war.

Aaleonxor


In welchem Bereich möchtest du denn mal arbeiten? Ich habe irgendwie den Eindruck du zäumst den Gaul von hinten auf.

H/agFala%z77


und schöne grüße an deinen chef, der markt ist überschwemmt mit arbeitslosen bwlern, das ist heute auch kein studium mehr mit dem man zwingend etwas reisst. die ingenieursberufe sind gerade gut gefragt. aber geisteswissenschaften? ... kaum!

S:unfloQwer_73


Und im Bereich Lektorat werden oft Fachleute genommen. Habe Psychologie studiert und stolpere immer wieder über entsprechende Stellenangebote der Fachverlage...

Man sollte schon was studieren, was einen interessiert. Aber gerade diese Exoten-Fächer, wo man wirklich nichts halbwegs "'Konkretes" in der Hand hat, sind schwierig.

Ich habe eine Bekannte, die hat Slawistik und Anglistik studiert – und hat nie in dem Bereich gearbeitet, sondern als Eventmanagerin. Da auch echt Karriere gemacht, aber das Studium braucht sie inhaltlich nicht.

Ich kenne Leute aus dem Germanistik-Bereich... die nach Promotion auch arbeitslos waren. Weil dann der Flaschenhals eng wird; nicht jeder kann habilitieren und dann auch noch Prof werden.

Ein Kommilitone von mir hat NACH dem Studium noch Journalistik draufgesetzt... ud ist in dem Bereich erfolgreich, weil er Fachwissen gut für die breite Masse aufbereiten kann.

Und ich kenne auch frühere Schulfreunde, die nur nach Interesse studiert haben. Aber nicht in die Falle tappen wollten, hinterher "nichts" zu haben. Also haben sie die Fächer auf Lehramt studiert. Einige sind begeisterte und gute Lehrer. Anderer waren schon im Referandariat überfordert und hassen Schüler mittlerweile nur noch.

Es tut mir leid, so negativ zu sein – aber es sind halt Erfahrungen aus meinem persönlichen Umfeld. Ich hab' Psychologie studiert... quäle mich seit Jahren durch die Psychotherapie-Ausbildung, weil selbst mein Diplom in manchen Bereichen wenig wert ist. Habe Tausende von Euro investiert und auch 5 Jahre nach dem Studium noch nie Vollzeit und regulär bezahlt gearbeitet. Dabei ist der Arbeitsmarkt nicht mal schlecht, wenn man best. Voraussetzungen erfüllt. Ich hab' zu lange in Forshcung & Lehre gearbeitet, was mein Traum war, mir aber jetzt zum Verhängnis wird. Und da ich mein Abi auch erst mit 26 hatte, bin ich nicht mehr die Jüngste und würde gerne mal "ankommen" im Beruf.

Meine Antwort ist somit sicherlich auch vom persönlichen Allgemeinfrust überlagert! ]:D

G ibNbichptAuf


Wenn schon BWL, dann sowas wie Wirschaftsing.wesen mit einer gefragten Spezialisierung (z.B. Maschinenbau oder Elektrotechnik.

H.agalVazx77


@ GibNichtauf

die sollte sich von selbst verstehen ... in studienfächern sollte man sich allgemein spezialisieren ;-)

H4agaqlaz7x7


@ Sunflower

was du erzählst, deckt sich leider mit dem, was mein therapeut in der reha gesagt hat. der meinte die therapeutenausbildung ist lang und undankbar ... eigentlich schade, denn gebraucht wird ja ohne ende, wenn man mal ehrlich ist

P;ee+Kltexe


Also, ich kann dir aus eigener Erfahrung nur raten das zu studieren was du möchtest. Ich habe mich aus allerlei Gründen nach einer kaufm. Ausbildung in ein BWL Studium schubsen lassen und das auch brav zu Ende studiert. Aber dann habe ich in der Arbeitswelt keinen Fuss auf den Boden bekommen. Trotz guter Jobs war ich innerlich sehr unglücklich. Bis ich endlich klare Sicht hatte was ich eigentlich machen möchte. Nun bin ich schon 36 und studiere Psychologie und Philosophie. Ein Freund hat sich 6 Jahre Zeit genommen um seine Doktorarbeit zu schreiben (in Philosophie). Weil's ihm wichtig war. Er hat bewusst eine akademische Karriere ausgeschlagen (wegen Publikationszwang), konnte aber erfolgreich von einem Projekt ins andere springen und konnte so 9 Jahre in seinem Wunschfach arbeiten (Philosophie). Jetzt arbeitet er als Rettungssanitäter was ihm als bestes Mittel zum Zweck dient (nämlich philosophieren).

Reich wird er allerdings nicht, nicht mit seine Publikationen und auch nicht als Rettungssanitäter.

Ich werde auch nicht reich werden, wenn es gut läuft kriege ich irgendwann eine Arbeit als Psychologin, ansonsten bleibe ich in meinem alten Job und mache die Therapiearbeit nebenher. Auch sehr oké.

Ich 'bedauer' es dass ich damals nicht weise genug war zu wissen was ich eigentlich will. Du weisst es, es wäre aus meiner Sicht sehr Schade wenn du diese Passion aus dem Fenster schmeissen würdest.

Natürlich musst du wissen was dir wie wichtig ist: Einkommen, Jobsicherheit, Karrieremöglichkeiten, interessantes Studiengebiet. Wie so oft im Leben kann man nicht alles haben, irgendwelche Risiken musst sowieso auf dich nehmen. Ich persönlich wüsste dass ich immer Inhalt und Interesse prioritär sehen würde, der Rest ergibt sich in einigen Jahren und den sich entwickelnden Möglichkeiten.

gkaggagtuggu


Man sollte E-Technik, BWL; MAchinenbau etc. (gilt für jedes Fach) studieren wenn man da auch Lust zu hat. Sonst wird es echt deprimierend.

Alelrdings ist es in der Tat scheinbar sehr schwierig mit Germanistik. Allerdings gibt es engagierte Germanisten, die sich in Fachfremde Branchen eingegliedert haben. Dies haben sie durch viel Praxiserfahrung geschafft.

Man kann ja auch immernoch auf Lehramt umschwenken oder in den Erwachsenbildungsberich gehen oder Coach und Rhetoriktrainer als selbsständiger arbeiten. Die Studenten, die in dem Fach keine Praxiserfahrungen sammeln und nebenbei nichts machen werden es schwer haben. Aber ich bin schon der Meinung mit viel Einsatz etwas zuw werden. Auch wenn man nicht reich wird. Aber man soll ja mit dem Job glücklich werden und nicht mit dem Geld.

kaeifnsRteiZn


Du solltest dich nicht vom Gebrabbel deines anscheinend rein leistungsorientierten Umfeldes beeinflussen lassen. Jura, WiWi/BWL, Ingenieurwissenschaften, Medizin etc. sind eben die klassischen Karrierefächer, bei denen man am Ende gut Kohle schaufeln kann, sofern man darin GUT war (Kollege von mir hat Jura studiert und hat jetzt 6,50€ Studenlohn, also so viel dazu!).

Du wirst nie in etwas gut sein, was dich nicht interessiert. Es rächt sich irgendwann, ob im Studium oder im Job.

S$unfloUwer_7x3


@ Hagalaz:

Es ist eine Qual – zumindest, wenn man sich alleine finanzieren muss. Mit dem Ergebnis, dass viele junge Therapeuten immer schön sanft und ohne eigene Krisen durch's Leben gekommen sind. Und das irgendwie oft auch bei Patienten voraussetzen. Ungerader Lebensverlauf? Nööö...

Die Hürde für mich ist, dass noch 8 Monate Klinikzeit fehlen. Wenn man dann mit 5 Jahren Berufserfahrung als Praktikant eingestellt wird und für 30-40-Stunden-Stellen 300-600€ brutto im Monat bekommt:; Schulden hat, da einen das Vergnügen schon 17.000€ gekostet hat – dann werden die paar Monate zum unüberwindbaren Hindernis.

Dabei ist der Job mein Traum...

@ PeeKlee:

Ich werde auch nicht reich werden, wenn es gut läuft kriege ich irgendwann eine Arbeit als Psychologin, ansonsten bleibe ich in meinem alten Job und mache die Therapiearbeit nebenher. Auch sehr oké.

[[http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/0,1518,787195,00.html#ref=rss]]

Viel Erfolg! ]:D

@ schumsetier:

Sorry für's OT!

k:e\instDeizn


Am besten gewöhnt man sich einfach den Gedanken, dass man eh wenig verdienen wird in Zukunft, auch mit (teurem) Studium.

Ihr werdet feststellen, dass es trotzdem reicht.

K?at&l8x7


Ich studiere Germanistik im Hauptfach.

Es stimmt definitiv, dass du dir vorher überlegen solltest, wo du hin willst. Ich belege nun extra Kurse, die mir für meinen Wunschberuf auch etwas bringen. Das Nebenfach hab ich so ausgewählt, dass ich damit auch beruflich was anfangen könnte, falls es mit der Germanistik nicht so hin hauen sollte.

Ich hoffe du hast dich vorher schon über die Inhalte und den Ablauf informiert und dir auch schon ein Nebenfach ausgesucht. Oder willst du germanistische Literaturwissenschaft als Nebenfach studieren und ein anderes Hauptfach?

Ich kann mir nämlich gerade nicht so genau ausmalen ob du nun Germanistik studieren willst oder halt germanistische Literaturwissenschaften, wenn du Literaturstudium schreibst.

gWaggagfuggu


Das stimmt wohl. Wenn man so ein Fach studieren will, dann sowieso weil es die innerliche Erfüllung sein soll.

Und man kann wirklich gut mit 1500 Netto Leben.

Wollen Sie selber etwas dazu schreiben?

Dann melden Sie sich an bzw. lassen Sie sich jetzt registrieren, das ist kostenlos und innerhalb weniger Minuten erledigt. Interessant sind sicher auch die übrigen Diskussionen des Forums Beruf, Alltag und Umwelt oder aber Sie besuchen eines der anderen Unterforen:

Allergien · Zahnmedizin


Nicht angemeldet: Anmelden | Registrieren | Zugangsdaten vergessen? | Hilfe

Startseite | Impressum | Nutzungsbedingungen | Netiquette | Datenschutz | Mobile Ansicht   © med1 Online Service GmbH