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Mein Chef will uns für Sonntagsarbeit nicht entlohnen: Rechtens?

RAa|fa8x8


Ich hab neben dem Studium als Aushilfe in einer großen Lebensmittelkette genau 2 Tage (!) gearbeitet, bis ich das Kotzen bekommen habe. Ich bekam als ungelernte, Aushilfskraft genau so viel wie die Verkäuferinnen mit Ausbildung (nämlich 6,5€ die Stunde). Kaum vorstellbar, dass man mit 6,5 € die Stunde eine Familie ernähren kann. Eigentlich sollte das mit einer Vollstelle doch halbwegs möglich sein.

Ich denke man kann das so nicht pauschal sagen. Meine Freundin ihre beste Freundin wird nach Tarif bezahlt und hat bei A*DI ca. 1200 € auf die Hand bei einer 30 Stunden Woche !

EXmmaF28


Also nochmal zu deinen generellen Fragen:

Überstunden

Es gibt Mehrarbeit und es gibt Überstunden. Mehrarbeit ist eine vorübergehende Erhöhung der Arbeitszeit, die der Chef anordnet, da würde dann deine Arbeitszeit z.B. von 40 auf 43 Std. die Woche erhöht, die Mehrarbeitsstunden werden dann besser bezahlt.

Überstunden sind Arbeitsstunden über die vereinbarte Arbeitszeit hinaus. Generell hat der Arbeitgeber ein Wahlrecht, ob er die Stunden in Freizeit ausgleicht oder ausbezahlt. Wenn der Arbeitsvertrag, Tarifvertrag etc. nix dazu regelt bleibt es bei diesem Wahlrecht, der Arbeitgeber kann sich aber auch einseitig festlegen bzw. wird festgelegt, dass er z.B. nur auszahlt.

ABER: Das gilt nur für Überstunden die der Chef anordnet oder zumindest duldet!!! Nicht jede Überstunde muss bezahlt werden, z.B. wenn der Mitarbeiter für die Arbeit länger braucht, weil er trödelt, dann muss der Chef nicht zahlen bzw. ausgleichen.

Problematisch ist bei sowas immer die Beweisführung, viele Chefs bestreiten einfach pauschal, dass sie Überstunden angeordnet oder geduldet haben.

Also Freizeitausgleich ist per se möglich.

Schau mal in deinen Arbeitsvertrag ob dazu was geregelt ist.

Was anderes wäre es allerdings, wenn es dauerhaft nicht bei den 45 Stunden/Woche bleiben soll...

Das nächste: Es gibt auch allgemeingültige Tarifverträge/Manteltartifverträge z.B. Groß- und Außenhandel oder für den Einzelhandel. Die gelten für jeden, ob der Chef nun tariflich gebunden ist oder nicht. Allerdings sind die i.d.R. unterschiedlich je Bundesland usw.

Von daher bleibts bei meinem Anliegen: Geh zum (Fach-)Anwalt in deiner Nähe, da sind auch sonst noch einige "Kleinigkeiten" die es zu klären gilt!

1Wto3


Rechtens?

Bereits die aktuelle Situation ist nicht rechtens, wird aber von euch so hingenommen. Taifverträge gelten für euch nicht, aber es gilt der Arbeitsvertrag und die gesetzlichen Regeln. Und das heißt zunächst mal: Alle anfallenden Stunden müssen bezahlt werden, solange sie angeordnet oder geduldet sind. Pausen müssen sein. Lohnfortzahlung auch bei Krankheit und Urlaub.

Solange ihr dies nicht einfordert ist eine Diskussion über Zuschläge für Sonntagsarbeit eigentlich überflüssig. Einfache Abhilfe wäre also alle Stunden aufzuschreiben und durch Freizeit auszugleichen. Und Sonntags würde ich eben nicht arbeiten, denn das kann er natürlich eben nicht einfach so anordnen.

d1enUabexn


Wenn ich es richtig gelesen habe, sind im Arbeitsvertrag 40 Stunden vorgesehen, die tatsächliche Arbeitszeit liegt bei 45 Stunden, es werden Überstunden vorrausgesetzt, aber unter den Tisch fallen gelassen und nicht (weder durch Bezahlung noch durch Freizeit) vergütet. Aufwachen!!!! Das hat einen *dreck damit zu tun, ob der Laden privatisiert ist oder nicht! Vielleicht muss er sich nicht an Tarifverträge halten, aber doch an aktuelles deutsches Recht. WEnn im Arbeitsvertrag nichts weiter zu Überstunden geregelt ist, gelten die rechtlichen Bestimmungen, und wenn etwas drin steht, was den AN erheblich benachteiligt, dann ist so eine Klausel unwirksam und richtet sich wieder nach dem rechtlichen . Angenommen, du wärst schwanger, dann würde für dich das Mutterschutzgesetz gelten (z.b. Kündigungsschutz etc) völlig unabhängig davon, ob der Laden privat ist oder nicht, und würde dann z.b. der Chef von dir verlangen, dass du unterschreibst, dass diese Mutterschutzgesetze für dich nicht gelten , dann wäre das sein persönliches Pech- weil das ganze unwirksam wäre. (ich hoffe, du verstehst worauf ich raus will mit dem Mutterschaftsding). Schliesse mich den Vorrednern mal an- such dir einen Anwalt, der sich mit Arbeitsrecht auskennt und informier du dich auch umfassender darüber, was das Arbeitsrecht für dich alles bereithält!!!! Der Chef kann nicht einfach machen was er will- schlimm genug, dass ihr das bisher so hingenommen habt , wir sind aber nicht im Mittelalter.

GkeistlFuft


Hallo,

es wäre durchaus günstig sich Übersicht über die Gesetzeslage zu verschaffen. Ein Anwalt für Arbeitsrecht wäre da eine Möglichkeit, aber auch die Beratungen der Gewerkschaften sind ganz hilfreich. Eventuell kann ein Blick in die Gesetzte schon mal einige Fragen klären, die Sonntagsarbeit ist z.B. im Arbeitszeitgesetz geregelt.

AFvant,axge


Die Gewerkschaft erteilt, soweit mir bekannt ist, nur Mitgliedern rechtliche Auskünfte.

Und die Gesetzeslage ist individuell dehnbar, so dass sich nur ein Fachanwalt hindurchfindet.

1WtUo3


@ denaben:

Dummerweise leben Juristen in der eigenen heilen Welt und haben leider Null Ahnung und Akzeptanz für die Wirklichkeit. Und ja: Ich kenne persönlich zB einen Prof für Arbeitsrecht.

So gilt ganz simpel der Grundsatz: DU musst nachweisen, dass du Überstunden geleistet hast UND dass der Chef diese angeordnet oder geduldet hat. ER stellt sich jedoch offenbar einfach dumm und ignoriert dies. Und sie lassen ihn ja damit durchkommen, weil sie keinen Ärger haben wollen.

Mal angenommen, jemand fordert jetzt sein gutes Recht ein und der Chef feuert diese daraufhin einfach. Das ist natürlich alles ein Verstoß gegen das Arbeitsrecht, aber zu 90% endet die Klage vor deutschen Arbeitsgerichten damit, dass entscheiden wird, dass die Überstunden nicht nachgewiesen wurden und somit nicht zu zahlen sind. Und dass das Arbeitsverhältnis zerrüttet ist und gegen eine Abfindung aufgelöst wird. Keine Ahnung, warum zb nie verlangt wird, dass der Chef mal nachweisen muss, wie er mit der offiziellen Personalstundenzahl die Öffnungszeiten abdecken kann. Auch Restaurants, in denen in hohem Maße Schwarzarbeit üblich ist (400€ Job, aber in Wirklichkeit Vollzeit arbeiten) würden dann auffliegen.

PSed}di


Darum ist es ja so wichtig, in die Gewerkschaft einzutreten. Und den Unternehmen der Einzelhändler ist es wichtig, dass die Angestellten nicht eintreten und versuchen das mit Mitteln zu verhindern die nicht legal sind. Nur kann man s nicht beweisen.

AAsiFga


Das nächste: Es gibt auch allgemeingültige Tarifverträge/Manteltartifverträge z.B. Groß- und Außenhandel oder für den Einzelhandel. Die gelten für jeden, ob der Chef nun tariflich gebunden ist oder nicht

Das wäre mir neu. Unser Betrieb ist nämlich nicht tariflich gebunden, darum bekommen wir auch keinen Tariflohn. Die Hälfte unserer Belegschaft ist aber in der Gewerkschaft und die hätten doch sicher was gesagt, wenn der Betrieb höhere Löhne zahlen müsste ?

Zum Thema selber : Mit Sonntagsarbeit und Überstunden kenne ich mich nicht aus, mein Tipp wäre auch: Anwalt oder Gewerkschaft (wobei es mal ein Zeichen von sozialem Engagement wäre wenn ALLE in die Gewerkschaft eintreten würden)

1Utxo3


Darum ist es ja so wichtig, in die Gewerkschaft einzutreten.

Warum? Seit wann interessiert sich die Gewerkschaft für nicht tarifgebundene Minibetriebe wie diesen? Und wenn es um die Rechtsberatung geht: Das kommt eine Rechtschutzversicherung billiger.

Ansonsten gebe ich natürlich Asiga recht. Es war ein wichtiges Mittel der Politik in fast allen westlichen Ländern die Gewerkschaften zu schwächen und die Tarifbindung auszuhebeln. Die Folgen sieht man zB hier.

ZQRub


Einfach mal mit der Gesammelten Belegschaft einen keinen Artikel in der Örtlichen Zeitung schalten.

Was meint ihr wie schnell euer Cheff bereit ist mit euch zu sprechen.

Beteiligt die Öffentlichkeit. Stellt euch vor den Laden und sprecht eure Kunden an.

Wenn erst mal die Gewinne runter gehen dann ist euer Chef ganz schnell bereit zu verhandeln.

Schlecker musste gerade auch lernen das sogar ein Großer Konzern vor die Hunde geht wenn die Kunden keinen Bock haben die Ausbeutung der Angestellten zu Unterstützen. (Von mir aus soll die Familie Schlecker bis zum Hartz 4 Erwerb gepfändet werden.)

bYmed


Hallo,

über geduldete, freiwillig geleistete Überstunden und "gedehnte" Arbeitszeiten in der Vergangenheit braucht man im Nachhinein nicht mehr zu reden.

Wichtig ist, sich zu überlegen, wie man in der Zukunft arbeiten möchte.

Wenn ALLE ungefragt und unkommentiert Überstunden "ohne Ende" leisten, weil sie Angst haben, sonst durch andere "willigere" Leute "ersetzt" zu werden, dann ist das hart, aber es ist so.

Interessant wäre es, wenn alle Mitarbeiter so nach und nach "keine Zeit" mehr hätten, unbezahlte Überstunden zu leisten. "Nein, leider, ich habe Termine, Familienfeiern, muss weg, verplant ..." dann würde sich zeigen, dass der Laden unterbesetzt ist (wie an vielen Stellen).

Klar, wenn sich der Laden sonst nicht rechnet :=o :-o tja, wie man da vorgeht ... wahrscheinlich mal unauffällig nach einem anderen Job suchen ...

lg.

dAavem?aymermanxn


Mein Tipp:

Nicht hinter dem Rücken des Chefs zur Gewerkschaft rennen.

Wenn der Chef Wind von den Initiatoren bekommen, dann stehen die auf der Abschussliste, und die werden sobald es sich anbietet entlassen.

Geh zu deinem Chef und bitte ihn um ein konstruktives Gespräch. Wenn er nicht zu Kompromissen bereit ist, dann würde ich mein Zeug packen.

Wenn der Laden gut läuft, dann macht es Sinn eine weitere Person einzustellen, da somit die Arbeitskraft und der Umsatz erhöht werden kann.

Mach ihm doch schmackhaft, wie viel mehr er verdienen könnte, wenn er weitere Arbeitskräfte einstellt.

Immerhin weißt du fast alles über den Betrieb und kannst vermutlich den Umsatz/Kunde, Aufenthalt/Kunde, Wartezeit an der Kasse/Kunde etc. sehr gut abschätzen.

Dann machst du mit diesen Zahlen eine Hochrechnung und zeigst das ganze deinem Chef. Der wird nicht nur von deinen Fähigkeiten begeistert sein, sondern auch von deinem Streben nach finanziellem Erfolg des Betriebes.

Viele Grüße, Dave :)^

AdvYanZtaxge


Pfiffig, Dave – ich musste gerade herzlich lachen. ;-D

Hoffentlich ist es kein Chef, der gerade das als "Einmischung" in seine Angelegenheiten ablehnt; es gibt ja solche Holzköpfe. So wie er sich bisher verhält, ist das leider nicht unwahrscheinlich.

Man sollte sich wirklich fragen, ob man in solch einem Betrieb an der richtigen Stelle ist. Wenn nicht ein supergutes Klima zwischen den Kollegen den Ausgleich bildet, würde ich es mir überlegen.

Eymm)ax28


@ Asiga

Das wäre mir neu.

Dann schau mal hier:

[[http://de.wikipedia.org/wiki/Allgemeinverbindlicherkl%C3%A4rung]]

Dummerweise leben Juristen in der eigenen heilen Welt und haben leider Null Ahnung und Akzeptanz für die Wirklichkeit

;-D Und zwar ausnahmslos. Gibt ja auch keine Juristen die selbst Arbeitnehmer sind :=o

Und ja: Ich kenne persönlich zB einen Prof für Arbeitsrecht.

Na das erklärt natürlich alles!

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