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Angst vor Hartz4

H@e6rmanr_th$e_Ge+rmban


Ich empfinde das als einen fast unzumutbaren Eingriff in die Privatsphäre der Bürger alles zur Zwangsgemeinschaft zu erklären, was irgendwie zusammen lebt.

Harz 4 ist ein starker Eingriff in die Privatsphäre – in jeglicher Hinsicht.

UXlmer SZpatz


Harz 4 ist ein starker Eingriff in die Privatsphäre – in jeglicher Hinsicht.

Immerhin lebt man mit Hartz IV auch auf Kosten der anderen Leute im Staat, deshalb finde ich es schon richtig, dass hier genau geprüft wird, wer diese Leistung wirklich braucht und wer nicht.

Bei der frage der gemeinsamen Wirtschaftsführung wäre es interessant zu wissen, ob ihr zwei getrennte Mietverträge habt (so hab ich das damals in meiner WG gehandhabt).

Wenn ihr beide zusammen nur EINEN Mietvertrag habt, wird davon ausgegangen, dass ihr eine Bedarfsgemeinschaft bildet

Was ich aus den bisherigen Beiträgen noch nicht rauslesen konnte:

Um welchen Beruf handelt es sich denn genau?

t;atuxa


Diese Gleichstellung eines zusammenlebenden Paares mit Eheleuten ist schon ungerecht.

Zum Beispiel müsste die TE sich nicht freiwillig versichern, wenn sie tatsächlich verheiratet wäre – dann wäre sie durch ihren Mann familienversichert. Diese zusätzlichen Kosten werden der "Bedarfsgemeinschaft" aufgebürdet und die wird dadurch schlechter gestellt wie ein Ehepaar, obwohl sie die selben Pflichten auferlegt bekommt.

Generell habe ich allerdings schon Probleme mit der Anspruchshaltung der TE.

Ich lese nicht, dass sie auch bereit ist, eine andere Arbeit zu machen, als der gelernte Beruf und wenn man eine Existenzsicherung in Anspruch nehmen will, muss man derzeit eben zeigen, dass man alle Möglichkeiten, wieder seinen eigenen Lebensunterhalt zu erwirtschaften, ausgeschöpft hat.

Szunf&lowerx_73


Mir wird es auch zu sehr zu einer Grundsatzdiskussion, aber (auch aufgr. diverser persönl. Erfahrungen): Man kann eine lockere Beziehung haben – aber dann zieht man nicht zusammen. Gerade das Zusammenwohnen als Paar bedeutet doch den ersten Schritt hin zu einer gewissen "Verpflichtung" und Verantwortungsübernahme...

Wer das nicht will, sollte nicht zusammenziehen – dann entfällt das Risiko einer Verantwortungsübernahme.

Und plötzlich verändertes Verhalten des Partners, der vorrangig seine Bedürfnisse befriedigt: Ich musste bei meinem Hartz IV-Antrag alle Konten offenlegen – und größere Ausgaben der letzten Jahre (als ich nicht im geringsten ahnte, in Hartz IV zu rutschen!) erklären. Um zu klären, ob ich nicht wohlwissend Geld "verprasst" hätte.

So einfach ist das alles nicht.

Und klar ist Hartz IV eine Eingriff in die Privatsphäre. Aber es soll ja eigentlich auch nur eine Notlösung sein für diejenigen, die sich nicht anders zu helfen wissen.

Dennoch: Ich hab' mich selten so mies und gegängelt gefühlt wie in den 2 Monaten und dann freiwillig verzichtet, weil es mir sonst eh gestrichen worden wäre wg. meines Weiterbildungsstatus. Nur die garantiert mir langfristig einen guten Job, aber das Amt wollte den Abbruch erzwingen...

Und NEIN, ich bin kein naives unwissendes Dummchen, was sich gängeln lässt vom Amt. Man kann viel erreichen, aber bei manchen Dingen geht es nur über langwierige Gerichtsentscheidungen. Ich hätte nicht das Geld gehabt, ein sich über Monate ziehendes Verfahren ohne jegliches Einkommen anzufechten!

Aber das hilft der TE alles nicht weiter.

Ich würde den Antrag stellen, abwarten was passiert – und ggf. Einspruch einlegen. Wobei ich gerade nicht auf dem Schirm habe, wie alt sie ist. Nicht, dass da die Altersgrenze 25 auch noch ein Problem darstellt.

Und wenn die Jobsituation wirklich so aussichtslos ist, würde ich mit dem Amt mal ganz schnell das Thema Umschulung diskutieren. Ist auch mühsam und erstmal heißt es eh nein, aber wäre ja ggf. eine Option. Zumindest bevor man auf eigene Faust eine neue Ausbildung anfängt.

Tja – und notfalls halt einen Job annehmen, wo man ausgebeutet wird. Ist immer noch besser als nix, im Hinblick auf Absicherung, Rente,... Macht sich auch im Lebenslauf besser als eine große Lücke in jungen Jahren.

BAraunPesled&erxsofa


Wenn ihr beide zusammen nur EINEN Mietvertrag habt, wird davon ausgegangen, dass ihr eine Bedarfsgemeinschaft bildet

Ja, wir haben einen Mietvertrag und natürlich ein gemeinsames Schalfzimmer, wir können hier nicht auf WG machen. Ich habe zu meinem Freund schon gesagt, hätte ich eine seperate Miniwohnung würde das Finanzielle vielleicht besser aussehen, aber mein Freund ist strikt dagegen und meiner Meinung nach sogar ein Trennungsgrund für ihn. Ich kann ihn da verstehen, wir wohnen seit fast zwei Jahren zusammen und lieben uns sehr, es war damals ein Segen, als wir zusammen gezogen sind.

Um welchen Beruf handelt es sich denn genau?

Das ist doch unwichtig, es ist ein ganz normaler 0815 Job.

Ich lese nicht, dass sie auch bereit ist, eine andere Arbeit zu machen,

Das hast du vielleicht zu schnell gelesen? Ich habe doch geschrieben, dass ich mich in großen Lebensmittelläden, bei Tankstellen und vorallem bei Zeitsarbeitsfirmen beworben habe.

Wobei ich gerade nicht auf dem Schirm habe, wie alt sie ist

Im April werde ich 25.

Tja – und notfalls halt einen Job annehmen, wo man ausgebeutet wird. Ist immer noch besser als nix, im Hinblick auf Absicherung, Rente,... Macht sich auch im Lebenslauf besser als eine große Lücke in jungen Jahren.

Ich weiß, ich weiß. Mir bleibt eh nichts anderes übrig, als kleine Brötchen zu backen. Dessen bin ich mir bewusst. Nur im Moment siehts eben so aus, dass sich nichts-wirklich nichts-auftut.

Wo stelle ich denn den Antrag? Arbeitsamt oder ARGE?

RmömDö


notfalls halt einen Job annehmen, wo man ausgebeutet wird. Ist immer noch besser als nix, im Hinblick auf Absicherung, Rente,... Macht sich auch im Lebenslauf besser als eine große Lücke in jungen Jahren.

:)z ODER, wenn man das eben partout nicht will, wortwörtlich die Kosten dafür (bei)tragen. ALGII ist eben nur zur Notversorgung gedacht, nicht zum langfristigen Überleben. Mist, aber Tatsache.

wenn sie tatsächlich verheiratet wäre – dann wäre sie durch ihren Mann familienversichert. Diese zusätzlichen Kosten werden der "Bedarfsgemeinschaft" aufgebürdet und die wird dadurch schlechter gestellt wie ein Ehepaar, obwohl sie die selben Pflichten auferlegt bekommt.

Nun ja, der Gesetzgeber würde – nüchtern betrachtet – volkswirtschaftlich unklug handeln, wenn er ein einfaches Zusammenleben rechtlich auf dieselbe Ebene stellen würde wie die Ehe: Es würde noch weniger geheiratet, noch weniger Kinder kämen zur Welt ...

Auch hier: Mist, aber staatspolitisch gesehen notwendig.

Wie hoch wäre der Krankenkassenanteil, der mich erwartet? Ich würde mich zu allererst um einen 400€-Job kümmern, eben wegen Krankenversicherung und Rentenbeitrag, auch wenn dieses Geld zum Teil angerechnet wird auf den gemeinsamen Lebensunterhalt.

Um es sinnbildlich zu sagen: Es gibt Zwänge, die fürchterlich sind und das Leben komplett auf den Kopf stellen; da hilft nur ein wenig Fatalismus und die Sicht, dass wir, wenn auch zähneknirschend, das Lied des Landes, in dem wir nun mal unsere Heimat haben und das uns im allgemeinen recht gut versorgt, auch mit schiefen Tönen mitsingen müssen, wenns drauf ankommt.

SHunfl2owqer_7x3


Antrag wird i.d.R. bei der ArGe/Jobcenter gestellt und nicht der Arbeitsagentur. Die sind nur für ALG I zuständig...

tAaHtu|a


Wie hoch wäre der Krankenkassenanteil, der mich erwartet? Ich würde mich zu allererst um einen 400€-Job kümmern, eben wegen Krankenversicherung und Rentenbeitrag, auch wenn dieses Geld zum Teil angerechnet wird auf den gemeinsamen Lebensunterhalt.

Wenn sich da nichts gändert hat, ist man mit einem 400 € – Job nicht krankenversichert!

Dann muss man sich immer noch freiwillig selbst versichern.

Da sollte sie dann auf jeden Fall versuchen, in die Gleitzone zu kommen (ab 4001 €) weil sie dann krankenversichert ist.

Nun ja, der Gesetzgeber würde – nüchtern betrachtet – volkswirtschaftlich unklug handeln, wenn er ein einfaches Zusammenleben rechtlich auf dieselbe Ebene stellen würde wie die Ehe: Es würde noch weniger geheiratet, noch weniger Kinder kämen zur Welt ...

Auch hier: Mist, aber staatspolitisch gesehen notwendig.

Ich sehe da vieles anders, will aber hier keine Diskussion über Sinn und Unsinn von Ehe vom Zaun brechen.

Der staatspolitisch aus deiner Sicht notwenige Mist ist einfach nicht gerecht – es wird etwas gefordert (Absicherung des derzeitigen Lebenspartners) und die entsprechenden Vorteile z.B. Steuervorteile, Möglichkeit der Familienversicherung werden aber versagt.

Stell dir doch mal die volkswirtschaftliche Konsequenz vor, wenn alle zusammenlebenden Paare heiraten und sich scheiden ließen würden, dauernd und immer wieder.

Ist doch völlig Banane sowas.

Ich glaube, dass eine solche Situation Paare, die bisher nicht komplett gemeinschaftlich gewirtschaftet haben, obwohl sie zusammenleben, auch beziehungsmäßig sehr belastet. Wenn da dann einer dem anderen auf der Tasche liegt und beide haben kein gutes Gefühl bei der Sache, dann hat das Ganze ein erhebliches Konfliktpotential. Der "vermögendere" Partner macht vielleicht Druck, dass beruflich etwas passieren muss.

Schuldgefühle, Diskussionen um Centbeträge für Freizeitvergnügen,...

Wenn ein Paar nicht vorher freiwillig aus Überzeugung dieses Bündnis eingegangen ist, dass beide füreinander sorgen wollen, dann geht das oft in die Hose. :-|

tQatVua


in die Gleitzone zu kommen (ab 4001 €)

Eine Null weniger wäre wohl besser gewesen Die Gleitzone fängt natürlich bei 401 € an |-o ;-)

S9unflBowPer_73


@ tatua:

Eine erhebliche Belastung für eine Beziehung kann so etwas wirklich darstellen... Aber hier scheint der Partner ja gegen einen Auszug der TE zu sein. Also...

Eine Freundin von mir hat jetzt mehrere Jahre (und mit miesem Einkommen und Weiterbildungskosten) ihren Freund mitfinanziert, der Abi & Ausbildung & Erststudium noch ein Aufbaustudium wollte... Das ging auch nicht konfliktfrei ab, aber letztlich hat es funktioniert.

Blöd ist und bleibt es immer.

Aber das Prinzip verfolgt uns eh ein Leben lang. Mir graut es schon vor dem Tag, an dem ich – kaum dass ich verdiene und meine Schulden in den Griff bekomme – Unterhalt für meine Eltern zahlen muss. Konkret meinen Vater, denn da zeichnet sich die Pflegebedürftigkeit jetzt schon ab. Da habe ich auch keinen Bock drauf, aber allzu viele Auswege gibt es auch hier nicht.

Krankenkassenbeitrag:

Als Arbeiutsloser hat man sicherlich etwas Spielraum und kann die eine oder andere Sonderregelung aushandeln. Oder auch nicht (ich habe mich in dem Bereich mal schlau gemacht wg. Selbstständigkeit als Existenzgründerin etc.). Bei freiwilliger Versicherung sind es regulär rd. 300€ im Monat; als arbeitsloser Existenzgründer ab 130. Wie man als rein Arbeitsloser dasteht: Keine Ahnung. Da sollte man seine Krankenkasse direkt ansprechen.

Aber ein billiges Vergnügen wird es vermutlich nicht. :-/

Ich habe mich nach dem Studium und Hartz IV letztlich damit gerettet, dass ein Nebenjob um 2 Stunden pro Woche aufgestockt wurde und ich letztlich so über die 400€ kam und dadurch versichert war. Wöre definitiv die bessere Alternative.

Oder wirklich einen der miesen Jobs annehmen und weitersuchen. Ja, man fördert damit miese Ausbeutung. Aber ggf. ist das besser als NULL Einkommen.

R<ömö


tatua,

natürlich ist es ein Unterschied, ob es vom Gesetzgeber her oder vom Betroffenen her gesehen wird. Wer in diese Lage – ALGII – gerät, soll aber ja keineswegs darin "gehalten" werden, er SOLL sich darin nicht wohlfühlen – das wird schnell übersehen. Er soll auf diese Weise motiviert werden, diesen Zustand rasch zu ändern.

Ich selbst bin mal dran vorbei geschrammt, weiß also, wie es sich anfügt: mehr als besch ...

Trotzdem verstehe ich es von der anderen Seite her, wenn "der Staat" (also wir alle) dafür sorgt, dass diese Lage für den einzelnen in vieler Hinsicht unschön sein mag, aber es hier nicht so kommen darf, dass Wenige für Viele aufkommen müssen.

RWömxö


Ich meinte, anfühlt.

t{atZuxa


Die Schlussfolgerung muss ja auch gar nicht sein, dass unverheiratet zusammenlebende Paare nicht Bedarfsgemeinschaft gesehen werden, sondern dass man diese Paare steuerlich und in ähnlichen Aspekten den verheirateten Paaren gleichstellt.

Konkret zum Beispiel, dass die TE spätestens, wenn sie über ihren Freund unterhalten wird, auch über ihn familienversichert werden kann. Dass er die Steuerklasse 3 kann...

Man kann doch nicht von unverheiraten Paaren so viel erwarten und sie von allen Vorteilen ausschliessen.

Mir geht es gar nicht um die strikte Perspektive aus der betroffenen Seite, Römö.

Ich denke vor allem auch an die gesamtgesellschaftlichen Folgen solcher Praktiken.

Strukturelle Ungerechtigkeiten sind sozialer Sprengstoff für eine Gesellschaft und unterbinden solidarisches Handlen und Denken. Wer sich verarscht fühlt, ist viel eher bereit, den Staat zu betrügen.

Wenn die Menschen den Staat nicht mehr tragen wollen, hat er wenig Zukunft.

Auf Dauer bringen solche "Ersparnisse" nichts aus hohen Folgekosten.

pmhigl0mexna


Ich finde es vermessen beim Hartz4-Regelsatz von "wohlfühlen" zu sprechen.

Er soll auf diese Weise motiviert werden, diesen Zustand rasch zu ändern.

Das finde ich ja völlig ok, trotzdem muss auch die "Motivation" Grenzen haben und dazu gehört die Zwangsverheiratung allemal.

RRömyö


tatua,

ich verstehe Dich schon. Es ist auch nicht so, dass ich das wesentlich anders sähe. Wie groß ist aber die Hoffnung auf Änderung, realistisch gesehen?

philOmena,

ist mir bewusst, dass "wohlfühlen" im Zusammenhang mit Hartz 4 zynisch klingt. Ich habe das Wort nicht aus Überzeugung gewählt.

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