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Angst vor Hartz4

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Wie groß ist aber die Hoffnung auf Änderung, realistisch gesehen?

Sehr groß, wenn sich die Betroffenen vor Gericht wehren. Aber nicht alle haben die Nerven und das Wissen, was ich gut verstehen kann.

Leider ist oft auch die Beratung beim Jobcenter nicht korrekt.

M^a6yflow{exr


Leider ist oft auch die Beratung beim Jobcenter nicht korrekt.

Muss nicht sein, der Sozi auf dem Sozialamt orientiert sich an den für ihn massgebenden Gesetzen und Richtlinien.

Ich denke, dass es in Deutschland gleich ist, wie bei uns in der Schweiz: rein rechtlich gesehen, sind sich nur Eheleute und (gleichgeschlechtliche) Menschen, welche in einer eingetragenen Partnerschaft leben, zur gegenseitigen Unterstützung verpflichtet. Das ist bei uns im Zivilgesetzbuch (ZGB) geregelt.

Konkubinat und WG sind im ZGB nicht geregelt, u.a. weil das Zivilgesetz ein altes Gesetz ist und Konkubinat und WGs Erscheinungen der letzten 20-30 Jahre sind.

Das Sozialhilfegesetz und die dazugehörenden Richtlinien werden im Gegensatz zum ZGB immer mal wieder revidiert und sind deshalb viel zeitgemässer. Und da wird auch das Konkubinat berücksichtigt: wer länger als 2 Jahre zusammenlebt oder gemeinsame Kinder hat, gilt als sogenanntes "Stabiles Konkubinat" und wird als Unterstützungseinheit betrachtet.

Begründung:

1. Konkubinätler sollen beim Sozialhilfebezug nicht besser gestellt werden als Ehepaare.

2. Das Sozialamt finanziert keine Haushilfen, Freundinnen, Geliebte, etc. Und das kann durchaus der Fall sein, wenn in einem Kokubinat der Mann gut verdient, die Frau den gemeinsamen Haushalt macht und Sozialhilfe bezieht (natürlich gibt auch den umgekehrten Fall: Frau verdient gut, Mann schaut für den Haushalt und bezieht SH). Deshalb wird in der CH auch bei einem nicht-stabilen Konkubinat (unter 2 Jahre, ohne Kinder) ein sogenannter "Halthaltsführungsbeitrag" als Einkommen angerechnet. Das besagt nichts anderes, als dass der nicht-unterstützte Partner, dem zuhause sitzenden und Sozialhilfe beziehenden Partner etwas dafür schuldet, dass dieser den Haushalt macht. Ob er nun den Haushalt macht oder nicht, ist natürlich permanenter Diskussionsstoff.

Wird ein Konkubinatspartner unterstützt, der andere nicht, weil er genug verdient, so wird ein gesplittetes Budget gemacht: eins für den Mann, eins für die Frau. Das Budget des Verdienenden ist ein sog. erweitertes Budget, d.h. Rückstellungen für Steuern, Krankenkassen-Selbstbehalte, Unterhaltszahlungen, etc., laufende Verpflichtungen (Ausnahme: Leasing, Kredit) werden berücksichtigt. Bleibt ein Einkommensüberschuss bestehen, wird der Ueberschuss dem sozialhilfebeziehenden Partner im Sozialhilfebudget als Einkommen angerechnet.

Das Argument, Konkubinätler hätten nicht die Rechte von Ehepartnern und deshalb könne man sie auch nicht zur Unterstützung beiziehen, muss immer entgegnet werden, dass es i.d.R. für einen Mann und ein Frau keine Hinderungsgründe gibt, ihre Beziehung zu "legalisieren", sprich zu heiraten. Gleichgeschlechtliche Paare können ihre Partnerschaft offiziell eintragen lassen und sind dann rechtlich hetero-Ehepaaren gleichgestellt.

Das Konkubinat ist eine feine Sache für freie und unabhängige Menschen (ich lebe selbst seit bald 20 Jahren in einem), aber es sollte nicht dazu verwendet werden, das Sozialsystem zu bescheissen. Und das macht man, wenn man als Konkubinätler Sozialhilfe beantragt, derweil der Partner gut verdient und einem locker mittragen könnte. Auch wenn das Zivilgesetz soetwas eigentlich zulässt, so fördert es doch die Vorurteile, welche in der Bevölkerung gegenüber Sozialhilfebezügern bestehen (faul, arbeitsscheu, kriminell, parasitär, etc. ).

MxarryxPFoppixns


Also, du wirst im April 25 und möchtest evtl eine neue Ausbildung machen. Wenn es so ist steht dir noch Kindergeld zu!

Evtl hast du auch Anspruch auf Nachzahlung für die Zeit wo du Arbeitslos warst, das solltest du auf jeden Fall prüfen lassen!

M0arryP)opp(ins


Nachtrag, das Kindergeld kann man bis zum vollendeten 25. Lebensjahr bekommen, also bei dir bis April.

L.adyxM


Gibt es bei euch in der Gegend ein Schnellrestaurant? Die nehmen in der Regel erstmal jeden und das auch innerhalb weniger Tage. Wenn du dann etwas besseres hast, kannst du auch schnell wieder aus dem Vertrag raus.

Muayfl!o(wer


Wie groß ist aber die Hoffnung auf Änderung, realistisch gesehen?

Sehr groß, wenn sich die Betroffenen vor Gericht wehren. Aber nicht alle haben die Nerven und das Wissen, was ich gut verstehen kann.

Wir hatten hier bei uns einen Fall von einer alleinerziehenden Mutter, die zu einem alleinstehenden Mann in sein Haus zog und für sich und die Kinder Sozialhilfe beantragte. Das Verhältnis zum Mann bezeichnete sie als "Mieter-Vermieter-Verhältnis". Das glaubte natürlich niemand so ganz, aber man konnte ihr nicht das Gegenteil beweisen

Die Begründung der Frau hatte den Haken, dass sie diese Geschichte natürlich hätten dauerhaft so leben müssen. Haben sie aber nicht getan: immer häufiger begegnete man dem Paar händchenhalten oder als ganze Familie auftretend, beim Einkaufen, bei dörflichen Anlässen, im Ausgang.

Und so kam es, dass man die Frau mit den Beobachtungen konfrontierte und ihr klarmachte, dass man davon ausgeht, dass sie mit ihrem Mitbewohner nicht nur eine Mieter-Vermieter-Verhältnis pflegt, sondern halt deutlich mehr (das Soz.Amt hat ihm natürlich Miete für sie und ihre Kinder bezahlt).

Der Mann hätte darauf hin seine EInkommensverhältnisse offenlegen müssen, damit man den Anspruch neu hätte berechnen können. Er weigerte sich, mit der Begründung, dass er nicht einsehe, warum er für eine Frau aufkommen müsse, mit welcher er nicht verheiratet sei.

Die Sozialbehörde hat von der Rechshilfe unter verschiedenen Aemtern Gebrauch gemacht, ist über seine Steuerdaten an sein Einkommen geraten und hat dann ohne Mitwirken des Partners das neue Budget für die Frau und ihre Kinder gemacht. Ergebnis: ein Mann, welcher so gut verdient wie dieser Mann, ist absolut in der Lage, seine Freundin zu unterstützen. Für ihre Kinder muss er nicht aufkommen, dafür sind die leiblichen Väter zuständig. Der Frau wurde eine Rechtsmittelbelehrung mit auf dem Weg gegeben, sprich: sie könnte rekurieren und das Gericht würde den Fall dann neu aufrollen.

Die Frau ist damit in eine bedauernswerte Lage geraten. Sie bekam keine Sozialhilfe mehr und die Beziehung geriet in eine Krise. Logisch, letztendlich nahm es auch die Frau ihrem Partner übel, dass er sie zwar angeblich liebt, gerne vögelt und sie ihm den Haushalt machen und für ein gemütliches Heim sorgen darf, aber wenn es darum geht, ihr finanziell unter die Arme zu greifen, dann ist es vorbei mit den grossen Gefühlen.

Der Mann hatte dann irgendwann ein Einsehen. Die beiden leben immer noch zusammen, sie bezieht keine Gelder der öffentlichen Hand mehr.

Einen ähnlichen Fall hatten wir mit einem Mann, der eine Frau aus einem Drittweltland importierte. Sie wohnte bei ihm, er kam für ihren Unterhalt auf. Als er ihr nach ein paar Jahren überdrüssig wurde, schickte er sie auf Sozialamt. Gnädigerweise hätte sie weiterhin bei ihm wohnen und haushalten dürfen, das Sozialamt hätte ihm aber dafür eine Entschädigung bezahlen müssen.

Anhand solcher Fälle sieht man deutlich, dass das Gesetz alleine eben nicht ausreicht. Das Gesetz berücksichtigt die menschliche Lebenssituation nicht. Und vor allem Frauen sind oft Opfer. Und deshalb kommen die Sozialbehörden oft zum Schluss, dass ein verdienender Mann für eine Frau, mit welcher er zwar nicht verheiratet ist, die er aber "nutzniesst" trotzdem aufkommen muss.

L'adyxM


Was ich vergessen habe:

Wenn du unbedingt 50:50 die Kosten mit deinem Freund teilen willst, dann könntest du ja auch eine Liste führen und es ihm zurückzahlen, sobald du kannst ;-)

R'öx


Und deshalb kommen die Sozialbehörden oft zum Schluss, dass ein verdienender Mann für eine Frau, mit welcher er zwar nicht verheiratet ist, die er aber "nutzniesst" trotzdem aufkommen muss.

Und eine Frau, die ja die durchaus vorhandenen finanziellen Vorteile einer Lebensgemeinschaft genießt, muss auch bei sich ändernden Verhältnissen die dann eintretenden Nachteile in Kauf nehmen.

So oder ähnlich wird der Gesetzgeber das sehen.

wenn sich die Betroffenen vor Gericht wehren. Aber nicht alle haben die Nerven

Bei allen persönlichen Ungerechtigkeiten: Es wird nie ein Gesetz geben können, das alle gleich zufriedenstellt. Und vor Gericht ein persönliches Recht erstreiten, indem man betrügt (denn nichts anderes ist es ja, wenn man so tut, als ob eine Lebensgemeinschaft nur eine Wohngemeinschaft sei – also sorry, aber diese Chuzpe hat wirklich nicht jeder. Und eigentlich ist das auch gut so.

aTvaxnti


braunesledersofa: du kannst es so machen, wie philomena empfiehlt. Ich rate dir davon ab, weil es gemeinhin als Sozialbetrug verstanden wird.

Einfacher wäre es in der Tat, ihr würdet nicht zusammenwohnen, aber da das für euch keine Option ist, seid ihr nunmal gemäß SGBII eine Bedarfsgemeinschaft, keine Wohngemeinschaft.

Im besten Fall hat philomena recht und per Gericht wird dir Recht zugesprochen, im schlechtesten Fall hast du die Stattsanwaltschaft vor der Tür, wenn du angibst, keine BG zu sein.

philomena:

Ich stelle mal die Vermutung in den Raum, dass es bei dem dir bekannten Fall in irgendeiner Form um einen Einzelfall handelt. Wie, keine Ahnung. Aber sollte das kein Einzelfall sein, dann werden die Jobcentermitarbeiter zukünftig keinen Spaß mehr haben, sofern sie bisher welchen hatten. Ich zweifel die Allgemeingültigkeit mal an, sonst würde es wesentlich mehr Querschläger geben, die für sich das Recht in Anspruch nehmen, BG und WG mal nach eigenen Gutdünken zu formulieren.

Was ne BG ist ist, ist im SGBII klar geregelt, ggf. bietet die Formulierung "nach gegenseitiger Würdigung" ein kleines Schlupfloch, aber nunja. Ich will mich auch gar nicht in Grundsatzdiskussionen verstricken, seh es aber einfach anders als du.

Zum einen finde ich das Wort Zwangsheirat echt übel in dem Zusammenhang, aber egal, das wäre jetzt Wortklauberei.

Ich finde es aber absolut akzeptabel, dass man in ner Beziehung nach nem Jahr zusammenleben füreinander einsteht. Würde man (und mit man meine ich mich ;-D) ohne ALG2 ja auch machen: Arbeitnehmer und Student, Mehrverdiener und Wenigerverdiener oder eben Arbeitnehmer und Arbeitsloser. Eine Beziehung ist für mich etwas anderes als ne Wohngemeinschaft. Mit reichlicher WG-Erfahrung kann ich ausschließen, das ich da für irgendwen eingestanden hätte (sorry, mein lieber ehemaliger Mitbewohner *:) ) Für meinen Partner (zugegebenermaßen hab ich noch nie mehr verdient als mein Mann, deswegen vermute ich das mal locker vor mich hin) würde ich aber alles geben.

Das nicht jeder jedes Gesetz gut findet, und schn gar nicht mehr, wenns einen auf einmal selbst betrifft, ist mir klar. Ich bin auch nicht glücklich darüber, das ich demnächst meine Rückzahlungsforderung vom Bafög bekomme, aber nunja.

Und die Parallele zwischen ALG2 und Bafög: Beides geschenktes Geld.

p+hil+0mxena


Ich stelle mal die Vermutung in den Raum, dass es bei dem dir bekannten Fall in irgendeiner Form um einen Einzelfall handelt. Wie, keine Ahnung. Aber sollte das kein Einzelfall sein, dann werden die Jobcentermitarbeiter zukünftig keinen Spaß mehr haben, sofern sie bisher welchen hatten. Ich zweifel die Allgemeingültigkeit mal an, sonst würde es wesentlich mehr Querschläger geben, die für sich das Recht in Anspruch nehmen, BG und WG mal nach eigenen Gutdünken zu formulieren.

Ich arbeite ehrenamtlich für eine Kiezberatung und schlage oft die Hände über dem Kopf zusammen – es sind keine Einzelfälle. Da wird aus einer gleichgeschlechtlichen WG beim Jobcenter schnell eine Einstandsgemeinschaft, ebenso wie aus einer gemischtgeschlechtlichen Zweier-WG. Es gab eine Reihe von Fällen, bei denen Jobcentermitarbeiter versucht haben innerhalb von Lebenspartnerschaften, den arbeitenden Partner zusätzlich zu einem Nebenjob/Aufstockung der Stundenzahl zu zwingen, um Geld zu sparen.

Sinn einer Einstandgemeinschaft ist es füreinander einzustehen – das heißt Paare, sollen sich gegenseitig unterstützen. Vor welchem Gericht könnte aber ein Lebenspartner Ged einklagen, wenn sein Lebenspartner nicht zahlt? (So lange es keine eingetragene Partnerschaft oder Ehe ist) und mit welchem Recht?

Zum einen finde ich das Wort Zwangsheirat echt übel in dem Zusammenhang, aber egal, das wäre jetzt Wortklauberei.

Ja, ich finde das auch übel. Ein konkreter Fall aus der Beratung ist mir hängen geblieben. Mann und Frau leben zusammen, wirtschaften aber getrennt und haben keine Beziehung miteinander, die sie als solche definieren würden. Der Mann verdient mit einer 30h Stelle gerade so viel, um sich selbst zu ernähren, sein Auto zu bezahlen, die Hälfte der Miete. Frau, vormals lange Jahre selbstständig, beantragt Hartz4, muss ihr Gewerbe aufgeben. Das Jobcenter möchte ihren "Lebenspartner", der das aber gar nicht ist oder sein möchte, obwohl sie gut befreundet sind, zu einer Aufstockung seiner Stunden zwingen und er möge einen Nebenjob annehmen, damit er seine Mitbewohnerin doch finanziert.

Das Jobcenter sie dazu zwingen, füreinander einzustehen, sie sollen bitte alle Pflichten erfüllen, die man normalerweise einem Ehepartner gegenüber hätte, aber ohne verheiratet zu sein. Würden sie das wollen und dabei noch die Vorteile genießen wollen, würden sie ja heiraten, aber dafür haben sie sich nicht entschieden. Nein, das Jobcenter entscheidet welche Art der Beziehung beide führen müssen.

Es gibt einen Unterschied zwischen einer Beziehung als Lebensform und einer Ehe. Sonst könnte man eins von beidem locker abschaffen.

Mayflower

Konkubinat und WG sind im ZGB nicht geregelt, u.a. weil das Zivilgesetz ein altes Gesetz ist und Konkubinat und WGs Erscheinungen der letzten 20-30 Jahre sind.

Eine Beziehung oder Konkubinat (heißt das in der Schweiz echt so?) ist keine Ehe. Deutlicher geht es doch gar nicht: möchte ich für meinen Partner einstehen und er für mich und wir beide dann noch Steuervorteile haben, heiraten wir.

Möchten wir finanziell nicht füreinander einstehen und legen keinen Wert auf die Steuervorteile, führen wir eine Beziehung.

Mit welchem Recht für beides was die Nachteile angeht gleichgesetzt ohne das die Beziehung dann auch alle Vorteile erhält?

Das ist nicht so einfach – jedenfalls hier in Deutschland nicht und die Sozialgerichte werden mit einer Flut von Klagen überschüttet.

asvantxi


Da wird aus einer gleichgeschlechtlichen WG beim Jobcenter schnell eine Einstandsgemeinschaft, ebenso wie aus einer gemischtgeschlechtlichen Zweier-WG.

Find ich doof vom Jobcenter, der Irrtum ist aber schnell nachzuweisen von dden betroffenen. Also außer Stress kein weiterführendes Problem.

Es gab eine Reihe von Fällen, bei denen Jobcentermitarbeiter versucht haben innerhalb von Lebenspartnerschaften, den arbeitenden Partner zusätzlich zu einem Nebenjob/Aufstockung der Stundenzahl zu zwingen, um Geld zu sparen.

Angesichts dessen, das ich es gut finde, dass Lebenspartner füreinander einstehen, finde ich das auch nicht verkehrt. Ausgehend von ner Bedarfsgemeinschaft und davon, dass das Einkommen des einen für beide ist, finde ich es nur folgerichtig, dass beide versuchen, mehr zu arbeiten, damit beide auch wieder kein ALG2 mehr beziehen. Wenn der eine das nicht kann, muss der andere.

Sinn einer Einstandgemeinschaft ist es füreinander einzustehen – das heißt Paare, sollen sich gegenseitig unterstützen. Vor welchem Gericht könnte aber ein Lebenspartner Ged einklagen, wenn sein Lebenspartner nicht zahlt? (So lange es keine eingetragene Partnerschaft oder Ehe ist) und mit welchem Recht?

Die Definition einer Partnerschaft im SGBII ist aber, das beide füreinander einstehen. Wie das innerpartnerschaftlich geklärt wird ist nicht Sache des Gesetzgebers.

Ein konkreter Fall aus der Beratung ist mir hängen geblieben. Mann und Frau leben zusammen, wirtschaften aber getrennt und haben keine Beziehung miteinander, die sie als solche definieren würden. Der Mann verdient mit einer 30h Stelle gerade so viel, um sich selbst zu ernähren, sein Auto zu bezahlen, die Hälfte der Miete. Frau, vormals lange Jahre selbstständig, beantragt Hartz4, muss ihr Gewerbe aufgeben. Das Jobcenter möchte ihren "Lebenspartner", der das aber gar nicht ist oder sein möchte, obwohl sie gut befreundet sind, zu einer Aufstockung seiner Stunden zwingen und er möge einen Nebenjob annehmen, damit er seine Mitbewohnerin doch finanziert.

Hier vermischst du aber zwei Probleme. Sind die beiden in einer Partnerbeziehung, muss er für sie einstehen (auch wenn du das nicht gut findest) und da macht es Sinn, dass er Vollzeit arbeitet und nicht Teilzeit. Sind sie nicht in einer Beziehung ist das Problem nicht, das er aufstcken soll, sondern das er überhaupt berechnet wird.

Das Jobcenter sie dazu zwingen, füreinander einzustehen, sie sollen bitte alle Pflichten erfüllen, die man normalerweise einem Ehepartner gegenüber hätte, aber ohne verheiratet zu sein. Würden sie das wollen und dabei noch die Vorteile genießen wollen, würden sie ja heiraten, aber dafür haben sie sich nicht entschieden. Nein, das Jobcenter entscheidet welche Art der Beziehung beide führen müssen.

Etwas offtopic: Ich habe gefühlte hundertmal von ALG2-Bezieher gehört, das sie heiraten wollen, aber sich mit ihrem Geld keine Hochzeit leisten können.

Das Dilemma der nichtverheirateten ALG2-Beziehern ist real, aber es entspricht dem geltenden Recht. Das denken sich die Jobcentermitarbeiter ja nicht aus, um irgendwen fertig zu machen. (Manche bestimmt, aber das ist ein anderes Thema).

Aber ich wollte ja eigentlich keine Grundsatzdiskussion führen :-)

tcatxua


Die Definition einer Partnerschaft im SGBII ist aber, das beide füreinander einstehen. Wie das innerpartnerschaftlich geklärt wird ist nicht Sache des Gesetzgebers.

Was Menschen unter einer Partnerschaft verstehen, das entscheiden sie selber und nicht das SGB.

Wenn man in einer Beziehung füreinander sorgen und einstehen möchte (in guten wie in schlechten Zeiten)

und sie damit zu einer Fastehe macht, ok. Diese Fälle gehen in der Regle gar nicht zur Arge, solange beide gemeinsam noch genug Geld zum Wirtschaften haben.

Was ist falsch daran, wenn ein Paar gemeinsam wohnt – weil es bequemer ist und Geld spart und trotzdem getrennt wirtschaftet?

Ich kann doch einen Kerl total lieben, gern neben ihm aufwachen und trotzdem nicht mit ihm in einem Topf wirtschaften, weil er vielleicht ein Geldchaot ist...einen Haufen Schulden hat...

Mit einer Beziehung geht man doch keinen rechtsverbindlichen Vertrag ein...

Frage: Vor allem an die Rechtsexperten hier...

Wenn ein Mensch, wie die TE, der arbeitslos ist und kein ALG II bekommt wegen der geschilderten Situation(Bedarfsgemeinschaft aber nicht bedürftig), vom Partner aber auch keinen Caent bekommt, hätte sie dann einen Anspruch auf eine materielle Grundversorgung? Wenn ja durch wen? Kann sie den Partner verklagen? Oder dann doch die Arge?

a'van'ti


Was Menschen unter einer Partnerschaft verstehen, das entscheiden sie selber und nicht das SGB.

Richtig. Wem der Staat Geld geben will entscheidet aber das SGB.

Was ist falsch daran, wenn ein Paar gemeinsam wohnt – weil es bequemer ist und Geld spart und trotzdem getrennt wirtschaftet?

Wer in ner Beziehung zusammen wohnt um Geld zu sparen wirtschaftet aber gemeinsam.

Frage: Vor allem an die Rechtsexperten hier...

Wenn ein Mensch, wie die TE, der arbeitslos ist und kein ALG II bekommt wegen der geschilderten Situation(Bedarfsgemeinschaft aber nicht bedürftig), vom Partner aber auch keinen Caent bekommt, hätte sie dann einen Anspruch auf eine materielle Grundversorgung? Wenn ja durch wen? Kann sie den Partner verklagen? Oder dann doch die Arge?

Die Arge liefert für Bedürftige die materielle Grundversorgung. Als erwerbsfähiger Mensch ist die Alternative zur ARGE eben Geld verdienen.

Nein, man kann seinen Partner nicht verklagen, weil der einen nicht finanziert.

Die ARGE kann man verklagen, wenn sie gegen das Gesetz verstößt und man deswegen benachteiligt ist oder aber der Meinung ist, dieser Fall träfe zu oder aber einfach nur so. Allerdings sind die Sozialgerichte völlig überlastet. Bis das entschieden würde, wäre man schon verhungert.

Eine Alternative zum ALG2 wäre im Falle der TE ggf. Kindergeld oder Wohngeld, von beidem hab ich keine Ahnung, kann das also nicht mit Bestimmtheit sagen. Dazu kamen aber schon sehr viele interessante Kommentare hier im Thread.

tEaWtua


Wenn ich mir mit einem Menschen eine Wohnung teile, um Geld zu sparen, wirtschafte ich nicht notwendigerweise zusammen.

Ich habe lange in einer Partnerschaft gelebt, in der wir uns die Miete geteilt haben – und solche Sachen wie Spüli oder Waschpulver und ansonsten getrennt gewirtschaftet haben. Auch Lebensmittel waren getrennt, bis auf ein paar Basics, die immer da waren und die wir im Wechsel nachgekauft haben. Wir hatten ein erhebliches Einkommensgefälle und ich wollte nicht ausgehalten werden.

Ich wüsste wirklich gern, was passiert, wenn jemand in diesem Fall kein ALGII und kein Geld vom Partner bekommt. Deine Antwort ist nicht wirklich konkret.

Soweit ich weiß, dürfen Sachbearbeiter bei der Arge oder Sozialhilfe niemanden wegschicken, der kommt und sagt, ich bin völlig mittellos und habe Hunger. Das muss noch am selben Werktag geklärt werden – jedenfalls war es vor ein paar Jahren so.

t1heh sh*adowg(irl


Bei freiwilliger Versicherung sind es regulär rd. 300€ im Monat;

Kurze Anmerkung: Der niedrigste Satz in der freiwilligen Versicherung (bei Einkommen bis irgendwas mit 800€) sind zurzeit rund 150€.

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