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Anwesenheitspflicht im Studium

asscaIrtixn


Spätestens mit dem Bachelor ist die Anwesenheitspflicht in der Uni "normal" geworden.

Imho sind in vielen Bundesländern die Lehramtsstudiengängen mittlerweile auch streng modular aufgebaut. Ich weiß, dass bei uns in S-H. in den ersten 4 Semestern kaum noch irgendwie Möglichkeit besteht sein Studium zu individualisieren.

Schade eigentlich, weil es bestimmte Lerntypen begünstigt und es einigen (zugegebenermassen wenige) Randgruppen das Studieren erschwert.

Ich selbst war in meiner Diplomstudienzeit selten häufiger als ein dutzend Stunden wirklich in der Uni. Das lag nicht an Faulheit, sondern daran, dass 75% aller Dozenten 1:1 den Paper vorgelesen haben, den man am Semesterbeginn auch einfach kaufen konnte und für sich selbst durchgehen.

Solange sich die Dozenten also heute bedeutend mehr Mühe geben, ist Anwesenheitspflicht vertretbar, sonst finde ich sie reichlich seltsam.

Grundsätzlich würde ich mir deine Berufswahl mit dem Reizdarmsyndron aber nochmal überlegen. Ich sehe da wenig Perspektive.

Bbl4ack@ Guxn


Spätestens mit dem Bachelor ist die Anwesenheitspflicht in der Uni "normal" geworden.

sehe ich basierend auf meinen eigenen beobachtungen anders. so wie ich das mitbekommen habe hängt das stark vom fach ab.

wobei es aber bei vielen veranstaltungen auch einfach nicht praktikabel ist. wenn ein prof bei uns im audimax vor 800 studenten spricht würde es entweder mehr als die 90 minuten redezeit des profs dauern, bis der zettel einmal durch wäre, oder es müssten zu jeder vorlesung einige doktoranden mitkommen, nur um die zettel durch die reihen gehen zu lassen und nachzuzählen.

selbst in meinen übungen hatte ich teilweise schon 160 oder mehr studenten sitzen. war allerdings ne serviceveranstaltung für studis aus nem klassischen massenfach.

r#eiqser


Da ich ebenfalls Hochschullehrer bin, erlaube ich mir den Hinweis, dass die meisten der in den Gremien und Instituten ausgekasperter Regularien für die Dozenten rechtlich nicht bindend sind. Ebenso wie ein paar Kollegen am Institut habe ich mich, um bei der angesprochenen Sachlage zu bleiben, entschieden, grundsätzlich keine Anwesenheitslisten zu führen, zum einen, um nicht unnötigen Druck auf die Studierenden auszuüben, zum anderen, weil ich nicht will, dass jemand in meinen Seminaren sitzt, bloß weil er es muss. Die fehlenden Anwesenheitslisten (bei Seminaren mit Anwesenheitspflicht) bedeuten dann für mich (und meine Kollegen) einen zusätzlichen surrealen Mailwechsel mit dem Prüfungsamt, haben für die Studierenden aber keine Konsequenzen. Ich muss in diesem Falle eine Fiktion aufbauen und dem Prüfungsamt bestätigen, dass alle in ausreichender Häufigkeit da waren.

Ich erbitte (und erwarte) eine Abmeldung für die betroffene Sitzung, damit ich diese angemessen vorbereiten kann. Und ich frage nicht nach den Gründen der Abwesenheit (schon gar nicht nach Attesten), weil ich als Dozent zum Studierenden nicht im Verhältnis von Arbeitgeber und Arbeitnehmer stehe. Die Frage, wie die Stoffverarbeitung und die Prüfungsleistungen bei häufigerem Fehlen sicherzustellen sind, ist letztlich im jeweils einzelnen Falle und im persönlichen Gespräch zu klären.

Ich habe mich irgendwann mal mit mir verabredet, den Studierenden, soweit das in meinem Vermögen steht, etwas von jenen Studienbedingungen zu bewahren, die ich in den 80ern selbst noch vorgefunden habe. – Die "Fehlzeiten" der Studierenden sind übrigens erstaunlich niedrig. Und ja, bis zu einer Größe von ca. 40 Teilnehmern fällt mir durchaus jeweils auf, wer nicht anwesend ist.

Im Grunde schreibe ich dies, weil ich mich beim Lesen wunderte, wie sehr sich fast alle bereits an völlig groteske Disziplinierungsverhältnisse gewöhnt zu haben scheinen, die mit dem Hochschulgedanken eher schlecht vereinbar sind. Zu dem gehört es nämlich, wie der große Hochschullehrer Gert Mattenklott es einmal charakterisierte, das Dozenten und Studierende "einander wechselseitig Lehrer und Schüler" begegnen. Mit diesem Verständnis verträgt die neue Rolle des Dozenten als Durchsetzer abstrakter Regeln sich eher schlecht.

Gruß

K)leJtteNrpfljanze8x0


Bei mir im Fach wird übrigens nach wie vor allen Studenten ein Seminarplatz garantiert (allerdings nicht immer thematisch die erste Wahl). Und Seminarteilnahme bedeutet, dass man den Schein braucht. ES gibt keine Seminare, wo man keinen Schein von braucht.

Also das würde mich ja schon brennend interessieren, was das für studiengänge sind, wo man 300 euro für nen seminarplatz anbietet bzw. anscheinend sowenige seminare angeboten werden, dass nicht für genug leute platz ist. Ist das überhaupt legal, muss ne uni nicht ermöglichen, dass man nötige kurse auch belegen kann? Und auch was das für studiengänge sind, wo man von jedem seminar auch nen Schein braucht, also heißt das dann das man jedes seminar besucht haben muss, also mir fällt gerade auf, dass ich das nicht ganz verstehe was damit gemeint ist, also man darf nur ein Seminar belegen, wenn man den schein noch braucht und nicht einfach so (wobei das dann wohl nicht möglich ist, weil zuviele studenten?)?

Und es hängt wie so oft sehr vom studiengang und uni ab, manche studiengänge waren schon immer verschult andere nicht. Es gibt sogar Unis wo Anwesenheitspflicht generell außer kraft gesetzt wurden, von der uni leitung her, auch wenn bestimmte Studiengänge und Dozenten dann anderes sagen.

rPeTisEer


Man lese bitte "dass Dozenten und Studierende einander wechselseitig als " statt "das Dozenten und Studierende einander wechselseitig". Sonntagsmüdigkeit.

Kxle7tterpIflanzke80


Nachtrag: Außer es geht eben um kurse wo die Kapazitäten ein knappes Gut sind wie Labore, aber sowas ist wohl in der Minderheit. begründet wird das damit, dass es weder didaktisch sinnvoll sei noch juristisch einer Überprüfung standhalten würde.

Also so argumentieren Unis die die Anwesenheitspflicht generell abgeschafft haben.

R7oge9rRab<bit


Aber eine Antwort auf die rein informative Mail zuvor, dass im Moment kein Platz frei ist und man einfach zur 1. Sitzung erscheinen soll oder in der 2. Woche nochmal nachfragen? Ich hab da, wie gesagt, nie "danke" zurückgeschrieben, weil ich die Postfächer nicht sinnlos zuspammen wollte.

Was soll man denn darauf auch antworten? "Ja ok, mach ich" ":/ ?

offiziell ist nach dem 2. mal fehlen schluss, dadurch, dass ich die liste aber nicht offen führe, meinen die studenten, dass es nicht auffällt, wenn sie öfter fehlen , aber so doof bin ich dann auch nicht

Das versteh ich auch nicht wirklich. Warum ist man doof, wenn man die Liste offen führt? Ich kann mich auch nicht erinnern, dass in meinem Studium so etwas Praxis war und empfinde das auch als einen etwas seltsamen Umgang mit den Studenten. Was hast du davon, eine geheime Liste zu führen?

S-unfGlowexr_73


@ reiser:

Ich finde die Veränderungen ja auch bitter. Aber ich war "nur" Lehrkraft f. bes. Aufgaben und mir wurde in vielen Bereichen von den Professoren bzw. promovierten Kollegen kein Spielraum eingeräumt.

Außerdem werden bei uns Seminare (gleicher Oberbegriff wie bspw. "Experimentelles Praktikum", aber vermittelt werden die grundlegenden Techniken eingebettet in versch. inhaltliche Themen, nur ist der Schein am Ende derselbe) von versch. Dozenten und aufgrund der thematischen Variation von verschiedenen Arbeitseinheiten gehalten.

Da wurde Individualität nicht erlaubt. Als ich meinen Experimentalgruppen erlaubt habe, gemeinsam den Abschlussbericht zu schreiben (statt jeder Teilnehmer seinen eigenen), liefen die Studenten anderer gleichwertiger Seminare bei ihren Dozenten Amok, weil "bei Frau Sunflower müssen die das nicht". Der Ärger, den ich im Fachbereich dadurch bekam, brauche ich nicht nochmal.

Kurzum:

Ich war letztlich auch nur ein kleines Rädchen.

Und als vor einigen Jahren diskutiert und demonstriert wurde bzgl. der leidigen Anwesenheitspflicht, wurde uns als Dozenten vorgegeben von den Profs, wie wir dann die Scheinkriterien zu definieren hätten, um indirekt doch Anwesenheit zu erzwingen.

@ Kletterpflanze

Fach Psychologie.

Du brauchst best. Seminare, die z.T. aufeinander aufbauen. Vertiefung nur, wenn vorher Basis belegt. "Vertiefung klinische Psychologie" kann dann wahlweise Angst, Depression, Essstörung, Sucht,... sein. Der Schein lautet dann "Vertiefung KlinPsych", aber man macht halt nur ein Thema.

Studenten bekommen IMMER einen Seminarplatz in der Vertiefung, da muss keiner warten, sein Studium verlängern etc.

Aber niemand wird die Vertiefung 2x machen. Wenn man ein Pflichtseminar absolviert hat, hat man es. Es gibt dann keinen Grund, es nochmals zu machen. Das ausreichende Angebot bedeutet letztlich auch, dass man ein Seminar eben nicht einfach aus Lust und Laune machen kann, wenn man es gar nicht braucht. Zumal die zu vermittelnden Basiqualifikationen halt eingebettet in spezifische Themen vermittelt werden, aber nach Teilnahme die Kompetenzen bestehen, sich die anderen Inhalte eigenständig einzuarbeiten. Wer "Angst" belegt hat und dort Basiskompetenzen zu diagnostischem Vorgehen etc. erlernt hat, kann die problemlos selber auf Depressionen o.ä. übertragen.

Das System funktioniert, man bekommt mind. seinen Zweitwunsch (ich hatte nur Erstwunsch-Seminare im Studium). Und niemand will mehr Seminare. Weil Seminare nicht Kleingruppenunterricht bedeutet, sondern mit z.T. erheblichem Aufwand außerhalb der eigentlichen Lehrveranstaltung verbunden ist. Bspw. eine mehrstündigen Gruppentherapie als studentisches Beratungsangebot durchzuführen. Was dann bspw. in der Tageszeitung inseriert wird und wo "echte" Teilnehmer teilnehmen. Eng supervidiert (z.T. Kameramitschau im Nebenraum) durch den Dozenten, um ggf. eingreifen zu können.

Diesen Aufwand nimmt niemand doppelt auf sich. Und wir brauchen keine Seminare, wo Leute nur körperlich anwesend sind und zuhören, aber eben keinerlei Beitrag leisten.

IVnd-Kog LNitLo


....bezüglich kommunikation.....

im moment gerade bekomme ich ständig emails von studis, die im leeren klassenzimmer sitzen und ich bin nicht da :)

warum?

weil ich den start auf morgen verschoben habe.

das habe ich zweimal !!!!!!! per mail kommunziert, das ist auch auf der digicampus-seite nach zu lesen....

wie oben schon bemängelt:

emails von uns dozenten gehen bei den studis unter ferner liefen und wir müssen es dann ausbügeln (*allgemeiner frust schieb*)

Iwn-Kogq Nitxo


Ich hätte mich gegen diese Heimlichtuerei verwehrt und finde es primitiv.

Zum Glück bin ich im meinem ganzen Studium nicht solchen Dozenten begegnet.

viele Grüße

du hast nicht verstanden dass das oft die einzige möglichkeit ist, vielen studenten, die mehrmals fehlen, den kurs für die bewertung zu retten.

wenn ich sie jedes mal offiziell erfasse, sind sie nach dem 2. mal raus.

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