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Referendariat mit 2 kleinen Kindern – ich fühle mich überfordert

KParlVa^lentxin


Hallo made.in.the.80ies,

Ich bin 29 und habe 2 kleine Kinder (4 und 1,5J.), die, da der Papa auch Vollzeit arbeitet, den ganzen Tag im KiGa (nachmittags bei Freunden) und bei der Tagesmutter untergebracht sind. Allein das macht mich schon fertig, ich wäre viel lieber mit ihnen zusammen. Es zerreißt mir das Herz, dass ich sie immer so lange weggeben muss. Am WE muss ich auch immer an den Schreibtisch, Unterricht vorbereiten usw. – das wird ja perspektivisch nicht besser, wenn ich meine Klassen komplett übernehme, nur schlimmer.

ich weiß, das klingt jetzt sehr hart, aber:

Bei euch möchte ich nicht Kind sein.

Dein Herz sagt dir genau das Richtige: Kinder sind kein Statussymbol, das zum perfekten Lebenslauf dazugehört. Sondern kleine, sehr kleine Menschen, die die Zeit ihrer Eltern brauchen, und Eltern, die dann wirklich DA sind, nicht mit den Gedanken schon beim nächsten Termin oder beim übervollen Schreibtisch. Und wenn schon unter der Woche alles durchgetaktet ist und die Kinder von einem Betreuungsplatz zum nächsten weitergereicht werden, dann braucht es wenigstens ein Wochenende, an dem Familienleben dran ist und sonst nichts – und zwar ohne Blick auf die Uhr.

Glaub doch nicht, dass deine Kinder nicht merken, in was für einem Erschöpfungszustand du dich befindest, über viele Monate hinweg. Sie kennen es halt nicht anders.

Dasselbe, mal aus deiner Perspektive fomuliert: Du hast zwei Kinder, verpasst aber die Zeit, in der Kinder am engsten mit ihren Eltern zusammen sind. Diese Zeit lässt sich später nicht einfach "nachholen". So schnell schaust du gar nicht, wie sie sich schon ab der Grundschule ihre eigene Welt aufbauen, in der du immer weniger gefragt bist. Erst recht wenn vorher so wenig echte Beziehung da sein durfte, weil alles andere wichtiger war: Der 42-Stunden-Job mit Weiterbildung und Auslandsreisen, und das Vollzeit-Referendariat, von dem dir jeder, der es absolviert hat, schon vorher hätte sagen können, wie du da eingespannt bist. Ja, du willst "abgesichert" sein, und dann das Finanzielle... aber was nützt das alles, wenn du so daherkommst wie es aus all deinen Beiträgen hier spricht?

Du weißt es ja eigentlich:

Ich will meinen Kindern doch auch eine fröhliche und präsente Mutter sein und mich nicht ständig zum Heulen aufs Klo verziehen

Aber es gibt mächtige Gegenkräfte, die dich daran hindern, die Konsequenzen zu ziehen:

Ich denke immer "Zähne zusammenbeißen und durch!" und das bekomme ich auch von allen ständig gesagt,

Um meinen Kindern vorzuleben, dass man beim Komplikationen lieber aufgibt und davonläuft? Nee danke!

Und eigentlich bin ich nicht der Typ, der irgendwas hinschmeisst.

Bitte denk mal darüber nach, ob das wirklich DU bist. Oder noch besser: Such dir professionelle Hilfe für das Nachdenken darüber. Denn deine Situation ist absolut besorgniserregend.

Ich will dir auch sagen, warum ich es so einschätze. Du hast die Krankengeschichten in deiner Familie aufgelistet. Auch noch ohne das gelesen zu haben, stand ich mir schon bei deinem ersten Beitrag (den ich erst heute gelesen habe) der Begriff DEPRESSION vor Augen.

Für Depressive ist typisch, dass es tausend Gründe gibt, warum sie so "funktionieren" wie sie "funktionieren". Sie spüren zwar, dass es ihnen nicht gut tut, aber die Antreiber, die in ihnen sitzen, suggerieren ihnen, dass es gar keine Alternative gibt, dass sie ja "eigentlich" gern arbeiten, "eigentlich" gern Kinder haben und den Haushalt schmeißen, "eigentlich" gern dieser und jener Anforderung genügen – und wenn sie merken, wie sie dabei seelisch und gesundheitlich auf den Hund kommen, heißt es auch noch: Man muss sich schließlich durchbeißen, man kriegt im Leben nichts geschenkt, man schmeißt doch nichts hin, ich schaff das schon, es ist ja nicht für immer usw.

So lange, bis das Ganze ins totale Gegenteil kippt. Hier fängt es schon an:

Inzwischen schiebe ich alles ewig lange vor mir her, bis ich überhaupt anfange, ich habe gar keine Lust mehr dazu.

Wenn du jetzt nicht ganz von vorn anfängst, über dich und dein Leben nachzudenken, wird irgendwann der Punkt kommen, an dem du nicht mehr kannst. Überhaupt nicht mehr.

Spätestens dann wird auch dein Mann ins Nachdenken kommen. Wie er eigentlich davon ausgehen kann, dass du das alles schaffst, während er mit seiner Karriere beschäftigt ist (selbstverständlich nur wegen eurer finanziellen "Sicherheit"). Spätestens wenn du dann ein paar Monate weg bist zur stationären Behandlung, wird er kapieren, dass zwei (oder dann drei) Kinder sich nicht so nebenbei "wegorganisieren" lassen.

Glaub mir, Körper und Psyche sind nicht unendlich geduldig mit jedem noch so vermessenen Lebensentwurf. Du merkst es ja selber, und glaube ja nicht, dass in ein paar Monaten plötzlich alles gut wird, nur weil das Referendariat dann zu Ende geht. Noch hast du die Entscheidung, ob du selbst die Notbremse ziehst, oder irgendwann eine solche Vollbremsung erleidest. Das heißt Entscheidungen treffen, und klare Prioritäten setzen. (Meiner Meinung nach für die Kinder, wo sie nun schon mal da sind, denn das lässt sich weniger ändern als alles andere.)

Um eines klarzustellen: Ich finde die Beiträge nicht fair, in denen sich Leute an die Stirn tippen, wie man sich ohne Not so viel aufladen kann. Es ist dir anerzogen und sitzt tief in dir drin, dieses Potential zur Depression. Nur mit einer sehr deutlichen, reflektierten Abgrenzung gegen die Lebenseinstellung, mit der du aufgewachsen bist, kannst du deinen eigenen Weg finden und wieder gesund werden.

I{n-KMog Nito


Primadonnagirl

So lange nicht Studium mit Unterbrechung, Wiederholung und Wechsel offiziell 11 Semester, inoffiziell 13jahre. Kind drei ist gerade sechs.

Was ich hätte ändern sollen , wäre das Studienfach, also statt das geisteswissenschaftlich auf Diplom weiter zu studieren, lieber auf das Lehramt fuer die Fächer umzusatteln, dann hatte ich nach dem Studium egal in welchem alter die Chance auf eine Festanstellung gehabt.

Insofern finde ich am plan der te nichts schlimmes. Als fertiger Lehrer kann sie nach der ersten zeit im Job immer wieder zurueck, egal, wieviele Kinder dann kommen. Gibt auch Lehrer, die machen 15 Jahre Pause und können immer sicher zurueck.

AaJNExVS


Hallo - muss mal kurz was loswerden:

ich kann die TE vollkommen verstehen!! Zwei Freundinnen von mir machen gerade ihr Referendariat !! Die eine hat keine Kinder - die andere einen kleinen Sohn. Beide sind Ende 20. Aus Erzählungen der beiden kann ich entnehmen dass es so oder so suuuper stressig ist. Klar mit Kindern ist es natürlich nochmal was anderes - aber wie du schon sagst Made.in.the.80ies - da musst du eben durch und das schaffst du auch :)*

Entgegen der Meinung von Primadonnagirl - erst Karriere dann Kinder, finde ich dass es immer einen Grund gibt den Kinderwunsch aufzuschieben. Nach dem Studium und dem Referendariat ist es dann vielleicht erst mal Kredit für Altlasten (Studium) abbezahlen, erst mal Häuschen bauen und und und !!

Ich kenne ein Pärchen, das hat so lange hinausgeschoben - Studium, Hausbau, selbstständig machen usw. und irgendwann waren sie über 40 und dann wollten sie auch keine Kinder mehr, obwohl der Kinderwunsch immer da war!

Und dann? Wer weiß denn schon wie alles aussieht wenn man aus solchen Gründen noch Jahre wartet? Erstens wäre ich selbst nicht gerne erst mit Mitte 30 oder so zum ersten mal Mutter geworden, zweitens weiß man ob es dann auch direkt klappt? Manche brauchen eeewig. Dann noch einen anderen Aspekt - den gesundheitlichen und auch im Hinblick auf den Partner !! Wenn man hier und jetzt den richtigen Partner hat, gesund ist und auch eine gute Grundausbildung oder Studium hat. Why not?

Wenn der Kinderwunsch da ist !!

Also ich finde es SUPER wie du es gemacht hast !!

Wünsche dir dass du das Referendariat bald in den Taschen hast und dann wieder entspanntere Zeiten kommen !!

@:)

P[rima+donnxaGirl


In kognito

Danke für deine Antwort, hat mich einfach mal interessiert, weil ich so etwas einfach nicht kenne :)

Nach dem Studium und dem Referendariat ist es dann vielleicht erst mal Kredit für Altlasten (Studium) abbezahlen, erst mal Häuschen bauen und und und !!

in solchen Momenten bin ich froh, dass Men Partner und ich dieses Problem nie haben werden... Beide haben wir kein Anrecht auf Bafög ;-D das heißt zwar ackern nebenbei, aber danach gehen wir schuldenfrei raus.

Ich kenne ein Pärchen, das hat so lange hinausgeschoben - Studium, Hausbau, selbstständig machen usw. und irgendwann waren sie über 40 und dann wollten sie auch keine Kinder mehr, obwohl der Kinderwunsch immer da war!

das ist natürlich übel und echt dumm :-| eine gewisse Basis ist für mich unabdingbar, aber gewisse Dinge sollten auch parallel laufen können!

KYarl&Val ent*ixn


@ AJNEVS

Kinder brauchen nicht unbedingt ein Häuschen, und auch keine abgezahlten Kredite. Aber sie brauchen Eltern, die Zeit und Energie für sie übrig haben.

Man muss nicht ewig warten mit dem Kinderkriegen. Es gibt sehr viele Lebensphasen, in denen es zumindest für einen der beiden Eltern möglich ist, in Beruf oder Ausbildung kürzer zu treten, um Raum für Kinder zu schaffen.

Man kann mit Kindern prima studieren (zumindest in den meisten Studiengängen), man kann auch – wenn man nicht sofort Karriere machen will – nach Abschluss der Ausbildung und dem Berufseinstieg (das wird hier von vielen total unterschätzt – gerade im Lehramt!) Elternzeit nehmen, Teilzeit arbeiten usw.

Aber: Es gibt Dinge, die kann man nicht halb machen. Dazu gehört (in den meisten Bundesländern) das Referendariat. Auch in der freien Wirtschaft ist der Berufseinstieg meist erstmal nur in Vollzeit möglich. Von der Menge der Arbeit her (weil so viel Neues auf einen hereinbricht) und von der psychischen Anspannung her (weil man sich ja im Beruf bewähren muss) ist das eine extreme Phase.

Wer davor Kinder haben will, muss sich vorher und gemeinsam überlegen, wie solche Durststrecken gemeistert werden können. In der Regel wird das nur so gehen, dass der andere Partner etwas kürzer tritt. Mit "ach wir schaffen das schon irgendwie" (und lassen alles laufen) ist es nicht getan.

Ich habe Respekt vor allen, die so etwas schaffen. Aber es ist hier doch völlig klar, dass die TE es nicht schafft und dass dabei sie selbst vor die Hunde geht. Nicht zuletzt weil auf Seiten ihres Mannes keinerlei Ausgleich für ihre besondere Belastung da ist (zumindest lese ich davon nichts, im Gegenteil). Und das Schlimme ist: Die Kinder baden es zuerst aus, denn die können sich am wenigsten wehren.

Wenn Männer genauso Karriere machen wie ihre Väter vor 30 Jahren, die Frauen ihnen aber nicht mehr zu Hause den Rücken frei halten (was das ermöglicht hat), sondern selbst – zu Recht – auch ihren Anteil am Berufsleben haben wollen, dann bleibt irgendwas auf der Strecke.

W%atefrlix2


Insofern finde ich am plan der te nichts schlimmes. Als fertiger Lehrer kann sie nach der ersten zeit im Job immer wieder zurueck, egal, wieviele Kinder dann kommen. Gibt auch Lehrer, die machen 15 Jahre Pause und können immer sicher zurueck.

Geht das wirklich so problemlos? Ich möcht zwar kein Kind, aber will nach dem Ref auch nur so 2 Jahre arbeiten und dann promovieren, denn ich möchte eigentlich nicht ewig ins Lehramt. Da promovieren aber manchmal zu nichts führt (wofür man nicht immer was kann), dachte ich, es wäre ganz gut, wenn ich ins Lehramt zurück kann. Ich möcht ja auch Lehramt machen, aber irgendwie will ich halt auch "mehr" und denk, wenn ich es nicht probier, werf ich es mir vielleicht mit 40 vor oder so und dann ist es wirklich zu spät, um noch umzusatteln... ;-) dann bleib ich nämlich ewig Lehrer und sonst wird nix mehr werden.

Insofern gut zu wissen, dass man 15 (oder naja 5...) Jahre Pause machen könnte.

Naja, ich mach erstmal das Ref und der TE bringe ich meine Bewunderung entgegen, mit 2 Kindern könnte ich das nie im Leben! :)^

A$JNEVxS


Primadonnagirl

das ist natürlich übel und echt dumm :-| eine gewisse Basis ist für mich unabdingbar, aber gewisse Dinge sollten auch parallel laufen können!

Ja, ich war sehr geschockt als mir die Frau das erzählt hat. Ich habe mich immer gefragt, weshalb sie keine Kinder hat (weil sie einfach so lieb und süß zu Kindern ist) und auf einem Weinfest erzählte sie es mir dann!!

Ich gebe dir vollkommen Recht, eine gewisse Basis ist sehr sehr wichtig !!

Ich hätte nie ans Kinder kriegen gedacht, hätte ich nicht einen guten FH Abschluss eine gute Ausbildung und dann noch 2 TOP Beurteilungen in der Tasche + Berufserfahrung :-) Das kann man nämlich auch in jungen Jahren haben.

Man wíll ja schließlich auch mal Vorbild sein :-D

PHrima/dontnaGSirl


Na klar kann man das! Habe halt mit 24 erst mit dem Studium angefangen, aber mit 27 bin ich raus aus allem und kann mich vermehren, ohne Seminare und Hausarbeiten :-)

A)JNZEVxS


27 ist ein super Alter :)^

Meine Schwägerin wollte auch so früh wie möglich Mama sein, so hat sie studiert - ihre Doktorarbeit geschrieben eine Stelle als Ärztin angenommen und ist direkt schwanger geworden.

Sie ist mittlerweile 30 und hat zwei Mäuse.

Finde ich super :)^

M?aur_igxha


Gut, dass manche Kinder auch ungeplant zur Welt kommen, sonst wären wir wohl zumindest in Deutschland schon ausgestorben!

kJattaileixn


Gut, dass manche Kinder auch ungeplant zur Welt kommen, sonst wären wir wohl zumindest in Deutschland schon ausgestorben!

oh ja, ganz bestimmt...

mit 82 Mio. Einwohner stehen wir da auch echt ganz knapp davor ;-)

P"rimad|onnaGxirl


Ja, ganz toll, diese ungeplanten Kinder. Vor allem bei Eltern, die völlig erziehungsunfähig sind zzz und ich rede da nicht von der TE, ganz gewiss nicht.

Weder mir noch in meinem Umfeld ist so ein "ungeplantes" Kind jemals passiert, keine Ahnung, wie einige das am laufenden Band schaffen :|N

b[ienre0x07


Sei dir bewusst, was du als Lehrer alles leisten musst, das ist nochmal um ein Vielfaches mehr als das, was du als Referendar machen musst.

Das empfinde ich persönlich aber ganz anders. :-/ Und ich hatte vor der Elternzeit ein volles Deputat.

Wenn dir das Ref jetzt schon zu viel ist, hmmmmm – vielleicht solltest du das Ganze nochmal überdenken.

Also das ist doch Quark. Sorry. Ich kenne fast niemanden, dem das Ref nicht zu viel war. ":/

Ich sehe das doch an meinen Schulen im Kollegium. Überall Vertretungskräfte, weil Lehrerinnen, die 1 oder 2 Jahre mit dem Ref durch sind, erstmal schwanger werden und Kinder bekommen

;-D Da oute ich mich mal. @:)

Ich finde, Du solltest Dir hier nicht noch ein schlechteres Gewissen machen lassen. Du wolltest Hilfe, und das ist legitim. @:)

vRiOox2


Natürlich ist es "normal" nach dem Ref. oder einer anderen Ausbilung ein Kind bekommen zu wollen... da jemanden Berechnung oder so was zu unterstellen ist Quark! Irgenwann muss es ja sein und möglichst früher als später. :)^

Die viele Mütter ab 40 J. finde ich nicht so toll.

Und Frauen, die schon in der Ausbildung und im Studium Kinder bekommen kann ich nur mit Hochachtung begegnen.... und ja es ist anstrengend, aber die meisten schaffen es.

Liebe TE.. du auch :)* , irgendwann ist es vorbei, Augen zu und durch, der Mensch wächst mit seinen Aufgaben und klar, man fühlt sich manchmal erschöpft.

Ich habe auch 2 Kinder, nur 1 Jahr auseinander, vollgearbeitet und nebenbei Weiterbildungen und Samstag gearbeitet.

Unbedingt den Partner kontinuierlich einbeziehen.

Deine Grundeinstellung alles nur so gründlich wie wirklich notwendig zu erledigen ist schon mal gut :)^

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