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Ehegattensplitting - konkreter Fall! Bitte, wer kennt sich aus?

D1ie_KPaulxa hat die Diskussion gestartet


Ich hab da mal ne Frage… kennt sich hier jemand WIRKLICH mit dem Ehegattensplitting aus? @:)

Ich arbeite seit meiner Elternzeit Teilzeit für 1500Euro brutto.

Mein Mann verdient im Schnitt 3500Euro brutto.

37% zu 63%

Wir waren 2012 in Steuerklasse 3/5.

Wir hatten damit jeden Monat 100Euro netto mehr in der Tasche.

Jetzt habe ich das so verstanden, dass nach Zusammenveranlagung bei der Steuererklärung ziemlich genau diese 100Euro pro Monat zurück gezahlt werden müssen.

So, dass man monatlich nur einen "Kredit" in Höhe von 100Euro hatte.

Wir möchten jetzt dieses Jahr die Steuerklassen wieder in 4/4 ändern.

Ich bin mir aber immer total unsicher, ob wir das richtig machen, weil wirklich JEDER etwas anderes erzählt.

(Mal unabhängig davon, dass ich bei einer Trennung und gleichzeitiger Arbeitslosigkeit oder Mutterschaft die Popokarte hätte)

Man sagt ja eigentlich bei großen Gehaltsunterschieden würde es sich lohnen, aber nach dem, wie ich das verstehe lohnt es sich bloß, wenn nur ein Ehepartner Steuerpflichtig angestellt ist?

Korrekt?

Freue mich über Antworten!! *:)

Antworten
B1arotxo


Du bekommst 1.500 * 12 = 18.000/Jahr, Dein Mann 3.500 * 12 = 42.000/Jahr, zusammen also 60.000/Jahr.

Steuer nach [[http://www.grundtabelle.de/ Grundtabelle]] (also ohne Splitting): für 18.000 -> 2.171 €, für 42.000 -> 9.738 €, zusammen also 11.909 €

Steuer nach [[http://www.splittingtabelle.de/ Splittingtabelle]]: für 60.000 -> 11.250 €, also 659 € gespart.

alle Berechnungen der Einfachheit halber ohne Solidaritätszuschlag, ohne Berücksichtigung von irgendwelchen Absatzmöglichkeiten Freibeträgen etc.

Die Steuerklassen sind letztendlich irrelevant, nur für die laufenden Abzüge von Bedeutung. Im EkSt-Bescheid treten die nicht mehr auf.

Gruß, B.

E}xsecrxatus


Individuelle Rechtsberatung ist hier verboten und auch nicht möglich, daher kann ich Dir nur einen Grundfall schildern:

Nehmen wir also an, ein Ehepaar erzielt den von Dir vorgegebenen Bruttolohn. Keine Kirchensteuer, keine erhöhten Werbungskosten/Sonderausgaben etc. und ohne die Berücksichtigung von Kindern (Ist in den meisten Fällen auch zu vernachlässigen, da die entsprechenden Freibeträge in der Regel durch das Kindergeld abgegolten sind. Der Einfluss den Kinder auf den Solidaritätszuschlag und die Kirchensteuer haben ist nur gering und kann ebenfalls vernachlässigt werden). Nach diesen Vorraussetzugen ergeben sich ungefair folgende Zahlen:

Bei der Steuerklassenkombination 3/5 würde das Nettoeinkommen pro Monat ca. 94,09€ höher ausfallen als bei der Steuerklassenkombination 4/4.

Da auf beide Steuerklassen (3/5) gearbeitet wird, wäre das Ehepaar zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung verpflichtet. Bei der Einkommensteuererklärung würde sich in etwa eine Nachzahlung in Höhe von 711,12€ (ESt und SolZu) ergeben.

Wenn beide Ehegatten auf Steuerklasse 4 arbeiten ist die Abgabe einer Einkommensteuererklärung in den meisten Fällen keine Pflicht. Bei der Einkommensteuererklärung würde sich in etwa ein Guthaben in Höhe von 417,88€ (ESt und SolZu) ergeben.

Es bestünde noch die Möglichkeit, anstatt der Steuerklassenkombination 4/4 oder 3/5 das sogenannte Faktorverfahren anzuwenden. Nach dieser Methode würde jeder Ehegatte gemäß seines Anteils am Familieneinkommen besteuert. Hier sollte dann bei einer Einkommensteuererklärung 0,00€ Guthaben/Nachzahlung herauskommen. Nachteil ist unter andrem, dass diese Methode ebenfalls zu einer Pflichtveranlagung führt.

Übrigens: Die tatsächliche Steuerbelastung pro Jahr bleibt immer gleich, egal für welche Methode man sich entscheidet.... es geht hier lediglich darum Einfluss auf die unterjährige Steuerbelastunge zu nehmen.

D&ie_PPaulxa


Danke fúr die ausführlichen antworten! @:)

Entschuldigung, das mit der individuellen Rechtsberatung war mir nicht in denn Sinn gekommen |-o

Nur ohne konkrete Zahlen ist das sschwierig...

Aaalso... Ich bin leider noch immer verwirrt |-o

Wenn ich nach exsecratus' Rechnung gehe, haben wir durch splitting 94 Euro mehr im Monat und müssten nur knapp 700Euro (davon) wieder zurück zahlen!

Also blieben rund 418Euro Guthaben übrig, die wir bei 4/4 auch zurück bekommen hätten?

(auch wenn beide unverheiratet 1/1 hätten?)

Meine Annahme also, dass die Steuerklassenwahl völlig egal ist, sobald beide lohnsteuerpflichtig angestellt sind, war richtig?

E"xsecr@at/uxs


Aaalso... Ich bin leider noch immer verwirrt

Natürlich bist Du das, es geht ums Steuerrecht ;-)

Meine Annahme also, dass die Steuerklassenwahl völlig egal ist, sobald beide lohnsteuerpflichtig angestellt sind, war richtig?

Jein!

Wenn wir davon ausgehen, dass die Steuerpflichtigen in jedem Fall eine Einkommensteuererklärung abgeben, dann würde ich sagen Ja, die Steuerklassenwahl ist letzlich egal, weil am Ende des Jahres die Steuer für das gemeinsame Einkommen ermittelt wird. Zuviel gezahlte Steuer wird erstattet, zuwenig gezahlte Steuer muss nachgezahlt werden.

WENN wir aber davon ausgehen, dass ein Ehepaar sein Einkommen nach Steuerklasse 4 versteuert und "KEINE" Einkommensteuererklärung abgibt, weil sie dazu gesetzlich nicht verpflichtet sind.... dann würde dieses Ehepaar beim o. g. Beispiel 417,88€ Steuern verschenken.

Übrigens: Die Steuerbelastung in Steuerklasse 4 ist identisch mit Steuerklasse 1 ;-)

DOiez_Pa{ula


Steuererklärung machen wir natürlich :)z. Immer her mit unserem Geld.

So, noch eine Frage, wenn du so lieb bist :-)

Wieso Zahl das Ehepaar, welches zusammen 60t€ verdient automatisch ohne Berücksichtigung von Freibeträge etc. bei 4/4 400Euro zuviel?

DUie_Pzaulxa


Entschuldigung für Fehler... Das macht mein Handy :=o

Eixsec9ratus


Das liegt an der sog. Progression. Der effektive Steuersatz steigt in Abhängigkeit vom zu versteuernden Einkommen. Der besserverdienende Ehegatte wird dadurch zu stark besteuert und der geringerverdiende zu gering...

Der Ehegattensplitting macht eigentlich nichts anders, als dass gemeinsame Einkommen durch 2 zu teilen. Bei 60.000€ gemeinsamen Einkommens muss jeder Ehegatte dann 30.000€ bei Steuerklasse 1 versteuern.

D&ie_P6auxla


So gut konnte mir das nie jemand erklären!! Danke!!

@:)

Irgendwie sind soviele Leute noch der festen Meinung, dass man verheiratet einfach mehr Geld hätte... ":/ wenn ich das mal klarstellen möchte, will es mir nie jemand glauben. Aber jetzt kann ich es sogar erklären! Dankööö @:)

TOortBolxa


Irgendwie sind soviele Leute noch der festen Meinung, dass man verheiratet einfach mehr Geld hätte...

Ist ja auch oftmals der Fall, wegen der Progression. Verdienen beide Ehepartner gleich viel, gibt es durch das Ehegattensplitting auch keinen Progressionsvorteil. Je höher der Unterschied zwischen beiden Einkommen, umso höher der Progressionsvorteil durch das Ehegattensplitting.

P&afulione1x1


Übrigens: Die tatsächliche Steuerbelastung pro Jahr bleibt immer gleich, egal für welche Methode man sich entscheidet

Deswegen haben wir immer noch 4/4, trotz inzwischen sehr großem Gehaltsunterschied. Finden es angenehmer, mit der Erstattung den nächsten Urlaub zu finanzieren, als Steuern nachzuzahlen. Tatsächlich günstiger ist 3/5 nur für jemanden, der übers Jahr Zinsen für Dispo oder andere Kredite zahlt.

EPxsRec4ratuxs


Je höher der Unterschied zwischen beiden Einkommen, umso höher der Progressionsvorteil durch das Ehegattensplitting.

tatsächlich ist es genau andersherum... je größer der Unterschied zwischen beiden Einkommen, umso höher ist der Progressionsnachteil den der Ehegattensplitting ausgleichen soll ;-)

M'axix100x0


Tortola hat einfach gerade Splittingvorteil mit Progressionsvorteil durcheinander geworfen. Deine Erklärung könnte viele durcheinander bringen. Ist zwar richtig, aber natürlich seeehr komplex.

Es macht ja keinen Sinn die Gehälter steuerlich zu addieren und dann gleich die Grundtabelle anzuwenden. Das wäre wohl eher ein Steuereintreibpaket für den Staat. Dann hätte man einen enormen Progressionsnachteil. Sowas gabs aber noch nie,oder irre ich mich?

Die Addition der Gehälter hat man ja nur als Zwischenschritt zum Slittingverfahren.

Splittingverfahren: Man addiere beide Gehälter, dividiere durch 2, wende die Grundtabelle an und multipliziere wieder mal 2. Fertig!

MMn kann man hier weder von einem Progressionsnachteil-oder Vorteil sprechen, da man keine Addition der Ehegehälter vornehmen würde, wenn es keinen Splittingvorteil gäbe. Fiktiver Fall.

Und es bleibt zu sagen, dass der Splittingvorteil umso höher ist, je höher der Unterschied beider Gehälter. Das ist es, was die TE meinte. Der Rest ist für Laien zu hoch.

L>ian-J[ilxl


Und es bleibt zu sagen, dass der Splittingvorteil umso höher ist, je höher der Unterschied beider Gehälter.

...was aber unterm Strich völlig unabhängig von der während des Jahres gewählten Steuerklassenkombination ist (um es noch einmal zu wiederholen).

Mba}xi10x00


Richtig!

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