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Brüllende Kollegen, Vorgesetzte, wie richtig reagieren?

LHafdyM hat die Diskussion gestartet


Hallo,

mir fällt immer mal wieder auf, dass ich Situationen beobachte oder selbst involviert bin, bei denen ich nicht genau weiß, was die richtige Reaktion (gewesen) wäre.

Diese Woche war wieder so ein Fall. Mein Abteilungsleiter wurde in meiner Anwesenheit von einem anderen Abteilungsleiter angebrüllt, die Arbeit (an der ich ebenfalls beteiligt war) wurde mit vulgären Ausdrücken niedergemacht. Es handelte sich um ein Projekt, welches von uns für ihn vorbereitet wurde. Er hatte offensichtlich schlechte Laune und ließ diese ungebremst an dem anderen aus.

Ich musste mich ehrlichgesagt sehr stark zusammenreißen, um ihn nicht aufzufordern, das Büro zu verlassen und bitten wiederzukommen, wenn er sich wieder beruhigt hat.

Ich tat es nicht, da

- ich lediglich als Werkstudentin tätig bin und somit wohl nicht in der Position bin, in so einem Fall etwas zu sagen

- ich nicht persönlich angegriffen wurde, sondern mein Vorgesetzter, den ich mit einem Eingriff vielleicht irgendwie "bevormundet" hätte

Der tat mir ziemlich leid in dem Moment und ich hätte mir gewünscht, dass er nicht so mit sich umspringen lässt und ein Machtwort spricht. Auf der anderen Seite ist es aber wohl so, dass er es sich nicht verscherzen wollte mit jemandem, mit dem er voraussichtlich noch lange Zeit zusammenarbeiten muss. Und er ist generell eher ein ruhiger, harmoniebedürftiger Typ.

War nichts zu sagen also die richtige Reaktion von mir?

Rein beruflich denke ich: ja, aufgrund der oben genannten Gründe.

Aber so als Mensch denke ich: nein, denn dieses Brüllen und Schimpfen war unrecht, demütigend, verletztend und ich habe einfach zugehört und zugeschaut

Was denkt ihr, was wäre in so einem Fall die richtige Reaktion? Wart ihr vielleicht schon mal in so einer Situation?

Antworten
NEanfdana


Menschlich gesehen ist das in der Tat nicht schön, aber von deinem beruflichen Status her steht es dir nicht zu, dich da einzumischen. Dein Abteilungsleiter muß sowas selbst können, und wenn er es nicht kann, braucht er ein Führungskräftecoaching oder ähnliches. Wie würde das denn auch aussehen, wenn eine Werkstudentin den Vorgesetzten verteidigt, weil der das selbst nicht hinkriegt! Da hätte er sein Gesicht ja erst recht verloren. Also so leid es dir tut, bei sowas mußt du dich raushalten.

Kmn acykxs


@ LadyM

Was denkt ihr, was wäre in so einem Fall die richtige Reaktion? Wart ihr vielleicht schon mal in so einer Situation?

Ja, ich war mal als Aushilfe tätig mit einem Inhaber, der sehr aufbrausend war. Nachdem er einige Kollegen und mich angeschrien hatte, ließ ich ihn ziehen, ging aber eine halbe Stunde später zu ihm und fragte, was das sollte.

Er hatte sich inzwischen beruhigt und gab sachlich Auskunft, dass er das braucht. Wenn er Ärger hinunterschlucken würde, würde es ihm die Luft abdrücken.

In meiner Anwesenheit ist er nicht mehr ausgerastet, aber ich war nach wenigen Wochen Saison wieder weg.

LjadyxM


Wie würde das denn auch aussehen, wenn eine Werkstudentin den Vorgesetzten verteidigt, weil der das selbst nicht hinkriegt! Da hätte er sein Gesicht ja erst recht verloren.

Genau das dachte ich mir ja auch :-/ Nun frage ich mich die ganze Zeit, ob es nicht vielleicht eine Art Eingreifen gibt, mit denen man solche Situationen entschärfen kann, ohne dass dabei irgendjemand sein Gesicht verliert...

C>ornqeliJax59


Bloß nicht einmischen! Du wirst höchstens selber zum Opfer des Cholerikers!

Ich hatte mal das zweifelhafte Vergnügen, mit meinem sehr cholerischen Senior-Chef und einem anderen Kollegen im Besprechungszimmer. Senior-Chef rastet aus und macht den Kollegen brüllend nieder, und ich saß daneben und habe mir gewünscht, woanders zu sein. Ich habe mich regelrecht unsichtbar gemacht in der Situation, habe mich so weit zurückgezogen wie möglich und den Blick nur auf die Tischplatte gerichtet. OK, damals war ich noch 25 Jahre jünger und das war das erste Mal, daß mir das passiert ist. Aber ich frage mich heute noch, was hätte ich anders machen können? Mir fällt nichts ein.

Bei zwei Kollegen, die sich anbrüllen, würde ich vermutlich versuchen zu schlichten, je nach Situation, aber nur, wenn es Leute von "meiner Ebene" sind und ich sie dafür gut genug kenne. Ansonsten gilt raushalten.

L|adRyM


Bloß nicht einmischen! Du wirst höchstens selber zum Opfer des Cholerikers!

Das empfände ich ehrlichgesagt nicht als besonders schlimm, jedenfalls in diesem Fall, da ich das Unternehmen sowieso in ein paar Wochen wieder verlassen werde. Obwohl ich eigentlich ziemlich empfindlich dagegen bin, wenn ich selbst angebrüllt werde... in der geschilderten Situation hatte ich gar keine Angst vor ihm, nur die Angst, mich nicht positionsgerecht zu verhalten und meinen Vorgesetzten in eine unangenehme Lage zu bringen.

Aber ich frage mich heute noch, was hätte ich anders machen können? Mir fällt nichts ein.

Ja, wenn das vom eigenen Vorgesetzten kommt, dann stelle ich mir die Hemmschwelle da auch viel höher vor, da etwas zu sagen – was auch immer das sein könnte. Es müsste doch da aber sicher Tricks geben, wie man solche Situationen entschärfen kann? Oder ist man tatsächlich dazu verdammt, die Klappe zu halten, weil das die allerbeste aller Lösungen ist?

Bei zwei Kollegen, die sich anbrüllen, würde ich vermutlich versuchen zu schlichten, je nach Situation, aber nur, wenn es Leute von "meiner Ebene" sind und ich sie dafür gut genug kenne. Ansonsten gilt raushalten.

Ich glaube, ich hätte selbst bei zwei Kollegen auf "meiner Ebene" die Hemmung, dass ich durch mein Eingreifen dem "Opfer" eher schade. Jedenfalls bei den Varianten, die mir zu Eingreifen einfallen. Außer es gibt gar kein "Opfer", sondern es ist Streit, dann würde ich wohl etwas sagen. Aber wenn da einer vom anderen niedergemacht wird, komm ich mir vor wie in einem Dilemma ":/

L_aDd;yM


@ Knacks

Dich hab ich irgendwie überscrollt ;-D

Er hatte sich inzwischen beruhigt und gab sachlich Auskunft, dass er das braucht. Wenn er Ärger hinunterschlucken würde, würde es ihm die Luft abdrücken.

Na super :(v Weil es ja nur die Alternativen runterschlucken oder rumbrüllen gibt... Hattest du ihn gefragt, wieso er euch seinen Ärger nicht sachlich mitteilen kann?

s[aBrah4ste^rn


Ich glaube ich hätte beide angeschaut und wäre zu meinem Schreibtisch gelaufen. Danach hätte ich mit meinem Chef darüber gesprochen. Das ist: 1. Schlechter Führungsstil, 2. Ein Fall für den Betriebsrat, falls vorhanden 3. Ein Seminar für Konfliktmanagment. Leider passiert das sehr oft im Geschäftsaltag. Traurig.

mqidnighptlady4V1


ich würde in so einer situatrion einfach wortlos den raum verlassen bis wieder ruhe ist u sollte ich gefragt werden, würde ich sagen, dass ich diesen umgangston nicht mag und ihn auch nicht gewöhnt bin. @:)

m)idnigh}tladyx41


situation

|-o

SValdxo


eine Art Eingreifen gibt, mit denen man solche Situationen entschärfen kann, ohne dass dabei irgendjemand sein Gesicht verliert...

Ich kenne keins. Denn wenn einer wirklich auf 180 ist und sich so wenig im Griff hat, dass er meint, seine Gefühle herausproleten zu müssen, dann helfen die süssesten Engelszungen nichts.

Abwarten, zur Not tatsächlich gehen. Wenn man selbst betroffen ist, später nochmal sachlich ansprechen und wenn er/sie uneinsichtig ist, dann zumindest sagen, dass das nicht in Ordnung ist. Nicht drohen, nicht selbst ausrasten. Manchmal muss man aber auch standhaft bleiben, wenn es um Macht oder drohenden Gesichtsverlust geht und man nicht einfach gehen kann. Dann lässt man den Brüllenden machen und sagt in seiner Pause nur einen Satz: "Nicht in diesem Ton." Zur Not kann man den auch wiederholen, wenn einem nichts besseres einfällt. Wenns sein muss, 20mal, immer sachlich.

D.ieK5rluemi


Es kommt darauf an, wer brüllt. Generell verweise ich die Menschen des Raumes oder gar des Gebäudes. Wo ich Abstufungen mache ist, wenn ein Patient aufgrund von langer Wartezeit die Fassung verliert. Abstufung insofern, dass ich die Diagnose beachte. Wer mit einem "Wehwehchen" kommt, für den gelten die gleichen Maßstäbe wie für Gesunde. Mehr Verständnis habe ich bei onkologischen oder sonst wie infausten Diagnosen. Da denke ich mir, die Menschen haben das Recht, schlecht gelaunt zu sein, sie haben Lebensangst, ihnen steht ein harter Weg bevor und wenn sie sich besser fühlen, wenn sie jetzt mal Dampf ablassen, ok ok – ich versuche, da drüber zu stehen. Das versuche ich auch, meinen Mitarbeitern nahe zu bringen. Ob das "richtig" oder "falsch" ist, keine Ahnung.....

D=ieK)ruemxi


PS: ich war schon immer sehr empfindlich, wenn gebrüllt wurde. Ich bin in den 70gern zur Grundschule gegangen. Meine Klassenlehrerin in der 1ten hatte sich extrem schlecht im Griff und brüllte rum, um für Ruhe zu sorgen. Ich sagte ihr, sie möge bitte nicht so schreien, ich würde mich dann immer so erschrecken, weil ich das von Zuhause nicht kennen würde. Sie war so beeindruckt, dass sie es meinen Eltern erzählte....und versuchte fortan, sich etwas mehr zu beherrschen.

m8igu-elmvariaxchi


Wenn Du nicht gegen die Wölfe ankommst, verbünde Dich mit ihnen und heule mit ihnen. Nur lauter.

Wenn man nicht selbst betroffen ist, muss man sich ja nicht einmischen. Wenn doch, also auch, wenn es in den eigenen Ohren schmerzt, warum nicht mitbrüllen. Als Erklärung kann man durchaus geben, dass man sich eben anpasse. Jung, dynmisch, flexibel. Schließlich ist man lernbereit und sieht Vorgesetzte als Vorbild.

Mdeist}er_GYlaxnz


Ignorieren.

Mein ehemaliger Chef hatte seine cholerischen Phasen, in denen er andere ziemlich heftig niedergemacht hat. Meine Kollegen und ich kannten das, haben weiter gearbeitet unds nicht gross beachtet. Neulinge oder besonders engagierte Zeitgenossen, die dann meinten, schlichtend oder aufpeitschend reagieren zu müssen, habens in der Regel nur verschlimmert.

Wenn einer streiten will, dann tut ers. Und lässt sich selten beschwichtigen.

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