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Selbstzweifel und Unsicherheit: Was macht einen Chef aus?

Fqunn[yCh!rises@y hat die Diskussion gestartet


Hallo zusammen,

ich suche auf diesem Wege junge Menschen, die genau wie ich sehr früh die Chance hatten, eine Führungsposition zu übernehmen. Ich war noch nicht ganz 18, als ich schon Aufgaben der Geschäftsführung mit übernommen habe. Schon vor Ende meiner Lehrzeit wurde ich schließlich zweite Stellvertreterin, mittlerweile bin ich seid vielen Jahren Marktleitung in einem Lebensmittelbetrieb. Ich habe absolut freie Hand, bin in allen Dingen "mein eigener Chef" und der Betrieb steht echt sehr gut da.

Ich versuche immer, dass es meinen Mitarbeitern gut geht. Hänge mich voll rein, weil von mir auch einige Arbeitsplätze abhängen. Ich versuche ausserdem, nicht zu streng bezüglich der Pausenregelung zu sein. Wird fünf Minuten überzogen, ist das absolut okay. Dafür fangen meine Leute auch gern mal zehn Minuten früher an, ohne etwas dafür zu erwarten. Ich denke mir immer, als Chef muss ich auch etwas geben und auf die Menschen eingehen. Nur dann bekomme ich auch einen gewissen Einsatz zurück, der auch mal über das "Normale" hinaus geht.

Nur, was macht einen guten Chef wirklich aus? Wie sollte ein Chef sein, um ernst genommen zu werden? Wie schwierig ist es, als Chef deutlich jünger zu sein als das restliche Personal?

Ich suche auf diesem Weg Gleichgesinnte, die vielleicht auch schon in jungen Jahren Chef geworden sind oder gerade diese Aufgabe übernommen haben. Gerne auch Menschen, die schon länger in diesem Posten stecken. Ich würde mich gerne mit euch über eure Erfahrungen austauschen. Wann habt ihr gezweifelt, wann wusstet ihr, dass ihr ein guter Chef seid? Oder kriegt man gewisse Zweifel nie weg?

Ich freue mich auf eure Meinungen!

Antworten
Tdaxps


Wie schwierig ist es, als Chef deutlich jünger zu sein als das restliche Personal?

Führungsqualität ist nicht vom Alter abhängig. Mancher hat sie und mancher nicht. Ich habe mir schon von so manchem (jungen und alten) Chef klare Regeln gewünscht. Nichts ist schlimmer als ein Chef, der den Mitarbeitern nach dem Munde redet, oder der ständig seine Meinung ändert oder gar den Leuten in den Rücken fällt.

Das

Ich versuche ausserdem, nicht zu streng bezüglich der Pausenregelung zu sein.

zeugt nicht unbedingt von gutem Führungsstil und geht in meinen Augen nur bedingt. Wenn man sich auf seine Mitarbeiter verlassen kann und die Branche es erlaubt, kann man schon gewisse Flexibilität zulassen. Doch sobald auch nur einer auf seine Pausenzeiten pocht oder ein anderer die großzügige Regelung ausnutzt, gibt es nur noch Missgunst. Du kennst sicher den Spruch, von dem Finger reichen und die ganze Hand nehmen.

Ich denke mir immer, als Chef muss ich auch etwas geben und auf die Menschen eingehen.

Man sollte sie schon als Individuen sehen, aber auf den Menschen eingehen heißt auf keinen Fall, sich anzubiedern. Das geht spätestens dann, wenn man wirklich mal ein Machtwort sprechen muss, nach hinten los. Natürlich sollte man ein offenes Ohr für Probleme (ob beruflich oder privat) haben und dann gemeinsam mit dem Mitarbeiter eine Lösung finden. Aber solche Dinge sollten die Ausnahme bleiben.

Der Chef ist der Chef und nicht der beste Kumpel.

C`ornKelBiax59


Was die Pausenregelung angeht, kann ich dir nur den Tipp geben, es so zu machen wie einer meiner Chefs. Wenn wir überziehen, dann wandert er irgendwann an dem betreffenden Zimmer vorbei, ganz ohne was zu sagen, er guckt noch nicht mal. Aber das reicht aus, damit wir reagieren und die Pause beenden. Cheffe würde niemals etwas dazu sagen, aber er setzt seine Autorität eher auf stille Art und Weise durch.

Es kommt darauf an, daß deine Mitarbeiter Respekt vor dir haben, aber keine Angst. Das schlimmsten Eigenschaften bei Chefs sind aus meiner Erfahrung: an erster Stelle cholerisches Temperament (die berühmten Brüller), und ansonsten: Chefs, die ihren Mitarbeitern Fallen stellen, um sie absichtlich fertigzumachen, Unsachlichkeit und ungleiche Behandlung der Mitarbeiter. Wichtig: er sollte sich durchsetzen können, eben ohne laut zu werden. Cheffe trifft eine Entscheidung, je nach Situation vielleicht sogar nach Diskussion mit den Beteiligten, dann hat sie gefälligst auch so umgesetzt zu werden. Wirst du in der Form respektiert, daß deine Anweisungen und Entscheidungen vernünftig umgesetzt werden?

C@oledglixfe


Bin seit 2004 selbstständig, hab direkt nach der Schule meine Firma gegründet.

Ich war anfangs der Kumpel Typ und hab meine Mitarbeiter viel Freiheiten gelassen .. Hat anfangs gut geklappt und die Arbeit wurde erledigt .. Mit der Zeit wurde es aber immer lockerer.

Hab dann eingesehen dass diese schiene nicht effektiv ist und wurde strenger .. Die Arbeit wurde aufmal erledigt, wer es nicht tat hat 1-2 mal erläutert bekommen dass respektvolles Verhalten von beiden seiten gegeben sein muss .. Ich zahle jeden Monat pünktlich und voll den Lohn, ich zahl auch nicht nur den halben Lohn weil ich mal ne schlechte Phase habe ..

Ich verlange im gegenzug dann auch dass die Arbeit erledigt wird, wenn man keine 100% geben kann bin ich auch mit 90% zufrieden .. Bin kein Sklaventreiber aber 50% ist eindeutig zu wenig .. Wenn du deinen Mitarbeitern nur den halben Lohn zahlst dann verzeihen sie es dir auch nicht, also warum sollst du als Arbeitgeber das?

Man muss einen guten Mittel weg finden aber man muss seine Position klar und deutlich vertreten, man muss streng sein, sollte aber auch fähig sein seine Leute zu loben und man muss dies auch tun denn so fühlen sie sich geschätzt.

Respekt ist das A und O aber es geht um dein Geld, bei Geld hört die Freundschaft bekanntlich auf heißt es so schön und das ist auch so.

jSosie8x1


Ich war mit 29 Chefin von über 60 Mitarbeitern.

Wie schwierig ist es, als Chef deutlich jünger zu sein als das restliche Personal?

Das empfand ich als nicht so schwierig, da die Chefin vor mir auch erst Mitte 30 war und die Mitarbeiter es "gewohnt" waren eine junge Chefin zu haben.

Wann habt ihr gezweifelt, wann wusstet ihr, dass ihr ein guter Chef seid? Oder kriegt man gewisse Zweifel nie weg?

Gezweifelt habe ich, weil ich es als schwierig empfand, gewisse Abläufe zu kennen bzw. zu lernen. Und mir ist es immer sehr schwer gefallen, schwierige Gespräche zu führen oder gar Kündigungsgespräche. Letztendlich habe ich den Job gewechselt, weil die Führungsaufgabe nichts für mich war. Ein Grund war auch, dass ich mich zu jung und unerfahren gefühlt habe. Wobei ich von meinen Vorgesetzten aber immer sehr gutes Feedback bekommen hatte. Trotzdem war es nichts für mich.

Niemand wird als Führungskraft geboren, aber Führungsqualitäten hat man oder hat man nicht. Ich denke, wenn du shcon so früh Führungsaufgaben übernehmen konntest, dann hast du diese Qualitäten sicher und musst sie nur weiter ausbauen!

K%a\wa /Ngi_njaM 200x8


Das mit den pausen finde ich nicht gravierend, man kommt ja auch als früher, geht später oder macht 'extra' arbeiten.

Ich habe die erfahrung gemacht wenn jemand neu in einen betrieb kommt und schon 10jahre in einem anderen war die abläufe übernehmen will, auch wenn ich gesagt habe 'WIR machen das HIER aber so und so.' wurde dann wenn ich da war auch gemacht aber wenn er alleine war oder mit jemand anders eben nicht. Ich war grade mal halb so alt und er hatte mehr berufliche erfahrung als ich lebensjahre, aber unser chef hatte mir die führung übertragen, damit kam er nicht zurecht ist dann auch gegangen, sind alle nicht wirklich traurig gewesen :D

Mein chef ist super cool wir (das gesamte team) duzen uns alle seit dem ersten tag machen viel scheiss zusammen, aber wenn ne ansage kommt gilt das auch. Wir reden viel privates und im eifer des gefechts fallen dann auch mal worte wie 'du arsch' (gastronomie) aber es ist ein super angenemnes arbeiten allerdings mit regeln die eingehalten werden.

Er sagt immer es ist ein geben und nehmen wenn jemand zum beispiel wenn 'nichts' los ist sich arbeit sucht (putzen, aufräumen, o.ä.) und man macht mal etwas kaputt ist das halb so schlimm wie bei jemanden der immer nur rumsteht, nichts macht und dann noch was runterwirft. Er ist kein sklaventreiber (hab ich schon ganz anders erlebt) und hat nichts dagegen wenn man als mal rumsteht und nichts macht aber eben nicht ständig. Wir mögen uns,haben ein freundschaftliches verhältniss aber er ist der boss. Wenn er sagt mach mal des und des wirds gemacht, kein 'nee seh ich nicht ein, warum?' manche nutzen so ein lockeres miteinander gnadenlos aus in dem sie denken 'pfft warum sollte ich?!'

kommt wohl einfach auf beide parteien an. Der eine möchte eine klare chef / mitarbeiter beziehung andere können es trennen wenn der chef einen mal anschreit obwohl er normal voll cool zu einem ist es aber auf die arbeit bezogen war und nicht auf einen persönlich.

Ein chef muss halt diese ausstrahlung haben, weiss nicht manche kann man eben nicht ernst nehmen (fehlende kompetzen, social skills, auftreten, etc)

Ich habe kein problem jemanden als chef anzusehen wenn er seine position erarbeitet hat und nicht durch vitamin b bekommen hat. Jemanden der weniger ahnung hat wie ich kann ich als chef nicht ernst nehmen. Hatte bisher nur ältere chefs mein aktueller ist 'nur' 3 jahre älter als ich.

Ich bin aber kein wirklicher chef typ denn ich hab keine lust jemanden sachen 3 mal zu sagen, da mach ichs lieber selbst dann weiss ich es wird SOFORT und richtig erledigt. Das nervt mich leuten sachen mehrmals zu sagen. Erklären ist kein thema aber nicht einfache anweisungen nicht befolgen ich werd dann auch mal 'deutlicher'. Ich wäre kein guter chef in einer großen firma bei uns gehts weils ein kleines team ist und jeder vom chef gleich gesagt bekommt das ich draussen die bin die das sagen hat. (wenn auf mich nicht gehört wird geh ich zum chef petzten und er verleiht meiner anweisung nachdruck, nicht umgehend an folgenden tagen mit den worten 'mir ist aufgefallen das du dies und das nicht machst, änder das bitte' dann fällts nicht so auf das es von mir kam :P)

Ich wäre en richtiger arsch als richtiger chef von jedem gehasst haha oder mit 30 im krankenhaus um das magengeschwürr zu entfernen

F6unnUyCBhrixssy


Herzlichen Dank für die zahlreichen Antworten, ich fand das bisher total interessant und eure Erfahrungen haben mir bei vielem echt weiter geholfen!

Taps.

Ich hab bisher einfach die Erfahrung gemacht das Leute, die bei den Pausen NICHT kontrolliert werden, automatisch eher mal auf ein paar Minuten verzichten. Wenn mal um fünf Minuten überzogen wird, stört mich das ehrlich gesagt auch nicht. Dafür stört es meine Mitarbeiter aber auch nicht, wenn es mal brennt und die Pausen etwas gekürzt werden. Das muss ich nicht mal sagen, dass passiert freiwillig. Das es ausgenutzt wird, hab ich bisher noch nicht erlebt. Wir sind ein kleineres Team, aber es funktioniert bestens so. Ich finde es furchtbar, wenn wegen jeder Minute sofort gerügt wird. Dadurch entsteht Druck, der immer negativ ist. Bisher klappt das tadellos und ich möchte das auch so beibehalten. In unserer Branche gibt es zusätzlich keine 8 Stunden Tage – da muss man auch etwas mit den Pausen entgegen kommen. Nur ausgeruhte Mitarbeiter sind auch leistungsfähig.

Danke euch allen – ich bin gespannt, was noch so kommt.

Lrewixan


FunnyChrissy

Es gibt jede Menge Seminare und Fortbildungsveranstaltungen, wo man was ueber das Menschen Fuehren lernen kann, ueber Management und Organisation etc.

Viele von denen sind sehr gut, auch fuer Leute die schon ohnehin talentiert sind.

neeuhi{er00x7


Ich bin jetzt 50 Jahre alt und seit 30 Jahren in leitender Position tätig. Meine Erfahrung: man wird nicht als Führungsperson geboren; man wächst in diese Rolle hinein!

Wenn ein Team über eine große intrensische Motivation verfügt, kann man man schon mal über das Eine oder Andere wie z.B überzogene Pausen hinwegsehen. Die Gefahr, das dies als Schwäche ausgelegt wird, ist allerdings groß und die Grenzen fließend.

Ein Vorgesetzter kann nicht der Freund seiner Mannschaft sein, man kann sich aber freundschaftlich verhalten.

Grundsätzlich finde ich es gut und richtig, das man sich als Vorgesetzter immer wieder in Frage stellt.

Kompetenz ist wichtig, ein Vorgesetzter kann (und muß) aber nicht alles wissen.

Weiß er alles (..besser..), wirkt sich das demotivierend auf seine Mannschaft aus.

Klare Hierarchieen sind wichtig.

Team heißt: "T oll, E in A nderer M achts"

FnunnyCh&rixssy


neuhier007

Interessanter Ansatz, dem ich so auch zustimmen kann. Ich bin zwar noch keine 30 Jahre in dieser Position – sondern "erst 7" .... aber was nicht ist, kann noch werden. :-)

Die Frage ist, darf ein Vorgesetzter Schwächen haben? Ich schätze, die hat jeder. Aber inwieweit sollte man auch dazu stehen, gerade als Chef?

Danke dir für deinen Beitrag.

nme'uhie"r007


Jeder Mensch hat Schwächen, warum sollte ein Vorgesetzter keine haben (dürfen)? ":/

Natürlich sollte er dann auch dazu stehen.

Du meinst irgend etwas Spezielles?

F)unnyCShrixssy


Nein, nichts spezielles. Eher so im Allgemeinen.

Können die eigenen Schwächen im privaten Leben schaden? Hast du dieses Gefühl schon mal gehabt? Etwa, dass du privat Angewohnheiten hast, die du auch als Chef nicht abstellen kannst?

n^euhiFerx007


Na klar, ich bin doch als Chef kein anderer Mensch!

Natürlich arbeite ich an mir, Dinge, alo schlechte Angewohnheiten abzustellen.

Oftmals holen eine in Stress-Situationen alte Verhaltensmuster wieder ein.

Ich bin oftmals unbeherrscht und habe einfach zu wenig Geduld.

Diese negative Eigenschaft holt mich oftmals ein.

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