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Ich glaube, ich bin nicht fähig zu arbeiten

OkneOnxly


Wer sich hoch bildet um am Ende mehr Verantwortung und Arbeit übernehmen zu können (meistens Denkarbeit), sollte es nicht 'einfacher' haben indem er mehr Geld verdient.

Ach und wer macht dann die Denkarbeit? Glaubst du, man würde noch auf x Jahre Verdienstleben für ein Studium verzichten, wenn man am Ende gleich viel Geld wie ein Handwerker/Arbeiter bekommt? Und ich halte Denkarbeit bei weitem nicht für einfacher, nur weil sie körperlich weniger anstrengend ist.

E|hemfaligUer Nutzher (+#353x655)


Die Verantwortung ist ein wichtiger Punkt. Die Verantwortung des Handwerkers unterscheidet sich von der Verantwortung des leitenden Angestellten. Der Handwerker ist für sein Arbeitsergebnis verantwortlich, hat jedoch nur mit Maschinen zu tun, die berechenbar sind, während der leitende Angestellte für sein und dessen Untergebenen Arbeitsergebnis verantwortlich ist. Jedoch hat es der leitende Angestellte mit Menschen zu tun, die anders als Menschen nicht berechenbar sind.

SGunTflo/werx_73


Ich sehe das Problem hier echt irgendwie in der Grundeinstellung... War jetzt selber einige Monate arbeitslos, bald geht's wieder los – und klar wird es hart. Aber das ist NORMAL und man sollte nicht damit hadern, sondern an seiner Bereitschaft arbeiten, diesen Zustand auszuhalten. Zum einen wird es nach einer Weile besser, zum anderen ist das Leben halt nicht nur Freizeit.

Glaubst du, man würde noch auf x Jahre Verdienstleben für ein Studium verzichten, wenn man am Ende gleich viel Geld wie ein Handwerker/Arbeiter bekommt?

Da gibt's genug Jobs. Ich verdiene in meinem Job (Studium plus teure Pflicht-Weiterbildung) mit viel Verantwortung für Menschen nicht mehr als so manch praktisch arbeitender Mensch/Arbeiter in großen Industrieunternehmen. Bei Vollzeit und mit 6 Jahren Berufserfahrung gerade mal 2.000€ netto. Meine männlichen Kollegen können davon hier in einem Ballungsgebiet mit hohen Mieten nicht mal eine Familie ernähren. Akademiker-Luxus? Keine Spur. Verhandlungsspielraum beim Gehalt: Fehlanzeige.

EEhe4maliger N&utzer} (#332573x1)


Glaubst du, man würde noch auf x Jahre Verdienstleben für ein Studium verzichten, wenn man am Ende gleich viel Geld wie ein Handwerker/Arbeiter bekommt?

In vielen Fällen ist das so. Wenn ich noch einen Master machen würde, bekäme ich in in dem Job für den ich damit studiert habe nur wenig mehr als ich jetzt in meinem Ausbildungsberuf bekomme.

Bei mir liegt es schlicht und ergreifend daran das ich dann keine Zeitzuschläge mehr bekäme. So ist das halt, man muss halt wissen was man will.

Der bequeme Job im Büro wo man nicht schwitzen muss ist halt nicht in jedem Fall der besser bezahlte ...

aber wie immer Leben: ohne Fleiß keinen Preis. Niemand bekommt sein Geld für nichts tun, nur der eine muss halt etwas mehr bzw. andere Arbeit leisten als der andere.

Daher: Augen auf bei der Berufswahl ;-)

L'iverspoxol


Ich sehe das Problem hier echt irgendwie in der Grundeinstellung...

und am mangeldem Durchhaltewillen. Gerade Pratika sind halt oft einfach nur ätzend. Man ist immer am unteren Ende der Nahrungskette, eben weil man die Person mit dem wenigsten Wissen, der wenigsten Erfahrung ist und für alle anderen Mehrarbeit bedeutet. Ich war selbst im Rahmen meiner Ausbildung sehr lange Praktikantin und obwohl ich es rein fachlich total toll fande, die Leute im mich gut behandelt haben und ich auch sehr viele Sachen lernen und machen konnte, wars einfach nur ätzend. Man ist immer auf Andere angewiesen, von deren Launen abhängig und fühlt sich einfach dauernd unwissend und unfähig.

Ich hab mir in dieser Zeit immer nur gewünscht, endlich fertig zu sein und als Kollegin akzeptiert zu werden. Und keiner mehr zu sein, dem man ständig auf die Finger gucken muss.

Ich hasse es übrigens auch früh auszustehen und die Liebe zu meinem Job könnte niemals so groß sein, dass ich mit Freuden um 6.15 h zum Frühdienst erscheine. Um diese Uhrzeit möchte ich absolut nichts machen außer schlafen.

Allerdings hatte ich auch bereits zwei längere Phasen, in denen ich über Monate nicht vor Mittags aufstehen musste und beide Male waren einfach nur ätzend. Ich bin völlig versumpft, wusste überhaupt nichts mehr mit mir anzufangen und je länger man nichts macht desto weniger Grund hat man, morgens aufzustehen. Ich bin wirklich froh, dass ich jetzt wieder aus meiner Winterloch raus bin und vor 10 Uhr das Haus verlasse.

SYunfloLwe9r_73


Daher: Augen auf bei der Berufswahl ;-)

Zu spät! :-p Ich habe aber auch den Eindruck, dass Jobs mit & für Menschen einfach nicht gewertschätzt werden finanziell...

S"unfiloweIrm_73


@ Liverpool:

Ich war selbst im Rahmen meiner Ausbildung sehr lange Praktikantin und obwohl ich es rein fachlich total toll fande, die Leute im mich gut behandelt haben und ich auch sehr viele Sachen lernen und machen konnte, wars einfach nur ätzend. Man ist immer auf Andere angewiesen, von deren Launen abhängig und fühlt sich einfach dauernd unwissend und unfähig.

Dito. Wobei mich am meisten frustriert hat, dass ich auf dem Papier Praktikantin war, aber vollen Einsatz zeigen musste (und man es mir auch so übertragen hat). Leider bekam ich dafür nur ein mickriges Praktikantengehalt und konnte 2012 nur dank eines Kredits meine Miete zahlen. Nach außen hin wurde ich aber als Fachkraft verkauft. ARGH!

E hema liEger tNutzer (#32n5731)


Allerdings hatte ich auch bereits zwei längere Phasen, in denen ich über Monate nicht vor Mittags aufstehen musste und beide Male waren einfach nur ätzend. Ich bin völlig versumpft, wusste überhaupt nichts mehr mit mir anzufangen und je länger man nichts macht desto weniger Grund hat man, morgens aufzustehen.

So geht es mir jetzt auch. Maximal noch einmal die Woche Vorlesung, sonst nichts groß zu tun. Man pennt ewig lange, das eine Mal die Woche aufstehen ist noch zuviel des Gute ...

Man gewöhnt sich so schnell ans Nichts tun. Daher kann ich jeden Arbeitslosen verstehen der nicht so richtig in die Pötte kommt. Je länger der Zustand anhält umso mehr Disziplin braucht man um aufzustehen und in die Gänge zu kommen ...

H?anAnaahWe


Ich habe auch nach dem Abi mehrere unbezahlte Praktika gemacht und kann nur bestaetigen: Es ist aetzend, egal wie viel Spass die eigentliche Arbeit macht. Man ist immer der Depp, bekommt in manchen Branchen keinen Cent, obwohl mal voll arbeitet, und wird aber voll eingesetzt und muss oft die selbe Leistung bringen wie die Angestellten. Sowas ist reine Ausbeutung und Sparsamkeitswahn. Und leider, leider, wird es immer wieder junge, kreative Abiturienten vollter Tatendrang und Elan gegen, die nur zu gerne fuer Lau arbeiten und hoffen, dass die Erfahrung und der Eintrag im Lebenslauf den ganzen Aerger Wert sind.

Einen miesen Job kann man natuerlich wesentlich besser aushalten, wenn man gut dafuer bezahlt wird.

Ich verdiene in meinem Job (Studium plus teure Pflicht-Weiterbildung) mit viel Verantwortung für Menschen nicht mehr als so manch praktisch arbeitender Mensch/Arbeiter in großen Industrieunternehmen. Bei Vollzeit und mit 6 Jahren Berufserfahrung gerade mal 2.000€ netto.

Das ist allerdings absolut ungerecht, ich habe auch eine Freundin, die einen studierten Beruf im sozialen Bereich hat und einen Hungerlohn verdient. Leider sind die grossen Industrieunternehmen (ich arbeite selbst in einem!) der Ort, wo das Geld lockerer sitzt, als ueberall dort, wo mit Menschen gearbeitet wird. Fair ist das nicht, andererseits haben die wenigsten Menschen, die im sozialen Bereich arbeiten, den Job wegen des Geldes gewaehlt, daher lassen sie es sich gefallen.

ELhemaliwger Nu\tz*er (#l3257x31)


Ich glaube man darf aber auch nicht hingehen und Zeit des Studium und der Weiterbildung mit dem Gehalt gleichzusetzten. Das funktioniert leider nicht, auch wenn es ungerecht sien mag.

Aber sunflower ist da ja auch nicht alleine, auch wenn das kaum tröstet. Aber man muss sich nur die ganzen Pestige Jobs wie die Ärzte oder die Juristen ansehen. Die haben auch lange studiert.

Die Ärzte gehen jahrelang zur Uni, machen eine Jahrelange Facharztweiterbildung und wenn man nicht irgendwann eine Oberarzt oder Chefarztstelle bekommt, oder eine gutgehende (Privat)Praxis hat, bekommt man doch auch fast nix für den Aufwand. Im Gegenteil, man hat noch scheiß Arbeitszeiten und Überstunden ohne Ende.

Bei den Juristen das selbe. Wenn man nicht gerade überdurschnittlich gut war und in den Staatsdiesnt kommt, dann arbeitet man doch in den kleinen Kanzleien auch nur fürn Appel und ein Ei ....

Wohingegen viele Ausbildungsberufe nach 3 Jahren zulegen und man bis wer weiß wohin aufsteigen kann ... das Leben ist leider ungerecht ...

SQunflJowjer_73


Das Bittere bei mir ist halt: Eigentlich entspricht mein Ausbildungsniveau dem eines Facharztes. Einige wenige Einrichtungen zahlen dann auch den Tarif. Aber im Normalfall bekommst Du halt diese Anerkennung finanziell nicht. Im Hinblick auf Job & Verantwortung aber durchaus. ]:D Dabei verdienen auch Fachärzte nicht toll, wie Mellimaus schreibt. Achja... Vielleicht studiere ich als nächste besrufsbegleitend Informatik! ;-D

Wohingegen viele Ausbildungsberufe nach 3 Jahren zulegen und man bis wer weiß wohin aufsteigen kann ... das Leben ist leider ungerecht ...

Da scheint es einfach viel mehr individuellen Spielraum zu geben bei Gehaltsverhandlungen... Bei mir ist immer klar: TV-L (oder in Anlehnung daran), basta. Da wird in Vorstellungsgesprächen nicht mal das Gehalt diskutiert. Positiver Aspekt: Die Benachteiligung von Frauen gibt's nicht. :-p Echte Gleichstellung in dem Bereich.

E'hemalig!er Nu>tzer (K#325731)


Also 2000€ netto finde ich schon schwach, die schaffe ich nämlich nur mit der Ausbildung und den Zulagen auch schon fast ...da bin ich nicht weit von entfernt ..

x}Equidnoxxx


Finde einen Beruf den du liebst, dann musst du keinen Tag deines Lebens arbeiten.

S(olatmixe


Willkommen im wirklichen Leben.

Ja, die Umstellung von Schulzeit zum Arbeiten kann sehr hart sein. Dennoch gibt es genug junge Leute, die diesen Schritt schon wesentlich eher gehen mussten. Und übrigens: hast Du während der Schulzeit nie nebenher gearbeitet? Da erfährt man auch schon, was einen erwarten kann in Punkto Disziplin, Frühaufstehen, lange unterwegs sein etc..

Ich habe praktisch schon immer nebenher gearbeitet. Als ich alt genug war auch immer einige Wochen in den Sommerferien in einer Fabrik mit Schichtdienst und wirklich harter Arbeit – sodass mir schon zu Schulzeiten klar war, dass ich im Grunde kein schlechtes Leben habe in der Schule.

Während des Studiums musste ich dann wirklich sehr viel nebenher jobben, ansonsten hätte ich einfach kein -also wirklich KEIN- Geld gehabt zum Leben – das war kein Zuckerschlecken, aber man kapiert, dass man sich nicht alles aussuchen kann und sich nicht immer von Befindlichkeiten abhängig machen kann. Das lernt man umso schneller, wenn nicht die Eltern als Sicherheitsnetz mit doppeltem Boden bereit stehen und man weiß, dass im Notfall eben niemand da ist, der einen noch unterstützen kann. Ich weiß nicht, ob ich das irgendjemandem so wünschen soll, es war hart, aber darüber nachdenken, dass das eigene Leben eben auch bedeutet, Verantwortung für sich und den eigenen Unterhalt zu übernehmen, das schadet niemandem. Übrigens werden die lieben Eltern, die alles zahlen, vermutlich auch nicht immer sooo gern arbeiten gehen...

S=unflocwer_x73


@ Melli:

Je nach Rechenweise des AG (Einstufung) bekomme ich mit TV-L 13 2000-2100€ netto. Und da ist schon mein minimaler GdB-Freibetrag berücksichtigt. Tja... Dafür 12 Semester Studium und 23.000€ für die Weiterbildung. Von meinen Zwangsabgaben an Berufskammer etc. ganz zu schweigen. Das ist ein Urlaub im Jahr, der dafür draufgeht. Weg. Futsch. Dafür, dass ich diese Berufsbezeichnung trage.

@ xEquinoxx:

Finde einen Beruf den du liebst, dann musst du keinen Tag deines Lebens arbeiten.

Ich liebe meinen Job. Nur gibt es kaum ein Umfeld, wo ich so arbeiten kann, wie ich es öchte und wie ich ausgebildet wurde. Weil viel besser verdienende Bürokraten regeln, was ich in welchem Umfang tun darf. Selbst eine geregelte Selbstständigkeit darf ich nicht "einfach so" aufnehmen.

Daher nutzt der job, den man liebt, auch wenig, wenn die Rahmenbedingungen sich so mies gestalten. Und das war 2000 nicht abzusehen. Das ist ein Prozesse, der z.T. ab Juli diesen Jahres wieder Dinge verändert. Verschlechtert.

Das lernt man umso schneller, wenn nicht die Eltern als Sicherheitsnetz mit doppeltem Boden bereit stehen und man weiß, dass im Notfall eben niemand da ist, der einen noch unterstützen kann. Ich weiß nicht, ob ich das irgendjemandem so wünschen soll, es war hart, aber darüber nachdenken, dass das eigene Leben eben auch bedeutet, Verantwortung für sich und den eigenen Unterhalt zu übernehmen, das schadet niemandem.

Habe ich auch so erlebt und sehe es auch so.

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