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Muss ich einspringen, wenn Kollegen krank sind?

Tiimb3atukxu


Jemand schreibt, wenn es kein Urlaub sondern Schichtdienstplanung sei, müsse man erreichbar sein. Ist das echt so ???

Silbermondauge

Nein, natürlich nicht. Wenn man erreichbar sein muss, ist das "Bereitschaftsdienst", wie du bereits völlig zutreffend erkannt hast und Bereitschaftsdienst muss bezahlt werden. Gibt es für diese Zeit keine Vergütung, ist es keine Bereitschaft und man muss auch nicht erreichbar sein.

Aber es gibt wohl Firmen, die das entgegen geltendem Recht für sich so formulieren. Das mag uns schon mal einen Vorgeschmack geben auf das was auf uns zukommt, wenn die arbeitgeberfinanzierten Denkfabriken mit ihren neoliberalen Forderungen durchkommen, wie z.B. Lockerung des Kündigungsschutzes. Je weniger Schutz der Arbeitnehmer genießt, desto mehr können die Firmen das Recht zu ihren Gunsten beugen.

h~apvhazaOrd


Hey Babysull,

bist du heute wieder bei der Arbeit? Es gab bestimmt einen saudummen Spruch von der Chefin, weil du gestern nicht zu erreichen warst, oder? Nimm dir das bloß nicht zu Herzen!

Snmarahgdaxuge


Das Bedürfnis bzw. fast schon das schlechte Gewissen, dass wohl viele Arbeitnehmer heutzutage haben, wenn sie zu Hause sind und gar nicht mehr richtig abschalten können von der Arbeit trägt wirklich dazu bei, dass es immer mehr Menschen mit Burnout o.ä gibt...

Genauso ist es, und so mancher lässt sich von diesem kranken System schon soweit beeinflussen, dass die geschürte Meinung übernommen wird, damit stützt man dieses System, das darauf vertraut, dass sich genügend finden... Anstelle dass man sich mal gegen die wendet, die solche teils menschenverachtenden Zustände durchdrücken und davon profitieren, machen sich Arbeitnehmer noch untereinander fertig, anstelle dass sie zusammenstehen und sich stark machen. Klar, ist ja auch einfacher.... nur nicht wundern, wenn man irgendwann selbst mal das Opfer solcher Mißstände wird.

MWonvika65


Ich finde diese Auffassung übertrieben. Wir gehören zu den Ländern mit dem meisten Urlaubsanspruch, bezahlten Urlaub und sonstige Zulagen. Von krankem System kann meine Ansicht nach keine Rede sein, wir sind schlicht verwöhnt.

Arbeitseinsatz und Bereitschaft einzuspringen gehören in bestimmten Berufssparten schlicht zum Berufsbild (wobei ersteres eigentlich immer dazu gehören sollte). Im Verkauf vor allem bei kleineren Geschäften und ihm sozialen Bereich sowieso. Dann muss man sich eben eine andere Branche suchen, wenn man gar nicht damit klar kommt.

12to3


Arbeitseinsatz und Bereitschaft einzuspringen gehören in bestimmten Berufssparten schlicht zum Berufsbild

Du spinnst! Ein klarer Verstoß gegen geltenes Arbeitsrecht und das ausgerechnet in mies bezahlten Jobs gehört für dich dazu? Auffällig ist ja gerade, dass in den genannten Beispielen eben NICHT die Ausnahme ist, wenn jemand gerufen wird. Und das dies genau die Berufe sind, in denen man eben nicht bis zur Rente bleibt, sondern vorher ersetzt wird.

Einfache Abhilfe: Der Chef kann gern in einer Notlage anrufen. Aber dann zahlt er eben 50% Lohnaufschlag. Schon finden sich Kollegen, die sich gern anrufen lassen.

Sam>araygdauxge


Die TE arbeitet aber im Verkauf.

Es ist doch wirklich so, dass, wenn Arbeit ordentlich und angemessen bezahlt wird, es auch genug Leute gibt, die sie machen.

Ich glaube gar nicht mal, dass wir so verwöhnt sind, aber das möchte man uns glauben machen, damit man die Füsse stillhält. Wir sind so ziemlich das reichste Land in Europa, und trotzdem wird ein Trara um den Mindestlohn gemacht - ist das nicht bezeichnend? Und was den Urlaubsanspruch angeht ... schauen wir einfach mal nach Japan, wo die Leute nicht mal den Urlaub nehmen, den sie hätten..... 10 Tage pro Jahr nimmt der durchschnittliche Japaner. Und 98% der bildungsfähigen Bevölkerung hat Abitur, das muss man sich mal vorstellen. Aber die Selbstmordquote soll auch nicht ohne sein... Und die Frage ist, ob wir das wollen?

Nein, ich halte uns nicht für verwöhnt, und wenn ich mir anschaue, wie Arbeitsverträge früher aussahen... die waren unbefristet - heute schon lange keine Selbstverständlichkeit. 400Euro-Jobs wurden von Teilzeitkräften erledigt. Und Zeitarbeit war damals was Exotisches.

Ich habe das Gefühl, dass immer mehr aus den immer weniger werdenden Beschäftigten herausgeholt wird bei steigender Arbeitsbelastung. Überall wird gespart, "optimiert" (nur für wen?), rationalisiert, outgesourced... Wir wollen konkurrenzfähig bleiben mit Ländern, wo die Leute eine Miete von 5 Euro haben und es nicht anders kennen als bescheiden zu leben (lebt man hier "bescheiden" ist man ja fast asozial). Das Schlimme ist, dass dieses Ausquetschen mit System betrieben wird. Es ist nicht so, dass man sagt: Also liebe Leuts, wir haben momentan gerade überquellende Auftragsbücher, klotzt mal ran, dass wir das erledigt bekommen, es wird auch wieder mal ruhiger. Heute läuft alles auf Hochtouren und zwar permanent, es gibt keine Entspannung, und wenn, werden die Leute in Kurzarbeit geschickt bei stark reduziertem Lohn, Überstunden dagegen werden immer weniger bezahlt, wenn man Glück hat, kann man sie abbummeln, aber dazu kommt es oft nicht, mein Mann könnte Urlaub bis Jahresende nehmen - nur wann? Mein Schwiegervater hat seine Überstunden noch bezahlt bekommen, wenn er wollte, oder er hat sie abgebummelt, der Firma geht's gut.... Ich hatte mal einen 400Euro-Job bei einem renommierten Baumarkt und hätte weder Urlaub noch Krankenstand bezahlt bekommen. Darauf hätte sich vor 30 Jahren nicht mal jemand eingelassen, weil es genug Alternativen gab, heute nicht mehr.

Dann muss man sich eben eine andere Branche suchen, wenn man gar nicht damit klar kommt.

Es gibt kaum mehr Branchen, wo man geregelt arbeiten kann zu fairen Löhnen. Wo Überstunden wahlweise bezahlt oder abgebummelt werden können. Und wenn man permanent Überstunden fahren muss, stimmt was nicht, wenn sie nicht mal mehr abgebummelt werden können, erst recht nicht. Und dann muss man sich nicht wundern, dass so was passiert wie am Mainzer Hauptbahnhof - oder war das die Schuld der Leute, die krank waren oder sich gewagt haben, in den Urlaub zu fahren?

MmonSika6x5


Bei uns wird angerufen oder gefragt, aber niemand "gezwungen", keinerlei Verstoß gegen das Arbeitsrecht. Aber es gehört zum Job dazu, es ist einfach so, dass man gelegentlich einspringt. Manche machen es häufiger, andere seltener, aber keiner macht es "nie". Mag sein, dass ich in deinen Augen spinne (es wäre besser, du könntest dich zu einer gewissen Sachlichkeit durchringen, falls es dir möglich ist.. nur falls..). Ich habe bisher jegliche Mehrarbeit, die dadurch entsteht auch wieder frei bekommen.

Hoin4aLtxa


schauen wir einfach mal nach Japan, wo die Leute nicht mal den Urlaub nehmen, den sie hätten..... 10 Tage pro Jahr nimmt der durchschnittliche Japaner

Nanana ma nich übertreiben.

Als Berufsanfänger (in meienr Firma) 6 Tage bezahlten Urlaub pro Jahr, steigt mit der Betriebszugehörigkeit (dass man dort 10+ Jahre in einer Firma bleibt, gibt es dort noch!). Man sollte aber auch nicht vergessen, dass die ne ganze Ecke Feiertage haben. Hier mal 3 tage frei (Obon im August), um Neujahr auch meistens eine komplette Woche (bezahlt) frei. Dann die vielen Feiertage, die netterweise auf Montage fallen (finde ich sehr angenehm).

In vielen Firmen werden Überstunden z.T. mehr als angemessen bezahlt, also kein Wunder, dass man da auch mal länger bleibt.

Summiert man das ganze auf, kommt man auch auf eine stattliche Zahl an freien Tagen.

SOmarangdauxge


Einfache Abhilfe: Der Chef kann gern in einer Notlage anrufen. Aber dann zahlt er eben 50% Lohnaufschlag. Schon finden sich Kollegen, die sich gern anrufen lassen.

Richtig. Mein Schwiegervater hat in einer Firma gearbeitet, wo das manchmal samstags der Fall war, dass sie noch jemanden mehr brauchten. Die Samstage waren BEGEHRT! Die wurden nämlich auch ordentlich bezahlt. Da war es eher ein Grund zur Freude, wenn das Telefon klingelte, und wenn man nicht konnte, war sofort jemand anderes bereit.

Das such mal heute bei Leuten, die jünger sind. Denen tritt man einfach in den Hintern oder setzt sie unter Druck. Sieht man doch.

Nein, wir sind nicht verwöhnt, das sollen wir nur glauben. Die Leute werden immer mehr ausgequetscht, nicht umsonst sind psychische Erkrankungen immer weiter auf dem Vormarsch. Die Leute können nicht mehr richtig abschalten und gehen teilweise früh morgens mit Bauchschmerzen zur Arbeit. Und kommen ausgelaugt nach Hause. Meine Eltern konnten nach ihrer Vollzeitbeschäftigung noch was anderes machen als kaputt auf die Couch zu fallen und sich von der Glotze beriesen lassen.... Schon mal in die Gesichter geschaut, die man ab 16 Uhr in den Öffentlichen sieht?

T>aps


Arbeitseinsatz und Bereitschaft einzuspringen gehören in bestimmten Berufssparten schlicht zum Berufsbild

Diese Eigenschaften sollten zu jeden Beruf dazugehören, aber man muss sich nicht ausnutzen lassen. So mancher Arbeitgeber plant ja schon fest ein, zu wenig Personal zu haben und den Beschäftigten ein schlechtes Gewissen zu machen.

Ich wäre die Letzte, die nein sagt, wenn meine Hilfe benötigt wird, aber es gibt einen Punkt und da ist Schluss.

Es gibt da diesen Spruch vom kleinen Finger reichen und die ganze Hand nehmen.

S=mara}grdauxge


@ Hinata,

ich hab diverse Reportagen gesehen. Sicherlich gibt es Ausnahmen. Aber nimmt man das Gesamtbild, nimmt der Japaner statistisch unter 10 Tagen Urlaub, nicht selten arbeiten aus strukturellen Gründen Entlassene ohne Lohn weiter, nur um dazuzugehören. Ich hab in einer Reportage sogar mal gesehen, wie die Leute nach der Arbeit in den U-Bahnen hängen, Stehplätze, aber irgendwelche Kopfhalterungen.... weil sie einfach nur fertig sind und im Stehen einpennen. Das ist doch nicht normal! Und vor einer U-Bahnstation hing ein großes Plakat, was für Aufputschmittel geworben hat, da war ein kleines Mädchen zu sehen was sagte: "Halt durch Papa!" Scheint ganz legal zu sein.... Das ist doch kaputt. Ich hoffe mal, dass wir nicht auf so was zusteuern.

H(inatxa


Naja, ich bekomme das täglich mit, ich arbeite dort.

Klar gibts diese Horrorgeschichten, aber die absolute Regel ist das sicher nicht. Für "uns" normal ist das sicher nicht. Aber auch dort geht im Allgemeinen der Trend weg von diesen Arbeitseinstellungen.

Man muss auch wissen, dass die Mentalität, die Einstellung zur Arbeit eine andere ist. Das mag uns sehr fremd sein. In D soll es so sein "Arbeiten um zu Leben", dort vertreten imemr noch sehr viele das Motto "leben um zu arbeiten". Sie kennen es nicht anders.

Es bewegt sich etwas, aber so etwas braucht nun mal Zeit. Vor allem wenn in den Chefetagen noch die alteingesessenen Herren mit ihrem Hierarchiedenken sitzen. Das geht nicht von heute auf morgen.

TJapxs


Ich habe bisher jegliche Mehrarbeit, die dadurch entsteht auch wieder frei bekommen.

Bei dir mag das ja der Fall sein, aber die Regel ist es nicht mehr. Oftmals verfällt die Zeit einfach am Monatsende.

SLmarua]gda#ugxe


Man muss auch wissen, dass die Mentalität, die Einstellung zur Arbeit eine andere ist. Das mag uns sehr fremd sein.

Definitiv ist die Mentalität anders, der Einzelne zählt nicht, die Masse zählt. Den Individualismus, wie wir ihn kennen, ist dort nicht so vorhanden. Entsprechend werden Menschen behandelt - wie ein Kilo Schrauben im Baumarkt. Nur, Mentalität hin oder her - es sind trotzdem Menschen mit körperlichen und psychischen Limits, die irgendwann genauso kaputt gehen wie anders wo.

Ich hatte mal für eine Vertretungszeit einen japanischen Chef. Der Mann war nett, höflich... und stand permanent unter Stress. Er rief mich jeden Tag mehrfach an, egal wo auf der Welt er gerade war und fragte, ob im Büro alles okay wäre... Ich bin mir sicher, er hat jeden Tag gearbeitet, auch am Wochenende.

In D soll es so sein "Arbeiten um zu Leben", dort vertreten imemr noch sehr viele das Motto "leben um zu arbeiten". Sie kennen es nicht anders.

Nee.... Leben um zu arbeiten ist eher deutsch, wohingegend arbeiten um zu leben eher aus Frankreich stammt :D

S8chmid}ti7x0


@ Monika65

Wenn es um gelegentlich (!) geht, man dafür an anderen Tagen frei bekommt bzw. die gleiche Unterstützung (z.B. bei der erwähnten Krankheit der TE) erfährt und es akzeptiert wird, wenn man nein sagt (und sich nicht dafür rechtfertigen muss, dass man an seinem freien Tag einen Arzttermin gelegt hat oder ähnliches), bin ich da ganz bei Dir....

Ich befürchte aber, dass DAS eben nicht überall so ist....

Ich habe ja eine generelle 5 Tage-Woche...Ich springe gerne ein, wenn ich kann und lasse auch einen geplanten freien Tag sausen, wenn Not am Mann ist und ich nichts Wichtiges habe....Aber ich bekomme das voll angerechnet, ich bekomme ein "Danke" von Kollegen und Chef zu hören und ich weiß, dass (fast) alle Kollegen auch für mich springen würden....DANN ist das auch alles keine Frage.... :)z

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