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Muss ich einspringen, wenn Kollegen krank sind?

T[iBmbatuxku


Ich finde diese Auffassung übertrieben. Wir gehören zu den Ländern mit dem meisten Urlaubsanspruch, bezahlten Urlaub und sonstige Zulagen. Von krankem System kann meine Ansicht nach keine Rede sein, wir sind schlicht verwöhnt.

Arbeitseinsatz und Bereitschaft einzuspringen gehören in bestimmten Berufssparten schlicht zum Berufsbild (wobei ersteres eigentlich immer dazu gehören sollte). Im Verkauf vor allem bei kleineren Geschäften und ihm sozialen Bereich sowieso. Dann muss man sich eben eine andere Branche suchen, wenn man gar nicht damit klar kommt.

Monika65

Es kann ja gut sein, dass du das Glück hast, in einem Betrieb zu arbeiten, der mit seinem Personal sozialverträglich und rechtskonform umgeht. Aus der Sicht auf deinen Mikrokosmos sieht es dann (für dich) tatsächlich so aus, als gäbe es kein krankes System und die Menschen seien alle verwöhnt. Die Realität ist aber schon eine andere. Vielleicht solltest du hin und wieder mal einen Blick auf Meldungen wie [[http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/statistik-1-4-milliarden-unbezahlte-ueberstunden-im-jahr-11936835.html diese]] riskieren. Was glaubst du, warum die Deutschen insgesamt 1,4 Milliarden unbezahlte Überstunden im Jahr machen? Ist ihnen langweilig? Wissen sie mit ihrer Freizeit nichts anzufangen? Im Durchschnitt macht jeder 3 unbezahlte Überstunden im Monat!! Ich unterstelle, dass du weißt, was Durchschnitt bedeutet und wie er zustande kommt. Da nicht alle in einem so ausbeuterisch organisierten Betrieb arbeiten, macht der eine vielleicht keine unbezahlten Überstunden, der nächste dann dafür aber sechs!! Jeden Monat!! Oder vielleicht mehr. Die wenigsten werden sie freiwillig leisten. Sie werden aus Angst um den Verlust des Arbeitsplatzes unter Druck geleistet. Sie werden geleistet, weil das System so gestaltet ist, dass Arbeitgeber diesen Druck ausüben können. Und da behauptest du, dieses System sei nicht krank??

SoendQzi8mixr


Aller Statistik zum Trotz wären sehr viele Arbeitnehmer doch schon froh, wenn es bei drei oder sechs unbezahlten Überstunden pro Monat bliebe. Stichwort: Dunkelziffer. Soweit die Realität, wie sie sich leider statistisch nie abbilden lassen wird.

Dabei stören sich die wenigsten Beschäftigten wohl an den Überstunden an sich, sondern vielmehr an den weiteren Umständen. Wenn die Überstunden durch Organisationsversagen und ständige Rationalsierungsbemühungen keine Ausnahme darstellen, sondern fest einkalkuliert sind, ist das frustrierend. Ebenso die Tatsache, dass wie selbstverständlich erwartet wird, in der Freizeit jederzeit zur Verfügung zu stehen. Man erfindet dann neue Trends wie die Work-Life-Balance. Darüber zu reden ist OK. Sie auszuleben ist dagegen verpönt.

RNajaAni


Hmm, jetzt muss ich doch was schreiben.

Einige Kleinigkeiten von meinem letzten Arbeitsplatz:

Vertraglich vereinbart: 37,5 Stunden je Woche. Effektiv notierte Stunden im wöchentlichen Schnitt 43. Dazu nochmal morgends 30 Minuten täglich, welche nicht notiert werden, die man "freiwillig" zu kommen hat. Dann Abends täglich nochmal 15 bis 30 Minuten, die nicht notiert werden, nur in extremen Fällen wie zB 1 Stunde überzogen, dann aber auch nur 30 Minuten die notiert werden.

Oft können Pausen nicht eingehalten werden, daraus resultiert regelmäßig, mehrmals im Monat eine tägliche Arbeitszeit von über 10 Stunden, welche notiert werden (sollten), aber auch nur wenns der Cheffin genehm ist.

Ich denke ich komm da im Schnitt auf locker 46 Stunden Wöchentlich, welche nichtmal alle notiert werden. Und das tolle ist, es wird vorrausgesetzt dass man wöchentlich Überstunden macht dort in dem Betrieb. Obwohl ich das Thema im Sinne der Allgemeinheit mehrfach angesprochen habe, hat man nicht verstanden, dass Überstunden nicht zur Bewältigung des normalen tagesablaufs gedacht sind.

Wochenplanung in Vollzeit sah bei mir in der Regel so aus:

Monatg 7:30 bis 19 Uhr

Dienstag 7:30 bis 19 Uhr

Mittwoche frei

Donnerstag 7:30 bis 17 Uhr

Freitag 7:30 bis 19 Uhr

Samstag 7 bis 16:30 Uhr

Das sind die Zeiten die auch aufgeschrieben wurden, dazu dann halt die 30 Minuten tägl. am Morgen und die 15 bis 30 Minuten tägl. am Abend. Nicht gemachte Pausen usw.

Überstunden durften nicht abgebummelt werden, die wurden, wenn man Glück hatte dann Schrittweise ausbezahlt.

Unsere Teilzeitmitarbeiter der Steuerklasse 5 haben sich natürlich jedes Mal riesig gefreut.

S)maragdxauge


Die rot-grüne Regierung unter Schröder hat mit ihrer Agenda 2010 dieses System installiert, das unbegrenzten Nachschub eingeschüchterter Beschäftigter liefert. Solange das nicht durch Rücknahme wesentlicher Punkte geändert wird, werden weiter Menschen über ihre Belastungsgrenze hinaus ausgebeutet werden, Rechtsstaat hin oder her.

Das wird nie mehr zurückgenommen, man sieht ja, dass die Leute es sich gefallen lassen. H4 stigmatisiert, H4 wird an den Pranger gestellt und beschämt, in den Medien werden irgendwelche Assis vorgeführt und der kleine Arbeitnehmer, der seinerseits ausgebeutet hat, kann nun zum Frustabbau endlich auch mal auf jemandem (wenn auch nur verbal) herumtrampeln anstelle sich gegen die zu wenden, die sich an dem ganzen Scheiss dumm und dämlich verdienen. Ich krieg jedes Mal einen Anfall, wenn ich so ne dumm-brave Mutti sehe, die sich stolz brüstet, für einen Euro pro Stunde schaffen zu gehen und die dann mit dem Finger auf die zeigt, die nicht dazu bereit sind.

Teile und herrsche - funktioniert doch immer wieder.

R"a4ja]nxi


Ich habe dort 2 Jahre gearbeitet und wurde dann nicht in Festanstellung übernommen. Im Nachhinein gesehen auch gut so, ich wäre in nicht ferner Zukunft dort sowieso Zusammengebrochen. Ende vom Lied: Ich bin jetzt arbeitslos und und arbeitsunfähig und bekomme schon Panik wenn ich nur daran denke irgendwann wieder arbeiten zu müssen. Allein der Gedanke treibt mir die Tränen in die Augen und lässt mich unendlich verzweifeln.

1#tot3


Wobei fraglich ist, ob in dieser Statistik auch alle unbezahlten Überstunden erfasst sind. Ich kenne zB Firmen, die zB Dienstreisen immer mit 8 Stunden pro Tag abrechnen obwohl teilweise rund um die Uhr gearbeitet wird. Oder frag mal eine Verkäuferin wieviel Stunden sie arbeitet. Und dann, wieviel Stunden sie wirklich arbeitet, also im Laden ist. Da kommen dann so Antworten wie: "Aber einer muss doch noch aufräumen. Das wird aber nicht aufgeschreiben. Das machen doch alle so ???".

Das ist genauso, wie für viele Abeitnehmer Lohnfortzahlung bei Krankheit und oft sogar Urlaubsansprüche reine Theorie ist. 400€ Jobber oder Teilzeitkräfte arbeiten einfach vor oder nach und werden oft nur für die tatsächlich geleisteten Stunden bezahlt. Kein Wunder, dass viele Firmen mit maximal vielen Teilzeitkräften arbeiten. Flexibel, billig und quasi rechtlos. Und gerade Frauen finden das oft sogar noch normal und fair. Oder eben unvermeidbar. Einfach krank.

Ssen6dzimxir


Wobei fraglich ist, ob in dieser Statistik auch alle unbezahlten Überstunden erfasst sind.

Eben. Drei pro Monat erscheint maßlos untertrieben, wenn man sich mal so umhorcht.

Würde die Zahl wirklich mal auf drei pro Monat gedrosselt werden können, müsste man sich kaum noch Gedanken machen.

Moonirkax65


Wenn sich 450 Eurokräfte auf so etwas einlassen, dann kennen sie die Rechtslage nicht. Bei uns gibts jetzt seit kurzem auch Sonntagszuschläge für die Minijobber, letztenendes haben das Betriebsräte durchgesetzt. Urlaub und Lohnfortzahlung ebenfalls. Größere Arbeitgeber können sich solche Mauscheleien nicht leisten. In kleineren Betrieben siehts da allerdings schlechter aus, die sollte man rigoros melden beim Gewerbeaufsichtsamt.

1Ktox3


Sind Discounter oder Bäckereiketten keine größeren Arbeitgeber? Dort ist es eher der Normalfall. Betriebsräte und Gewerkschaften aber eher selten.

Wir können ja mal eine Umfrage machen:

Wer arbeitet hier auf 450€ Basis und bekommt tatsächlich ALLE Stunden bezahlt? Und was ist das geregelt, wenn man kurzfristig krank ist?

S=endzvimi#r


Die Kenntnis der Rechtslage reicht leider nicht aus. Es widerspricht sich auch mit Deinen Postulaten weiter oben:

Arbeitseinsatz und Bereitschaft einzuspringen gehören in bestimmten Berufssparten schlicht zum Berufsbild (wobei ersteres eigentlich immer dazu gehören sollte). Im Verkauf vor allem bei kleineren Geschäften und ihm sozialen Bereich sowieso. Dann muss man sich eben eine andere Branche suchen, wenn man gar nicht damit klar kommt.

Na wattenu?

In kleineren Betrieben siehts da allerdings schlechter aus, die sollte man rigoros melden beim Gewerbeaufsichtsamt.

Man käme mit dem Melden gar nicht mehr hinterher. Das ist übrigens die extreme Gegenposition zu dem Zitat davor. Einerseits rechtfertigst Du Ausbeutung mit branchenüblichen Zwängen, andererseits mutierst Du zum übereifrigen Blockwart.

1[to3


Gewerbeaufsichtsamt und Arbeitsgerichte verfahren im übrigen nach der einfachen Methode: "Können sie die Vorwürfe beweisen? Und sind die Überstunden vom Vorgesetzten angeordnet worden?". Für Arbeitsrechtler ist die Welt oft sehr einfach: Die Arbeitnehmer behaupten etwas, können es aber nicht beweisen. Und die Medien lügen sowieso. Und schließlich ist die Rechtslage eindeutig, so dass doch jeder Arbeitnehmer ganz einfach seine Rechte einklagen könnte, wenn tatsächlich ein Problem existieren würde.

Genau deshalb kommen die Firmen damit durch.

MPoniBka65


Es geht jetzt nicht um Überstunden, sondern um nicht bezahlten Urlaub, Lohnfortzahlungen etc., also Dinge, die Minijobbern gesetzlich zustehen. Und das lässt sich nachweisen. Es liegt vielleicht daran, dass viele Arbeitnehmer sich selber nicht auskennen, aber das kann ihnen keiner abnehmen.

Meonika$65


Sendizimir

Du wirfst gerade alles durcheinander, was ich geschrieben haben, darum gehe ich nicht weiter darauf ein.

Swend}zimxir


Was ist der Unterschied zwischen unbezahlten Überstunden und unbezahltem Urlaub? Richtig, acht unbezahlte Überstunden ergeben in etwa einen unbezahlten Urlaubstag. Sonderbare Einstellung ...

MNonikpa6x5


Bei uns gibts Überstundenfrei. Ich war früher sehr lang in Behindertenheimen tätig, auch da gabs Kappungen und Überstundenfrei, gerade im Sozialbereicht, die häufig dem öffentlichen Dienst angeglichen sind, läuft das so. Meistens gibts auch Betriebsräte, die die Dienstpläne überwachen. Das Problem sind die kleinen Arbeitgeber. Ich arbeite ebenfalls noch für einen solchen und das schreibe ich tatsächlich nicht auf, wenn ich mal länger bleibe.

Aber aus der Praxis heraus und zum Thema zurückzukommen, ohne Einspringen funktioniert es einfach nicht. Flexibilität ist eine der wesentlichen Anforderungen an diese Arbeitsbereiche ebenso wie in den meisten Fällen Schichtdienst, dafür ist natürlich nicht jeder gemacht.

Das Problem an Diskussionen wie diesen ist das komplette Durcheinanderwerfen aller möglicher Argumente. Die TE ist ohnehin nicht mehr aktiv und so wie es bei ihr läuft, würde ich es auch nicht mitmachen.

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