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Sozialer Beruf mit psychischer Krankheit?

J,ulexy hat die Diskussion gestartet


Hallo ihr Lieben!

Ich habe mal eine Frage, vielleicht betrifft es hier ja den einen oder anderen oder ihr habt welche im Bekanntenkreis...

Und zwar würde ich gerne eine Ausbildung oder Studium im sozialen Bereich machen (Erzieherin, Heilerziehungspflegerin, Sozialpädagogin). Nun rät mir aber jeder (Freunde, die im soz. Bereich arbeiten und meine Therapeuten) davon ab weil ich selbst psychisch krank bin.

Ich kenne aber welche bei denen das durchaus klappt...

Wie ist eure Erfahrung damit? Was würdet ihr mir raten? Ich habe schon überlegt was ich sonst machen könnte, aber mir fällt nix ein was mir Spaß machen würde...

Zusatzinfo: bin examinierte MTRA, möchte aber nicht mehr in diesem Beruf arbeiten. Hatte aber viel mit Behinderten zu tun und könnte mir durchaus vorstellen, in Zukunft mit Behinderten zu arbeiten. Außerdem habe ich mal ehrenamtlich auf einem Bauernhof für Kinder und Jugendliche (mit und ohne Behinderung) gearbeitet, das hat mir auch sehr gefallen. Allerdings musste ich damit aufhören weil es mir damals sehr schlecht ging. Das hatte aber nix mit der Arbeit dort zu tun.

Danke im Voraus! @:)

Antworten
Hyinxa]txa


Ganz ehrlich?

Nein, lass sowas.

Soziale Berufe verlangen einem eine Menge ab, das schaffen manchmal nicht mal psychisch gesunde Menschen. Wenn man noch selbst vorbelastet ist, würde ich es um meiner eigenen Gesundheit Willen einfach lassen.

Vor allem hat das was von Helfersydrom bzw einen Nachgeschmack, dass man etwas kompensieren möchte.

Jpul[exy


Hmm ja das mag sein... Aber mich faszinieren diese Berufe einfach... Und ich habe behinderte Menschen sehr gern...

Ich kann ja mal z. B. durch Praktika ausprobieren wie das so ist...?!? ???

Hma}ppby BaFnana


Sowas überlege ich momentan auch. Habe eine Ausbildung im sozialen Bereich absolviert und möchte gerne noch Erzieherin lernen. Aber auch Ich bin psychisch krank und ziemlich labil derzeit. JETZT kommt die Ausbildung sowieso nicht in Frage, würde das derzeit auch gar nicht schaffen. Brauche halt Therapie etc. um dauerhaft wieder auf die Beine zu kommen.

Aber was ist in 1,2 Jahren? Mit Therapie, hoffentlich erfolgreich, sollte es doch eigentlich möglich sein es zu versuchen? Ich kann mir auch ganz ehrlich nichts anderes als den sozialen Bereich vorstellen.

cbhi


Ich schließe mich Hinata an. Im sozialen Bereich muss man selbst psychisch stark und stabil sein, um die Schicksale der anderen Menschen aushalten (und damit arbeiten) zu können. Das darf einen selbst nicht zu sehr mitnehmen. Wer nicht mal sein eigenes Schicksal gut aushalten kann, hat in einem solchen Beruf meiner Meinung nach nicht viel verloren.

Als Beispiel: ich liebe Tiere. Alle möglichen. Ich würde am liiiiebsten in einer Tierarztpraxis arbeiten. Das hat mich schon immer fasziniert und ich würde gerne helfen. Aber ich weiß, dass mich der Tod eines behandelten Tieres und das Leid der Besitzer sehr weit runterziehen würde. Einmal verkrafte ich sowas und vielleicht auch ein zweites Mal. Vielleicht kann ich ein paar Monate stark sein, möglicherweise ein Jahr. Aber ich werde innerlich daran kaputt gehen. Das kann ich vorhersehen, weil ich mich gut reflektieren kann. Und deswegen halte ich von diesem Beruf Abstand. Zu meinem Wohl und zum Wohl der anderen.

ElrdbeeUr-Rhab@arber


Puh. Ich denke mal, es kommt sehr auf die Art der psychischen Erkrankung und die Behandlungsmöglichkeiten bzw. -erfolge an. Ich kenne eine ganz liebe Kindergärtnerin, die vor einigen Jahren erkrankte, jetzt aber medikamentös gut eingestellt ist und ausgezeichnete Arbeit macht.

Gerade mit einer Borderlinestörung stelle ich mir Erzieherin, Heilerziehungspflegerin oder Sozialpädagogin aber schon sehr problematisch vor.

Ehrlichgesagt: Ich würde dir auch abraten.

M.adameO C?harenmtxon


es ist absoluter ein Blödsinn das man mit einer überwundenen psychischen Krankheit nicht im Sozialbereich arbeiten kann.

zuerst sollte man natürlich eine Therapie machen! aber sonst spricht nichts dagegen. es kenne sogar einige Menschen welche psychische Probleme hatten und einen Sozialberuf ausüben.

man sollte aber folgendes beachten: es kommt auf die Art und Schwere der Erkrankung an! Suchtverhalten, Depressionen, etc stellen kein Problem dar da man diese heilen kann.

bei Persönlichkeitsstörungen usw. sieht es definitiv anders aus, jemand mit Borderline z.B. sollte gewisse Berufe nicht ausüben und wird das auch nicht tun können.

MOadame _Charentxon


Wer nicht mal sein eigenes Schicksal gut aushalten kann, hat in einem solchen Beruf meiner Meinung nach nicht viel verloren.

nur weil man mit dem eigenen Schicksal seine Probleme hat heißt das nicht dass man sich nicht abgrenzen kann. das sind zwei paar Schuhe.

J$uxley


Ich schließe mich Hinata an. Im sozialen Bereich muss man selbst psychisch stark und stabil sein, um die Schicksale der anderen Menschen aushalten (und damit arbeiten) zu können. Das darf einen selbst nicht zu sehr mitnehmen. Wer nicht mal sein eigenes Schicksal gut aushalten kann, hat in einem solchen Beruf meiner Meinung nach nicht viel verloren.

Ich habe 8 Jahre im Krankenhaus gearbeitet und auch viele Schicksale miterlebt. Das habe ich auch sehr gut ausgehalten.

Und wenn ich z. B. mit Behinderten oder Kindern arbeite habe ich ja nicht zwangsläufig mit psychisch kranken Klienten zu tun, deren Schicksale mich triggern könnten...

Und noch ne Info: ja ich habe u. a. eine Borderline-Persönlichkeitsstörung, bin aber seit 2007 in Behandlung und auf dem Weg der Besserung :)z

c<hi


Und wenn ich z. B. mit Behinderten oder Kindern arbeite habe ich ja nicht zwangsläufig mit psychisch kranken Klienten zu tun, deren Schicksale mich triggern könnten...

Das Problem ist, dass du nicht vorhersehen kannst, was passieren wird. Es kann IMMER eine triggernde Situation entstehen. Und findest du nicht, dass die Menschen, die wirklich Hilfe brauchen, auch einen Menschen zur Seite haben sollten, der immer ganz da ist? Den man nicht ausversehen triggern kann, sodass er in alte, schlimme Verhaltensmuster zurückfällt? Das wäre nämlich mein Wunsch für kranke, evtl behinderte Menschen. Dass sie stabile, starke Menschen im Rücken haben, die sich um sie kümmern.

Jluley


Hmm chi da ist was wahres dran... :-/

ESrdbee.r-Rh[abarxber


Wenn du mit (geistig) behinderten Kindern/Menschen arbeitest, musst du in der Lage sein, stabile und belastbare Beziehungen aufzubauen. Dem Anderen Sicherheit geben. Dazu braucht es viel Offenheit. Man kommt sich sehr nahe, das muss man zulassen und damit muss man umgehen können.

Du musst die Beziehung langfristig aufrecht halten und ihr eine positive Richtung geben, auch wenn dein Gegenüber immer mal wieder herausforderndes Verhalten zeigt.

Soetwas passiert leider und lässt sich im Vorfeld oft nicht abfangen, auch wenn man sehr deeskalierend an die Sache herangeht. Mit "herausforderndem Verhalten" meine ich: Formen von Gewalt gegen dich und Andere, z.B. als verbale Provokation und Beschimpfung, anspucken, schlagen, treten, zwicken, Selbstverletzung, absichtlich herbeigeführtes Erbrechen usw.

M1j9inna


Es kann IMMER eine triggernde Situation entstehen.

genau, das trifft aber auf die ganze Menschheit zu. Auch vermeintlich "gesunde Menschen" können durch herausfordernde Verhaltensweisen von Klienten/Kunden oder wie auch immer, an ihre psychischen Belastungsgrenzen geraten (gerade im Pflegebereich)

Hier entscheidet tatsächlich die Schwere bzw. Therapiemöglichkeit bestehender Erkrankung

J&uYle!y


Ihr habt gute Argumente, das muss man euch lassen ;-)

Ich hab ja noch eine Menge Zeit mir das zu überlegen, bin momentan in einer sozialtherapeutischen übergangseinrichtung und muss erst mal selbst Therapie machen :)z

Aber irgendwann muss ich Praktikum machen und da kann ich es ja ausprobieren :)z

M[ayflo3wer


Ich arbeite seit bald 20 Jahren im Sozialwesen. Immer "Frontarbeit" mit Klienten, seit ein paar Jahren mit leitender Funktion. Mit diesem Erfahrungshintergrund beantworte ich die Frage

Sozialer Beruf mit psych. Krankheit?

mit einem klaren NEIN.

Eine der wichtigsten Voraussetzungen für soziale Berufe ist eine hohe psychische Belastbarkeit. Eine psychische kranke Person bringt diese Belastbarkeit nicht mit. Soziale Berufe sind allein von den Inhalten her belastende, kraftzehrende Berufe. Nicht umsonst haben sie ein hohes Burnout-Risiko.

Da die meisten Sozialen Berufe entsprechende Ausbildungen verlangen, wird ein Bewerber mit psychischer Erkrankung die Aufnahmebedingung nicht erfüllen. Was natürlich voraussetzt, dass man Fragen zur Gesundheit und zurückliegenden Krankheiten korrekt beantwortet.

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