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Sozialer Beruf mit psychischer Krankheit?

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Der "soziale Bereich" ist so vielfältig, dass man meiner Meinung nach nicht pauschalisieren kann.

Ich bin seit vielen Jahren depressiv und arbeite "trotzdem" mit psychisch kranken Menschen. Von Demenz über Depression, bipolare Störungen, Tourette, Psychosen, Persönlichkeitsstörungen... Da ist alles dabei.

Ich kann mich sehr gut abgrenzen und auch meine Kollegen (die nichts von meiner Diagnose wissen) schätzen meine Arbeit sehr.

Es kommt auf den Einzelfall drauf an. Leute, die sagen "psychisch Kranke haben im Sozialbereich nix zu suchen" kennen sich meiner Meinung nach einfach zu wenig aus. Man kann das nicht pauschalisieren.

Slafkar(afxfe


Es kommt auf den Einzelfall drauf an. Leute, die sagen "psychisch Kranke haben im Sozialbereich nix zu suchen" kennen sich meiner Meinung nach einfach zu wenig aus. Man kann das nicht pauschalisieren.

Da scheinst du dich zu irren, da hier Menschen aus der Praxis sprechen.

Dass es die eine oder andere Ausnahme geben mag, bezweifelt keiner. Anraten und empfehlen würde ich diese Branche betroffenen Menschen nie im Leben.

Jvul3ey


Ich weiß aber nicht, was ich statt dessen arbeiten soll. Bürojobs sind nichts für mich, ebensowenig Handwerk. Medienbranche interessiert mich auch nicht. Ich möchte mit vielen verschiedenen Menschen zu tun haben und ihnen helfen. Naja mal sehen, vielleicht gehe ich doch in meinen alten Job zurück, da habe ich das ja auch alles. Mit dem Unterschied, dass ich die meisten Patienten nur kurz und nicht so oft sehe und nicht so tief in die jeweiligen Schicksale hineingezogen werde... ":/

M>onikax65


Ich würde es nicht pauschal ablehnen, kommt darauf an, wie belastbar man trotzdem ist. Diese Berufe können auch durch ihre Sinnhaftigkeit aufbauend wirken. Mit Behinderten erlebt man nicht unmittelbar Krankheiten und Todesfälle (kommt vor, ist aber nicht so häufig), sondern auch viel Leben und Lachen. Was man können muss, aber auch gut lernen kann, ist abgrenzen ohne unnahbar zu werden, sich einfühlen, aber nicht mitleiden. Das gilt eigentlich für alle sozialen Berufe. Und gerade Leute, die selbst psychische Probleme haben, können sich oft gut einfühlen.

Was allerdings ein großes Problem werden kann, ist die Belastbarkeit in körperlicher Hinsicht. Man hat oft sehr schwierige und belastende Arbeitszeiten mit Nachtanwesenheiten (in Wohnheimen), mit Frühdiensten und überhaupt WEchselschichten, die das eigene Schlafvermögen auf die Probe stellen. Da sehe ich die größten Probleme, weil das durchaus die eigene Psyche destabilisieren kann, vielleicht mehr als die Menschen, mit denen man arbeitet.

Dieses Problem könnte man umgehen, wenn man sich nicht im Wohnheimbereich engagiert, sondern ausschließlich in der Tagesbetreuung von Kinder und Jugendlichen.

Muon#ika6x5


Erwähnenswert ist vielleicht noch, dass die Berufe mit Behinderten lärm- und aufmerksamkeitsintensiv ist, man ist dann manchmal dadurch regelrecht geschlaucht. Ich würde dazu raten, verschiedene Praktika zu machen, um herauszufinden, wo man sich am ehesten wohlfühlen könnte.

JKu"ley


Was allerdings ein großes Problem werden kann, ist die Belastbarkeit in körperlicher Hinsicht. Man hat oft sehr schwierige und belastende Arbeitszeiten mit Nachtanwesenheiten (in Wohnheimen), mit Frühdiensten und überhaupt WEchselschichten, die das eigene Schlafvermögen auf die Probe stellen. Da sehe ich die größten Probleme, weil das durchaus die eigene Psyche destabilisieren kann, vielleicht mehr als die Menschen, mit denen man arbeitet.

Das ist mir durchaus bewusst und das hatte ich in meinem alten Job auch. Hatte dort teilweise 20-24 Std-Dienste und so, und habe es jahrelang gut hingekriegt. Also in dieser Hinsicht denke ich schon, dass ich belastbar bin bzw. wieder werden kann.

Mdoni*ka6x5


Hast du die Möglichkeit, Praktika zu machen?

Jqulxey


Ja. Zwar noch nicht gleich, aber in absehbarer Zeit. Ich hoffe, dass ich hier in der Stadt passende Praktika finde.

Lpiverpxool


Ich kann mir auch nicht so recht vorstellen, dass ein sozialer Beruf wirklich ein sinnvoller Beruf für einen Neustart mit einer psysischen Erkrankung ist.

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass viele vergessen, dass eben nicht alle Menschen nett und freundlich sind und man nicht immer und überall helfen kann. Es gibt genug Menschen, die sich gar nicht helfen lassen wollen. Und Menschen, die auch ganz dreiste und unverschämte Art Hilfe einfordern, die ihnen gar nicht zusteht. Wenn man mit vielen Menschen zutun hat, dann erlebt man auch viel Negatives mit Menschen. Und diese negativen Erlebnisse bleiben erfahrungsgemäß auch eher hängen als die positiven Erlebnisse. Ich helfe den ganzen Tag anderen Leuten, das ist mein Job. Und habe am Ende des Tages schon wieder die meistens Namen vergessen. Und erkenne diese Menschen auch oftmals schon wenige Wochen später nicht mehr wieder. Dieses gute Gefühl, dass sich manche von diesem "Menschen helfen" Ding erhoffen, hält vielleicht die ersten Wochen an, dann ist es Alltag.

Frustrierende Erlebnisse bleiben allerdings oft lange präsent. Der Mensch ist einfach so gepolt, jeder wird sich eher an richtige miese Tage errinern als an Tage, an denen alles ganz normal lief.

Da stellt sich halt die Fragen, ob man sich da als psysisch Kranker wirklich einen gefallen tut, in einer Branche zu arbeiten, in der man ständig mit anderen Menschen konfrontiert wird. Menschen, die fordert und verlangen, die sich keine Gedanken darum machen, was machbar ist und was nicht und wo man immer noch einen finden wird, der alles scheiße findet, was man so macht. Die einem Fehler unter die Nase reiben, nie zufrieden sind und Dinge erwarten, die man gar nicht leisten kann.

Auch bei Menschen mit Behinderungen sehe ich da viel Konfliktpotential. Denn dort gibts nicht nur lachen und leben sondern auch Menschen, die körperlich und psysisch sehr übergriffig werden. Oder Menschen, die aufgrund ihrer Behinderung 24 h Stunden am Tag Aufmerksamtkeit brauchen oder aggresiv werden, wenn ihnen etwas nicht passt oder einen aufs übelste Beschimpfen. Oder eben auch Angehörige, die nicht immer freundlich und positiv gestimmt sind, weil man ihreren Verwandten hilft. Oder eben auch unzumutbare Zuständen in Pflegeeinrichtungen, die durch Personalmangen, schlecht Führung/Organisation etc. entstehen. Und helfen zu wollen und stattdessen zusehen zu müssen, wie die Menschen durchweg schlecht behandelt werden, ist auch nicht ohne.

Im Endeffekt geht probieren über studieren und endgültig herausfinden wirst du es nur indem du es machst. Auch Praktika bieten nur einen kleinen Einblick und man trägt viel weniger Verantwortung als die tatsächlichen Pflegekräfte. Ich an deiner Stellen würde mich darauf nicht einlassen und glauben auch, dass du dir damit keinen Gefallen tust. Warum kannst du dir denn nicht vorstellen, in deinem alten Beruf zu arbeiten? Dort hast du bereits gesehen, dass du klarkommst und das soziale kommt auch nicht zu kurz.

M4onixka65


Das kommt darauf an, im Schwerstbehindertenbereich würde ich auch nicht empfehlen zu arbeiten (weil du "Pflegeeinreichtungen erwähnt hast..). Das ist seelisch und körperlich schwierig zu bewältigen. Ansonsten ist nach meiner Erfahrung die positive Stimmung überwiegend, sicherlich ist auch das von den einzelnen Leuten abhängig. Das ist einfach ein ganz anderes Feld als Schwerstbehindertenpflege. Sicher gibt es übergriffige Situationen, Streit und auch mal Ausraster, aber es überwiegt nicht, es ist nicht ständig und täglich dabei. Man kennt ja dann die Leute und weiß, wer dazu neigt und wer eher nicht. Und man lernt mit der Distanzlosigkeit Behinderter umzugehen. Ich habe die enge Zusammenarbeit mit Kollegen als bisweilen anstrengender empfunden als den Umgang mit den Behinderten selber. Das ist auch wiederum individuell, ob man einen Draht zu dieser Arbeit hat oder nicht. Und zudem kommt es auch noch darauf an, ob man mit Erwachsenen, Jugendlichen oder Kindern arbeitet.

Unzumutbare Zustände hab ich bei dieser Organisation überhaupt nicht erlebt, der Personalschlüssel ist im Behindertenbereich gegenüber der Altenpflege zum Beispiel geradezu traumhaft, aber auch das hängt manchmal einfach nur vom Bundesland bzw. den Regionen im Bundesland ab, weil die finanziellen Mittel nicht überall gleich sind.

Aber das alles ist schwer zu beantworten, wenn man nicht weiß, ob die TE mit ihrer individuellen psychischen Situation da gut aufgehoben ist oder nicht. Wenn sie sich in Praktika erproben kann, weiß sie mehr.

J;uley


Ich weiß nicht ob ich in meinen alten Job zurückkehren möchte, weil ich gerne etwas neues ausprobieren möchte. Wenn das scheitert kann ich immer noch in den alten Job zurück... Außerdem kenne ich fast alle Kliniken und radiologische Praxen in der Stadt, in die ich wieder ziehen möchte und da kann ich nicht mehr arbeiten, weil ich Arbeit in Praxen nicht mag und die in den großen Kliniken kann ich nicht arbeiten weil ich dort zu oft Patient war wegen meinen psych. Problemen.

Alles nicht so einfach...

Und zu der Sache mit den Behinderten: da weiß ich sehr wohl worauf ich mich einlasse, wir hatten in der Klinik in der ich zuletzt gearbeitet habe eine ganze Station nur für Behinderte (meist Kinder und Jugendliche) und da kam ich sehr gut mit zurecht, im Gegensatz zu den meisten meiner Kollegen hat mir das sogar richtig Freude bereitet. Man bekommt halt wahnsinnig viel zurück von einigen. Wenn z. B. ein sonst hochgradig aggressives Mädel einen plötzlich festhält und umarmt, das ist unbezahlbar.

S6mar+agdaxuge


Menschen mit Borderline sollte m.M.n. überhaupt nicht in sozialen Berufen arbeiten. Gerade in sozialen Bereichen trifft man auf Menschen, die einen besonderen Schutz benötigen. Sie brauchen Menschen, die stabil sind und auch schwierigere Situation kompensieren können und nicht durch eigene persönliche Überforderung unangemessen reagieren.

S\afkatrafxfe


Menschen mit Borderline sollte m.M.n. überhaupt nicht in sozialen Berufen arbeiten. Gerade in sozialen Bereichen trifft man auf Menschen, die einen besonderen Schutz benötigen. Sie brauchen Menschen, die stabil sind und auch schwierigere Situation kompensieren können und nicht durch eigene persönliche Überforderung unangemessen reagieren.

Auf jeden fall. Die Boderlinerinnen die damals an meiern Uni angenommen wurden, haben wie gesagt nicht mal das halbe Studium überlebt, da ist doch albern und es werden fähigen angebenden Kräften Studienplätze weggenommen (da ist aber eher die Uni dran schuld).

In meinen Augen gilt das selbe für Depressive oder menschen mit Suchtproblemen.

Ich habe da echt eine radikale Meinung zu. Kann man teilen oder auch nicht...

S(marbagda!ugxe


Einerseits sehe ich das ähnlich, nämlich dass es sicherlich nicht verkehrt wäre, vor dem Studium zu prüfen, ob die Person überhaupt im mindesten in der Lage ist, ein Studium erfolgreich zu beenden bzw auch danach zu arbeiten und damit der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Andererseits ist es schwierig, entsprechende Grenzen zu ziehen und die Gefahr von Stigmatisierung ist hoch. Aber wie gesagt, ich finde auch, dass Menschen, die einerseits selbst einräumen, eine psychische Krankheit zu haben, andererseits aber alles haben wollen, was gesunde Menschen haben, schwierig. Eien Krankheit bringt es nun mal mit sich, Einschränkungen zu unterliegen. Manchmal ist es wohl auch ein Teil der Krankheit selbst, dahingehend uneinsichtig zu sein. Hier im Forum schrieb mal eine junge Frau, dass sie in den Polizeidienst wollte, aber noch Narben von ihrem jahrelangen selbstverletzenden Verhalten zu haben, und es war erschreckend, wieviele User ihr geraten haben, im Fragebogen zur Bewerbung zu lügen, nämlich dort, wo gefragt wurde, ob psychische Erkrankungen, Therapien oder Aufenthalte in psychiatrischen Anstalten stattgefunden haben. Ganz ehrlich, ich möchte nicht an Polizisten geraten, die psychische Probleme haben, und genauso möchte ich nicht von Menschen betreut werden, die psychische Probleme haben. Und für den Fall, dass jetzt hier geschrieben wird, so was wächst sich zurecht: Ich glaube nicht, dass sich alles zurechtwächst, abgesehen davon gibt es genug psychisch gesunde und gefestigte Persönlichkeiten, die für diese Dienste geeigneter wären.

d>evil=in2disguixse


Ich spreche ebenfalls aus der Praxis. Verschiedene Menschen machen eben verschiedene Erfahrungen.

Meine Erfahrung und Beobachtung:

Es ist nicht sinnvoll, von einer GENERELLEN Stabilität oder Labilität zu sprechen. Die konkreten Stärken müssen zu den konkreten Anforderungen passen. In dem Bereich, in dem ich arbeite, sehe ich sowohl "stabile" als auch "labile" Menschen, die den Anforderungen auf Dauer gewachsen sind oder eben auch nicht.

Denn erstens hat JEDER irgendwo seine wunden Punkte.

Zweitens aber gibt es die Menschen, die bei sich IMMER ALLES zwanghaft als total supi sehen und darstellen. Diese neigen, wenn sie mit fremdem Leid konfrontiert werden, zu zwei Reaktionsweisen:

1. Verleugnen. Ist doch alles gar nicht so schlimm! Alles nur Gejammer, Schwarzseherei, Lüge, Manipulation! – So wird "Klienten" massiv geschadet.

2. Wenn Verleugnen nicht mehr möglich ist: Zusammenbrechen, weil das eigene Weltbild ins Wanken gerät und dies nicht zur von dieser Person benötigten absoluten Stabilität paßt, Wanken auch nie wirklich erlebt und überstanden wurde.

Ansonsten würde ich sagen, daß z.B. eine Depression in KEINEM Beruf förderlich ist. Daß die Fähigkeit zu Selbstreflexion aber hilft – wer Probleme hat, lebt diese nicht automatisch an anderen aus.

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