» »

Wieso wird Abitur angeblich nachgeschmissen?

pOelzcti7er8x6


Selbst durchschnittlich intelligente Kinder brechen auf dem G8 irgendwann mal ein aus diversen Gründen.

Sicher - aber du sagt es doch selbst: "durchschnittlich intelligente" Kinder. Das Gymnasium war aber usprünglich nicht als Ausbildungsstätte durchschnittlich intelligenter Kinder gedacht, sondern als Ausbildungsstätte überdurchschnittlich intelligenter Kinder. Dass in den letzten 20 Jahren auch durchschnittlich begabte Schüler das Abitur geschafft haben, beweist ja nur, dass der akademische Anspruch durchschnittlich gesunken ist.

Was gestiegen sein mag (dazu habe ich aber nichts Gegenteiliges geäußert), ist der subkjektiv empfundene psychische und soziale Druck auf die Schüler.

Allerding sollte man das ganze auch mal von dieser Seite betrachten: auch davor gab es psychischen und sozialen Druck - zwar vll anderer Art, aber er war - auch objektiv gesehen - vorhanden. Oder will jemand ernsthaft glauben, dass die Kinder in Nachkriegsdeutschland einschließlich der Generation mit Abitur Ende 1960 keinen negativen äußeren Einflussen ausgesetzt waren, sei es der Fakt, dass damals noch viele Kinder in den Betrieben ihrer Eltern mitarbeiten mussten, sei es die finanzielle Lage oder die zum Teil noch veralteten, psychologisch sicher nicht wertvollen Erziehungs- und Lehrmethoden?

Fazit: Man kann auch aus allem ein Drama machen. Sicher, G8 wurde nicht gut umgesetzt. Aber das allein für das Versagen eines Schülers ohne weitere, tiefergreifende psychologische und/oder soziale Probleme verantwortlich zu machen, geht mir zu weit. Wenn ein solcher, ansonsten "weitestgehend unbelasteter" Schüler auf dem Gymnasium versagt, dann hat er schlicht und einfach auf dieser Schulform nichts zu suchen, zumindest zu dem entsprechenden Zeiptunkt. Es ist nun mal eine gewisse Selektion, und das Selektionskriterium für das Gymnasium und die Hochschulreife heißt "akademische Leistung", welche in der Regel am ehesten mit der Intelligenz korreliert (wenn auch nicht zu 100% - es gibt Ausnahmen).

C9omraxn


Ich empfinde die Schüler als extrem gestresst, auch haben sie im Gegensatz zu uns damals praktisch null Freizeit und Leben mehr, also eigentlich keine Zeit mehr für die wichtige außerschulische Bildung!

Ein wichtiger Aspekt, der sich in den letzten 20 Jahren auch geändert hat. Als ich Abitur gemacht habe, war das Konsumverhalten deutlich geringer als heute. Wir hatten 2x die Woche bis 17 Uhr Schule. Da lief an dem Tag natürlich nicht mehr so viel, nur noch die nötigsten Hausaufgaben. Zuhause gelernt wurde an den Tagen, wo die Schule nur bis 13 Uhr ging und eben an den Wochenenden.

"Freizeit und Leben" bestanden allerdings aus 3 öffentlichen TV-Programmen (das Kabelfernsehen wurde erst langsam verbreitet und Satellit war exotisch), mit Freunden paar Platten auf Tapes überspielen und Fr/Sa bisschen Taschengeld in der Kneipe beim Kickern ausgeben. Es gab keinen MediaMarkt, es gab kein WWW, es gab keine Handies, keine digitalen Medien. Und Telefonieren kostete 23 Pfennig pro Minute (Ortsgespräch).

Diese zusätzlichen Konsumanreize brauchen Zeit, die woanders fehlt. Das sage ich mal ganz wertfrei. Ich bin mir sicher, dass dadurch auch einige Stunden in der Woche verlorengehen, wenn man ehrlich ist.

MAadameO 2CharMenton


Das wird schon seit Jahrzehnten behauptet. Und ich bin der Meinung jeder hat ein Recht auf Bildung und jeder sollte studieren dürfen.

Wer dem nicht gewachsen ist hört sowieso auf oder fällt durch.

Der Lern und Unterrichtsstoff ist jedenfalls mehr geworden, dazu gibt es auch einen guten Artikel, ich schau mal ob ich den wieder finde

M6irsanOmixr


Und ich bin der Meinung jeder hat ein Recht auf Bildung und jeder sollte studieren dürfen.

???

Wem wird denn das Recht auf Bildung verwehrt?

p]elzctierx86


Nachtrag: Und genau wie Jackrabbit ausführte: in manchen Bundesländern wurde das Abitur schon immer nach 12 Jahren abgelegt, und nicht nach 13.

Das selbstständige Aneignen akademischen Wissens außerhalb der Schule ist im Übrigen auch ein Merkmal von überdurchschnittlicher Intelligenz, und ist dann auch unabhängig davon, wie gut der Unterricht ist. Intelligenz wird sich letztlich in den allermeisten Fällen auch akademisch bemerkbar machen und durchsetzen, auch gegen einige Widrigkeiten. Natürlich gibt es Ausnahmen, deren Ursache hauptsächlich in psycho-sozialen Aspekten liegen, z.b. bei Kindern bildungsferner Emigrantenfamilien (wobei es auch hier wiederum "positive" Ausnahmen gibt , bei denen intelligente Kinder trotz aller Widrigkeiten ihren akademischen Weg problemlos gehen).

C8omrraxn


Selbst durchschnittlich intelligente Kinder brechen auf dem G8 irgendwann mal ein aus diversen Gründen.

Für durchschnittlich intelligente Kinder war eigentlich Hauptschulabschluss und Mittlere Reife vorgesehen. Nicht das Abitur.

Du machst den Fehler, den viele Eltern machen. Alle glauben, dass ihr Kind über jede Kritik erhaben ist und selbstverständlich das Abitur machen. Und wenn sie Probleme haben, ist die Schuld außerhalb zu suchen, die Lehrer sind alle kacke oder das Niveau zu hoch. Das ist deine Motivation und Projektion.

Ich will mich gar nicht über deine Kinder stellen. Ich habe die 11. Klasse wiederholt und ein Abi mit 2,9 gemacht. Meine Eltern hatten mir auch beim Sitzenbleiben freigestellt, ob ich mit Mittlerer Reife in die Berufsausbildung gehe oder das Abitur durchziehe. Ich hab mich auf den Arsch gesetzt, allein weil ich noch keine Berufsvorstellungen hatte. Ich gehöre somit definitiv nicht zu den Top-Leistern im akademischen Bereich. Aber ich sehe nun mal den breiten Schnitt der Berufsanfänger über einen nun sehr langen Zeitraum. Und ich sehe, dass man heute mit weniger Kenntnissen frisch vom Abi kommt und mit besseren Noten als meinereiner, dessen Abitur nun schon fast 30 Jahre her ist.

Objektive Kritik an den G8-Umständen darf man gerne üben. Ich habe selbst G8 nie erfühlt, aber es verbessert die Ausbildungstiefe sicherlich nicht.

p%elzmtierx86


. Und ich bin der Meinung jeder hat ein Recht auf Bildung und jeder sollte studieren dürfen.

Zu ersterem: ja, zu zweiterem: nein.

Jeder hat ein Recht auf Bildung, und zwar so viel, wie seine Möglichkeiten es ihm erlauben.

Jeder sollte nicht studieren dürfen, weil nicht jeder die Voraussetzungen dafür mitbingt. Genauso, wie nicht jeder Student (eher die wenigsten) die Voraussetzungen für einen handwerklichen Beruf mitbringt.

Alias 703816


Sicher - aber du sagt es doch selbst: "durchschnittlich intelligente" Kinder.

War ein Tippfehler. Sonst hätte da nicht das "selbst" gestanden.

Alias 703816


...also soweit ich weiß, muß Mathe in Bayern auf jeden Fall ein Abi-Fach sein. Vor drei Jahren war mal im KM diesbezüglich eine Tagung, ob man es abschaffen sollte, weil die G8-Ergebnisse darin so grottig sind, man hat sich aber aus politischen Gründen dagegen entschieden. Und eine zusätztliche Naturwissenschaft muß auch rein, Bio, Chemie, Physik oder Informatik. Plus eine Fremdsprache. Deutsch natürlich.

Alias 703816


@ Comran

Mir geht es doch gar nicht um meine Kinder.

Lies bitte einfach noch mal mein Eröffnungsposting.

M;irs#aXnmir


Bitteschön, Abitur in Bayern zum Nachlesen:

[[http://de.wikipedia.org/wiki/Abitur_in_Bayern_%28G8%29]]

In den wichtigen Allgemeinbildungsfächern Deutsch und Mathematik sowie der ersten Fremdsprache werden mindestens 48 von 180 möglichen Punkten (12 Halbjahresleistungen) vorausgesetzt.[13]

⇒ Mindestdurchschnittspunktezahl in Deutsch und Mathematik: 4

M)icrsanxmir


Aus dem gleichen link:

Deutsch schriftlich

Mathematik schriftlich

Fortgeführte Fremdsprache

Gesellschaftswissenschaftliches Fach oder Religionslehre oder Ethik

weiteres Fach nach Wahl (kein gesellschaftswissenschaftliches Fach)

1x schriftlich 2x mündlich (Kolloquium)

p-elyz5tier[8x6


Wenn du also überdurschnittlich intelligente Kinder meintest - dann liegen in diesen wenigen Fällen imho eine signifikante soziale und/oder psychische Beeinträchtigung vor.

In den allermeisten Fällen, in denen vermeintlich überdurchschnittlich intelligente Kinder das Gymnasium heutzutage nicht schaffen, sind nicht die Schulform oder die äußeren Umstände Schuld, sondern es hapert schlicht und einfach an der überdurchschnittlichen Intelligenz.

Es mag richtig sein, dass durchschnittlich intelligente Kinder OHNE G8 und dem zumindest subjektiv empfunden gestiegenen psycho-sozialen Druck das Abitur erfolgreich absolvieren würden - aber auch das ist dann wieder nur ein Beweis für die den Wertverfall des Abiturs. Insgesamt müsste sich der gestiegene psycho-soziale Druck mit den verringerten akademischen Anforderungen die Waagschale halten. Im Endergebnis heißt auch das wieder, dass die meisten überdurchschnittlich intelligenten Kinder ihr Abitur recht problemlos ablegen müssten.

bVee4tlejuixce21


Das schrieb ich bereits ganz am Anfang...

Früher war das Abitur wirklich elitär, inzwischen macht es fast jeder 2.

Dadurch nehmen andere Schulformen in ihrerAttraktivität ab. Realschule ist heute schon kein Durchschnitt mehr und mit Hauptschulabschluss kannste froh sein überhaupt eine Lehrstelle zu kriegen.

Eigentlich sehr schade...

Da könnte man glatt eine neue Schulform über dem Gymnasium einführen, wo dann wirklich wieder hohe Ansprüche sind die eben nicht jeder 2. packt.

Cnomxran


Mir geht es doch gar nicht um meine Kinder.

Lies bitte einfach noch mal mein Eröffnungsposting.

Genau das habe ich. Und da steht als erstes Gegenargument:

Meine bestimmt nicht auf den Kopf gefallenen Teenager-Kinder und deren Freunde tun sich überhaupt nicht leicht auf ihrem Bildungsweg

Außerdem empfinde ich, dass du dich ziemlich vehement gegen den Vorwurf eines vergleichsweise laschen Abiturs wehrst, was eine persönliche Überzeugung nahelegt. Du verlangst Statistiken, bringst aber selbst fast nur Eindrücke aus deinem persönlichen Umfeld.

Ja, ich glaube, dass du das Thema persönlich nimmst :)z

Wollen Sie selber etwas dazu schreiben?

Dann melden Sie sich an bzw. lassen Sie sich jetzt registrieren, das ist kostenlos und innerhalb weniger Minuten erledigt. Interessant sind sicher auch die übrigen Diskussionen des Forums Beruf, Alltag und Umwelt oder aber Sie besuchen eines der anderen Unterforen:

Allergien · Zahnmedizin


Nicht angemeldet: Anmelden | Registrieren | Zugangsdaten vergessen? | Hilfe

Startseite | Impressum | Nutzungsbedingungen | Netiquette | Datenschutz | Mobile Ansicht   © med1 Online Service GmbH