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(Fast) Jeden Tag länger arbeiten? - Dilemma

s'tech`müc_ke hat die Diskussion gestartet


Hallo an alle,

ich kann gerade nicht schlafen, da mich schon seit Längerem, und heute wieder besonders, eine Frage beschäftigt: Soll ich wirklich wie selbstverständlich fast jeden Tag länger arbeiten, als es in meinem Vertrag steht?

Ich bin Berufseinsteiger, erst seit einem halben Jahr dabei. Als ich diesen Job bekam, war ich sehr glücklich, denn er erfüllte eigentlich alle meine Wünsche: interessante Aufgaben, viel Verantwortung und Mitgestaltungsmöglichkeiten, tolle Lage des Arbeitsplatzes, ein akzeptables Gehalt.

Es ist ein sehr sehr kleines Unternehmen, es gibt eigentlich nur meine Chefin, mich und ein paar Studenten, die 1-2 Tage/Woche da sind. Dementsprechend war mir auch bewusst, dass es ein eher stressiger Job wird bzw. dass es schon mal vorkommt, dass man länger da bleiben muss, gerade wenn mehrere Projekte zusammenkommen. Das kannte ich auch schon aus meinem Praxissemester und es war für mich immer selbstverständlich, dass ich bei Bedarf länger bleibe und mir dann dafür in ruhigeren Zeiten mal frei nehme.

Inzwischen ist es eigentlich die Regel, dass ich täglich mindestens 30-60 min länger bleibe. Da wir derzeit immer mehr Kunden bekommen, häufen sich aber langsam auch die Tage, an denen es 2-4 Stunden sind und ich denke, dass das eine Tendenz ist. Irgendwann am Anfang hatte meine Chefin mal einen Freizeitausgleich erwähnt (in meinem Vertrag steht nichts dazu). Ja, ich würde mir gerne frei nehmen, denn nach 6 Monaten ist mein Konto mit fast 100 Zusatz-Stunden gefüllt - nur wann? Denn in den nächsten Monaten stehen keine ruhigeren Zeiten an, eher im Gegenteil.

Wenn ich mich mit anderen Menschen vergleiche, dann denke ich mir: Wo ist eigentlich mein Problem? Andere Menschen arbeiten 60-80 Stunden/Woche, da komme ich noch lange nicht ran. Deshalb kann ich doch eigentlich zufrieden sein? Außerdem sagt mir mein Pflichtbewusstsein, dass ich nicht einfach gehen kann, wenn noch so viel erledigt werden könnte.

Und dann wiederrum: Wenn ich die Arbeit von 1,5 oder 2 Personen erledige - wieso sollte meine Chefin sich dann genötigt fühlen, noch jemanden einzustellen? Ich bin quasi ein Flatrate-Mitarbeiter. Und das finde ich nicht besonders fair. Wenn mir gesagt wird "Du arbeitest X Stunden pro Woche und bekommst Y Euro pro Stunde, d.h. wir machen ein Festehalt von XYZ Euro", ich dann aber praktisch viel weniger verdiene, da ich ja ständig mehr arbeite, fühle ich mich betrogen. Dass das Unternehmen noch lange keinen Gewinn macht - ist das mein Problem? Ja - denn ich kann ja dazu beitragen, dass es schneller geht, wenn ich mehr arbeite.

Und so finde ich für jede Seite immer wieder Argumente und weiß nicht so genau, welchen Weg ich einschlagen soll.

Wie ist eure Arbeitssituation und wie sehr ihr das?

Antworten
BIlacfk Gun


Naja, als berufseinsteiger in einem sehr kleinen unternehmen würde ich nicht sofort auf "ich arbeite nur noch nach vertrag, keine minute länger" machen. dennoch klingt es so, als ob bei euch strukturell zu wenig arbeitskraft vorhanden wäre, um die anfallende arbeit zu erledigen. wenn die auftragslage auf monate hinweg absehbar weiter steigen wird, würde ich wohl die chefin darauf ansprechen und vorschlagen, noch eine zusätzliche kraft einzustellen. von mir aus nur halbtags, falls möglich, einfach damit für euch entlastung reinkommt bzw. "ein puffer an arbeitskraft" für die zusätzlichen aufträge.

es mag ja sein, dass man sich mit einer überstünde pro tag noch irgendwie arrangieren könnte , aber wenn die arbeitsbelastung in nächster zeit noch steigen wird, wirst du bald den punkt erreichen, an dem dir die überstunden nicht mehr nur gegen den strich gehen sondern wirklich an der substanz knabbern. daher würde ich der chefin eben wie gesagt vorschlagen, jetzt, rechtzeitig, gegenzusteuern.

falls sie das nicht will oder kann (weiss nicht, wie es bei euch finanziell aussieht), würde ich anfangen, mich nach was anderem umzusehen, bei dem du in etwa so anfangen könntest, dass du ein dreiviertel bis ein jahr bei deinem jetzigen betrieb warst. (es sieht im lebenslauf tendenziell etwas doof aus, wenn man beim berufseinstieg direkt nach 6 oder weniger monaten wechselt.)

r)eFmingd


60-80 Stunden pro Woche? Was ist das bloß für eine kranke Welt.

Ich arbeite das nicht mal in einem ganzen Monat...

RJioj Granxde


Es ist nicht dein Unternehmen. Sobald du durch die Überlastung krank wirst, bist du ersetzbar.

NJo ris*k -6 no fear


Remind, dann hast du ja nicht einmal 20 Stunden Teilzeit wenn du 60-80h im Monat arbeitest.

Ich bin aktuell auch am überlegen ob ich TZ plus Nebenjob machen soll, da das lukrativer ist als mistige Leiharbeit mit ihren mageren Gehältern.

TE das würde ich nicht machen zumal es sich als alltäglich eingependelt hat und 10-12 Stunden regelmäßig am Tag arbeiten und nur 8 bezahlt bekommen, ist erstens Mal Abzocke und zweitens gegen das Arbeitsschutz Gesetz, nach dem die wöchentliche Arbeitszeit auf 48 Stunden pro Woche und 10 Stunden täglich begrenzt ist und darüber es auch strafbar ist. Gibt auch genug Kontrollen durch die Ämter.

Neulich erst wieder sowas mitbekommen.

Google mal nach Arbeitszeitgesetz.

NZalaA85


Falls die Mehrstunden dich nicht allzu stören, könntest du vorschlagen dass zb. 20 Stunden pro Monat in eine Pauschale gerechnet werden und du dafür mehr Gehalt bekommst. Wenn du aber generell nicht so viele Mehrstunden machen willst, hilft nur ein Gespräch, dass jemand zusätzlich eingestellt werden muss.

GFei{sYtluxft


Bedenke nach spätestens 10 Stunden entfällt der Versicherungsschutz von der Berufsgenossenschaft.

Hvayl ey M.


Das klingt arg nach Verschleißgefahr. Ich wäre nicht pingelig mit der Zeit, wenn die Arbeit Spaß macht - aber steigende Tendenz bedeutet schon: Obacht geben.

Solche Dinge wie täglich mehrere Überstunden schleifen sich rasch als eine Art Gewohnheitsrecht des Arbeitgebers ein, und das hält auf die Dauer kaum jemand durch, geschweige denn ist es arbeitsrechtlich ohne Abgeltung vertretbar; also entweder Freizeit oder Entgelt dafür - das sollte geregelt werden. Von daher: Ein Gespräch mit der Chefin wäre in absehbarer Zeit anzuraten.

r`e!mind


Remind, dann hast du ja nicht einmal 20 Stunden Teilzeit wenn du 60-80h im Monat arbeitest.

Genau :-)

TLhi\s #TwilOi0ght G~ardxen


Und wie kommst du mit einem 20std Job existenstechnisch über die Runden?

rpevmiDnd


Wenn ich alles bezahlt habe bleiben mir durchschnittlich circa 400-500€ zur freien Verfügung, keine Ahnung ob das viel oder wenig ist bzw. wie es bei anderen ist, jeden Monat teure Sachen kaufen kann ich mir damit nicht, aber mir reichts völlig aus. Freizeit ist meine Priorität, die kann ich mir nicht erkaufen.

Aqnt=igonxe


@ stechmücke

Ich bin Berufseinsteiger, erst seit einem halben Jahr dabei. Als ich diesen Job bekam, war ich sehr glücklich, denn er erfüllte eigentlich alle meine Wünsche: interessante Aufgaben, viel Verantwortung und Mitgestaltungsmöglichkeiten, tolle Lage des Arbeitsplatzes, ein akzeptables Gehalt.

Inzwischen ist es eigentlich die Regel, dass ich täglich mindestens 30-60 min länger bleibe. Da wir derzeit immer mehr Kunden bekommen, häufen sich aber langsam auch die Tage, an denen es 2-4 Stunden sind

Nach sechs Monaten bist du aus der Probezeit raus und ich würde mit der Chefin reden, dass es so nicht weitergehen kann.

ALntiogone


Freizeit ist meine Priorität, die kann ich mir nicht erkaufen.

(remind)

Deshalb arbeite ich gerne nur 80-90 Stunden im Monat. :)^

rHejmind


:)^

T2his Twil6ighmt Gardexn


Wenn ich alles bezahlt habe bleiben mir durchschnittlich circa 400-500€ zur freien Verfügung, keine Ahnung ob das viel oder wenig ist bzw.

Klar ist das für eine Person sehr gut ausreichend :)z Aber dann hast du nur ein kleines WG Zimmer? denn eine Wohnung inkl. NK, Strom etc. dann noch TV/Handy etc... da musst du ja mind. 1000€ netto haben Und das ist verdammt viel für einen 20std. Job :)z verrätst du mir noch deine Art der Tätigkeit

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