» »

(Fast) Jeden Tag länger arbeiten? - Dilemma

M6artOin_2x0


Ich denke, du hast das Problem schon richtig erfasst. Noch bist du frisch im Job. Motiviert! Da ist es kein Problem auch mal ein wenig länger zu arbeiten - aber nur, wenn du ein konkretes Ziel vor Augen hast. Ein Projekt, das bis Ende August fertig sein muss, aber gleichzeitig viel Kundschaft? Ok, dann eben bis Ende August Vollgas und dann eine Woche lang mittags heim. Wenn es aber selbstverständlich wird, dass du immer länger und länger bleibst, dann KANN das nur aus dem Ruder laufen. Das hältst du aus, ein paar Monate, ein paar Jahre vielleicht. Aber in einem schleichenden Prozess verlieren so manche über-gestressten Arbeiter die Work-Life-Balance aus den Augen.

Ich promoviere an der Uni und habe einen 50%-Vertrag. Das heißt, ich kriege nur das halbe Gehalt, muss aber auf dem Papier nur die Hälfte der Zeit für die Uni Projektarbeit machen. So steht es auf dem Papier, aber es war von Anfang an klar und offenkundig, dass erwartet wird, dass ich Vollzeit da bin. Generell komme ich lieber eher und gehe dafür auch früher. Das verbietet mir keiner, aber es werden halt kleine Witzchen gemacht..."aha, du gehst schon wieder...oh, ist ja auch schon kurz nach Mittagessen". Soll lustig gemeint sein, übt aber Druck aus. Bis dann mal einer der ruhigen Kollegen zu mir kam und meinte "lass das bitte nicht zu nah an dich ran. Du machst das schon richtig so. Geh, wenn du gehen willst. Lass dir nicht in die Suppe spucken". Er selbst hat die Kurve nicht gekriegt und das Handtuch geworfen - das hat mich nachdenklich gemacht. Ich weiß, dass ich gute Arbeit leiste und ich habe keine Hemmungen auch mal Arbeit liegen zu lassen und zu sagen "ich liefere morgen, das muss reichen. Ciao!".

Ich lese hier, dass du am Anfang noch nicht in der Position bist Forderungen zu stellen. Das mag sein, aber de facto ist es so, dass du JETZT die Weichen für deine Zukunft stellst. Wenn dein Arbeitgeber ein Problem damit hat, dass du "nur" bis zu einer Stunde länger arbeitest als du es müsstest, dann ist der Traumjob eben doch kein Traumjob. Wenn die Arbeit für eine Person nicht zu bewerkstelligen ist, dann kannst du da nichts für.

Mein Rat: such dir eine geeignete Zäsur, z.B. ein Urlaub von dir. Und dann geh einfach zum Arbeitsschluss heim. Nicht mit dem Glockenschlag, aber eben so max. 20 - 30 Minuten später. Und zwar regelmäßig. Dann wirst du schon sehen, ob die Welt sich weiterdreht oder nicht. In größeren Firmen sorgt für sowas übrigens der Betriebsrat, aber das geht in der kleinen Firma eben nicht.

s)t\echmücxke


@ Black Gun

das könnte auch pluralis majestatis gewesen sein.

Jetzt wo du das sagst... ;-D

generell könntest du dich mal auf andere jobs bewerben. wenn du dann ein konkretes angebot in der hand hast, kannst du das deiner chefin vorsetzen und sie so zwingen, farbe zu bekennen: entweder, dein vertrag wird entfristet und deine überstunden werden sinnvoll geregelt, oder du bist weg.

Heute abend sitze ich an meiner dritten Bewerbung. Ich befürchte nur, dass ich das nicht in das Gespräch über den Vertrag einbringen kann - dafür dauern die Bewerbungsprozesse (gerade auch jetzt zur Urlaubszeit) zu lange... Zumindest bei den zwei bereits abgeschickten wurde mir das signalisiert.

Dass mein Vertrag entfristet wird muss ich übrigens gar nicht ansprechen, ich weiß, dass sie das nicht macht. Da sie Angst hat, dass ihr Unternehmen scheitern könnte, stellt sie generell nur befristete Verträge aus.

@ Martin

Danke für deinen Erfahrungsbericht. Diese "Witze" kenne ich auch von meiner Chefin. Wie du es machst, klingt es gut.

Noch bist du frisch im Job. Motiviert!

Ich muss ehrlichgesagt zugeben, dass meine Motivation in letzter Zeit stark gelitten hat...

Mein Rat: such dir eine geeignete Zäsur, z.B. ein Urlaub von dir. Und dann geh einfach zum Arbeitsschluss heim. Nicht mit dem Glockenschlag, aber eben so max. 20 - 30 Minuten später. Und zwar regelmäßig. Dann wirst du schon sehen, ob die Welt sich weiterdreht oder nicht.

Vielen Dank für diesen Rat. Ich habe seit dem Gespräch mit meiner Chefin ja schon tatsächlich angefangen, indem ich meine Wochenarbeitszeit letzte Woche "nur" um 3 Stunden überschritten habe und ein paar Aufgaben liegen ließ. Diese Woche bearbeite ich ein größeres Projekt, da wird es wieder schwieriger...


@ all

Mich würde interessieren: Was ist euch eigentlich wichtig an eurem Arbeitgeber? Und hat sich das mit der Zeit/Berufserfahrung gewandelt? Falls ja, warum?

ZOw[ergelxf2


@ stechmücke

Hat dein Sohn sich denn mal umgesehen und umgehört, ob es ihm in einem anderen Hotel besser gehen könnte?

Sagen wir mal so, er spielt immer wieder mal mit dem Gedanken. Wenn es gut läuft, denkt er wohl weniger an einen Wechsel. Aber wenn es ihm so richtig schlecht geht, dann schon. Im Grunde ist er halt gern dort und lernt auch sehr viel. Nur ist eben, wie so oft, der Küchenchef ein Stinkstiefel...und ein paar andere Angestellte wohl auch. Wenn alle Stricke reissen, wendet er sich an die IHK.

Ich wünsche dir viel Kraft, um deine Probleme mit dem Arbeitgeber zu lösen. Ist einfach nur traurig, wie AG zum Teil mit ihren Angestellten umgehen...

A%ntitgone


@ stechmücke

Heute abend sitze ich an meiner dritten Bewerbung. Ich befürchte nur, dass ich das nicht in das Gespräch über den Vertrag einbringen kann

Nein, erst wenn du wenn du von einem neuen Arbeitgeber eine Zusage bekommen hast.

Dann stellst du deine Chefin vor die Wahl: entweder unbefristet und weniger Überstunden (und die bezahlt oder in Freizeit ausgeglichen, schriftlich festgehalten) oder du gehst.

N[o\rdi"84


Das verbietet mir keiner, aber es werden halt kleine Witzchen gemacht..."aha, du gehst schon wieder...oh, ist ja auch schon kurz nach Mittagessen". Soll lustig gemeint sein, übt aber Druck aus.

Meine Antwort "Ich bin nur doofer Tarifangestellter, selbst Schuld das du AT bist." Finden die meisten nicht so gut aber das gilt auch umgekehrt für deren Sprüche. Ich hab nunmal ne Wochenarbeitszeit von 37,5 Stunden und dazu immer zwischen 30 und 40 Überstunden auf dem Konto, mehr muss ich weiß Gott nicht machen.

Ja, man ist bloß Angestellter und ein Rädchen im Getriebe, das heißt aber nicht das man alles einfach schlucken muss.

SailkPeaxrl


Sie schaute mich skeptisch an, wünschte mir dann aber einen schönen Feierabend.

Übles Zeichen. Ich schätze, sie dachte an dieser Stelle: "Nun ja, Frau Stechmücke, verlängern werden wir dann nicht…"

Es gibt viele Chefs, die es bei ihren Angestellten unter der eierlegenden Wollmilchsau nicht tun. Sie begreifen gar nicht, was sie da machen: Leuteverschleiß. Oder es ist ihnen Latte.

M[r. ForQes8kin


Leuteverschleiß ist aus Sicht des Arbeitgebers bei Zeitverträgen ja auch kein Problem. Zumal man die Leute ja wunderbar im Griff hat.

Sich zu bewerben um dann mit Ende des Vertrages mehrere Optionen zu haben ist sicherlich eine gute Idee.

Das senkt das Abhängigkeitsgefühl enorm und strahlt positiv nach außen aus.

Nvordix84


Leuteverschleiß

Deswegen heißt das ja auch "Human Resources". In vielen Betrieben steht man nunmal auf einer Stufe mit nem Hammer oder ner Bohrmaschine, wenn die verschlissen sind werden die ja auch weggeworfen und man kauf ein neues Modell. Deswegen sag ich ja das man dem Unternehmen nichts schuldet außer seinen Vertrag zu erfüllen.

M@r. Fxo@reskxin


Nordi84,

ich sehe das auch so.

Meist kommt die Erkenntnis aber erst nach einem Lernprozess und den kann mal niemandem abnehmen.

Grüße,

Storo\m5an


Leuteverschleiß ist aus Sicht des Arbeitgebers bei Zeitverträgen ja auch kein Problem. Zumal man die Leute ja wunderbar im Griff hat.

"Leuteverschleiß" (Wirtschaftssprache: Fluktuation) ist schon ein Problem für Arbeitgeber. Denn jedeR neue MitarbeiterIn muss ja neu eingearbeitet werden und ist anfangs nicht so produktiv - gerade in intellektuell anspruchsvollen Tätigkeiten, mit Einlernzeiten von Monaten bis Jahren.

A]ntig<onxe


Ich frage mich, warum die GF bei einer übermäßigen Fluktuation nicht reagiert. Statt dessen wird dann über den "Fachkräftemangel" gejammert. :(v

Würde man sein Personal vernünftig behandeln und bezahlen, hätte man das Problem nicht.

N%ord`i84


Würde man sein Personal vernünftig behandeln und bezahlen, hätte man das Problem nicht.

Das kostet aber Geld. Nicht mal direkt was das Gehalt angeht sondern diese indirekten Ausgaben sind etwas vor dem viele Arbeitgeber zurückschrecken (jedenfalls alle bei denen ich bisher war). Ich saß z.B. Anfangs auf nem viel zu kleinen und total klapprigen Bürostuhl, es hat mehrere Wochen gedauert bis ich meinen Chef soweit hatte das ich zu Ikea (!) fahren und mir dort nen vernünftigen Stuhl holen durfte. Zusammenbauen musste ich den auch selbst. ;-D

Bei sowas fängt es dann schon an und geht über die Getränkeversorgung und die Möglichkeit das während der Arbeitszeit nen Friseur / Arzt o.ä. vorbei schaut. Alles Dinge die sich nicht direkt auf dem Lohnzettel wiederfinden aber doch Dinge die Mitarbeiter sicher motivieren oder wenigstens entlasten würden, immer natürlich unter der Voraussetzung das die übrigen Bedingungen (Arbeitszeit, Urlaub, Überstunden) in Ordnung sind.

s-unnjyar-ielxle


die Möglichkeit das während der Arbeitszeit nen Friseur / Arzt o.ä. vorbei schaut.

Welcher AG macht denn sowas ?? :-o Außer vielleicht im Kreativbereich....

M{r. For-esxkin


Wir leben in der Zeit des Controllings und der Excel Tabellen.

Gehalt und Arbeitsplatzausstattung sind meßbare Größen.

Einarbeitungszeiten und geringe Effizienz nicht.

Entscheidungen werden nach meßbaren Größen gefällt, weil man damit das Geschäftsergebnis (Quartalszahlen) direkt beeinflussen kann.

Nicht direkt messbare Größen haben eher langfristge Auswirkungen.

Oft geht es der Geschäftsführung aber nur darum kurzfristig die Zahlen zu schönen.

Für langfristiges und nachhaltiges Denken bleibt da leider kein Platz.

NiorUdi84


Welcher AG macht denn sowas ?? :-o

Zu wenige, das ist es ja. Aber rechne das nur mal am Beispiel des Friseurs durch. Der kostet vielleicht 20-30€ / Stunde, wenn dann alle zwei Wochen mal einer für 8 Stunden in der Firma ist reden wir von nicht mal 500€ im Monat. Ok, da kommen noch die Kosten für die Ausfallzeiten der Mitarbeiter zu, aber auch das ist überschaubar. Am Ende verliert die Firma nen geringen vierstelligen Betrag, hat dafür aber zufriedene(re) Mitarbeiter weil die nicht Abends nach Feierabend in nem vollen Friseursalon warten müssen.

War auch nur ein Beispiel dafür wie man mit einfachen Mitteln die Zufriedenheit und die Bindung der Mitarbeiter ans Unternehmen steigern kann.

Wollen Sie selber etwas dazu schreiben?

Dann melden Sie sich an bzw. lassen Sie sich jetzt registrieren, das ist kostenlos und innerhalb weniger Minuten erledigt. Interessant sind sicher auch die übrigen Diskussionen des Forums Beruf, Alltag und Umwelt oder aber Sie besuchen eines der anderen Unterforen:

Allergien · Zahnmedizin


Nicht angemeldet: Anmelden | Registrieren | Zugangsdaten vergessen? | Hilfe

Startseite | Impressum | Nutzungsbedingungen | Netiquette | Datenschutz | Mobile Ansicht   © med1 Online Service GmbH