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Informatik oder Mathematik?

TCaps


Beim studium auf Diplom an der Uni konnte ich zumindest im Vorstudium kaum einen Unterschied erkennen. Wir hatten die Fächer teils mit den Mathematikern zusammen.

Bei den heutigen Bachelor/ Masterstudiengängen sieht das zumindest an der hiesigen Uni etwas anders aus. Da gibt es den Mathekurs (mit den Mathematikern - wie Du ihn sicher kennst) oder den Mathekurs (mit den "Wirtschaftsleuten"). Aber Du hast recht, ein Informatikstudium an der Uni ist genau wie Mathematik blanke Theorie. Darum ja auch meine rhetorische Frage, ob sie wirklich weiß, was auf sie drauf zukommt.

Aber später im Job sind die Informatiker dann doch meist bodenständiger. "Unsere" Mathematiker sind da wirklich weniger praxistauglich.

SQoromxan


Beim studium auf Diplom an der Uni konnte ich zumindest im Vorstudium kaum einen Unterschied erkennen. Wir hatten die Fächer teils mit den Mathematikern zusammen.

Bei mir (Diplom-Studiengang Informatik 1998-2004 an einer technischen Universität (TU), Nebenfächer Mathe, Englisch, Elektrotechnik) nicht:

Im Grundstudium (Semester 1-4):

* Mathematik 1-4 für Informatiker - da war der große Hörsaal schon gut mit den Infomatikern, Angew. Informatikern und einigen Wirtschaftsinformatikern gefüllt - ungefähr 450 Leute

im Nebenfach Mathe im Hauptstudium (Semester 5-8):

* Statistik 1-2 für Informatiker (das waren dann noch so 100 - hatte sich durch die Nebenfächer ja aufgeteilt)

* Numerische Mathematik und Simulation - das war mit den Mathematikern zusammen (und dann auch in deren Fakultät), aber da sind vielleicht noch 10 Informatiker hingegangen

Aber Du hast recht, ein Informatikstudium an der Uni ist genau wie Mathematik blanke Theorie.

War bei uns auch nicht so. Gab genügend Praktika: Programmierpraktikum, Praktikum Technische Informatik und Rechnerarchitektur, Assemblerpraktikum, Rechnernetzepraktikum/Webpraktikum, Praktikum Grafische Datenverarbeitung (OpenGL-Programmierung), Praktikum paralleles Programmieren am Paralllelrechner, Datenbankpraktikum, Linux-Seminar, Seminar in Design Pattern, usw. usf.. Nur halt keine Praktika in Betrieben, wie es an FHs Pflicht ist.

Auch im Nebenfach Elektrotechnik: Theorie und Praktika: Schaltungsentwurf und -analyse, SPICE. Wer wollte: Eine AG im Rennsport von Elektromobilen.

Ich finde, sie sollte sich einfach informieren, welche Sachen es in ihrer Nähe gibt:

* welche FHs mit welchen Angeboten

* welche Unis, Technische Unis mit welchen Angeboten

* welche Fern-Unis, welche Fern-Fachhochschulen mit welchen Angeboten

Und dann dort vielleicht auch mal eine Studienberatung in Anspruch nehmen: Anrechnung der Sachen, die sie schon hat, "Fahrplan" durch das Studium, und eben: welche Vorlesungen, Praktika, Seminare erwarten sie an dieser jeweiligen Hochschule.

Informatik ist ja auch breiter:

* Reine Info, Angewandte Info, Wirtschaftsinfo, teilweise auch Medizinische Info, Bauinformatik, ... - das gliedert sich schon ziemlich auf und es gibt viele Spezialisierungen

Ob nochmal Studieren wirklich das richtige ist, da sollte sie auch mal in sich selbst reinhören.

EvhemaTliger Nutwzer (#D57266x1)


Mathematiker sind ohne Frage sehr intelligente Leute und können gute Jobs finden. Trotzdem bildet Informatik wesentlich mehr in Jobnähe aus, was vor allem auch den Einstieg leichter macht. Mathematik ist da in vielem sehr abstrakt und ja "abgehoben", dagegen ist Informatik recht bodenständig.

So sieht’s aus. Und Jobs für "reinrassige" Mathematiker sind selten. Viele landen letztendlich in der IT. Das Gehalt ist (je nach Branche) auch nicht unbedingt üppig.

Das Mathematiker intelligent sind, das stelle ich hier nicht in Frage. Nur eine Reihenfolge für die Intelligenz nach Ausbildung aufzustellen, dass halte ich für Schwachsinn (jetzt mag das Wort "Schwachsinn" wohl wieder einer als beleidigend auffassen, ist mir aber bumms). Es gibt auch unter den Mathematikern die faulen Eier, wo sich bis dato jeder fragt, die der eigentlich durchs studium gekommen ist. Transferaufgaben lösen? Fehlanzeige. Die faulen Eier hat man in jeder Branche, in jedem Studiengang, in jeder Ausbildung. Und die jetzt pauschal intelligenter als andere hinzustellen. Na danke. Aber das Mathematiker grundsätzlich mal intelligent sind, abgesehen von den Ausnahmen jetzt, das steht außer frage und habe ich nie bezweifelt.

Und Informatik kann man so und so gestalten. Ich sah beides, Theorie und Praxis. Genauso am Arbeitsplatz sitzt mir gegenüber ein Theoretiker. Wir ergänzen uns gegenseitig wunderbar. Ich helfe ihm in der Praxis aus, er mir in der Theorie, wenn es um Architekturfragen geht (gelernt habe ich das auch, aber Praxisnaher, er erkennt da die globalen zusammenhänge besser, in der implementatin bin ich der kreative Kopf). Ich würde jetzt weder sagen, das er noch ich klüger ist als der andere. Ich habe einen FH Abschluss (Bachel) und er Uni (Dipl). Da Frage ich mich jetzt, wo ist hier die "Rangfolge" der Intelligenz? Daher auch meine These, dass so eine Rangfolge nur im Kopf von manchen existiert, in der Praxis aber absolut irrelevant sind. Abhängig voneinander ist man nacher sowieso. Daher würde ich das studieren, was mir mehr spaß macht.

E,hemaligeFr NuDtz*er (#572x661)


Ich finde, sie sollte sich einfach informieren, welche Sachen es in ihrer Nähe gibt:

* welche FHs mit welchen Angeboten

* welche Unis, Technische Unis mit welchen Angeboten

* welche Fern-Unis, welche Fern-Fachhochschulen mit welchen Angeboten

Und sobald sie sich informiert hat, ab zum Tag der offnen Tür, die müssten bald wieder losgehen (meist zu semesterbeginn).

SHorHoma.n


Informatik ist ja auch breiter:

Und Medieninformatik. Gern als "Mädcheninformatik" umgedeutet. ;-)

Genau so teilt sich ja die Mathematik auf. Auch da gibt's viele Studienrichtungen: "Reine" Mathematik, Angewandte Mathematik, Versicherungsmathematik, Statistik, etc.

S0or)omaxn


So sieht’s aus. Und Jobs für "reinrassige" Mathematiker sind selten. Viele landen letztendlich in der IT.

Meine Meinung dazu: Mathe ist IT. Und IT ist Mathe. Das eine ist ohne das andere heute nicht mehr vorstellbar. Jeder Mathematiker muss auch programmieren (und wenn es Matlab, VBA und Excel ist), jeder Programmierer braucht Ahnung von Mathematik. Ganz einfach, weil die Maschine nur mathematische Aufgaben lösen kann, es ist ja ein Computer = Rechner. Und Stift-und-Papier-Mathematik - es mag noch Fälle geben, wo das angesagt ist, aber effizienter ist's am Rechner. Mit Programmen für symbolische (z.B. Mathematica) und numerische Mathematik (z.B. Matlab) oder Statistik (z.B. R, SPSS).

S,oro+man


Oder Geoinformatik, Bioinformatik.

yQebsEsesxneee


Ich sehe das wie Soroman. IT ist Mathe und umgekehrt. Aber lieber TE mach dich mal schlau wie die Job chancen mit Mitte 40 in der IT als NEUEINSTEIGER aussehen. Danach fällt deine Wahl wohl etwas leichter. Ich kenne Leute die finden mit Mitte 40 keinen Job mehr weil sie zu alt sind. Zumindest der Industrie. Die gehen dann als Freiberufler in die Industrie.

i/stdoc hMists?owaxs


Ich habe einen FH Abschluss (Bachel) und er Uni (Dipl). Da Frage ich mich jetzt, wo ist hier die "Rangfolge" der Intelligenz?

Wenn ich tippen sollte würde ich sagen er ist intelligenter, zumindest hat er den höher wertigen Abschluss. Der intellektuelle Anspruch zwischen Uni-Informatik und FH-Informatik ist gewaltig.

Jyanx74


Mir haben Leute vom Mathestudium erzählt (Uni), das gäbe da derart komplexe, abstrakte, theoretische Höhenflüge, dass die meisten Leute intellektuell völlig übefordert seinen, es bizarr und ohne Realitätsbezug und völlig abgehoben sein, und nur für wirklich wenige geeignet.

Meine Erfahrungen waren 1994-1999, seitdem wird sich einiges geändert haben. aber Uni-Informatik hat sich da auch sehr in theoretischen Sphären bewegt, während Softwaretechnik (FH) sehr bodenständig, gut zu bewältigen und praxisorientiert war (da hat man "richtig programmieren" gelernt). Mit Softwaretechnik/FH ist "Softwareentwickler" ja auch das Berufsziel, mit Informatik an der Uni keineswegs - dort bleibt man eher eine Ebene drüber, entwirft auf theoretischer Ebene komplexe System. Sehr anspruchsvoll und so wie ich das Eingangsposting lese, nicht im Sinne des TE.

Es hat auch fast niemand Informatik geschafft, 12% Quote am Ende oder so.

S.orVoman


Mir haben Leute vom Mathestudium erzählt (Uni), das gäbe da derart komplexe, abstrakte, theoretische Höhenflüge, dass die meisten Leute intellektuell völlig übefordert seinen, es bizarr und ohne Realitätsbezug und völlig abgehoben sein, und nur für wirklich wenige geeignet.

Ich denke, so sieht es nur für die aus, die sich nicht reindenken können. ;-) Mathematiker müssen halt später auch von der Denkleistung/Abstraktion anspruchsvolle Sachen machen:

* Realwelt-Probleme modellieren (z.B. Strömungsmodelle für die Metereologie, Risikomodelle für Versicherungen, komplexe Graphen in der Logistik, komplexe Zusammenhänge in der Statistik z.B. bei der Qualitätsanalyse von Produktionsverbünden) - also Formeln dafür aufstellen, Einflussvariablen identifizeren, Zusammenhänge erkennen. Sie gießen das dann mit Annahmen in Formeln (mathematische Modellbildung) und wenden math. Modelle an, was andere ausprogrammieren. Sie prüfen die Eignung vorhandener math. Methoden.

* sie beweisen Sachen/Aussagen, die andere interessieren

* sie optimieren math. Rechenverfahren: denken sich Approximationsalgorithmen (=Näherungsverfahren) aus, und beweisen ihre Qualität, kürzen Berechnungsschritte raus

* sie beweisen die Existenz oder Nichtexistenz von Lösungen, was einen enormen Wert haben kann, wenn es um Realweltprobleme geht

* mit ihrem abstrakten Denken sind sie sehr universell einsetzbar, brauchen aber auch Wissen aus Anwendungsdomänen

Mathematiker sind halt die letzte Instanz, wenn es um Mathe geht. Und dafür müssen sie ausgebildet werden. An Unis auch für die wissenschaftliche Forschung.

Die Brücke von den Mathematikern zu den Informatikern sind theoretische Informatiker. Die optimieren z.B. Mobilfunknetze (geringe Anzahl Access Points bei großer Abdeckung), machen/optimieren Solver für boolesche Formeln (SAT-Solver), machen/prüfen Krypto- und Kompressions-Algorithmen, überlegen sich Lösungen für Graphprobleme (wichtig z.B. für CAD, Schaltungsentwurf, Logistik und viele andere Sachen), sowas. Oder überlegen sich, für welche Probleme die Lösungen mit welchem Aufwand berechnet werden können. Oder denken nach über die Theorie von Programmiersprachen oder Compilern.

Software-Entwickler ist dann eine etwas andere Ebene: oft hat jemand die Sachverhalte vormodelliert, die Verfahren bereits ausgewählt, etliche Design-Entscheidungen getroffen, die Programmiersprache ausgewählt, den Systementwurf gemacht und Bibliotheken rausgesucht/geschrieben. Und dann geht es um die Umsetzung, um Code. Naja, und für einfachere Sachverhalte braucht es eben auch keine Mathematiker oder Hardcore-Informatiker vorher, die das Problem erstmal analysieren und modelliert haben. Da können Programmierer auch direkt loslegen.

Ich finde, jedes Feld ist für sich spannend und jede Aufgabe wichtig und gleichwertig. Wo die OP hinwill, was sie leisten kann, und was sie möchte, da muss sie sich selbst mal Gedanken machen. Einfach mal in ein paar Vorlesungsskripte reinschauen, und schauen, ob es Interesse weckt (z.B. Formeln -> Geil! Will ich verstehen! Das sieht so elegant aus!) oder Abschreckung bewirkt (Formeln? Hau mir ab damit! Das kapier ich doch nie!). Genau so für Quellcode: einmal VHDL, einmal Assembler, einmal C, einmal Fortran, einmal Java/Python/C++, einmal HTML+Javascript. Dann bekommt man schon einen Eindruck, was für ein Typ man ist. Ein Informatiker kann sich in alles reindenken. Ein Programmierer/Entwickler hat in der Regel 1-3 Sprachen, die er gut beherrscht und darin macht er 80-90% seiner Aufgaben. Dafür überlässt er andere Aspekte eben anderen.

Und natürlich gibt es mathematische, "informatische" und Programmierkompetenz auch in einer Person. In Umgebungen und für Probleme, wo sich diese Trennung nicht lohnt.

J'an7x4


klar, aber ich hab wirklich nicht den Eindruck, dass die (? vermute ich) TE so ein Typus Mathematiker ist, wie Du da beschreibst ;-).

CzoteqSauDvage


Und ich kann mich nicht entscheiden: Informatik oder Mathematik? Beides reizt

Was für ein konkreter Job schwebt dir denn da vor?

Mit über 40 würde ich überhaupt kein neues Studium mehr anfangen (außer ich hätte finanziell ausgesorgt und würde mich langweilen). An deiner Stelle schon gar nicht: Du fühlst dich in deinem derzeitigen Job ausgebeutet, es geht dir psychisch schlecht, du hast Existenzängste usw.

Versuch lieber, einen Job zu finden, mit dem du besser klarkommst als mit dem gegenwärtigen. Wenn es was weniger Qualifiziertes ist, dann ist das halt so. Unter diesen Bedingungen mit Anfang 40 nochmal ganz neu anfangen klappt nicht. Je schneller du diese Vorstellung loslassen kannst, desto eher geht es wieder aufwärts.

ErhemfaligerX Nut<zer (#57v266x1)


Mir haben Leute vom Mathestudium erzählt (Uni), das gäbe da derart komplexe, abstrakte, theoretische Höhenflüge, dass die meisten Leute intellektuell völlig übefordert seinen, es bizarr und ohne Realitätsbezug und völlig abgehoben sein, und nur für wirklich wenige geeignet.

Gerade die Mathematik (habe ich an der Uni so erlebt) ist sehr abstrakt, Zahlen und Buchstaben wie in der Schule lernt man so nichtmehr kennen. Ich erinnere mich gerne an den Beweis, dass die Menge der natürlichen Zahlen die gleiche Mächtigkeit wie reele Zahlen besitzen, allerdings mit der einschränkung, dass reele Zahlen gleichzeitig kontinuumsmächtig sind. Es ist sehr abstrakt, das Beispiel kratzt auch nur die Oberfläche an. Aber ich halte es für bewältigbar, wenn man sich wirklich auf abstrakte Theorie einstellt und damit umgehen kann. Ich finde das hat weniger was mit Intellekt zu tun, als damit, wie abstrakt man denken kann und wie man seinen Horizont dehnen kann (indirekt natürlich mit Intellekt verknüpft, aber es gibt kluge wie nicht so kluge Menschen, die diese Fähigkeit haben oder auch nicht).

Informatik kann man aber genauso aufziehen. Gerade auch das "bodenständige" kann jemanden schonmal fertig machen. Wenn man mal ein komplexes System, mit zig Design Patterns, Abhängigkeiten und allen Sideeffects vor Augen hat, kenne ich wenige Leute, die hier die Gesamtfunktion im blick behalten können und im Geiste die Module zu einem zusammenführen können. Hier bewegt man sich zwar wirklich im Anwendungsbereich, zeug, was man in der industrie dann auch nutzen muss, allerdings muss hier das Abstrakte denken für den Lösungsansatz da sein, hierbei direkt zu beachten eben Laufzeit, Speicherintensität, Zielgruppe, Ausfallsicherheit, Sonderfälle, etc (Generell: Time for Space oder Space for Time. Auf einem µC z.B. ist Time for Space angesagt, da hier der Speicher knapp ist, auf einem Desktopsystem kann ich es andersrum aufziehen).

Mathematik würde ich nie direkt mit Informatik vergleichen, wenn auch Informatik diverse mathematische Elemente in sich birgt. Es ist ein Äpfel und Birnen vergleich.

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