» »

Bin ich beruflich wieder in einer Sackgasse gelandet?

M^öppeplcShen hat die Diskussion gestartet


Hallo,

ich habe hier vor einiger Zeit darüber geschrieben, dass ich im Frühjahr eine Weiterbildung zur Betreuungsassistentin nach §87b gemacht habe.

Mein Wunsch war es, ältere Menschen in einem Altenheim oder Menschen in einem Pflegeheim zu betreuen.

Eigentlich sah ich mich für diesen Job als geeignet an, weil ich geduldig, einfühlsam und fürsorglich bin.

Eine Tätigkeit im sozialen Bereich schien mir schon fast perfekt, nachdem ich bei kaufmännischen Tätigkeiten ständig gescheitert war. Auch der hauswirtschaftliche Bereich scheint mir nicht zu liegen, wie sich bei einem Job in der Küche einer Jugendherberge und einer Begegnungsstätte für Senioren (beides waren Maßnahmen vom Jobcenter) herausstellte.

Ich bemerkte aber schon während meines Praktikums in einem Altenheim im Juni, dass sich auch da gewisse Probleme für mich ergeben könnten. Ich war teilweise etwas zerstreut und führte manche Answeisungen daher nicht ganz korrekt aus. Auch war mein Reaktionsvermögen in einigen Situationen nicht schnell genug.

Es dauerte auch oft zu lange, wenn ich Bewohner in ihren Zimmern zu irgendwelchen Aktivititäten motivieren sollte oder ich sie einfach nur in ihren Zimmern abholen musste.

Dementsprechend fiel dann die Beurteilung nur mittelmäßig aus. In den Punkten Selbständigkeit, Arbeitstempo und Auffassungsgabe wurde ich mit "befriedigend" beurteilt.

Ich wollte mich davon aber nicht verunsichern lassen und bewerbe mich bei Alten-und Pflegeheimen.

Bevor es zu einem Arbeitsvertrag kommen könnte, ist es üblich, erst einmal dort für ein oder zwei Tage zu hospitieren. Was ich auch gut finde, denn sowohl der Arbeitgeber als auch der potentielle Arbeitnehmer können sich einen Eindruck verschaffen, ob es passen könnte.

Dreimal habe ich mich in Altenheimen vorgestellt, wurde aber nicht zum Probearbeiten eingeladen.

Daher freute ich mich umso mehr, dass ich in dieser Woche die Möglichkeit bekam, in einem Pflegeheim an zwei Tagen für jeweils ein paar Stunden zum Probearbeiten zu kommen.

Leider ist es nicht so gut gelaufen, vor allem am Montag.

Ich begleitete eine Mitarbeiterin vom sozialen Dienst, die zuerst einige Bewohner in ihren Zimmern aufsuchte, sich mit ihnen unterhielt oder etwas vorlas. Anschließend stand Bingospielen auf dem Programm. Zuerst leitete die Mitarbeiterin das Spiel und bei der zweiten Runde musste ich es leiten.

Sie wurde schnell ungehalten und kritisierte, dass ich viel zu leise spreche. Die Bewohner verstanden mich bis auf eine alte Dame, die schwerhörig ist. Sie beschwerte sich dann auch, dass sie besser gar nicht zum Spielen gekommen wäre.

Ich bemühte mich also, laut und deutlich zu reden, was mich sehr anstrengte.

Doch die Mitarbeiterin war immer noch nicht zufrieden und mahnte mehrmals meine Lautstärke an.

Irgendwie empfand ich das als eine demütigende Situation, doch natürlich zeigte ich das nicht.

In der Pause begleitete ich die Mitarbeiterin in den Garten. Dort wollte ein dementer Bewohner unbedingt mit mir Kickern spielen. Gutmütig wie ich bin, tat ich es, warnte aber schon mal vor, dass ich das noch nie gespielt habe. Ein Pfleger meinte noch, das sei doch nicht schwer. Was ich nicht so sah, denn der Bewohner gewann innerhalb weniger Minuten mit 8:0 gegen mich.

Es freute mich für ihn, ihn so glücklich zu sehen.

Die Mitarbeiterin, die mich einwies, gab noch einen schadenfrohen Spruch ab. Ungefähr so:"Jetzt ist sie wenigstens um eine Erfahrung reicher."

Am Dienstag ging ich noch mal zum Probearbeiten.

Dieses Mal war es eine andere Dame vom sozialen Dienst, die ich begleitete.

Ihr schien es nicht so recht zu passen, denn sie war die ganze Zeit über sehr nervös. Was dazu führte, dass ich auch sofort etwas schusselig war und nicht an alles dachte.

Zum Abschluss sollte sie mich noch in die Dokumentation einweisen, doch als sie zur Hälfte fertig war, meinte sie, ich könne jetzt gehen. Sie wolle den Rest in Ruhe und allein erledigen.

Was ich lediglich als positiv empfunden habe, war, dass ich zu einigen Bewohnern schnell Zugang fand. Manche von ihnen schloss ich gleich ins Herz.

Doch ich war sicher, dass meine Chancen nicht gut standen, den Job zu bekommen.

Leider behielt ich recht. Schon am Mittwochmorgen rief mich die Dame vom Personalbüro, mit der ich das Vorstellungsgespräch geführt hatte an, um mir eine Absage zu erteilen.

Als ich nach dem Grund fragte, antwortete sie, dass ich nach Ansicht beider Kolleginnen mit meiner Persönlichkeit nicht dorthin passe.

Ich frage mich jetzt, ob ich wirklich den für mich richtigen Weg eingeschlagen habe.

Kann es sein, dass mir der soziale Bereich nach meinen bisherigen Erfahrungen überhaupt nicht liegt?

Kann man lernen, schneller zu agieren und forscher und selbstbewusster aufzutreten?

Oder muss man dafür einfach "der Typ" sein?

Liebe Grüße,

Möppelchen

Antworten
GErildlschnxecke


Ich glaube, es kommt gerade beim Probearbeiten sehr darauf an, wie die anderen Mitarbeiter mit einem umgehen - wenn dir alle den Eindruck vermitteln, dass du ungelegen kommst und störst oder ihnen nichts rechtmachen kannst, bist du erst recht verunsichert. Wie soll man da selbstsicher auftreten können?

An einer neuen Arbeitsstelle stehe ich anfangs jeweils unter immensem Stress - ich bin dann auch zerstreut, kann manche Sachen nicht aufnehmen und muss mehrmals fragen. Bekomme ich aber von meinen Mitarbeiterinnen das Gefühl, dass meine Arbeit gut ist und sie sich über die Verstärkung freuen, mich instruieren und ins Team aufnehmen, dann kann ich mich "entfalten".

Vielleicht ist es bei dir ebenso? @:) Bitte gib' nicht auf und glaub an dich. :)^

G{rillsbchneLcke


PS: Ich glaube, du bräuchtest einfach einen guten Mentor, jemand, der dich etwas an die Hand nimmt und sich Zeit für dich nimmt, damit du auch die Angst zu versagen oder nicht gut genug zu sein ablegen kannst. Denn solange du nicht sicher bist, dass du das kannst, wird es dir wohl auch schwer fallen, so aufzutreten. Aber dass du zu den Bewohnern einen Draht gefunden hast, zeigt doch, dass du nicht fehl am Platz bist!

M[öpppelcxhen


Hallo Grillschnecke,

danke für deine ermutigenden Worte.

Probearbeiten ist auch ein Problem, weil man nur über kurze Zeit beobachtet wird und man dann gleich zu funktionieren hat.

Ich sollte letzte Woche z.B. auch einer Bewohnerin ein Lied vorsingen und sie animieren, dass sie mitsingt.

In dem Moment konnte ich einfach meine Hemmungen nicht überwinden, ein Lied anzustimmen, wo ich total unmusikalisch bin. Das in Anwesenheit der Mitarbeiterin, die ich begleitet habe. Ich kann nur in einer Gruppe singen, wenn meine Stimme so ziemlich untergeht!

Mir fällt es auch leichter mich einzuarbeiten, wenn ich merke, dass die Kollegen mich schätzen und ich Teil des Teams bin.

Leider war das bisher selten der Fall, weil jeder immer schnell bemerkt, dass ich langsam bin. Auch wenn sich die Zerstreutheit nach einiger Zeit etwas gibt, so ist mein langames Arbeitstempo doch immer ein Problem.

Auch bin ich in vielen Dingen sehr unselbständig und brauche Anweisungen, wie ich etwas am besten auszuführen habe.

Diese Erfahrung habe ich nicht nur während meiner Tätigkeit in einem Altenheim, sondern auch in meinen Bürojobs gemacht.

Hoffentlich finde ich noch den für mich geeigneten Arbeitsplatz. :-/

EWhemaliPger Nu'tzer j(0#4671x93)


Mir fällt es auch leichter mich einzuarbeiten, wenn ich merke, dass die Kollegen mich schätzen und ich Teil des Teams bin.

Naja, das muss man sich schon verdienen/erarbeiten. Besonders im Gesundheitswesen wird anfangs kaum jemand geschätzt oder als Teil des Teams gesehen - du warst ja quasi noch nicht mal auf Probe arbeiten.

Auch bin ich in vielen Dingen sehr unselbständig und brauche Anweisungen, wie ich etwas am besten auszuführen habe.

Naja, selbstständiges Arbeiten ist in dem Bereich schon wichtig. Der Personalschlüssel ist in der Regel in solchen Heimen recht mies und da bleibt oft schlecht Zeit jemanden für längere Zeit unter die Fittiche zu nehmen.

M"öpplelchexn


@ Kramuri

Zur Probe habe ich ja schon gearbeitet.

Vor zwei Wochen waren es nur wenige Stunden an zwei Tagen.

Doch im Juni habe ich im Rahmen meiner Weiterbildung zur Betreuungskraft ein zweiwöchiges Praktíkum absolviert. Dort hatte man schon genüged Zeit, mich zu testen.

Leider war man wegen meiner langsamen Auffassungsgabe und der mangelnden Selbstständigkeit nicht sehr zufrieden mit mir. Mir wurde allerdings nicht gesagt, dass ich mich für diesen Job nicht eigne, denn ich konnte einiges mit meiner freundlichen und fürsorglichen Art sowie meiner Zuverlässigkeit wettmachen.

Glaubst du denn, dass ich mich aufgrund meiner Defizite nicht für eine Tätigkeit in einem Altenheim eigne?

Ich versage, wenn ich unter Zeitdruck stehe. Werde dann nervös und agiere zerstreut.

Auch weiß ich nicht, ob man lernen kann, gleich von Anfang an selbständig zu arbeiten. In meiner Unsicherheit bin ich gerade, wenn ich mich noch nicht so zurechtfinde, auf Unterstützung angewiesen.

Ngordi8x4


Wie schon gesagt wurde, das Problem ist das man unter einem enormen Zeitdruck steht und das deutlicher Personalmangel herrscht. Das führt dann dazu das du quasi ne Kennzahl hast (z.B. "10 Bewohner pro Stunde bespaßen") die du erreichen musst. Wenn du da jetzt langsamer bist und mehr Anlaufzeit brauchst dann schaffst du das nicht und das wirkt sich beim Probearbeiten nunmal negativ aus.

Hier kannst du eigentlich nur versuchen möglichst viel Routine und Selbstsicherheit zu bekommen. Du kannst dein Selbstbewusstsein nicht aus der Wertschätzung der anderen Teammitglieder ziehen, diese Wertschätzung bekommst du nämlich am Anfang schlichtweg nicht. Kannst du vielleicht irgendwo ein unbezahltes Praktikum über 4 oder 6 Wochen machen ? Dann bekommst du Erfahrung und ggf. auch etwas Bestätigung von den Kollegen wenn du mal wirklich in der Arbeit drin steckst und nicht wie ein Fremdkörper mitläufst.

Wollen Sie selber etwas dazu schreiben?

Dann melden Sie sich an bzw. lassen Sie sich jetzt registrieren, das ist kostenlos und innerhalb weniger Minuten erledigt. Interessant sind sicher auch die übrigen Diskussionen des Forums Beruf, Alltag und Umwelt oder aber Sie besuchen eines der anderen Unterforen:

Allergien · Zahnmedizin


Nicht angemeldet: Anmelden | Registrieren | Zugangsdaten vergessen? | Hilfe

Startseite | Impressum | Nutzungsbedingungen | Netiquette | Datenschutz   © med1 Online Service GmbH