» »

Outen- wenn psychische Erkrankungen mit der Arbeit kollidieren

t2raumtän>zearinsabxc hat die Diskussion gestartet


Man liest derzeit ja häufig davon, dass sich Menschen mit psychischen Problemen outen, dann vielleicht auch aussteigen oder von total verständnisvollen Chefs, die kein Problem haben, wenn sie in Kliniken gehen wieder direkt an den alten Arbeitsplatz kommen.

Ich habe einen solchen Fall im Bekanntenkreis und kann der Sache überhaupt nicht zustimmen. Besagte beste Freundin hatte Depressionen, nachdem sie ein Jahr gearbeitet hatte. Was folgte war ein mehrwöchtiger Klinikaufenthalt. Unter fahnscheidigen Begründungen wurde ihr am alten Platz nach der Zeit nahe gelegt, sich doch umzuorientieren. Als sie später eine Berfsunfähigkeitsversicherung abschließen wollte, ging das nicht mehr, da sie mit ihrer Vorgeschichte nicht genommen wurde. Vorstellungsgespräche beim neuen Arbeitgeber verliefen allesamt negativ, da niemandem die Zeit in der Klinik geheuer war. Was folgte war eine lange Arbeitslosigkeit.

Nach 2 jährigem Kampf fand sie eine Teilzeitstelle.

Denkt ihr auch, dass psychische Krankungen Hemmnisse in der Arbeitswelt darstellen und daher eher tabuisiert werden?

Antworten
O"ruang\eCa*nyxon


Unter fahnscheidigen Begründungen wurde ihr am alten Platz nach der Zeit nahe gelegt, sich doch umzuorientieren.

sorry fürs klugscheissen, aber es heisst fadenscheinig ;-)

um auf dein eigentliches thema zurück zu kommen.....nicht jeder arbeitgeber kann es sich leisten kranke mitarbeiter durchzufüttern. depressionen sind nicht innerhalb von ein paar wochen geheilt und der mitarbeiter ist längere zeit nicht wirklich einsetzbar bzw. müssen die kollegen die fehlende arbeitsleitung ausbaden, was wiederum dem arbeitsklima nicht sonderlich gut tut.

natürlich wäre es wünschenswert, wenn es anders wäre....ich kann die entscheidung aber durchaus verstehen.

Als sie später eine Berfsunfähigkeitsversicherung abschließen wollte, ging das nicht mehr, da sie mit ihrer Vorgeschichte nicht genommen wurde.

keine versicherung wird dir etwas versichern, wo ein ziemlich hohes risiko besteht, dass der fall auch eintritt.....zumindest nicht zu einem leistbaren preis. das ist nicht nur bei berufsunfähigkeitsversicherungen so. das gilt ebenso für kranknversicherungen, unfallversicherungen, usw.

Vorstellungsgespräche beim neuen Arbeitgeber verliefen allesamt negativ, da niemandem die Zeit in der Klinik geheuer war.

warum ist die zeit in der klinik überhaupt ein thema bei vorstellungsgesprächen?

C9inngamoxn4


Hm... ich denke, dass da ein Wandel stattfindet. Unsere Gesellschaft wird auf allen möglichen Gebieten stetig toleranter. Sei es Homosexualität, Transsexualität, Aids, psychische Erkrankungen und andere "Besonderheiten", die früher mit Stigmata verbunden waren.

Diese stetigen Verbesserungen der Aufgeschlossenheit geschehen jedoch sehr langsam und erfassen leider auch nicht jeden.

Ca. ein Drittel der Menschen in Deutschland leidet meines Wissens im Laufe des Lebens an einer psychischen Erkrankung. So gibt es da eine durchaus beachtenswerte Lobby, die am eigenen Leib spürt, dass eine Depression, beispielsweise, nichts ist, wovor man Angst haben muss, oder was bedeutet, dass derjenige "irre" ist.

Allerdings gibt es auch Menschen, die sich da nicht einfühlen können oder wollen und/oder denen Informationen fehlen. Das hier

um auf dein eigentliches thema zurück zu kommen.....nicht jeder arbeitgeber kann es sich leisten kranke mitarbeiter durchzufüttern. depressionen sind nicht innerhalb von ein paar wochen geheilt und der mitarbeiter ist längere zeit nicht wirklich einsetzbar bzw. müssen die kollegen die fehlende arbeitsleitung ausbaden, was wiederum dem arbeitsklima nicht sonderlich gut tut.

glaube ich z.B. weniger. Es würde bedeuten, dass der Arbeitgeber ein Mindestmaß an Wissen mitbringt, was psychische Erkrankungen angeht. Hätte er dieses Mindestmaß an Wissen, wäre ihm aber vermutlich auch bekannt, dass ein Klinikaufenthalt eine sehr effektive Möglichkeit ist, die Psyche zu stabilisieren. Es gibt Fälle, in denen ein einziger Klinikaufenthalt und eine folgende ambulante Psychotherapie heilsam sind.

Hätte er also ein Mindestmaß an Wissen und Empathie, wäre die Freundin der TE sicherlich nicht nach einem einmaligen Klinikaufenthalt wegkomplimentiert worden.

Ich denke, da stecken eher Ängste und Vorurteile hinter.

Was ich mich allerdings frage:

Wie hat der Arbeitgeber überhaupt von der Depression erfahren?

Man ist als Arbeitnehmer nicht dazu verpflichtet, (wahrheitsgemäß) preiszugeben, warum man krankgeschrieben ist.

Auch einen neuen Arbeitgeber geht das nichts an bzw. man ist nicht zu einer wahrheitsgemäßen Aussage verpflichtet.

Das ist so ähnlich, wie der Fall, in dem man beim Bewerbungsgespräch nach Schwangerschaft/Kinderplanung gefragt wird.

Oder nach der eigenen Sexualität/Konfession etc.

Cbomraxn


Ich kann von meinem langjährigen Arbeitnehmer in Punkto soziale Personalführung nur Gutes berichten. Ein Kollege aus meinem Team wurde psychisch krank, musste dann auch 1,5 Monate in Therapie. Er bekam den alten Arbeitsplatz sowie volle Unterstützung bei der Wiedereingliederung, die mit engem Kontakt zum zuständigen psychosozialen Dienst durchgeführt wurde.

Ähnlich positive Chancen werden Suchtkranken geboten, und auch mit Arbeitszeitmodellen je nach Belastbarkeit kennen wir kein Limit.

Ob wir jemanden einstellen würden, der akut langzeitkrank war, das weiß ich auch nicht. Allerdings hatten wir vor Jahren eine Auszubildende in unserem Bereich, die wg. psychischer Probleme ein Schuljahr vor dem Abi wiederholen musste und sie wurde dennoch genommen. Wir haben es nicht bereut, denn sie hat sich in den Jahren super gemacht.

Von daher: es geht auch anders. Ist aber auch eine Frage der Betriebsgröße. Wir können uns diese "Risikostellen" und den sozialen Gedanken leisten.

Cromrajn


Ich kann von meinem langjährigen Arbeitgeber

So dicke bin ich nun auch nicht in der Hierarchie... %-| %:|

C"innnamon4


;-D

Von daher: es geht auch anders. Ist aber auch eine Frage der Betriebsgröße. Wir können uns diese "Risikostellen" und den sozialen Gedanken leisten.

Das stimmt natürlich, das muss man auch bedenken.

Allerdings finde ich die Reaktion des ehemaligen Chefs der Freundin der TE (was für eine Aneinanderreihung) auch bei einem kleinen Betrieb grenzwertig. Es war ja nicht mal abzusehen, wie sich das bei ihr gesundheitlich noch entwickeln würde. Auch ging es dabei nicht um eine Neuanstellung.

Sioromxan


Vorstellungsgespräche beim neuen Arbeitgeber verliefen allesamt negativ, da niemandem die Zeit in der Klinik geheuer war. Was folgte war eine lange Arbeitslosigkeit.

Keiner ist gezwungen, seine Krankheitshistorie im Lebenslauf noch in irgendwelchen Vorstellungsgesprächen anzugeben. Man finde kreative Umschreibungen. Und weiche Fragen einfach geschickt aus. Wie ja auch Fragen zu geplanter Schwangerschaft und Co. Beide Seiten haben eine Probezeit, das muss den Arbeitgebern ausreichen, wenn sie Defizite in der tatsächlich erbrachten Arbeit feststellen sollten. Danach halt normale Kündigungsfrist.

Nach 2 jährigem Kampf fand sie eine Teilzeitstelle.

Was daran schwierig ist: War es ein "2 jähriger Kampf" aus ihrer, immer noch teilweise von Depressivität geprägten Wahrnehmung? Oder war es eine "normale" 2 jährige Arbeitssuche, die halt ganz normal länger dauert, wenn beide Seiten gewisse Vorstellungen haben und Ansprüche stellen?

Denkt ihr auch, dass psychische Krankungen Hemmnisse in der Arbeitswelt darstellen und daher eher tabuisiert werden?

Ja, denke ich auch, dass sie das darstellen. Ich glaube, die Kunst liegt darin, mit den richtigen Menschen das Thema zu besprechen, und mit anderen für sich wohlwollend zu formulieren. Der größte Vorteil daran, eine psychische Erkrankung nicht zu nennen ist, dass man deswegen auch nicht gekündigt worden sein kann. Sonst wird doch auch viel darauf geschoben.

Und ja, ich habe selbst Erfahrung damit.

Ich glaube übrigens nicht so ganz, dass die Arbeitswelt da sonderlich toleranter wird. Sondern eher, dass die Zahl der psych. Erkrankungen dermaßen zugenommen hat, dass man diese Arbeitnehmer gar nicht alle entlassen oder nicht einstellen kann. Die Arbeitgeber haben also gar nicht immer eine Alternative.

EZhemaliuger Nutz1er (#540x992)


Denkt ihr auch, dass psychische Krankungen Hemmnisse in der Arbeitswelt darstellen und daher eher tabuisiert werden?

Ja, das denke ich. Betroffenen, die ihren Arbeitgeber von ihren Depressionen und anstehenden Klinikaufenthalten etc. erzählen, würde ich auch dazu raten, einen Antrag auf Feststellung der Schwerbehinderung zu stellen. Wer einen Schwerbehindertenausweis hat (und den kann man wegen Depressionen bekommen), der ist nicht so einfaches Kanonenfutter für Arbeitgeber, die kein Verständnis für psychische Erkrankungen zeigen.

tHrekkxie


Leider muss ich jedem raten, NICHT offen mit psychischen Erkrankungen am Arbeitsplatz umzugehen. Habe sehr schlechte Erfahrungen damit gemacht. Mein langjähriger Arbeitgeber hatte nichts besseres zu tun als mich nach einer Gehaltsminderung zu fragen, da ich ja wohl nun weniger leistungsfähig sei. Das wir permanent auf Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld verzichtet hatten, weil es der Firma angeblich so schlecht ging, hat anscheinend nicht gereicht....

EThemaligber Nu0tzVeSr (#l528611)


2 Jahre arbeitssuchend geht ja nich.

Was soll ich sagen mit 8 Jahren Lücke im Lebenslauf und immernoch nicht vermittelbar?

Ich hab nicht mal Kinder, die ich ALS ausrede hernehmen könnte...

Ich würde NIENIENIEMALSNICHT jemandem auf Arbeit davon erzählen.

Aber beim Vorstellungsgespräch ???

E\hem}aliMgerj Nut6zert (#52x8611)


2 Jahre arbeitssuchend geht ja noch.

BJambiienYe


warum ist die zeit in der klinik überhaupt ein thema bei vorstellungsgesprächen?

Das frag ich mich auch!

Keiner ist gezwungen, seine Krankheitshistorie im Lebenslauf noch in irgendwelchen Vorstellungsgesprächen anzugeben. Man finde kreative Umschreibungen. Und weiche Fragen einfach geschickt aus. Wie ja auch Fragen zu geplanter Schwangerschaft und Co. Beide Seiten haben eine Probezeit, das muss den Arbeitgebern ausreichen, wenn sie Defizite in der tatsächlich erbrachten Arbeit feststellen sollten. Danach halt normale Kündigungsfrist.

so ist es. Ich finde man sollte am Arbeitsplatz eh nur in den offensichtlichen Fällen (zB Beinbruch, Erkältung, etc) über seine Krankheiten reden. Es hat seine Gründe, warum keine Diagnose auf den gelben Scheinen eingetragen ist.

Wollen Sie selber etwas dazu schreiben?

Dann melden Sie sich an bzw. lassen Sie sich jetzt registrieren, das ist kostenlos und innerhalb weniger Minuten erledigt. Interessant sind sicher auch die übrigen Diskussionen des Forums Beruf, Alltag und Umwelt oder aber Sie besuchen eines der anderen Unterforen:

Allergien · Zahnmedizin


Nicht angemeldet: Anmelden | Registrieren | Zugangsdaten vergessen? | Hilfe

Startseite | Impressum | Nutzungsbedingungen | Netiquette | Datenschutz | Mobile Ansicht   © med1 Online Service GmbH