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Warum bezieht ihr Hartz IV?

Ifsabexll


Altersack

Das Thema Harz4 wird viel zu hochgepuscht.

Sehe ich auch so.

Davor gab es nach einem Jahr ALGI Arbeitslosenhilfe + ergänzende Sozialhilfe - im Ergebnis war das für die Empfänger nicht viel anders als HartzIV, lediglich das System war ein anderes, die Behörden schimpften sich anders, bzw. die Zuständigkeiten waren andere.

Sicher gab es da auch (schon) jede Menge Vorurteile, ähnlich wie die heutigen, aber es wurde letztendlich weit mehr akzeptiert als das heute berühmt-berüchtigte "HartzIV".

K'itteNKaAtha


Mein Vater hat auch eine Zeit lang Hartz 4 bezogen. Reingerutscht ist er so:

Er ist gelernter Malermeister und hat sein genzes Leben lang gearbeitet. Als er Mitte fünzig war wurde er aufgrund von Stellenabbau in seiner Arbeitsstelle nach mehr als zehn Jahren Zugehörigkeit mit Abfindung entlassen. Danach war er kurz arbeitslos (ALGI). Es hat nicht sehr lange gedauert da hat er eine neue Stelle als Lagerist gefunden in einem Unternehmen, das Snitäranlagen verkauft. Über die körperliche Anstrengung dabei brauchen wir nicht zu reden .... Als er 58 war meldete diese Firma Insolvenz an und er verlor auch diesen Job.

Das Arbeitsamt wollte ihn unbedingt in eine Stelle als Maler- und Lackierer vermitteln. Als fast 60 jähriger mit Arthrose ist diese Arbeit jedoch nichts mehr für ihn gewesen. Das hat die ganze Familie so gesehen. Also wieder erstmal ALG 1 und dann Hartz 4. In der Zwischenzeit hat er versucht einen GdB zu erreichen, mit dem er eine Erwerbsunfähigkeitsrente beziehen kann, leider erfolglos.

Mit 63 hat er dann endlich Rente mit Abschlag bekommen. In der Zeit in der er Hartz 4 bezogen hat wurden meine Eltern durch uns (4 Töchter) unterstützt. Meine Mutter bezieht aufgrund eines schweren Verkehrsunfalls schon seit mehreren Jahren Erwerbsunfähigkeitsrente. Meinen Eltern meinen, dass sie jetzt mit den zwei Renten ganz gut über die Runden kommen.

Tfhis (Twili1ght uGa/rdexn


sehe ich faktisch als untersten Rand oder auch schwächstes Glied einer Gesellschaft.

Aber auch Menschen, die beruflich/wirtschaftlich gesehen zum unterem Rad zählen, können wunderbare Menschen, Freunde, Eltern etc. sein.

Du klingts dermaßen verkopft, elitär und weltfremd das es mich gruselt... weil du in einer Welt lebst, wo es H4 quasi nur im TV gibt... :|N

_UPa-rva|ti_


sehe ich faktisch als untersten Rand oder auch schwächstes Glied einer Gesellschaft.

Diese Aussage finde ich auch sehr befremdlich. Für mich sind alle Menschen Teil einer Gesellschaft. Da gibt es für mich kein oben oder unten oder schwächer oder stärker. Sie haben nur alle einen unterschiedlichen Lebenslauf und unterschiedlichen Lebensstandart. Mehr nicht.

Biambi%enxe


@ Portland *:) @:)

Wie gesagt: schön, wer trotz wirtschaftlicher Armut glücklich sein kann!

Und jeder, aber wirklich jeder kann heute in die Lage kommen zum Hartz 4 Empfänger zu werden!

Dem wage ich mal vorsichtig zu widersprechen, auch wenn ich weiß, dass da wohl die "heilige Forumsinquisition" über mich hereinbrechen wird.

Um diesen Einspruch kurz auszuführen: in meinem beruflichen und privaten Umfeld gibt es z.B. Niemanden, dem dies drohen könnte.

Auch nicht bei "Worst-Case-Szenarien" wie (*klopf auf Holz*) Verlust des Jobs/Partners/der Gesundheit.

Dazu ist bei einer bestimmten sozialen Schicht die getroffene Vorsorge und der "wirtschaftliche Puffer" (Berufsunfähigkeitsversicherungen, Immobilien, Privatvermögen, Vermögen der Familie oder des Partners, Beamtenstatus etc.) zu groß um in Richtung Hartz IV zu rutschen.

Ich hoffe sehr für dich, deine Familie und deinen Freundeskreis, dass das auch so bleibt. Du bist Beamtin und wähnst dich gut versichert und dein Haus und angespartes Vermögen gaukelt dir Sicherheit vor. Auch hoffst du und deine Familienmitglieder vor Krankheiten, Arbeitsunfällen und Süchten aller Art verschont zu bleiben. Bedenke aber, dass sowohl materielle Werte, als auch Angespartes nie absolut sicher sind.

Vor fünf Jahren, vor der Trennung von meinem Ex, hätt ich mir auch nicht vorstellen können, dass ich selber irgendwann mit ein wenig "Glück" eine ALGII-Kandidatin werden könnte. Das Angesparte (sogar Lebensversicherungen) muss man meines Wissens bis auf einen bestimmten Betrag erst verbrauchen, bevor die Solidargemeinschaft einspringt. Deswegen bin ich da heute viel demütiger und freu mich über jeden Tag den ich gesund bin und arbeiten kann.

L8orwd Hxong


Ich wäre auch mal beinahe in den Hartz4 Bezug gekommen. Und das obwohl ich "was gelernt" habe, nämlich Physiker.

2010-2011 war ich im Ausland beschäftigt und kam dann 2012 wieder nach D zurück.

Da es in der Wissenschaft nur befristete Verträge gibt und diese auch nur eine maximale Zeit vergeben werden wollte ich mir da einen Job außerhalb der Wissenschaft suchen.

Tja, naiv wie ich war, dachte ich das geht recht schnell. ;-D

Letztendlich waren es 1,5 Jahre in denen ich vom Ersparten gelebt habe. ALG-I wurde nicht gezahlt da meine Tätigkeit in den USA war und ich keine in D hatte in den letzten 18 Monaten.

Hätte die Jobsuche noch länger gedauert hätte ich den Hartz4 Antrag stellen müssen.

Meine Begegnungen mit der Argentur für Arbeit, wo ich mich arbeitssuchend gemeldet hatte, waren zwar freundlich aber inkompetent. Da hätte ich es besser gefunden wenn sie gesagt hätten, dass sie keine Physiker vermitteln können, anstatt mich zu diversen Terminen antanzen zu lassen.

Naja, wenn ich mir meine Abrechnung der Rentenversicherung angucke weiß ich jetzt schon recht genau wann ich wohl Hartz4 beantragen muss ...

Wie es sich mit Hartz4 lebt sehe ich bei meiner exfreundin, mit der ich 7 Jahre zusammen war und die in dieser Zeit fast die ganze Zeit Hartz4 bezogen hat.

Hungern musste sie nicht, aber ihr Budget war eben auf Kante genäht. Wenn was dazwischen kam reichte es nicht mehr. Grund für die Arbeitslosigkeit ist meiner Meinung nach ihre Gesundheit (Rücken kaputt) in Verbindung mit dem erlernten Beruf (Krankenpflege, PDL, Heimleitung).

Ich weiß, dass es ihr stark gegen den Strich geht nicht arbeiten gehen zu können.

Seit ich sie kenne hatte sie 3 mal einen Job, jeweils in Ambulanten Pflegediensten. Bei dem ersten kam das Gehalt unpünktlich, aber wenn dann vollständig. Beim zweiten hat sie 3 Monate gearbeitet und es gab gar kein Gehalt, da hab ich sie finanziell unterstützt weil sie auf dem papier ja berufstätig war und demzufolge vom Amt gar nichts kriegte. Seit kurzem hat sie wieder einen Job und sie hofft dass da mal das Gehalt pünktlich und vollständig kommt.

Wie auch aus vorher geschilderten Schicksalen, warum jemand Hartz4 beziehen muss kann höchst unterschiedliche Gründe haben.

@ Portland:

Ich habe auch das Gefühl, dass du in deiner Situation einfach so weit weg vom Hartz4 Bezug bist, dass du dir tatsächlich nicht vorstellen kannst wie man davon leben soll. Ich bin mir sicher, wenn man die Wahl hat zwischen nicht ganz so hochwertigem essen und hungern dann wird man sich für das Essen entscheiden was da ist. Und bei Hartz4 Bezug muss das nicht unbedingt das minderwertigste vom Minderwertigem sein.

MMi[Ro&Li


Glück ist relativ. Vor einigen Jahren habe ich von einer Studie gelesen, da hat man Amerikaner nach ihrem subjektiven Glücksempfinden befragt, und zwar Lottogewinner auf der einen und Menschen nach Amputation von Gliedmaßen auf der anderen Seite.

In jedem Fall waren das schwere Einschnitte in die jeweiligen Biographien. Aber nach wenigen Jahren waren die Reichen und die Amputierten wieder gleichermaßen glücklich oder unglücklich.

Will sagen, man gewöhnt sich an alles, und das ist auch gut so.

Fast jeden Menschen - auch dich - trifft im Verlaufe seines Lebens ein Schicksalsschlag. Und ja, das Leben geht weiter. Das ist doch tröstlich, oder?

PJort|land


Aber auch Menschen, die beruflich/wirtschaftlich gesehen zum unterem Rad zählen, können wunderbare Menschen, Freunde, Eltern etc. sein.

Habe ich etwas Gegenteiliges behauptet? ":/

Du klingts dermaßen verkopft, elitär und weltfremd das es mich gruselt... weil du in einer Welt lebst, wo es H4 quasi nur im TV gibt... :|N

Menschen, die keine Hartz IV Empfänger in ihrem Bekanntenkreis bzw. Umfeld haben sind also elitär und weltfremd?

Interessante Perspektive.

Diese Aussage finde ich auch sehr befremdlich. Für mich sind alle Menschen Teil einer Gesellschaft. Da gibt es für mich kein oben oder unten oder schwächer oder stärker. Sie haben nur alle einen unterschiedlichen Lebenslauf und unterschiedlichen Lebensstandart. Mehr nicht.

Deine humanitäre Ansprache in allen Ehren.

Allerdings geht sie völlig an dem vorbei, was ich damit aufgezeigt habe.

Natürlich ist ein Mensch bzw. eine Familie, welche von der Allgemeinheit finanziert wird (warum auch immer) und somit abhängig ist, selbst nichts in die Gemeinschaftskasse das schwächste Glied einer Gesellschaft.

Bitte sachlich bleiben. :-)

Ich hoffe sehr für dich, deine Familie und deinen Freundeskreis, dass das auch so bleibt.

Das ist sehr nett von Dir.

Die "mitschwingende" Polemik überhöre ich an dieser Stelle hier einfach mal.

Du bist Beamtin und wähnst dich gut versichert und dein Haus und angespartes Vermögen gaukelt dir Sicherheit vor. Auch hoffst du und deine Familienmitglieder vor Krankheiten, Arbeitsunfällen und Süchten aller Art verschont zu bleiben. Bedenke aber, dass sowohl materielle Werte, als auch Angespartes nie absolut sicher sind.

Wodurch sollte meine "vorgegaukelte" Sicherheit denn ins Wanken geraten?

Ich sehe da wirklich kein Szenario außer solche Katastrophen wie Krieg, Enteignung durch ein diktatorisches Regime o.ä.

Und: was hat das noch mit meiner Fragestellung und meinem Interesse am Leben mit Hartz IV zu tun?

Ich hoffe sehr für dich, deine Familie Auch hoffst du und deine Familienmitglieder vor Krankheiten, Arbeitsunfällen und Süchten aller Art verschont zu bleiben.

Wer hofft das? Du oder ich?

Ich hoffe doch, wir Beide.

Keines der von Dir beschriebenen Szenarien würde Hartz IV für mich bedeuten.

Noch mal: was tut das noch zur Sache?

Es tut mir Leid für Dich - und auch für andere - die unverschuldet in solch missliche Lagen geraten sind, wirklich.

Ich habe auch das Gefühl, dass du in deiner Situation einfach so weit weg vom Hartz4 Bezug bist, dass du dir tatsächlich nicht vorstellen kannst wie man davon leben soll.

Ich kann es mir vorstellen bzw. habe auch schon (auch hier) darüber gelesen, was man alles nicht erleben kann durch dieses extrem knappe wirtschaften.

Mein Interesse war dahingehend, wie es soweit kam.

Ich habe ja nun auch schon einige Geschichten hier lesen dürfen - danke dafür! @:)

Fast jeden Menschen - auch dich - trifft im Verlaufe seines Lebens ein Schicksalsschlag. Und ja, das Leben geht weiter. Das ist doch tröstlich, oder?

Natürlich.

Ich war (s.o.) an Erlebnisberichten interessiert.

J}an7x4


Die "mitschwingende" Polemik überhöre ich an dieser Stelle hier einfach mal.

Das sagt die richtige ]:D

MJiRdoLi


Wodurch sollte meine "vorgegaukelte" Sicherheit denn ins Wanken geraten?

Ich sehe da wirklich kein Szenario...

So haben die ehemaligen DDR-"Beamten" 1988 auch gesprochen. ]:D

CqinnaNm\onx4


Es würde mich interessieren, wie ihr...

•... in diese unglückliche Situation geraten seid,

Ich bin als Teenager sehr krank geworden, über 3 Jahre komplett ausgefallen, und bin auch heute noch nicht wieder voll leistungsfähig, wenn es hoch kommt 50 %.

•... und/oder warum ihr aus dieser nicht mehr heraus kommt.

Derzeit hole ich meinen Schulabschluss nach, nebenbei kann ich nicht arbeiten. Was danach kommt, weiß ich noch nicht genau. Ich hoffe darauf, in eine Teilzeitausbildung zu kommen und danach Teilzeit arbeiten zu können. Vielleicht verbessert sich mein gesundheitlicher Zustand auch noch.

• Wie gehen Betroffene mit der Perspektivlosigkeit/den Einschränkungen/dem Leben am alleruntersten Rand der Gesellschaft um?

;-D

Entschuldige, wenn ich etwas grinsen muss, aber als "allerunterster Rand der Gesellschaft" erlebe ich mich überhaupt nicht ;-D .

Leute, die so denken (nicht, dass du das tust, war bestimmt nur unsauber formuliert), dass Hartz-IV-ler Abschaum sind oder faul, solche Leute erlebe ich als am gesellschaftlichen Rand.

Menschen, die Ausländer hassen oder Frauen diskriminieren, Schwul zusammenkloppen, Andersartige meiden - das sind für mich Menschen am Rande der Gesellschaft, mit denen ich nix zu tun haben möchte.

Menschen, die sich weder für Politik interessieren, noch ihren Namen richtig schreiben können - nicht aus Begrenztheit, sondern aus Ignoranz heraus. Wobei ich immer denke, dass man so begrenzt gar nicht sein kann, dass einen nicht interessiert, was um einen rum passiert.

Nur, weil ich finanziell arm bin, bin ich nicht im Geiste arm - und das ist mir viel wichtiger.

Aber natürlich ist es traurig und hart, sich nicht einfach Alles leisten zu können, was man haben will.

Nur... wer kann das schon?

Wünsche wachsen mit dem Einkommen, denke ich, und da der Mensch dazu neigt, niemals zufrieden zu sein, bringt mehr Geld auch keine echte Erleichterung.

Klar werde ich mich freuen, klappt das mit meiner Ausbildung, etwas mehr Geld zu haben und dann auch mal verreisen zu können, mir massig CDs zu kaufen etc.

Aber dann werde ich eben jammern, dass ich mir kein Auto leisten kann oder keine Foto-Safari in Afrika machen kann.

Und der Safari-Besucher kann keine Weltreise machen, der Weltreisende nicht auf den Mond etc.

Das Einzige, was ich wirklich vermisse, ist richtig gesundes und gutes Essen. Bio- Fleisch. Bio-Gemüse. Bio-Obst. Sowas.

C=innaAmoxn4


Und Shoppen ;-D !

ejxper/tex56


die meisten Leute beziehen Hartz IV, weil es in einigen Gegenden einfach zu wenige Arbeitsstellen gibt. Heutzutage kann man froh sein, wenn man Ü60 ist. Den heutigen Rentnern geht es so gut wie noch nie.

Dnie SeherRin


Den heutigen Rentnern geht es so gut wie noch nie.

und auch da geht die schere sehr weit auseinander! die dunkelziffer der altersarmut ist - gerade in wohlhabenden städten deutschlands - wohl sehr hoch!

Grriebßnocxkerl


Ich beziehen zurzeit aufstockendes ALGII, weil ich zu wenig verdiene.

Für mich ist dies total erniedrigend und deprimierend, vermutlich weil ich davon ausgehe, dass andere einen in eine Schublade stecken oder man als Teil der untersten Schicht angesehen wird. :-(

Gebe mir aber Mühe, da wird rauszukommen, auch wenn es zurzeit sehr schwer ist.

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