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Nicht arbeiten gehen, obwohl man es könnte?

A1ntyigxone


Ich finde Teilzeit sehr angenehm (wenn es gut bezahlt wird).

So bleibt in gewissem Sinn eine "Aufgabe" und Wertschätzung (und auch eine Struktur) im Job und noch genug Freizeit für meine vielen Interessen, Haus und Hof.

S(unflToweur_7E3


Grundsätzlich sehe ich es auch so. Aber Teilzeit bringt wenig, wenn dann kein Geld mal für Kino o.ä. da ist. Ich muss aber auch nicht 40+ -Stunden schuften. Angenehm finde ich persönlich so 30-32 Stunden.

A}ntiAgonxe


Es kommt eben darauf an, wie viel man Teilzeit verdient.

Jemand, der gerade eben den Mindestlohn bekommt, kann davon dann leider nicht leben.

s&chn;eck~e1S98x5


Schnecke, da hast Du mich missverstanden, darf ich den Irrtum aufklären?

Gerade wer einer normalen Arbeit nachgeht, kann seine Freizeit so genießen, wie Du beschrieben hast - er hat genügend Geld und die innere Ruhe, die ihm diese Dinge so angenehm machen; das gilt in der Regel, die wie immer durch Ausnahmen bestätigt wird.

Dass heute auch der Arbeitsverweigerer froh grinsend von 1000 Aktivitäten schwärmen kann, und er nur zu gern bereit ist, sich auf dem Rücken anderer freudig zurückzulehnen, zeigt, außer dass in unserer Gesellschaft etwas schief läuft, eine gewisse innere Verwahrlosung auf - ja, da bin ich glashart!

Also, ich erkenne da keinen wirklichen Unterschied zu dem, wie ich es aufgefasst habe ":/

Was hälst du von meinen Vorschlägen? Ich verpacke das jetzt mal in ein Beispiel: Eine Frau hat zwei Kinder, arbeitet Halbzeit als Verkäuferin in einer dreißig Kilometer entfernten Stadt.

Fazit: Man verbrennt im Monate (grob geschätzt) 200 Euro für die Kinderbetreuung, 100 - 150 Euro fürs Auto / Benzin, dann noch (beispielsweise) 50 Euro für Essen auswärts (zumindest ich würde, wenn ich arbeite, öfters einen Coffee-to-go, ein Teilchen vom Bäcker kaufen, und wegen Zeitmangel auch öfters Essen bestellen / auswärts essen), dazu kommen noch Dinge wie Bekleidung (als Studentin kann ich anders rumlaufen, als im Job), Friseur ua. in Höhe von 50 Euro monatlich, und dann ggf. noch Unterhaltskosten für die kranken Eltern in Höhe von 100 - 200 Euro.

Macht unterm Strich - grob gerechnet - bis zu 650 Euro monatlich an Ausgaben. Bei uns verdient eine Verkäuferin laut Tarifvertrag (Österreich) irgendwas ab 1300 Euro monatlich - bei halber Stelle macht das also Einnahmen von um die 650 Euro. Ist in diesem Zusammenhang Erwerbsarbeit nicht ein Wahnsinn? ":/ Ich würde es in dieser Konstellation als total dumm empfinden, wenn ich Kindererziehung, Elternbetreuung usw. outsource, wenn ich das gerne (und in meinen Augen besser) selber machen kann. Plus-Minus gebe ich für die Erwerbsarbeit genauso viel aus, wie ich verdiene. Nur, dass ich meine Kinder nicht selber betreuen kann, dass ich meine Zeit nicht frei einteilen kann und ggf. in einem knechtischen Arbeitsverhältnis bin.

Außerdem: Was meinst Du, wie lange hat ein/e Dreißigjährige/r Freude am Nichtstun außer den Hobbys nachzugehen? Einige Jahre vielleicht.

Ich bin 30. Keine Kinder geplant. Warum also nicht? Man muss sich natürlich mit einem Außenseitertum arrangieren, denn die Gesellschaft akzeptiert einen nicht.

Wie gesagt: Ich hätte absolut Null Problem mit so einem Lebensentwurf, wenn meine (bescheidenen) Grundbedürfnisse gedeckt wären. Was sagst du übrigens zum Modell der ehrenamtlichen Arbeit, des sozialen Engagements, wofür Berufstätige nur eingeschränkt Zeit haben?

Dann wird vieles von den ersehnten Vergnügungen schal; nicht zuletzt deshalb, weil es der Kontrast ist zwischen geregelter Arbeit und Freizeit, der die Freizeitaktivitäten so angenehm macht.

Das ist aber wirklich eine sehr individuelle Wahrnehmung deinerseits. Ich muss mich nicht in den Finger schneiden, um die schmerzfreie Zeit zu genießen / was draus zu machen.

Nicht jeder definiert sich über seine Leistung im kapitalistischen System. Nicht jeder will mit den Nachbarn "mithalten" (ja, das schöne Wort), nicht jeder hat einen einigermaßen erträglichen Job. Für viele Menschen bedeutet Erwerbsarbeit Ausbeutung, Unter- oder Überforderung, Zerstörung des Selbstbewusstseins (z.B. meine ehemalige Chefin war dumm wie ein Brot, aber stinkend reich und despotisch), soziale Ausgrenzung (z.B. im Betrieb oder durch die Art der Arbeit) usw. usw.


Frage: Warum bin ich wertlos, wenn ich meine Eltern / Kinder pflege, aber total wertvoll, wenn ich jemand anderes für diese Arbeit bezahle / bezahlt werde? Ist das nicht einigermaßen schizophren?

AcntFixgone


Bei uns verdient eine Verkäuferin laut Tarifvertrag (Österreich) irgendwas ab 1300 Euro monatlich - bei halber Stelle macht das also Einnahmen von um die 650 Euro.

(schnecke1985)

Wenn sie es gerne macht und es genießt, mal zu Hause rauszukommen - warum nicht?

Eine Haushälterin bekommt Anerkennung und Lohn für ihre Arbeit in einem Haushalt, wo z.B. die Mutter im Krankenhaus oder zur Kur ist. Eine Hausfrau bekommt aber nicht dieselbe Anerkennung für ihre tägliche Arbeit. :|N

s>chEnxecke1x985


@ Antigone

Wenn sie es gerne macht und es genießt, mal zu Hause rauszukommen - warum nicht?

Ups, da habe ich mich wohl missverständlich ausgedrückt: Ich bin ein absoluter Fan davon, dass alle arbeiten können / sollen, die es auch wollen / können! :)^ ich bezog mich in meinem Beispiel eher auf die Fälle mit geringer / unspezifischer Qualifikation bzw. halt typischer Frauenjobs.

Ich sehe das Ganze halt an mir: Studium, immer gute Noten, motiviert, müssen sich von irgendwelchen Hosentaschen-Napoleons auf den Kopf schei**en lassen. Wobei man in vielen Bereichen gerne und motiviert arbeiten würde, allerdings abseits von der klassischen Erwerbsarbeit.

Eine Haushälterin bekommt Anerkennung und Lohn für ihre Arbeit in einem Haushalt, wo z.B. die Mutter im Krankenhaus oder zur Kur ist. Eine Hausfrau bekommt aber nicht dieselbe Anerkennung für ihre tägliche Arbeit.

Das meinte ich auch mit schizophrenem Dilemma :)^

A@nti|gonxe


Ich weiß noch, wie froh ich nach langer Pause im Job wegen Kindererziehung war, wieder arbeiten zu können. Für mich war es eine Befreiung, mal aus dem Haushaltstrott rauszukommen.

Dazu kam, dass ich einen Job habe, wo ich ganz alleine arbeite. Keine Kollegen dabei, nur ich ganz alleine.

Wenn ich ging, war meine Arbeit fertig und abgeschlossen - im Gegensatz zu zuhause, wo immer noch irgendwas war, was eigentlich noch erledigt werden müsste, wenn ich ins Bett ging.

s<chneGcke1x985


Das kann ich gut verstehen :)_

Ein Job ohne Vorgesetzter wäre auch so ein Traum für mich. Oder irgendwas, wo ich mein kreatives / handwerkliches Potenzial ausleben darf. Nur sind das wiederum alles klassisch total unterbezahlte Bereiche.

Ich würde so gerne geben, und darf nicht. Das macht mich traurig. Ich habe z.B. in den letzten Jahren wirklich sehr gut Englisch gelernt, aber irgendwo zu unterrichten / Nachhilfe zu geben: No Chance! Keine Zeugnisse, keine Nachweise. Traurig. :-( :°(


Hier bei uns machen es einfach Reglementierungen extrem schwer, effizient / gerne zu arbeiten. Ich habe z.B. festgestellt, dass in den USA Branchenwechsel überhaupt nicht als komisch bewertet werden. Bei uns in Mitteleuropa zählt v.a. die Lücke im Lebenslauf, nicht die aktuelle Qualifikation.

Anderes Beispiel für Bürokratie: Ich würde mir irgendwann gerne eine Hütte mit meinen eigenen Händen bauen. Geht nicht. Alles gesetzlich reglementiert, man braucht Bescheinigungen x und y, Ausstattung x und y. Diese beide Bereiche betreffend finde ich die USA deutlich besser. Ich kann mich selbstständig machen, wie ich will, ich kann bauen, wie ich will, ich kann Branche wechseln, wie ich will. Bei uns ist das System sehr bürokratisch und statisch ausgelegt. (Bezüglich des Rests möchte ich wirklich NICHT in den USA leben, aber diese Bereiche sind mir total aufgefallen).

S:unf*lowyer_7x3


@ schnecke:

Frage: Warum bin ich wertlos, wenn ich meine Eltern / Kinder pflege, aber total wertvoll, wenn ich jemand anderes für diese Arbeit bezahle / bezahlt werde? Ist das nicht einigermaßen schizophren?

Das ist nicht einigermaßen schizophren, das ist völlug absurd und bescheuert.

Ansonsten:

Diese Unflexibilität und Reglementierungswut nervt mich auch. Das trifft mich z.T. schon innerhalb meines Jobs mit drölfiz Zertifikaten (die natürlich pro Stück mehr als ein Monatsgehalt fressen), um sich irgendwas als "Spezialgebiet" hinschreiben zu dürfen. Egal, was man für sch selber macht und liest und lernt und an div. Fortbildungen macht. Nein, es muss das Zertifikat von Einrichtung X sein, die es sich völlig überteuert zahlen lässt. ARGH!

Mein Freund hat mehrere Ausbildungen und mehrere Jahre Brandschutz/Bauleitung gemacht. Bis man beschloss, dass es nur noch studierte Ingenieure dürfen. :(v

Bzgl. USA finde ich auch klasse, wie durchgängig bspw. im universitären Bereich der Wechsel von einem Bachelor zu einem ziemlich anderen Master ist. Ach ja... (den Rest, bspw. Krankenversicherung, will ich aber auch nicht haben).

AZntigQonxe


@ schnecke

Ein Job ohne Vorgesetzter wäre auch so ein Traum für mich. Oder irgendwas, wo ich mein kreatives / handwerkliches Potenzial ausleben darf. Nur sind das wiederum alles klassisch total unterbezahlte Bereiche.

Ich habe zwar eine Vorgesetzte, aber die sehe ich nicht immer. Eher selten. Ansonsten komme ich mit ihr gut klar und ich habe meine Freiräume, auch was Terminwünsche und Urlaub angeht.

Ich für mich habe beschlossen, meinen (gutbezahlten) Teilzeitjob als Möglichkeit zu sehen, viel Zeit und auch das nötige Kleingeld für meine eigentlichen Interessen zu haben. ;-)

So studiere ich nebenbei noch das, was für mich interessant ist - auch wenn ich in den Bereichen nie beruflich Fuß fassen werde.

Kreatives und handwerkliches Potential könntest du doch auch außerhalb des Berufes ausleben, oder? :)^

YXton1g11


Ich würde mir irgendwann gerne eine Hütte mit meinen eigenen Händen bauen. Geht nicht. Alles gesetzlich reglementiert, man braucht Bescheinigungen x und y, Ausstattung x und y.

Quackel :-)! Klar geht das. Kommt natürlich drauf an, was und wie du genau bauen willst. Ein Haus aus leeren Bierbüchsen wird dir sicher nicht genehmigt werden....aber ansonsten hat man bei einer EFH-Hütte schon recht große Freiheiten :)z .

_YParvGatix_


Mit Anerkennung in meinem erlernten Beruf konnte ich noch nie wirklich viel anfangen. Als ich dann aus gesundheitlichen Grunden nicht mehr arbeiten konnte, hat mir auch nichts gefehlt, außer vielleicht das Geld. Aber Geld allein macht ja auch nicht glücklich. Im Gegensatz zu meinem früheren Job finde ich Hausarbeit sogar wesentlich erfüllender. Und jetzt habe ich auch endlich Zeit mich krativ auszulassen. Bekomme dafür Geld (wenn auch nicht soviel um davon leben zu können) und Anerkennung. Mehr brauche ich nicht um glücklich zu sein.

Ich persönlich habe auch so meine Probleme mit Vorgesetzten. Mir wurde auch mal vorgeworfen, dass ich renitent sei. Das war mal in einem Rahmen eines FÖJs. Da wurde mir auch gesagt, dass ich mich im Arbeitsleben nicht so verhalten könne und lernen muss, mich anzupassen. Darauf habe ich nur erwiedert, dass sie sich dann einen anderen Dummen suchen können, wenn für sie Anpassung heißt zu Duckmäusern und zu kuschen.

S5iltkPeaxrl


Schnecke

Mit Wertlosigkeit hat das Ganze nun GAR nichts zu tun! Und sicher liegt es an der persönlichen Einstellung. Wer sich "pfiffig" dem gesellschaftlichen Konsens zu entziehen vermag und dann seine Erfülllung findet - bitte.

Wer sich zufrieden fühlt, vom "Staat" (also uns allen) zu leben ohne Gegenleistung - ich finde, es trennt ihn nur temporär von dem, der unter der Brücke schläft. Auch der ist ein Mensch und ein liebenswürdiger Mensch, aber ER muss mit seiner Lebensweise zurechtkommen. Er kann jedoch die Augen davor nicht verschließen, dass er sich auf dem Rücken aller ausruht. Sollte er unverschuldet und gegen seinen Willen in diese Lage geraten sein, tragisch. Sollte er es wissentlich riskiert oder sogar willentlich herbeigeführt haben - seine Entscheidung, sein Leben - jammern kann er aber dann wohl kaum.

Ein arbeitsfreies Paradies für alle - auch okay, wer das toll findet, nur nicht bezahlbar. Es gibt sogar Menschen, die gern arbeiten. Sich eine persönliche Nische zu schaffen, in der nicht alle Ressourcen fürs Arbeiten draufgehen, nichts dagegen.

SYilpkPeFarl


Zur Verdeutlichung: Wer sich aus der Gesellschaft - aus dem gesellschaftlichen Konsens, der zum Erhalt dieser Gesellschaft führt bzw. beiträgt - ausklinkt, tut die in Eigenverantwortung., er macht das nicht im Sinne der Gesellschaft. Er kann dabei auch nicht wirklich ein gutes Gefühl haben, insofern er ein soziales Gewissen besitzt. Das entwertet ihn aber nicht menschlich, dafür sind die Grenzen viel zu fließend.

Mir geht um den ethisch-moralischen Aspekt dabei. Ich persönlich glaube nicht, dass hier jemand sein Gewissen völlig ausschalten kann, sofern er ein waches besitzt; tumbe antisoziale Menschen ausgenommen.

Also ist auch der Spaß und die Freude am "schmarotzenden" Leben eingeschränkt - egal, welche Gründe sich ein Mensch, der arbeiten könnte, aber nicht will, trotzig zu eigenen Rechtfertigung anführt. Und Kontrast zwischen Arbeit und Freizeit kann durchaus den Genuss steigern, vielleicht nicht für Dich, aber für mich z. B. sehr wohl.

Tmim6baptuku


SilkPearl

Es gibt sogar Menschen, die gern arbeiten.

Absolut zutreffend! Es sind sogar die allermeisten. Genau darum ist es auch Quatsch anzunehmen, dass unter einem Bedingungslosen Grundeinkommen niemand (oder kaum jemand) mehr arbeiten geht. Besonders auffällig ist, dass fast ausnahmslos alle, die man fragt, ob sie bei einem BGE sich mit dem Notwendigsten zufrieden gäben und aufhören würden, zu arbeiten, antworten, dass sie selbstverständlich weiter arbeiten würden, um sich was zu erschaffen. Aber alle anderen würden ja nicht mehr arbeiten. Das ist schon ein ziemlicher Widerspruch.

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