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Nicht arbeiten gehen, obwohl man es könnte?

S!unflo_wer_x73


Bzgl. Selbstgeißelung:

Lieber geißele ich mich ggf. selber, als mich vom Amt bevormunden und gängeln zu lassen. Ich bin als Akademikerin von Hartz IV, Hartz IV-Rauswurf, passables Einkommen, unbezahlter Arbeiten und seit 9 Jahren nur befristete Verträge und immer wieder Arbeitslosigkeit durch, z.T. krankheitsbedingt.

Lieber kümmere ich mich und fahre ggf., als mich vom Amt komplett gängeln zu lassen. Da sind meine Erfahrungen (und ich bin handzahm und dämlich regeltreu dem Verein gegenüber) einfach zu mies. Und nicht nur ich hatte in meinem Bekanntenkreis das Gefühl: Je gebildeter, desto mehr Gängelei und Drohungen.

m/ittelgrOobröxhrig


Dich nur selbst zu geißeln, ist ja auch ok - ist deine Entscheidung und ich verstehe die Argumentation (sich nicht schikanieren zu lassen). Aber (und das ist bitte nur eine Beobachtung und soll kein Angriff sein, auch wenn es vermutlich so rüberkommen wird): du bist auch jemand, der meiner Erinnerung nach hier im Forum auch gerne in solchen Fäden eben damit argumentiert: dass du ja auch eine sehr teure Fortbildung gemacht hast, dafür nicht so arg viel verdienst, befristet angestellt bist etc.. Und das liest sich dann ein wenig wie "stell dich nicht so an, mir geht / ging es noch schlechter und es geht ja auch, also hast du kein Recht, dich zu beschweren, könnte ja viel schlimmer sein" (du bist jetzt echt nur ein Beispiel, es soll, wie gesagt, kein Angriff sein @:) ) Und so argumentieren einige hier. "eine Stunde Fahrzeit pro Strecke? Pff, stell dich mal nicht so an, könnte noch viel schlimmer sein, eigentlich hast du keinen Grund zur Klage". Es gibt aber einen Grund zur Klage.

Deine Situation ist scheiße, die Situation deiner ganzen Branche ist scheiße und unwürdig (und zeigt deutlich die Geringschätzung dieser Berufe im generellen). Die Situation von jemandem, der für 1.000 Ocken netto 40+ arbeiten muss, ist scheiße, und wenn jemand 3 Stunden am Tag mit Pendeln verbringen muss, weil ja Mobilität gefragt ist, ist das auch nicht toll.

Und ich verstehe, dass man dann sagt, "ich tu lieber, anstatt zu jammern", weil Jammern auch nix besser macht - aber dass man dieses Dulden zur Tugend erhebt, führt nur dazu, dass sich nie was ändern wird. Und es geht meiner Meinung nach auch nicht um Luxusdenken - klar geht es 80% der Leute auf dieser Welt schlechter und wir leben im relativen Luxus, aber wenn das der Maßstab sein soll, dann können wir uns auch gleich damit zufrieden geben, für Wohnung und Essensmarken zu arbeiten und sonst die Klappe zu halten, rein argumentativ. Und es ist ja auch nicht so, als wären die ganzen Konzerne knapp vor dem Kollaps aufgrund der bösen Konkurrenz zu Asien und wasweißich, sondern sie streichen Millardengewinne ein, das Geld ist also durchaus vorhanden.

mIittelggrGobröhr:ig


der Anfang klingt böser, als er gemeint ist. Ich würde in der Situation genauso handeln, weil es einfach nichts bringt, sich als einzelner da dagegenzustellen.

I+chmacohmird]iVeWexlt


Manche sollten sich einfach damit abfinden, dass es IMMER Erwerbslose geben wird! Offene Stellen und vor allem Passende gibt es nicht für ALLE!

Ein BGE würde vielleicht dazu führen, dass Arbeitskraft endlich wieder fairer entlohnt wird. Jetzt denken halt noch viel zu viele oder müssen zwangsweise so denken, da sie das Amt und die Sanktionen im Nacken haben: Arbeiten um jeden Preis. Egal, ob ich bei Vollzeit noch aufstocken muss und/oder nah am totalen körperlichen/psychischen Zusammenbruch bin.

Und durch ein BGE würden auch endlich die vielen Ehrenamtlichen bezahlt werden. Die Arbeit (ja, auch das ist ARBEIT) wird nämlich auch gebraucht!!! Überlegt mal, was alles wegfallen würde, wenn es keine Ehrenämtler mehr geben würde.

B%enuztzerCnamxe001


@ Urlauberin:

Für eine Umschulung fehlt mir das Geld. Und davon abgesehen: Wenn ich nur Teilzeit arbeiten kann ist es doch egal was für einen Job ich mache, da kommt nicht genug zum Leben bei raus.

A#ntiEgo|ne


Offene Stellen und vor allem Passende gibt es nicht für ALLE!

(IchmachmirdieWelt)

Richtig.

Ich weiß noch, wie vor ein paar Jahren die BILD als Schlagzeile hatte (sinngemäß): Sind deutsche Mütter zu faul zum Arbeiten?

Da dachte ich nur, wenn all die Mütter arbeiten wollten, sobald das Kind/die Kinder im Kindergarten sind - es gäbe gar nicht so viele Arbeitsplätze! :(v

Taimba)tukxu


Monger

Es muss einen Zwang geben, alles andere wäre ein falsches Signal.

Man kann es kaum glauben. Da haben Menschen Jahrzehnte lang für Freiheit gekämpft, um sich aus dem Joch der Unterdrückung und Lehnschaft zu befreien, und dann schreibt jemand im Jahr des Herrn 2015, es muss einen Zwang geben. Nein, muss es nicht. Es muss ohne Zwang gehen. Es muss freiwillig gehen. Und das geht es auch. Freiwillige Leistung ist im Übrigen vielfach effizienter als erzwungene Leistung.

Ich glaube, es könnten sich viele Menschen etwas Beseres vorstellen, als 40 oder mehr Stunden die Woche zu arbeiten. Die tuns es aber dennoch.

Ich hingegen glaube, das siehst du falsch. Viele Menschen haben sich den falschen Beruf ausgesucht. Welche Gründe dazu geführt haben, sei dahingestellt, aber wer nicht glücklich und zufrieden ist in seinem Job, kann sich selbstverständlich etwas Besseres vorstellen. Es gibt aber auch viele Menschen, die den für sich genau richtigen Beruf gefunden haben, die in ihrem Beruf aufgehen. Da gibt es viele, die sich nichts Besseres vorstellen können und die gerne 40 oder mehr Stunden arbeiten. Glaubst du nicht? Möglicherweise hast du auch den falschen Beruf erwischt.


SilkPearl

Wenn alle Leute, die keine Lust hätten, zu arbeiten, es nicht täten - was würde dann aus diesem Staat? Die Antwort darf sich jeder selbst geben.

Es sind viel weniger Leute als du glaubst, die keine Lust haben zu arbeiten. Die meisten wollen arbeiten, vorausgesetzt die Motivation stimmt. Wenn 10 % der arbeitsfähigen Bevölkerung keine Lust hätte, zu arbeiten, und es auch nicht täte, würde das den Staat nicht im Mindesten gefährden. Die Situation, dass 10 % der arbeitsfähigen Bevölkerung nicht arbeitet, haben wir ja längst.

Für mich ist die Vorstellung eines arbeitsfreien Paradieses Kindergarten, sonst nichts.

Für mich ist die Gleichstellung von Bedingungslosem Grundeinkommen mit einem arbeitsfreien Paradies Kindergarten, sonst nichts. Wer so denkt, zeigt, dass er sich mit dem Gedanken nicht mal ansatzweise beschäftigen will. Das ist ok, auch zum Nachdenken soll es keinen Zwang geben.

E0hemablfiger NuHtzer (#57x3012)


Es muss freiwillig gehen. Und das geht es auch. Freiwillige Leistung ist im Übrigen vielfach effizienter als erzwungene Leistung.

Ganz deiner Meinung :)^

YUtoFng11


Freiwillige Leistung ist im Übrigen vielfach effizienter als erzwungene Leistung.

Richtitsch. Leider gibt es aber immer einige Leistungsverweigerer, die sich auf Kosten von Anderen durchmogeln wollen. Wenn alles Friede, Freude, Eierkuchen wär, hätten solche Disziplinierungsinstrumente wie zum Bsp. eine Abmahnung, keine Daseinsberechtigung ;-) !

Und auch die hochgelobte Motivation - die ja nur nicht da ist, weil man ja ach so kacke bezahlt wird - hat erwiesenermaßen nicht immer was mit einem finanziellen Anreiz sondern schlicht und einfach mit der eigenen Einstellung zur Arbeit, dem (oft nicht vorhandenen fachlichen) Können und der eigenen Leistungsbereitschaft zu tun :)z !

_#Parv-ati=_


@ mittelgrobröhrig

Du sprichst mir aus der Seele!

Als in meiner (wirtschaftlich schwachen) Region mal ein Sägewerk eröffnet wurde, freuten sich natürlich erst mal alle. Ist schließlich eine Firma die Arbeitsplätze schafft. Als sich dann herumsprach, dass das Sägewerk nur 5€ die Stunde anbietet (da gab es noch keinen Mindestlohn), wurde die Freude ganz schnell getrübt. Der "nette" Arbeitgeber mag sicher gedacht haben, dass er in einer Region mit hoher Arbeitslosenzahl schon ein paar dumme Arbeitnehmer finden wird, die für seinen Dumpinglohn arbeiten. Aber falsch gedacht. Da stapelte sich nun das Holz vor seinem Werke und er hatte keinen dummen Arbeitnehmer gefunden, der sein Holz für 5€ die Stunde bearbeitet. Selbst das Arbeitsamt hielt den Lohn für sittenwidrig und nahm es keinem übel, der sich dort nicht bewarb. Die Folge: Der Arbeitgeber erhöhte den Lohn um einen ganzen Euro. Aber das war leider immer noch zu wenig. Dann wurde der Lohn auf 7,00€ erhöht. Na gut, dafür haben sich dann (leider) tatsächlich schon ein paar Arbeitnehmer gefunden. Man hätte es hier eigentlich noch weiter treiben müssen. Aber gut... Die Geschichte zeigt immerhin, welche Macht Arbeitnehmer besitzen können, vor allem, wenn deren Rücken noch vom Arbeitsamt gestärkt wird. Aber ich glaube, vielen Arbeitnehmern ist das einfach nicht bewusst, welche Macht sie besitzen können (zumindest, wenn sich viele für eine Sache zusammenschließen) und leben lieber immer noch nach dem Motto: Hauptsache Arbeit!

SIta|lfyxr


Ich finde das übrigens immer wieder interessant: eurer Staat bzw. eure Gesellschaft hat es irgendwie geschafft, dieses "hauptsache Arbeit" - Dogma so fest in euch hineinzuprügeln, dass der Tenor (zmd. in der gesellschaftlichen Ecke, aus der sich dieses Forum rekrutiert) nicht nur ist, "besser Arbeit als keine, egal zu welchen Bedingungen, wurscht, ob ich für 1.000 netto auch noch 3 Stunden Fahrzeit am Tag habe", sondern auch noch jede Alternative undenkbar ist und die Leute, die öffentlich sagen, dass sich das obige für sie scheiße anfühlt, dafür gemaßregelt werden, gerne mit den Worten "beschwer dich nicht, ich: fahre noch länger / verdiene noch weniger / lass mich noch besser ausbeuten" (siehe zb. Faden zu "wie lange fahrt ihr in die Arbeit".

Woher kommt diese unendliche Neigung zur Selbstgeißelung? %:|

(Und ja : ich arbeite. Viel. Aber ich würde im Leben nicht auf die Idee kommen, dass man 10 Std+ mit 2 Stunden Fahrzeit am Tag auch noch toll finden muss und als alleinseligmachenden und alternativlosen Lebensinhalt betrachten muss %:|)

Genauso sehe ich das auch. Ich finde es fast schon bestürzend, wie Menschen sich teilweise noch mit Stolz ausbeuten lassen. :-|

Darin sind wir hier in Deutschland leider Weltmeister. Hat wohl viel mit der Vergangenheit zu tun.

;-D :)=

Und nicht nur ich hatte in meinem Bekanntenkreis das Gefühl: Je gebildeter, desto mehr Gängelei und Drohungen.

Das hätten deine Sachbearbeiter sicher in etwa so ausgedrückt: Je gebildeter, desto anstrengender der Umgang. ;-)

Ernsthaft, je höher der Berufsabschluss, desto mehr Ansprüche haben die "Kunden" beim Amt. Klar, aus der Perspektive verständlich, aber in dem Moment, in dem man staatliche Leistungen bezieht ist das eine große Ziel des Amtes, dich wieder aus dem Bezug zu bringen. Wenn das durch irgendeinen Aushilfsjob geht, den auch der Schulabbrecher machen könnte, dann ist das so. Das einem Akademiker zu verklickern ist nicht immer leicht. Da gibt es immer öfter mal Konfliktpotential, was vermutlich auf Gegenseitigkeit beruht. ;-D

TIi!mba&tukxu


Stalfyr

Wenn das durch irgendeinen Aushilfsjob geht, den auch der Schulabbrecher machen könnte, dann ist das so. Das einem Akademiker zu verklickern ist nicht immer leicht.

Und überdies so sinnlos. Denn es sind gewiss genug Schulabbrecher in der Kartei, die zu diesem Aushilfsjob genau passen und die den vielleicht sogar gerne machen. Warum man sich dennoch lieber der unsäglichen Mühe unterwirft, dem Akademiker das zu verklickern, kann nur einen Grund haben: Die Hoffnung, dass der Akademiker ob dieses obszönen Arbeitsangebots rebelliert und sich zu Handlungen hinreißen lässt, die als Begründung für einen Ausschluss vom Leistungsbezug reichen. Danach gibt man dann dem Schulabbrecher den Job, so wie es eigentlich hätte sein sollen, und schon ist man gleich zwei Kunden auf einen Schlag los.

TqimbGatu1ku


Sunflower_73

Lieber geißele ich mich ggf. selber, als mich vom Amt bevormunden und gängeln zu lassen.

Das kann jeder supergut verstehen. Aber selbst wenn du so handelst, musst du das doch nicht noch gut finden! Besser wäre es doch, das System der Gängelung zu kritisieren, sich dafür einzusetzen, dass es abgeschafft wird. Dann brauchst du dich auch nicht mehr selbst geißeln.

Tiimbat+uku


_Parvati_

Die Geschichte zeigt immerhin, welche Macht Arbeitnehmer besitzen können, vor allem, wenn deren Rücken noch vom Arbeitsamt gestärkt wird.

Nicht vor allem, sondern nur, wenn deren Rücken von der Arbeitsagentur gestärkt wird. Sobald die nicht mitzieht und stattdessen die Kunden sanktioniert, stehen die Arbeitnehmer unter einem Zwang, dem sie sich nicht entziehen können.

S8ta\lfyxr


Denn es sind gewiss genug Schulabbrecher in der Kartei, die zu diesem Aushilfsjob genau passen und die den vielleicht sogar gerne machen. Warum man sich dennoch lieber der unsäglichen Mühe unterwirft, dem Akademiker das zu verklickern, kann nur einen Grund haben: Die Hoffnung, dass der Akademiker ob dieses obszönen Arbeitsangebots rebelliert und sich zu Handlungen hinreißen lässt, die als Begründung für einen Ausschluss vom Leistungsbezug reichen.

Ich denke, meistens wird schon versucht, passgenau zu vermitteln (die meisten finden ihre Arbeit eh durch Eigeninitiative). Manche kommen aber eben schon mit dem Anspruch an. Und da kann ich auch die Gegenseite verstehen. Sozialleistungsbezug ist nunmal kein Wunschkonzert. Das fängt schon bei Ortsabwesenheiten an, die genehmigt werden müssen, damit keine Leistungssperre eintritt. Ja, klar, das kannte man davor nicht, aber so ist es eben, und es betrifft alle. Da hat der Master of Engineering eben keinen Vorteil gegenüber dem Schulabbrecher.

Obszöne Arbeitsangebote gibt es nun auch nicht, und eine Rebellion schließt auch nicht gleich von Leistungen aus. ;-)

Der Apparat ist aber insgesamt schon verbesserungswürdig.

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