» »

Kann es sein, daß ich nicht in die Gesellschaft passe?

B$riTghtDeRrday hat die Diskussion gestartet


Hallo zusammen,

ich habe mich heute hier angemeldet und hoffe auf ein paar Meinungen von euch.

Ich bin eine junge Frau von fast 35 Jahren und sehr einsam.

Soweit ich zurückdenken kann, hatte ich nie Freunde. Ein Mädchen gab sich in meiner Grundschulzeit notgedrungen mit mir ab, weil unsere Eltern zusammen im Kegelclub und auch so miteinander befreundet waren. Ich hing sehr an ihr und sagte ihr damals auch, daß ich sie lieb hätte. Ich war als Kind schon sehr anhänglich. Sie antwortete darauf empört, daß sie doch nicht lesbisch wäre, womit ich überhaupt nichts anfangen konnte. Wir waren damals 8 Jahre alt...

Wenn sie neue Freundinnen fand, wurde ich ausgegrenzt.

Auf dem Gymnasium wurde ich auch nicht gemocht. Die Mitschüler fanden mich schüchtern, dumm und unsportlich. Entweder wurde ich als Schaf betitelt oder man sprach von mir als "die scheiß D....." (mein Nachname).

In der Schule hat man sich oft über mich lustig gemacht, vor allem wenn ich im Unterricht eine falsche Antwort gab oder mal wieder eine sehr schlechte Note in Mathe hatte.

Auf Klassenfahrten war ich der Depp, weil ich zu lange im Bad brauchte. Auch musste ich mich auf solchen Fahrten gezwungenermaßen einer Gruppe anschließen. Natürlich wollten sie mich nicht dabei haben und einmal liefen sie, als wir allein in Paris ohne die Lehrer unterwegs waren, so schnell voran, um mich abhängen zu können. Es war für mich ein Alptraum, weil ich allein mit der Metro zum Hotel hätte zurückfinden müssen. Ich schaffte es nicht und nahm mir schließlich ein Taxi.

Im Grunde schaffte ich es nie, Anschluss an Gleichaltrige zu finden. Irgendwie war ich in meiner Entwicklung nie soweit wie sie.

Wenn ich z.B. ohne meine Eltern Ferien machte (Reiterferien oder eine Sprachreise) fand ich immer nur Kontakt zu Mädchen, die einige Jahre jünger waren. Ich fand das damals ganz in Ordnung, denn so musste ich mich wenigstens nicht verstellen und konnte mich kindlich geben.

Zu Hause aber war ich meistens allein.

Im Berufsleben ging das so weiter. Speziell in meiner Ausbildung zur Bürokauffrau machte man sich lustig über mich und lästerte über mich ab. Ich gab mir echt Mühe, aber immer war ich zu unselbständig, vergesslich und zu langsam. Ein besonders freundlicher Kollege meinte da, ich müsste eigentlich noch Geld mitbringen als welches zu bekommen.

So ging es auch bei späteren Jobs weiter. Eine richtige Chance hatte ich nie, nur in einem sehr einfachen Job, wo ich nur Telefongespräche annehmen und Faxe verschicken musste, konnte ich mich 3 Jahre halten. Gemocht hat man mich aber auch da nicht. Man hat mich oft schön ins offene Messer laufen lassen, wenn man selber keine unangenehmen Sachen bei Kollegen ansprechen wollte. Dafür wurde ich dann vor den Karren gespannt. Leider stellte ich jedes Mal fest, daß man mir nur eins hatte reinwürgen wollen.

Auch in meinem letzten Job habe ich mir so etwas kaputt gemacht. Es gab einen Kollegen, der mir oft geholfen hat, wenn ich etwas für den Chef erledigen musste und das nicht konnte. Es gab wohl einige, denen das nicht gepasst hat. Sie zogen mich in eine kindische Sache gegen diesen netten Kollegen rein und von da an stand ich auf verlorenem Posten.

Jetzt bin ich schon wieder ein Jahr lang auf Arbeitsuche.

In Zeiten von längerer Arbeitslosigkeit steckte man mich in Fortbildungen, wo ich auch schnell zum Affen gemacht wurde.

Man stellte mich als doof hin oder belästigte mich mit sexuellen Sprüchen.

Privat sieht es nicht besser aus.

Von Männern bin ich nur benutzt worden. Sie machten immer Schluss, nie ICH. Einer schrieb mir zum Abschied noch eine bitterböse Mail. Er könnte bestens auf mich verzichten, denn er hätte noch nie einen Menschen kennengelernt, der so einfältig und bieder und so langsam im Denken und Handeln sei.

Ich hatte auch nie Freundinnen, nur Bekannte. Mal brachen sie den Kontakt ab, mal ich. Eine meinte so herablassend, daß ich ihr leid tue. Als ich fragte, warum und ob ich dümmlich wirke, war ihre Antwort:"Nee, dümmlich würde ich nicht sagen, aber...ach keine Ahnung."

Da ich selber jetzt nicht davon ausgehe, daß ich strunzdumm bin, denke ich, daß es viel an meinem fehlenden Selbstbewussstsein liegen könnte.

Oder was meint ihr? Ist es normal, daß man so behandelt wird, wenn man wenig selbstbewusst ist oder passe ich mit meinen "Makeln" einfach nicht in die Gesellschaft?

Viele Grüße,

Brighterday

Antworten
M#inznalxy


Nach meiner Erfahrung muss man sich selbst mögen, dann mögen einen auch andere. Das verändert das eigene Verhalten, die Reaktionen, die man von anderen erhält, das eigene Selbstbewusstsein...

Klingt ein bisschen formelhaft, aber so ist es nach meiner eigenen Erfahrung. Ich denke das könnte daran liegen, dass das Gegenüber dann merkt, dass man sich nicht mit ihm/ihr abgibt, weil man sich allein fühlt und eine Lücke im eigenen Leben schließen will, sondern weil man sich für sein Gegenüber interessiert.

P[aul%_ReCverxe


Such dir doch Menschen, die dieselben oder ähnliche Makel haben. Du wirst damit nicht allein sein ;-)

eMulxe72


Toller Beitrag Paul. ]:D

n2ullii&p`rie#semout


Du bist 35 Jahre und beschäftigst dich mit Sachen, die deine Freundin sagte, als ihr beide acht wart... Überleg doch lieber, welche positiven Erfahrungen in all dem liegen, das du jetzt hier aufgezählt hast. Du hast offenbar Abitur. Es gibt Dinge, die du kannst. Du hattest Erfahrungen mit Männern. Und jetzt nicht wieder "oooh, aber ich war so schlecht in Mathe" und "ich kann aber nur Faxe verschicken" und "die Männer waren aber so gemein zu mir". Nimm dich an, wie du bist und guck, wo du wachsen kannst. Meiner Erfahrung nach geht das, indem man mit der Vergangenheit abschließt und lernt, dass man, wenn man sich so nicht mag, diese Vergangenheit hinter sich lassen muss. Wie du das konkret für dich machen kannst, das weißt du, sonst keiner.

m.ond[+sOterxne


Da ich selber jetzt nicht davon ausgehe, daß ich strunzdumm bin, denke ich, daß es viel an meinem fehlenden Selbstbewussstsein liegen könnte.

Oder was meint ihr?

Ja, das glaube ich auch. Dich trifft vieles hart, was andere vergleichsweise locker wegstecken, weil Du nicht so viel Selbstbewusstsein hast.

Es fällt Dir deshalb logischerweise auch schwer, Dich beispielsweise in eine Belegschaft einzufügen, wo es nicht immer freundlich zugeht.

So würde ich mir auch Dein Gefühl erklären, nicht in diese Gesellschaft zu passen, das wohl leider nicht so ganz von ungefähr kommt.

:)_

s-chne|cken198x5


Ich stelle mich mal gegen die anderen Antworten und sage: Ja, so etwas gibt es!

Das heißt nicht, dass du schuld an der Scheisse bist, aber in dieser Geselllschaft gibt es keinen Platz für Menschen, die irgendwie "anders" sind. Ich habe sehr viel Ähnliches erlebt....

Und wenn ich ehrlich bin, sehe ich da auch keine mögliche Lösung: Die Außenseiter bleiben außen, weil sie sich nicht regelkonform verhalten / verhalten können. Ich bin selber immer noch auf der Suche nach einem Raum, in dem ich ganz ich selbst sein kann... und werde von Jahr zu Jahr desilluisionierter. Es gibt keine Platz für die "anderen". Da stehen immer Hunderte parat, die besser / angepasster sind und problemlos vorgezogen werden... Die einzige Lösung bestände wohl darin, sich das Exotentum einzugestehen und sich einen Platz zu suchen, wo man die 'Normalen' nicht stört...

auch das finde ich persönlich schwer bis unmöglich.. :-(

DPie; KelYtin


Die einzige Lösung bestände wohl darin, sich das Exotentum einzugestehen und sich einen Platz zu suchen, wo man die 'Normalen' nicht stört...

auch das finde ich persönlich schwer bis unmöglich..

Doch, es gibt die Möglichkeit, sich so weit wie möglich von den anderen abzugrenzen und sich hauptsächlich zu Hause aufzuhalten. Dort kann man die "Normalen" nicht "stören". :-) Man ist dann aber sozial völlig isoliert - damit kommt nicht jeder klar.

m.oUnd+spterxne


@ schnecke1985

Meiner Meinung braucht man mehr Selbstbewusstsein. Dann kann man es auhalten, wenn man anders ist, auch wenn Kommentare kommen.

Warum hältst Du das nicht für eine Lösung?

Sxoro7man


Brighterday, ich würde gern mal ein Experiment mit dir machen. Eröffne mal unter einem anderen Nickname einen Thread, wo du nur deine Erfolge reinschreibst und dich sehr positiv darstellst, und das dann mit irgendeiner Frage verknüpfst. Und dann vergleich mal die Reaktionen der Leute.

Versuch mal, dich interessant zu machen! Ich bin gespannt, was dir da einfällt.

Dli}e KeDlVtixn


@ mond+sterne:

Bei bestimmten Problemen kann man aber nicht mehr selbstbewusst aussehen, selbst, wenn man es gerne möchte. Das können viele Leute nicht verstehen.

s1chnesckme.198x5


@ Keltin

Doch, es gibt die Möglichkeit, sich so weit wie möglich von den anderen abzugrenzen und sich hauptsächlich zu Hause aufzuhalten. Dort kann man die "Normalen" nicht "stören". :-) Man ist dann aber sozial völlig isoliert - damit kommt nicht jeder klar.

Großteils lebe ich so - und auch ganz gut. Aber man eckt halt immer und immer wieder sozial an. Ich wohne z.B. in einer WG und unter Studis ist man halt merkwürdig, wenn man lieber Tonfiguren bastelt, als wegzugehen. Vielleicht habe ich aber auch nur einen Komplex, weil meine Mutter mich nie als "normal" ansah (OT: "Du hast überhaupt keinen Schwung!")

Meiner Meinung braucht man mehr Selbstbewusstsein.

Das finde ich Quatsch. Nicht jedes Problem im Leben beruht auf mangelndem Selbstbewusstsein oder kann durch eine Stärkung des Selbstbewusstseins gelöst werden. Ich behaupte mal, dass ich für meine Verhältnisse ein ziemlich gutes Selbstbewusstsein habe :-D Viel Selbstbewusstsein heißt ja nicht, dass man nicht merkt, dass der Großteil der Menschheit anders lebt.

Dann kann man es auhalten

Es genügt in meinen Augen aber nicht, das Leben "auszuhalten". Aushalten kann man vieles, ob es glücklich macht steht auf einem anderen Blatt.

Ich muss aber eingestehen, dass ich nicht dauerhaft unglücklich bin. Aber manchmal. Aber wahrscheinlich sind das "normale" Menschen auch, vielleicht sogar noch mehr - ich habe kaum "Freunde", die mich emotional verletzen könnten.

JNarn7x4


Ich glaube auch, dass das Selbstbewusstsein eine sehr große Rolle spielt. Wichtig ist, dass man sich selber akzeptiert und irgendwie mag und zu sich steht (und sich nicht etwa seiner selbst schämt), und offen mit sich selber umgeht - dann werden auch immer irgendwie ab und an mal Leute "hängenbleiben", die zu einem passen. Vermutlich wird man nie eine Rampensau werden, aber so völlig isoliert auch nicht unbedingt. Ein gewisses soziales Umfeld sollte sich da durchaus ergeben.

@ schnecke1985

Du beschreibst doch eigentlich auch genau das, was ich auch meine. Eher wenige Freunde, eher zurückgezogen, aber halt "zu sich selber stehen" und halt ein paar Freunde dann doch.

n~ull i&pries%emuxt


Die Außenseiter bleiben außen, weil sie sich nicht regelkonform verhalten / verhalten können.

Oder wollen. Es gibt ja durchaus auch Menschen, die gerne außerhalb der Gesellschaft leben. Die allerdings sind jetzt wieder die mit einem gesunden Selbstbewusstsein ;-) Und häufig sind diese Menschen interessant und wichtig, sie führen uns auf uns selbst zurück und regen uns an, über unsere Regeln nachzudenken. Doch ich denke, über diese reden wir hier nicht.

Wenn hier im Forum jemand von sich als "anders", "Außenseiter" oder mit ähnlichen Begriffen über sich spricht, dann meist in der Form, dass derjenige sich als jemanden sieht, der nicht mit anderen Leuten kann. Weil die immer irgendwas (von ihm) wollen, was er nicht mag. Das mag manchmal eine Phase sein, die derjenige gar nicht überblicken kann (ich bin durch meine gesamte Jugendzeit gekommen, ohne auszugehen), es mag an einer uneingestandenen oder undiagnostizierten Störung liegen, ich weiß es nicht. Ich sehe nur, dass nicht alle darunter leiden, manche scheinen es auch sehr gut zu finden, anders zu sein. Wer nun aber ein Problem hat, wie die TE, der kann sich auf dem Außenseiter nicht gut ausruhen, sondern muss irgendwann aktiv werden. Man kann immer nur sich selbst ändern, wenn man eben will. Und wenn nicht, auch gut... ;-)

dZatsxcha


Du bist 35 Jahre und beschäftigst dich mit Sachen, die deine Freundin sagte, als ihr beide acht wart... Überleg doch lieber, welche positiven Erfahrungen in all dem liegen, das du jetzt hier aufgezählt hast. Du hast offenbar Abitur. Es gibt Dinge, die du kannst. Du hattest Erfahrungen mit Männern. Und jetzt nicht wieder "oooh, aber ich war so schlecht in Mathe" und "ich kann aber nur Faxe verschicken" und "die Männer waren aber so gemein zu mir". Nimm dich an, wie du bist und guck, wo du wachsen kannst. Meiner Erfahrung nach geht das, indem man mit der Vergangenheit abschließt und lernt, dass man, wenn man sich so nicht mag, diese Vergangenheit hinter sich lassen muss. Wie du das konkret für dich machen kannst, das weißt du, sonst keiner.

nulli&priesemut

Was ist das denn für eine Antwort? Die TE wollte von ihrer Unbeliebtheit berichten, die sich durch das ganze Leben zog, wie anders, als bei der Kindheit, soll sie da da anfangen zu berichten? Natürlich hält sie sich bei der Erzählung in der Vergangenheit auf, wo sonst, wenn sie darüber berichten will?

Doch, es gibt die Möglichkeit, sich so weit wie möglich von den anderen abzugrenzen und sich hauptsächlich zu Hause aufzuhalten. Dort kann man die "Normalen" nicht "stören". :-) Man ist dann aber sozial völlig isoliert - damit kommt nicht jeder klar.

Die Keltin

So mache ich es. Ich bin auch so ein kariertes Maiglöckchen und komme meist nicht klar. Es ist jetzt nicht sooo schlimm wie bei der TE, ich hatte streckenweise auch Zeiten, in denen ich beliebt war und mit Cliquen unterwegs, aber das war nur kurz. Generell bin ich unbeliebt. Da ich arbeitstechnisch nicht mehr unter Menschen brauche, kann ich es mir leisten, mich zurückzuziehen. Aber es stimmt, ohne soziale Kontakte ist es oft schwer.

Ich fahre oft hinaus in die Stadt, bin also oft unter Menschen, ohne Kontakt zu diesen zu haben. Das reicht dann eigentlich schon aus. Dann hier und da mal ein Wort mit Leuten, die man öfter auf seinen Wegen auf der Straße trifft, dann dank Internet noch ein paar Netzkontakte, dann geht dann schon. *:)

Das würde ich der TE auch raten. Und arbeitstechnisch halt irgendetwas suchen, wo man nicht viel mit Kollegen oder Menschen generell zu tun hat. *:)

Diese ewige Gelaber von Selbstbewußtsein anschaffen und blabla ist nur Theorie. Ich habe noch keine Menschen kennengelernt, die erst jahrelang Aussenseiter waren und auf einmal nach Anschaffung von Selbstbewußtsein der Hit der Clique oder so...

Es gibt auch viele andere Gründe, warum man ausgegrenzt wird, und viele kann und will man gar nicht ändern. Das hat nicht immer was mit Selbstbewußtsein zu tun. *:)

Aber Bekannte oder Freunde habe ich nicht.

Wollen Sie selber etwas dazu schreiben?

Dann melden Sie sich an bzw. lassen Sie sich jetzt registrieren, das ist kostenlos und innerhalb weniger Minuten erledigt. Interessant sind sicher auch die übrigen Diskussionen des Forums Beruf, Alltag und Umwelt oder aber Sie besuchen eines der anderen Unterforen:

Allergien · Zahnmedizin


Nicht angemeldet: Anmelden | Registrieren | Zugangsdaten vergessen? | Hilfe

Startseite | Impressum | Nutzungsbedingungen | Netiquette | Datenschutz   © med1 Online Service GmbH