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Dahinsiechender Alki und keiner fühlt sich zuständig

V=agaubunxdin hat die Diskussion gestartet


Hallo,

in meiner direkten Nachbarschaft wohnt eine verwitwete, stark alkoholsüchtige Frau im Alter von Mitte 60. Der Mann ist vor Jahren gestorben und die Tochter ist psychisch krank und möchte mit der Mutter keinerlei Kontakt mehr haben, da sie Jahrzehnte unter dem Suff ihrer Mutter gelitten hat. Das ist verständlich und für die Tochter garantiert auch der richtige Weg.

Allerdings können und wollen wir Nachbarn nicht mehr die Verantwortung übernehmen. Die Frau hat sich wirklich schon den halben Verstand weggesoffen, sieht Wesen, hört Stimmen, wohnt in einem verdreckten, vermüllten und seit neuestem auch verkoteten Haus. Überall ist altes, getrocknetes Blut, da sie regelmäßig stürzt und Platzwunden nunmal ziemlich stark bluten.

Neulich auf dem Weg zur Arbeit um 5.45 Uhr stand sie bei 5 Grad in T-Shirt und dünner Leggins vor dem Haus mit zwei Riesen-Platzwunden und sagte zur mir, dass sie schon seit vier Stunden auf den RTW wartet... Den habe ich dann angerufen und dann war es wie immer: Versorgung der Wunden und Verlegung ins pychiatrische Krankenhaus. Dort dann ein paar Wochen im Trockendock, ab nach Hause und das Drama geht weiter. Das hatten wir nun schon mehrfach so.

Klar, ich weiß, einem Alki kann man nicht wirklich helfen aber wir Nachbarn möchten eben nicht, dass sie irgendwann elendig im Haus verreckt, weil sie nicht mehr in der Lage ist, sich Hilfe zu holen.

Ich könnte noch viele solcher typischen und unschönen Geschichten von ihr erzählen aber das nur mal so zur Einleitung.

Nun wird es konkret:

Die eine Nachbarin hat schon sämtliche Stellen abtelefoniert, wird aber schon seit Wochen überall vertröstet und weitergereicht. Keiner will sich zuständig fühlen. Diese Nachbarin ist nun schon etwas älter und evtl. auch nicht hartnäckig genug.

Nachdem ich unseren Problemfall heute mit nur im T-Shirt in einem vollgeschissenen Bett vorgefunden habe, reicht es: Ich werde mich morgen ans Telefon schwingen und mich wie ein Terrier durchbeißen.

Meine Frage an euch: An welche Stellen soll ich mich wenden? Kann ich als Nachbarin und somit Nicht-Angehörige überhaupt irgendetwas bewirken? Wo fange ich an?

Wie schon erwähnt: Die Tochter wurde mehrfach informiert und möchte nun wirklich und komplett in Ruhe gelassen werden, da sie auch psychisch sehr angeschlagen ist; das akzeptieren wir jetzt natürlich auch. Wenn sich dann irgendwelche Behörden an sie wenden, dann ist das etwas anderes; dann muss das so sein und sie da eben durch.

Also wie gehe ich jetzt vor?

Und hoffentlich stört sich keiner an meiner etwas saloppen Ausdrucksweise; ich habe in der Familie schon mehrfach ganz hautnah über Jahre und Jahrzehnte miterleben müssen, wie sich liebe Menschen totsaufen. Insofern bin ich da emotional ziemlich abgegrenzt. Aber natürlich habe ich Mitleid mit dieser Frau und ihrem absolut unwürdigen Dahinsiechen.

Mit weggesoffenem Verstand in einem vollgeschissenen Bett, Stimmend hörend und Wesen sehend - es reicht. Ich kann das nicht mehr mit ansehen.

Was soll ich tun? Was kann ich überhaupt tun?

Vielen Dank.

Antworten
E hemawliger Nut)zerM (@#545421x)


Was soll ich tun?

darauf achten, dass sich ihr Elend nicht in Deines vewandelt.

Was kann ich überhaupt tun?

Nichts. Wenn Du einen erkennbaren Notstand (lebensbedrohliche Situation erkennst)

Neulich auf dem Weg zur Arbeit um 5.45 Uhr stand sie bei 5 Grad in T-Shirt und dünner Leggins vor dem Haus mit zwei Riesen-Platzwunden und sagte zur mir,

das tun, was Du getan hast, die Rettung holen.. Mehr kannst Du nicht tun.

Allerdings können und wollen wir Nachbarn nicht mehr die Verantwortung übernehmen.

Hat vermutlich auch niemand verlangt.. sondern habt ihr aus eigenem Antrieb getan, weil sich die Hausgemeinschaft Sorgen macht.

Die Dame ist erwachsen, und solange sie nicht per Beschluss entmündigt ist, auch für ihr Tun und Handeln selber verantwortlich.

Und so traurig diese Geschichte ist.. jeder erwachsene mündige Bürger hat auch das Recht, sich selbst durch Alkohol zu Grunde zu richten.

n6im@ue8x8


ich habe in der Familie schon mehrfach ganz hautnah über Jahre und Jahrzehnte miterleben müssen, wie sich liebe Menschen totsaufen. Insofern bin ich da emotional ziemlich abgegrenzt.

Da bin ich nicht so ganz sicher - sonst wüsstest du, dass die Entscheidung, sich helfen zu lassen, alleine beim Betroffenen liegt. Du könntest es beim sozialpsychiatrischen Dienst versuchen. Allerdings sehe ich da auch schwarz, da sie ja scheinbar keine (direkte) Gefahr für jemanden darstellt und auch selbst kein Hilfsangebot wahrnimmt.

Du kannst, so hart es klingt, wirklich nur zusehen und abwarten, ob sie es übersteht.

VPagab\unxdin


Rübensüßchen

Ja, sie sollte dringend einen gerichtlich bestellten Betreuer bekommen. Ich als Nachbar kann das aber nicht anstoßen. Bei einem früheren Nachbarn hat es der mehrfach hinzugezogene Amtsarzt (der dann die vorübergehende Einweisung in die Psychiatrie angeordnet hat) in die Wege geleitet. Der hat dann wenigstens einen Pflegedienst, eine Putzfrau etc. organisiert.

Dass die Frau nur aus eigenem Antrieb mit der Sauferei aufhören kann, ist mir absolut klar.

Vermutlich können wir nicht mehr machen, als ständig den RTW zu rufen, wenn sie wieder gestürzt ist. Dann wieder die Einlieferung in der Psychiatrie und täglich grüßt das Murmeltier.

Nee, natürlich hat uns niemand darum gebeten aber ich bin doch noch Menschenfreund genug, dass ich nicht vorbeifahre oder -gehe (wie so viele) wenn jemand in Not ist. Und wenn sie desorientiert und verwirrt, leichtbekleidet mit Platzwunden im Dunkeln vor ihrem Haus steht, dann kann ich das nicht ignorieren. Sicher, knallhart gesehen ist sie an ihrem Zustand selbst Schuld. Die schlimme Kindheit, der prügelnde Ehemann - man findet immer einen Grund, den Suff zu rechtfertigen und die Schuld und Verantwortung auf andere zu schieben, aber darum gehts mir ja gar nicht.

nimue

Doch bei meinen nahen Verwandten habe ich mich abgegrenzt. Das war auch nötig, weil ich zu diesen Personen eine emotionale Bindung hatte. Die habe ich zu meiner Nachbarin nicht, ich kenne sie nicht mal besonders gut. Trotzdem kann ich nicht, bzw. schlecht zusehen, wenn ich die im Eingangstext beschriebenen Zustände vorfinde. Es ist ja nicht so, dass mich das in unendliche Traurigkeit oder Depressionen stürzt. Sie tut mir leid und ich finde es schlimm, dass jemand so lebt. Meiner Meinung nach ist der Punkt, an dem man noch eine Perspektive auf ein Leben ohne Suff hat, bei ihr schon lange überschritten. Sie säuft seit 45 Jahren, das wurde dokumentiert. Und der Verstand ist inzwischen soweit weggesoffen, dass sie gar nicht mehr so richtig peilt, was da so passiert. Ich habe früher nebenbei in der Altenpflege gearbeitet und kenne das so von den Korsakow-Leuten.

Was ich mir für sie erhoffe?

Dass sie nicht mehr allein in diesem großen, dreckigen Haus leben muss und evtl. eine passende Einrichtungen (betreutes Wohnen für Alkis o. ä.) für sie gefunden werden kann. Für Junkies gibt es sowas doch auch.

Noch etwas zur Erklärung: Es ist nicht so, dass da ständig von den Nachbarn geputzt wird o. ä. Wir kaufen auch nicht für sie ein. Inzwischen geht einer täglich mal nachschauen, ob sie noch lebt oder wieder bewusstlos am Fuße der Treppe liegt...

Muss man einen Menschen wirklich so elendig verrecken lassen?

IIceLabdy_50


Du kannst das Ordnungsamt anrufen.

Amtsärzte gibt es auch, die sie "besichtigen" können.

Schildere ihnen eine Selbstgefährdung, das kommt an. Man kann dann beim Amtsgericht versuchen, ein Betreuungsverfahren anzustoßen, damit sie einen gerichtlich bestellten Betreuer bekommt. Manchmal muss man sich in solchen Fällen zur Nervensäge machen, um weiter zu kommen.

Ich finde es richtig, dass man das nicht nur komplett ignoriert, wenngleich Abgrenzung ganz sicher ein wichtiges Thema ist.

E(hem>aligebr NUutjzer (1#545421)


(betreutes Wohnen für Alkis o. ä.) für sie gefunden werden kann. Für Junkies gibt es sowas doch auch.

Gibt es auch für Alkoholkranke.. aber dafür muss der/diejenige zunächst mal erkennen, dass überhaupt Hilfe nötig ist, also erkennen, dass eine Alkoholsucht vorliegt, die behandelt werden muss, und deren Behandlung auch gewollt ist. Betreutes Wohnen geht auch nur, wenn der Kranke das will, also auf freiwilliger Basis, meines Wissens geht Betreutes Wohnen nicht per Beschluss, weil das ja dann qasi wieder eine Einweisung wäre.

Muss man einen Menschen wirklich so elendig verrecken lassen?

Ja, manchmal ist es wohl so... so traurig das ist.

Y1to.n,g11


Muss man einen Menschen wirklich so elendig verrecken lassen?

Das macht ihr doch nicht ":/ ! Der besuch von Suchtkliniken erfolgt - außer bei Suizidgefahr - zum größten Teil nur dadurch, das man sich selbst dahin begibt. Wenn man als mündiger Bürger aber gar nichts mehr auf die Reihe bekommt, dann muss man entmündigt werden. Wer das tut, sei mal dahin gestellt. Und erst dann ist unter bestimmten Umständen eine adäquate Betreung möglich.

PNlüsch{bfiexst


@ Vagabundin,

es ehrt dich, dass du bei deiner Nachbarin nicht wegschaust.

Aber viel mehr machen, als das was du sowieso schon tust kannst du nicht tun.

Seapixent


ich bin etwas erstaunt, dass niemand eingreift ":/

wir hatten einen ähnlichen fall. der herr hatte noch dazu zwei hunde... die er dann eines tages zu hause liess und für tage verschwand. irgendwann bellten die armen viecher ein paar stunden durchgehend, so dass ich dann polizei und rettungsdienst rief. es hätte ja auch sein können, dass der typ tot in seiner wohnung liegt... wusste man zu dem zeitpunkt ja nicht. die feuerwehr brach die wohnung auf, dort wurden nur die verwahrlosten hunde in ihrer eigenen scheisse etc vorgefunden, die waren wohl schon ein paar tage eingesperrt. der herr war nicht zugegen... ihm wurde aber post dagelassen und die tür versiegelt, so dass er sich bei der polizei melden musste um überhaupt wieder rein zu kommen. dann nahm alles ganz schnell seinen lauf.... er wurde in die psychiatrie gebracht, die hunde waren schon im tierheim, ich bemühte mich noch darum, dass er sie auf gar keinen fall wiederbekommt. die EIGENTÜMER der wohnung schalteten sich auch ein, weil sie natürlich angst um ihre wohnung hatten. ihr könnt euch nicht vorstellen, wie es darin aussah :=o wie auch immer, der herr wurde - nachdem er ja irgendwann wieder auftauchte - direkt in die psychiatrie gesteckt und lebt nun in einer wohnanlage für alkoholkranke menschen.

wie ist es denn in deinem fall, weiss der eigentümer der wohnung bescheid? im falle einer hausverwaltung würde ich mich an diese wenden.

V&agYa,bundxin


Sapient

Es ist ihr eigenes Ein-Familienhaus...

Zum Glück sind in diesem Fall keine Haustiere betroffen.

Ice Lady

Ja, ich werde morgen versuchen, den zuständigen Amtsarzt ausfindig zu machen und schildere ihm dann die Zustände. Sie war ja nun schon auch x-fach in der Psychiatrie. Aber niemand dort kennt die schrecklichen Zustände bei ihr zuhause. Das ist definitiv selbstgefährdend - klar, nicht akut wie beim Suizidversucht aber dennoch. Ich werde es versuchen.

Die andere Nachbarin, die schon wochenlang versucht, jemanden ans Telefon zu bekommen, der zuständig ist, hat schon das Ordungsamt, die Psychiatrie und das Amtsgericht mehrfach abtelefoniert und wird ständig vertröstet. KLar, die haben auch viel zu tun aber trotzdem.

Meine Google-Suche hat in Sachen Amtsarzt nur Kontaktmöglichkeiten für Einstellungsuntersuchungen für Beamte o. ä. ergeben :-/ Notfalls rufe ich dort an und frage mich durch.

Ich gebe erst Ruhe, wenn sich der Zuständige die Frau und ihre Lebensumstände angeschaut hat. Mehr kann ich dann auch nicht tun, außer eben die monatliche und manchmal auch wöchentliche Routine (RTW anrufen) zu fahren. Seufz...

Suapienxt


ok... hätte ja auch sein können, dass es gemietet ist. dann ist die sache natürlich erschwert... du hast ja schon viel getan. noch eine möglichkeit wäre, die lage bei ihr fotografisch zu dokumentieren. du warst im haus, oder wie hast du sie in ihrem exkrementen liegend vorgefunden? evtl wären fotos noch eine möglichkeit, der sache mehr nachdruck zu verleihen.

V"agabxundin


Sapient

Zwei Nachbarinnen haben einen Schlüssel. Ich bin das eine Mal mitgegangen, was für die Betreffende auch OK ist.

Hm, fällt mir etwas schwer, da heimlich Fotos zu machen und die dann öffentlich rumzuzeigen. Klar, wenn ich ihr den Amtsarzt "auf den Hals Hetze" sieht das ja auch ein Fremder aber das ist irgendwie etwas anderes.

Mal sehen, was die Telefonate morgen ergeben.

Ich danke euch allen für eure Antworten, auch wenn ich nicht auf jeden eingegangen bin.

Ich gehe jetzt schlafen und werde morgen mal berichten, was sich so ergeben hat.

*:)

E*hemali^ger NKutzer W(#4671x93)


Amtsarzt nur Kontaktmöglichkeiten für Einstellungsuntersuchungen für Beamte o. ä. ergeben :-/ Notfalls rufe ich dort an und frage mich durch.

Je nachdem wie das in deinem Land organisiert ist, ist der Amtsarzt ein Bestandteil der Exekutive/Polizei. Also organisatorisch. Selbst kein Polizist aber für die Polizei tätig (wenn das in irgendeiner Art und Weise verständlich ist).

Aber niemand dort kennt die schrecklichen Zustände bei ihr zuhause. Das ist definitiv selbstgefährdend

Natürlich ist das selbstgefährdend. Aber bis zu einem gewisse Grad ist das auch immer recht schwammig. Wenn ich als Patient eine Behandlung/Hospitalisierung ablehne, im vollen Bewusstsein, dass das gravierende Folgen für mich haben kann (zB Tod), dann kann bzw. wird das auch akzeptiert werden. Unter der Voraussetzung, dass ich psychiatrisch nicht auffällig bin, yaddayadda.

Genauso wie es das 'Recht' eines Menschen ist, sich um den Verstand zu trinken. Sooo selten ist das ja jetzt nicht unbedingt. Die Herren/Damen vom RTW kennen da sicher ihre Stammkunden bzw. Vielflieger.

S`apiexnt


nein nein, nicht öffentlich "rumzeigen"... aber an den stellen vorzeigen, die sich - aus welchen gründen auch immer - nicht rühren und nicht zuständig fühlen. ich dachte auch nicht an fotos der verwahrlosten frau, sondern eher an die umgebung. ohne personen.

du wirst schon das richtige tun. @:)

h]u=mmxel36


Hallo :-)

Grundsätzlich ist in solchen Fällen der Sozialpsychiatrische Dienst (SPD) zuständig, das ist eine Einrichtung des Gesundheitsamtes - und das, was Menschen oft als "Amtsarzt" bezeichnen...

Ruf dort an und schildere die Problematik, weise insbesondere DEUTLICH auf die Selbstgefährdung durch die ständigen Stürze, Rauchen im Bett, ... hin. Zeugen (in deinem Fall Nachbarn) benennen ist ebenfalls sinnvoll. Im Regelfall machen die einen Hausbesuch, dauert meist aber etwas, manchmal ist erneutes Nachfragen notwendig und ein erneutes Schildern der Dringlichkeit.

Den gesetzlichen Betreuer beim Amtsgericht kann grundsätzlich jeder für jeden vorschlagen. Allerdings wird dann durch verschiedene Instanzen (bis hin zum Richter selber) geprüft, ob das notwendig, sinnvoll und vom BETROFFENEN gewünscht ist. Wenn nicht wird es ausgesprochen schwierig, da dann gutachterlich festgestellt werden muss, dass die betroffene Person nicht zurechnungsfähig ist. Das ist in D sehr hoch aufgehängt und habe ich in meiner Berufspraxis nur bei schwerst Demenzkranken und bei Menschen in der akuten Psychose erlebt - bei letzteren nur tageweise, bis die Medikamente wirkten.

Alles nicht so einfach. Pass gut auf dich auf! :)_

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