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Unverständnis im Freundeskreis für lange Arbeitslosigkeit

Scollxwert hat die Diskussion gestartet


Hallo,

wie soll ich anfangen? Ich bin seit März arbeitslos und das Unverständnis/die Ablehnung in meinem Freundes- und Bekanntenkreis wird immer größer. Zudem gehen mir langsam die Ausreden aus, wieso ich noch arbeitslos bin. Denn: Ich bin hochqualifiziert, habe viel Geld und Zeit in meine Bildung investiert (und der Staat ja auch) und laut Medienberichten scheine ich wohl eine Fachkraft zu sein von der wir momentan zu wenig haben.

Daher kommt immer wieder die selben Frage "Wieso bist du noch arbeitslos, so Leute wie dich suchen sie doch überall?"

Tja und genau hier steckt eben das Problem, denn ich habe seit März keine einzige Bewerbung geschrieben.

Ich bin vor 8 Jahren leider so krank geworden, dass Arbeiten für mich nicht mehr möglich ist. Damals war das Unverständnis im Freundeskreis aber noch größer. Niemand hielt mich wirklich für krank, sondern lediglich für faul. Andere meinten, dass ich egoistisch und asozial sei, weil ich trotz Krankheit weiter studiert habe und somit einem Arbeitsfähigen den Studienplatz blockiert habe und den Staat weiter umsonst in mich investieren lies. Ein guter Teil der damaligen Freunde distanzierte sich dann mehr und mehr von mir. Neue Freunde die ich mittlerweile habe wissen nichts von meiner Krankheit, eben aus dem Grund, dass das Verständnis dafür bei den Menschen fehlt.

Ich wäre zwar gesundheitlich vielleicht noch in der Lage ein bisschen arbeiten zu gehen, aber dieses bisschen würde dann auch nicht ausreichen um meinen Lebensunterhalt und meine Schulden zu bezahlen. Außerdem käme dann wieder die Frage "Wieso arbeitest du so wenig und dann auch noch für 10 Euro die Stunde bei deiner Qualifikation?"

So habe ich für mich entschieden, dass es nur 3 Möglichkeiten gibt, wenn ich noch was vom Leben haben will:

1. Auf eine Spontanheilung hoffen.

2. Auf einen Lottogewinn hoffen.

3. Die unwahrscheinliche Möglichkeit mit Kunst/Musik/Literatur Geld zu verdienen.

Da 1 und 2 bislang nicht eingetreten sind versuche ich mein Glück derweil mit Möglichkeit 3 und versuche fiberhaft mich als Schriftsteller reich und berühmt zu machen. Dafür würde ich mir aber höchstens noch 5 Jahre geben, danach wäre dann Schluss für mich in diesem Leben.

Dieses ständige Nachfragen und das Unverständnis führen dazu, dass ich mich immer mehr und mehr verkriechen und es bei oberflächlichen Kontakten belasse und mich von Freunden distanziere.

Tja so jetzt habe ich hier mal rumgejammert. Ich weiß selbst nicht, was ich mit diesem Beitrag bezwecken möchte, aber nun habe ich mir gerade Mühe gegeben und lasse ihn so stehen.

Vielleicht hat ja jemand einen Ratschlag für mich wie ich mit der Situation besser umgehen kann.

LG

Antworten
_#Parv%atix_


Sag, dass du derzeit zu krank bist zum Arbeiten. Wer das nicht verstehen kann und mit dir dann auch nichts mehr zu tun haben möchte, soll sich eben zum Teufel scheren. Nur echte Freunde zeigen auch Verständnis für deine Lage.

S-oLllweart


Stimmt ja, aber die wenigen schlechten Freunde/Bekannte die ich noch habe möchte ich nicht auch noch verlieren.

_;P]arvBatxi_


Die wirst du aber wahrscheinlich so oder so verlieren, wenn sie merken, dass du keinen Job findest. Zumal ja jeder davon ausgehen wird, dass du gesund genug bist um zu arbeiten. Wenn du ehrlich zu den anderen wärst, dann kannst du auch auf Verständnis hoffen. Sicher kann das auch schief gehen, muss aber nicht. Aber mit Ehrlichkeit könntest du auch verhindern, dass ständig bei dir nachgebohrt wird.

SQchwarxz666


Hier kann man nur etwas ordentliches zu beitragen, wenn man weiß, um welche Krankheit es sich handelt. Ansonsten gehe ich auch von Faulheit aus. Jobs gibt es für jeden, selbst für Blinde, dass man wirklich per Behinderungsgrad dauerhaft komplett arbeitsunfähig geschrieben wird, kommt nur äußerst selten vor. Ist die Arbeitsunfähigkeid behördlich anerkannt oder selbst verschrieben, aufgrund der mysteriösen Krankheit?

SHchwParzE666


*Arbeitsunfähigkeit

TsestACRxHP


@ Sollwert

Grundsätzlich gehts mir ganz ähnlich wie dir: ich bin gebildet und qualifiziert, aber ich hab keinen FS, weil ich auf 1 Auge blind bin und es nicht hinkriege mit dem Fahren.

Früher gabs bei mir noch Jobs, wo eine FS nicht unbedingt nötig war und zur Zeit hab ich auch noch einen. Noch! Der Vertrag endet mit diesem Jahr.

Dann hab ich mal wieder 21 Jahre als Schwangerschaftsvertretung gearbeitet.

Bis dahin war ich 8 Jahre arbeitslos, ich hab einfach keinen Job gefunden! Mit Ende 40/und inzwischen 55 ist das nicht mehr so einfach. Ich bin Sozialarbeiterin, und vor längerer Zeit hatte ich mal einen totalen Burnout. Als es mir wieder besser ging, beschloss ich, alles zu arbeiten, nur nie mehr im sozialen Bereich! Bloss als Soz findest du nichts anderes, denn keiner weiss, was du als Soz alles draufhaben musst.

Ich jobbte mal hier, mal da - viele Sachen als Honorar, innerhalb der ALG Zuverdienstgrenzen.

Viele Leute haben auf meine lange Arbeitslosigkeit eher abfällig und irgendwie auch neidisch reagiert. Ich war für einige die faule Triene in der sozialen Hängematte.

Während dieser Zeit wurde ich dermassen krank, dass wirklich gar nichts mehr ging, und war 1 Jahr lang krankgeschrieben.

Ich hätte auch sterben können- oha, da hatte man dann Verständnis, dass ich nicht arbeiten ging. Inzwischen bin ich längst fit und werde wieder prüfend angeguggt, ob ich noch arbeite.

Also weiss ich: sowohl fürs Arbeitsamt/Jobcenter sowie für die meisten Leute (die einen nicht gut genug kennen bzw. nicht mögen) muss man erst halb tot sein, bis man nicht mehr arbeiten muss.

Wie kann man damit am besten umgehen?

Man setze sich mit dem ARSCH drauf, was "die Leute" so sagen.

Wenn die Sprache auf (meine) Arbeitslosigkeit kommt, und Leute fangen an zu bohren und nerven mich mit ihren "super Tipps" oder Totschlägersprüchen, dann verbiete ich ihnen das klipp und klar. Ich mach immer eine klare Ansage, ich bin auf einem Auge leider blind und hab keinen FS, und damit krieg ich halt nur schwer was.

Undichsag auch, dass ich nicht jeden Job annehme, nurdamit ich irgendwo hinlatsche, um nachher nixaufdem Konto zu haben- hab ich jetzt auch schon, und zwar ohne loszuschieben.

Ich habe längst aufgehört, mich persönlich darüber zu definieren, dass ich arbeite, und mit Jobs und Arbeitsplätzen identifiziere ich mich nicht. Ich krieg eh nur noch befristete Verträge und bleibe somit Zaungast.

Arbeiten gehste in eigener Sache- du brauchst das Geld!

Selbst verwirklichen tut sich die Chefetage und du bist der Hiwi dazu.

Tja, und wer mich in diesem Punkt nicht versteht oder verstehen will, tja, der/die hat dann Pech gehabt ]:D .

Andere Leute ( die, die mich verstehen :-D ) finden mich stark und konsequent. Ich sage ganz klar, ich bin halb blind und ohne FS ists schwer mit Job, und für viele andere Sachen bin ich über- oder gar nicht qualifiziert, und die Chefs wollen oft keine Akademiker.

Auch jammere ich nicht darüber, dass ich oft keinen Job kriege, und heule nicht über das zu niedrige ALG2 rum- höchstens über die Schikanen und 1€jobs, die einen überall hinbringen, nur nicht auf den 1. Arbeitsmarkt, und manchmal gibts noch einen Vortrag über die miese Arbeitsmarktpolitik. Spätestens dann drehen auch die ärgsten Nervbolzen ab.

Und ich? Ich geh nach Hause, und da hab ich genug zu tun ]:D .

*:) *:)

TBes^tARHxP


21 Jahre

... Tippfehler |-o ! Gemeint waren 2 Jahre. Denn sonst wär dieser Beitrag ja gar nicht entstanden ;-D

*:) *:)

S9iwlkP]earxl


Sollwert,

vielleicht bist Du es ja selbst, der Dich am meisten verurteilt und projizierst es auf die anderen? ;-)

S4ollpwxert


Ne so ist das bestimmt nicht.

EEhevmaligecr Nutzezr (#52q8611x)


Jobs gibt es für jeden, selbst für Blinde, dass man wirklich per Behinderungsgrad dauerhaft komplett arbeitsunfähig geschrieben wird, kommt nur äußerst selten vor.

Muhahaha. DER war gut! Mein Freund hat Diabetes Typ 1 und selbst er hat Probleme Arbeitgeber zu finden. Diabetes

Ist die Arbeitsunfähigkeid behördlich anerkannt oder selbst verschrieben, aufgrund der mysteriösen Krankheit?

Selbst bei behördlich anerkannter Arbeitsunfähigkeit (wie bei mir zB) muss man sich zum Teil die größte Scheiße anhören, weil jeder meint dazu eine Meinung haben zu dürfen. Nicht nur hier im Forum, auch im RL.

TThis Twilig$ht: KGardexn


kein_nerv_mehr oder so... ;-)

J+u|lexy


Jobs gibt es für jeden, selbst für Blinde, dass man wirklich per Behinderungsgrad dauerhaft komplett arbeitsunfähig geschrieben wird, kommt nur äußerst selten vor.

Dann gehöre ich wohl zu den äußerst seltenen Fällen. :-/ Im Ernst: ich kenne ziemlich viele, die aufgrund von Krankheiten befristet oder unbefristet berentet wurden. Ich selbst wurde mit 25 Jahren berentet, mittlerweile unbefristet. Bin nun 31 und werde wohl nie mehr oder so schnell nicht mehr arbeiten können. Leider. Wenn man wirklich schwer krank ist, bekommt man auch die Rente. Meine Erfahrung.

Evhemalig8er Nutzeer (#528611x)


Ich soll jetzt auch einen Rentenantrag stellen... bin auch 31.

BAeni~taEB.


Mit einem blinden Auge keine Arbeit bekommen? Warum haben dann meine beiden Eltern (Vater rechts auf einem Auge blind, Mutter links) 45 Jahre gearbeitet? Zu blind zu verweigern?

Beide waren im öffentlichen Dienst. Vater fuhr sogar Auto. bis zum 89. Lebensjahr. Ohne Unfälle....

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