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Unzählige Arbeitslose und trotzdem nur alles untertags geöffnet?

DNina9x0


Der Mindestlohn gilt NICHT für Langzeitarbeitslose.

Das stimmt. Allerdings nur für die ersten 6 Monate.

Ich kann nicht aus Erfahrung sprechen, da ich noch nie arbeitslos war. Aber in meiner theoretischen Vorstellung würde ich lieber ein halbes Jahr lang für wenig Geld ein paar Stunden die Woche Klos putzen, wenn ich danach die Chance auf einen zumindest etwas besseren Job habe.

Hab ich zumindest während der Schulzeit gemacht. Und die Aussicht auf einen kleinen Nebenverdienst war schon ein Anreiz.

Benutzerin: was meinst du denn mit Ossis? Hast du das Gefühl vom Jobcenter schlechter behandelt zu werden als ein westdeutscher Arbeitsloser?

Aber das war jetzt off topic.

Zur Eingangsfrage: aus wirtschaftlicher Sicht werden sich längere Öffnungszeiten wohl nur bei den wenigstens Läden rentieren.

Jhulexy


Hab jetzt nicht ganz alles gelesen, sorry...

Aber wir haben hier am Hauptbahnhof (in Bayern) einen Lidl, der jeden Tag (auch Sonntags) von 6-22Uhr aufhat. Und Sonntag ist da so viel los, dass man nicht mehr durchkommt.

Was wäre so schlimm daran, wenn der Einzelhandel länger offen hätte? Krankenhauspersonal fragt ja auch niemand ob es 24/7 arbeiten möchte. Das ist einfach so. Und ich muss sagen, ich hab gerne Spät- oder Nachtschicht gemacht. Auch weil man dann mal tagsüber was erledigen kann (z. B. Arzt).

S/chw]ar&z66~6


Krankenhauspersonal fragt ja auch niemand ob es 24/7 arbeiten möchte.

Was soll das bitte für eine Argumentation sein? In solchen Berufen weiß man vorab um den Schichtdienst und entscheidet sich bewusst dafür, dass ist also etwas völlig anderes.

a#nfakngYmitfrxeude


wo es 24/7 gibt und wo es sich anscheinend auch rechnet, ist eine bekannte fitnessstudio-kette. dort scheint es anscheinend funktionabel zu sein, auch nachts geöffnet zu haben und auch sinnvoll zu sein.

im prinzip könnte es sich auch rechnen, einen supermarkt o.ä. nachts geöffnet zu halten. eben, weil er eine konkurrenz zu den teuren tankstellen wäre. ob ein nächtlicher liter milch oder ein paar eier oder einen sixer bier oder einen wodka, im supermarkt gibts alles günstiger, als in der tanke.

entgegen den aussagen einiger fadenteilnehmer ist das geld für mehrausgaben bei kunden also schon da, aber sie "investieren" es momentan eben in tanken. eine lösung wäre da beispielsweise, den supermarkt während der nacht mit minimalbesetzung zu öffnen oder einen entsprechenden nachtaufschlag beim preis zu fordern. der könnte bei 10-20% des warenwerts ohne MwSt liegen und man wäre wohl immernoch günstiger, als die tanke um die ecke.

problematisch sehe ich es aber eher von einer übergeordneten, sozioöonomischen sichtweise her. ständige nachtarbeit ist für die meisten menschen gesundheitsschädlich und führt langfristig bei vielen zur arbeitsunfähigkeit oder frühverrentung. die gewinne würden also durch die supermärkte privatisiert und die verluste sozialisiert.

die frage ist doch auch, warum man nicht mal den umgekehrten weg gehen sollte. will sagen, unsere gesellschaft hat sich in den letzten jahrzehnten massiv verändert und ist sehr viel unruhiger geworden. vielen schadet das eher, als es hilft. warum soll man nicht die 5-tage-woche wieder strenger durchsetzen? wieso kein wochenende ab freitag nachmittag? arbeiten bis freitags um 12. die supermärkte können ja noch bis um 14 uhr geöffnet haben, damit man auf dem heimweg seine einkäufe besorgen kann. warum keine 35-stunden-woche? anderen ländern schadet es ja auch nicht.

klar, die wirtschaft würde sich dagegen sträuben, denn sie müsste ja im endeffekt mehr geld ausgeben, denn die selbe arbeit wird dann von mehr menschen erledigt werden müssen. andererseits könnte das die arbeitslosigkeit senken und würde das allseits gepriesene wachstum endlich an die bevölkerung weitergeben.

sUunshVineV83


Bei uns gibt es Einkaufsläden die teilweise bis 24 Uhr geöffnet haben. Wenn man dann aber nach 22 Uhr hin kommt, begegnet man kaum noch Kunden. Oft sieht man nur gelangweilte Kassiererinnen an der Kasse sitzen. Da ist einfach nicht genug Nachfrage da, dass es sich lohnen würde. Und zur Not bekommt man ja auch viel schon an der Tanke.

JSuley


Was soll das bitte für eine Argumentation sein? In solchen Berufen weiß man vorab um den Schichtdienst und entscheidet sich bewusst dafür, dass ist also etwas völlig anderes.

Stimmt auch wieder...

Aber anhand meines Beispiels vom Lidl am Sonntag sieht man ja, dass zumindest hier die Nachfrage besteht. Und da kaufen nicht nur Reisende schnell etwas zu trinken, sondern da sind auch viele Leute mit Einkaufswagen, die sicherlich hier in der Stadt leben. Mir persönlich ist der Laden aber Sonntags echt zu stressig. Gehe nur im absoluten Notfall rein.

YrtCong1x1


@ Anfangmitfreude:

Du meinst also, das statt Verlängerung der Ladenöffnungszeiten (die eh schon vom Gesetzgeber ziemlich freigegeben und Ländersache sind) die Verkürzung der Arbeitszeit auf eine 35 Stundenwoche eher zu mehr Konsum in den Läden + zu weniger Arbeitslosen (wo jetzt schon überall Fachkräfte fehlen) und mehr Wohlstandswachstum für alle führt :-o ":/ ?

Ich glaube, das ist falsch gedacht ;-) Und nicht nur ein bischen :|N !

jGust_%looki#ng?


entgegen den aussagen einiger fadenteilnehmer ist das geld für mehrausgaben bei kunden also schon da, aber sie "investieren" es momentan eben in tanken.

Die Rechnung geht sich trotzdem nicht aus. Weil die Tankstelle hat ja schon offen. Ja, sie braucht jetzt mehr Strom wegen größeren Kühlschränken, aber die Personalkosten sind ja schon gedeckt, immerhin sind das ja eben die paar Tankstellen, die 24/7 offen sind, nicht alle.

Und was sich in der eh schon offenen Tankstelle rechnet - die müssen jetzt doof gesagt ja nur den Einkaufspreis + Kosten der zusätzlichen elektronischen Geräte decken, und das eben auf BEDEUTEND geringerer Fläche. Bei einem Supermarkt braucht es Personal - in der Tankstelle sitzt auch so in der Nacht wer, im Supermarkt nicht. In der Tankstelle brennt so schon das Licht in der Nacht, im Supermarkt nicht. Die Tankstelle muss geheizt/gekühlt werden - auf geringer Fläche, im Supermarkt kann man in der Nacht schon mal 2 Grad runter gehen. Im Supermarkt sind in der Nacht die Kühlschränke/Gefrierschränke durchgehend zu - braucht weniger Energie,...

Also Kurzfassung: die in der Tankstelle ausgegebenen Euros reichen meiner Meinung nach zwar um die zusätzlichen Kosten der Tankstelle zu decken, aber nicht die des Supermarktes.

TeimbKaXtukxu


Taps

Aber das kann man doch an der Tankstelle zumindest was Lebensmittel betrifft.

Bedingt. Aus nachvollziehbaren Gründen kann eine Tankstelle nicht das Sortiment eines Supermarkts vorhalten. Von den Preisen will ich nicht mal sprechen.

Für mich ist der Wunsch eher ein Symptom, der heutigen Gesellschaft, dass man alles haben will und unbedingt sofort.

Es ist ein Symptom des Kapitalismus. Es gibt für alles eine Nachfrage und ein Angebot. Bescheidenheit und Zurückhaltung sind nicht gerade Merkmale des Kapitalismus. Unsere Gesellschaft ist lediglich darin aufgewachsen und kenn es nicht anders.


Ytong11

Es besteht jetzt schon kein Anreiz für 450 EUR - Kräfte ;-D Warum?

Es besteht sehr wohl ein Anreiz. Rechne lieber nochmal nach.

Nach der aktuellen Gesetzeslage erhält der Minijobber 450 € abzgl. 3,7% Rentenbeitrag macht 433,35 € netto. Der Arbeitgeber zahlt Pauschalabgaben in Höhe von 31,45% (ohne Unfallversicherung) und hat somit Kosten in Höhe von 591,53 €.

Demgegenüber müsste der Arbeitgeber bei regulärer Beschäftigung einen Bruttolohn in Höhe von 543,20 € zahlen um dem Arbeitnehmer denselben Nettolohn zu ermöglichen. Mit den Arbeitgeberanteilen zur Sozialversicherung sind das dann Kosten in Höhe von 648,17 €, also 56,65 € mehr. 20 Minijobber beim Edeka um die Ecke ersparen dem Arbeitgeber locker 1.000 Euro jeden Monat. Wenn das kein Anreiz ist.


clairet

Da ist halt die Frage, ob das den Minijobbern hilft oder ob es eher die Automatisierung befördert.

Die Automatisierung kommt sowieso und nimmt keine Rücksicht auf Arbeitsplätze. Wäre das so, dann würden in den Büros heute noch Heerscharen von Schreibkräften sitzen und Karteikarten sortieren.


lerchenzunge

es gibt sehr wohl Menschen, die besser abends und nachts arbeiten können als morgens! Ich gehöre dazu. (...) Und ich fühle mich so weit wohler, es entspricht deutlich mehr meinen gesundheitlichen Bedürfnissen, ich arbeite dort besser, effektiver und fühle mich gesunder.

Das ist eben typabhängig, es gibt definitiv Nachtmenschen!

Du hast mich missverstanden. Ich habe nie gesagt, dass es keine Nachtmenschen gibt oder dass es Menschen gibt, die sich bei Nachtarbeit wohlfühlen. Ich habe nur gesagt, dass man es den Leuten ansieht, dass sie Zeit Lebens nachts gearbeitet haben und es demnach offenbar doch nicht so gut ist. All diese Leute, von denen ich spreche, haben sich bei ihrer Nachtarbeit ebenso wohl gefühlt wie du und fühlten sich wahrscheinlich auch genauso gesund. Ich habe auch nie gesagt, dass sie krank sind. Aber sie sehen ausgemergelt und verbraucht aus, im Gegensatz zu anderen, die Zeit Lebens ausreichend Nachtschlaf hatten.

es gibt eine Menge Menschen, für die Minijobs ideal sind, als Nebenjobs, neben Studium, neben Familie, als Rentner. Ich glaube nicht, dass man da unbedingt den Menschen einen Gefallen tut, diese Jobs in vollwertige Arbeitsverhältnisse umzuwandeln, ganz im Gegenteil!

Keine Ahnung was du mit "vollwertige Arbeitsverhältnisse" meinst. Ich habe nichts gegen Nebenjobs. Nur finde ich, die sollten von der Kostenseite analog zu den regulären Beschäftigungen sein, um Arbeitgebern den Anreiz zu nehmen, reguläre Jobs in Minijobs umzuwandeln.

ich glaube kaum, dass wir den vollautomatischen Supermarkt als Regelfall erleben werden.

Wir vielleicht nicht, aber ganz sicher die nach uns kommenden Generationen.


Dina90

Aber in meiner theoretischen Vorstellung würde ich lieber ein halbes Jahr lang für wenig Geld ein paar Stunden die Woche Klos putzen, wenn ich danach die Chance auf einen zumindest etwas besseren Job habe.

Die hast du ja nicht. Bei dieser Regelung, dass Langzeitarbeitslose für die Dauer von 6 Monaten vom Mindestlohn ausgenommen sind, wirst du nach 6 Monaten nach Hause geschickt und der nächste Langzeitarbeitslose steigt für dich ein. Nach 12 Monaten, wenn du erneut als Langzeitarbeitslose eingestuft bist, darfst du dich dann wieder melden.

DBin1a9x0


Timbatuku

Das ist wohl auch regional abhängig. Ich wohne und arbeite ja in Bayern - da werden nicht mal Leute in der ach so bösen Zeitarbeit besonders schnell entlassen. Im Gegenteil, oft ist das die Chance auf eine Festeinstellung bei den "Großen" der Region.

Dass das in anderen Regionen nicht so ist, ist mir natürlich klar und für die Betroffenen auch schwierig und ungerecht.

lPercheDnszuonge


1) bezüglich Nachtarbeit kommen wir nicht auf einen Nenner. Nimm es einfach hin: es gibt Menschen, bei denen Nachtarbeit keine gesundheitlichen Schäden hervorruft, die nicht "gesunden Nachtschlaf", sondern "gesunden Tagschlaf" brauchen! Das ist auch keine Frage der Gewöhnung. Ich habe als Schüler das ja jahrelang mitmachen müssen, vor 8 Uhr aufstehen ist für mich einfach extreme Qual, richtig los gehts bei mir erst um 10 Uhr. Dafür bin ich abends noch topfit und aktiv und es ist ebenso eine Qual, vor Mitternacht, also zu meiner besten Tageszeit aufhören zu müssen. Die Menschen sind halt unterschiedlich!

2) Was die Abgaben bei Minijobs angeht, sind wir uns einig.

3) Der "vollautomatische Supermarkt" ist meiner Ansicht nach eine Totgeburt. Als flächendeckendes Phänomen werden den weder wir noch unsere Kinder erleben. Warum sollte man die Kunden zwischen die Automaten schicken? Ein vollautomatisches Lager ist weitaus effizienter und sicherer, den Rest machen ein paar billige Packer und billige Zusteller.

Das herkömmliche Kaufhaus (Karstadt & Co.) wird ja auch nicht durch automatisierte Kaufhäuser abgelöst, sondern durch Amazon & Co., also Logistikzentren und Onlinehandel. Solange die Minijobber in den Supermärkten noch so billig sind wie derzeit, können sich Onlineanbieter noch nicht durchsetzen, aber falls das mal anders aussehen sollte, dann kann ich mir gut vorstellen, nicht nur Bekleidung, Elektronik, Möbel etc. online zu kaufen, sondern auch meine Lebensmittel online zu kaufen...

Tnaps


Der "vollautomatische Supermarkt" ist meiner Ansicht nach eine Totgeburt. Als flächendeckendes Phänomen werden den weder wir noch unsere Kinder erleben. Warum sollte man die Kunden zwischen die Automaten schicken? Ein vollautomatisches Lager ist weitaus effizienter und sicherer, den Rest machen ein paar billige Packer und billige Zusteller.

Ein vollautomatischer Supermarkt ist ja auch völlig überflüssig. Der Onlinehandel ist letztendlich nichts anderes. Dann erübrigen sich auch alle Diskussionen um Ladenöffnungszeiten. Der Wegfall der Arbeitsplätze im Einzelhandel und die neuen Herausforderungen an die Logistik sind ein anderes Thema.

Mir würde das sehr entgegen kommen. Ich habe schon Unmengen an Zeit sinnlos vertrödelt, bis irgendwelche Geschäfte öffnen. Kein Mensch redet von früheren Öffnungszeiten, immer nur von Verlängerungen nach hinten. Ich könnte mir sehr gut vorstellen, morgens meine Lebensmittel zu bestellen und nach Feierabend geliefert zu bekommen. Meine Zeit ist morgens, um 22 Uhr schlafe ich.

YCtonMg11


[[https://www.google.de/search?q=bestellen+und+im+laden+abholen&oq=bestellen+und+im+laden+abholen&aqs=chrome..69i57.6682j0j1&sourceid=chrome&es_sm=122&ie=UTF-8 Früh bestellen und Abends abholen]] gibts schon ganz viel. Find ich auch gut :-) :)^

T?apxs


Naja ich würde mir gerne alle gewünschten Lebensmittel einfach zusammenklicken. Ein ganz Teil ist davon aber noch ausgenommen. In Geschäfte liefern lassen bringt mir als Nichtautofahrer auch nichts (insofern überhaupt vor Ort). DHL, Hermes und co kommen auch spätestens gegen Mittag.

Also so ausgereift ist das ganze System für mich noch nicht. Aber ich bin da ganz zuversichtlich, bis ich Rentner bin, wird sich noch einiges ändern.

EZhemaligAer N\utzer f(#528611x)


@ Dina90:

Mit "Ossies" meine ich, dass sich viele von uns Ossies eben zu sehr pressen und ausnutzen lassen, nur um zu arbeiten. Und das eben noch sehr stark ausgenutzt wird. Gwrade, wenn es um Langzeitarbeitslose geht... Extrem viele Leute hier berechnen ihren Wert als Mensch danach, ob sie einer Arbeit nachgehen.

Bestes Beispiel meine Mutter: Geht seit Jahren Putzen. Das ist nicht das Problem. Das Problem ist, dass sie für ihre Chefin noch privat putzen geht. BEI der Chefin.

Das ist eh weder im AV, noch wird sie für die Überstunden bezahlt. Damit ist sie auf dem Weg da hin garnicht versichert.

Aber "Hauptsache ich habe Arbeit!".

%-|

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