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Werdet Ihr als Vorgesetzte/Ausbilder/Lehrende respektiert?

cxrie@chaxrlie hat die Diskussion gestartet


Ich bin Dozent an einer Uni. Ich habe eigentlich immer ein sehr gutes Verhältnis zu den Studenten, meine Kurse sind gefragt, es fällt niemand durch und versuche, die Arbeit für die Studenten zielorientiert zu minimieren.

In zwei Wochen erstelle müssen zwei Kurse Klausur bei mir schreiben. Ich habe noch nie eine erstellt, da ich bis jetzt immer Projektseminare als Prüfungsform gewählt habe, da gab es als Leistungsprobe eine HP, die ich bewertet habe.

Nun vertrete ich meinen erkrankten Chef bei den Anfängern und muß eine Klausur erstellen.

Abgesehen davon, dass die Studis im Seminar allmählich durchdrehen und Angst haben, dass "wir mit dem Stoff nicht durchkommen", was ich echt nicht verstehe, denn 1. kam der Semesterplan von mir und 2. stelle ich die Aufgaben, ich stelle doch keine Aufgaben zu Themen, die wir nicht behandelt haben...??...

Mein Seminar wird von einem Tutorium begleitet, ich hatte am Donnerstag ein bisschen frei und habe mich nach Absprache mit dem Tutor mit reingesetzt, wollte sehen, wo die Schwierigkeiten sind, damit ich das nicht dran nehme in der Klausur.

Da ist mir wieder verstärkt aufgefallen, was ich in letzter Zeit immer mehr spüre:

die Studenten haben einen fast unnatürlichen Respekt. Also nicht alle - es gibt die eine Gruppe, der ist man ziemlich egal, die sehen auf dem Gang durch einen durch und essen im Unterricht demonstrativ- ....

die, die sich am schlechtesten benehmen, sind komischerweise Frischlinge vom Gym, nur mal am Rande...

aber die meisten bekommen fast nen Vogel, wenn ich sie anspreche oder, wie im Tutorium, ihnen anbiete, dass ich mich zwanglos neben sie setze und wir uns über das Thema unterhalten...

Auch im Unterricht oder vorher oder hinterher, werden sie bei näherem Umgang deutlich nervös und trauen sich kaum, sich mit mit zu unterhalten oder ihre Wünsche vorzubringen.

Liegt das an meinem zunehmenden Alter oder daran, dass das Anfänger sind?

Oder wildere ich da zwischen den Rollen, wenn ich bei inoffizielleren Gelegenheiten, wie dem Tutorium, eine zwanglosere Diskussion anstrebe?

Heute war ich auch in der Videothek und der Typ am Empfang hat mich angesprochen, dass er mich wohl von der Uni her kennt... und als ich das bejaht habe, wurde sofort in 's "Sie" gewechselt und er hat mich persönlich beraten wollen... auch seine Kumpels um ihn rum haben mich angestarrt wie einen bunten Hund...

ist denn ein Uni-Lehrer im Ernst so... naja, ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll ...

ich habe immer den Eindruck, dass mir immer weniger zugestanden wird, ein Mensch zu sein.

Weiß gar nicht, was ich damit nun will, vielleicht ein Meinungsbild, wie es denn anderen älteren im beruflichen Kontext so geht... also Abteilungsleiter oder Vorarbeiter oder Ausbilder...

wie ist der Umgang mit den youngsters so?

Antworten
C#omraxn


Respekt verdient man sich und ich möchte schon, dass meine Mitarbeiter Respekt vor mir haben. Aber nicht so, dass sie sich vor Nervosität einnässen, wenn ich ein Gespräch führe.

Was du schilderst ist eher Respekt, der in Richtung Nervosität geht. Das erlebe ich bei Azubis (in unserem Berufsumfeld in der Regel auch direkt vom Gym) und bei neuen Mitarbeitern. Nach spätestens 3-6 Monaten ist diese alberne Unterwürfigkeit verschwunden. Als Mensch möchte ich respektiert werden wie jeder andere Kollege auch, ich biete sämtlichen Kollegen nach der Probezeit das "Du" an und lege Wert darauf, dass man sich nicht an übertriebenen Förmlichkeiten aufreibt. Schon gar nicht bei Feiern oder Dingen außerhalb des Jobs.

Wo ich aber mehr Respekt einfordere ist eher gegenüber meinen Entscheidungen als gegenüber mir als Person. Dazu bin ich nun mal Führungskraft, dass ich diese treffe und diese Gesetz sind, solange man mich nicht von etwas Anderem überzeugt. Aber der persönliche Umgang soll auf jeden Fall zwanglos sein. Das lernen die Leute aber schnell bei mir und das klappt auch gut.

M/ess(aggixo


Zwischen Unterwürfigkeit und Respekt liegt ein weites Feld.

Ein Professor meines Sohnes hat ihm nach der Matura (Abitur) das "Du-Wort" angeboten.

Damit hat sich mein Sohn nicht wohlgefühlt, laut seiner Aussage hat er anschließend das "Sie" und das "Du" vermieden.

Schwierige Gesprächsbasis.

Jahre danach hat er ihn zufällig getroffen, das "du" klappte immer noch nicht.

Schade!

W/aterTlxi2


Also ich finde das gut, wenn mich meine Schüler siezen und etwas "ehrfüchtige Distanz" halten. Es gibt auch Lehrer, die sich neben Schüler setzen und die einzeln beraten, aber ich finde, das muss man sich auch erstmal erarbeiten. Grundsätzlich haben erstmal alle Schüler Respekt vor mir, aber wenn ich zu kumpelhaft werde, verlieren sie den. Angst vor Klausuren usw. gibts natürlich auch, aber das ist doch normal. Lieber fragen die 30mal nach, ob ich auch wirklich eine faire Klausur erstelle, als dass sie gar nichts sagen und ihnen einfach alles scheißegal ist.

Ich finde es manchmal schwierig, meine Entscheidungen als Gesetz darzustellen, weil öfter Entscheidungen hinterfragt werden und ich dieses Hinterfragen manchmal wirklich sinnvoll finde. Andererseits darf man sich nicht zu oft hinterfragen lassen, weil man dann gleich als inkompetent gilt und die Schüler dann zum Direktor rennen und Mist erzählen, statt mit einem selbst Probleme zu besprechen.

Ich hab aber z.B. nie das Problem, dass Schüler außerschulische Probleme haben und davon nichts erzählen. Die kommen damit oft von selbst zu mir an. Das würden sie nicht tun, wenn ich der Typ wäre, der immer nur Stoff durchzieht und jedes familiäre Problem als Ausrede einstuft. Wenn ein Schüler erzählt, dass er innerhalb zwei Monaten zweimal die Pflegefamilie wechseln musste und beim Umzug ein Arbeitsblatt weg gekommen ist, dann nehm ich das auch erstmal so hin.

Im Studium gehts um was, nämlich darum, ob man später mal nen Job kriegt oder ob die Eltern einem den Geldhahn zudrehen etc. also da finde ich es normal, dass die Studenten einen anderen Respekt haben als 8.Klässler, die mitten in der Pubertät sind und deren Endnoten später überhaupt nichts zählen.

ich habe immer den Eindruck, dass mir immer weniger zugestanden wird, ein Mensch zu sein.

Du bist auch kein Mensch. Du bist in der Rolle es Dozenten. Das ist deine Arbeitsrolle. Die Studenten nehmen dich nicht als "criecharlie der Alltagsmensch" wahr und das ist auch gut so, zu deinem eigenen Schutz. Du unterscheidest hoffentlich noch zwischen Arbeit und Freizeit/Privatleben? ;-)

EVhemaYliger NYutz.er (#4x67193)


Du bist auch kein Mensch. Du bist in der Rolle es Dozenten. Das ist deine Arbeitsrolle.

Das klingt zwar hart, aber ein Fünkchen Wahrheit ist da sicher dabei. Regelt sicher jeder für sich, aber das ist bei mir zumindest auch so. Als Vortragender, Seminarleiter etc. gebe ich mich sicher anders, als in einem lockeren Umfeld, in dem ich eine andere Beziehung zu den Menschen habe, als über die Arbeit (oder eben Uni).

Damit fahre ich, für mich, recht gut. Da gibt es sicherlich auch verschiedenste Typen in dieser Hinsicht - aber das ist die, in der ich mich als Vortragender am wohlsten fühle, damit am besten Leistung bringe und gleichzeitig authentisch auftreten kann.

die Studenten haben einen fast unnatürlichen Respekt. Also nicht alle - es gibt die eine Gruppe, der ist man ziemlich egal, die sehen auf dem Gang durch einen durch und essen im Unterricht demonstrativ- ....

Sind halt auch zwei unterschiedlichste Einstellungen - auf mich hatten und haben Uni-Dozenten oder Profs (zumindest viele...) eine Vorbildwirkung. Respektlosigkeit oder undiszipliniertes Verhalten gäbe es da nicht und ja, das betrifft dann auch den Umgang mit entsprechender Person.

und als ich das bejaht habe, wurde sofort in 's "Sie" gewechselt und er hat mich persönlich beraten wollen... auch seine Kumpels um ihn rum haben mich angestarrt wie einen bunten Hund...

Find ich auch in Ordnung und eine Form der Höflichkeit von Seiten des Studenten. Das es für dich ungewohnt sein mag, leuchtet mir aber ein.

Weiß gar nicht, was ich damit nun will, vielleicht ein Meinungsbild, wie es denn anderen älteren im beruflichen Kontext so geht... also Abteilungsleiter oder Vorarbeiter oder Ausbilder...

Da scheiden sich glaube ich ein bisschen die Geister, ich kann mit manchen Profs im Arbeitsumfeld, abseits vom Lehrsaal, dann sehr gut. Da waren wird dann aber auch in der Phase, wo ich keine Seminare o.ä. mehr besucht habe. Da gabs ne tolle Kommunikation auf Augenhöhe.

Mir persönlich wäre es gegenüber meiner Vorgesetzten egal, ob wir nun das Du- oder Sie-Wort als Anrede gebrauchen. Spielt für mich keine große Rolle. Aber ein gesundes Grundmaß an gegenseitiger Wertschätzung und Respekt sollten sich beide Seiten entgegenbringen - aber das trifft finde ich auch auf andere Bereiche der Alltagskommunikation zu.

MJoni6ca197x9


Schon gar nicht bei Feiern oder Dingen außerhalb des Jobs.

Gerade dort habe ich mit Führungspersonen sehr unangenehme Erfahrungen gemacht. Nur wenige schaffen es ihre Führungsposition von ihrer privaten Person zu trennen, und treten privat genau so auf. Wenn dann eine wie ich, die strikt zwischen Beruf und Privatleben trennt, denen klar machen muss, dass meine Freundlich- und Aufrichtigkeit innerhalb des Berufs so absolut gar nichts mit meinem privaten Auffassung dieser Person zu tun hat, hatten schon so einige Männer extreme Probleme damit klar zu kommen. Deshalb vermeide ich mittlerweile jeden privaten Kontakt, so weit es geht. Firmenfeiern sind für mich Arbeit, nicht mehr. Man erkennt allerdings mit so einer Einstellung wie meiner, sehr schnell, wer von den Führungspersonen kein Privatleben hat... :-/ :|N

c%ri}echua$rlxie


zu deinem eigenen Schutz. Du unterscheidest hoffentlich noch zwischen Arbeit und Freizeit/Privatleben? ;-)

ja, sicher.

Soweit ich es nicht und wird es nicht kommen...

mir ist halt bloß dieses Unterwürfige zur Zeit aufgefallen, aber evtl. liegt es auch einfach an den Kursen dieses Semester.

Lzorud HoPnxg


So eine unterwürfige Art ist mir während meiner gesamten Tätigkeit an der Uni nicht untergekommen.

Es ist aber auch so, dass ich nie Vorlesungen gehalten habe da ich keine Venia Legendi hatte. Das heißt ich habe Tutorien gemacht und mal eine oder zwei Vorlesungstermine in Vertretung.

Generell waren die Studenten respektvoll gegenüber mir, hinterfragten zuweilen aber auch Dinge die ihnen unverständlich oder falsch erschienen.

Ok, es gab da immer ein oder zwei die da ein wenig querulant waren, aber nie in der Art als dass es die Lehre gestört hätte. Bis auf ein mal, das waren dann aber auch alles Leute die gerade von der Schule kamen, du mussten noch lernen dass sie an der Uni mehr eigeninitiative und Disziplin haben müssen als an der Schule. Da habe ich dann Quasseltrippen einfach auseinandergesetzt oder rausgeschmissen.

War auch nur 1 oder 2 mal nötig.

Ich denke dass dieses ehrfürchtige Verhalten auch mit der Uni oder dem Lehrstuhl zusammenhängen könnte.

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