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Haustür abschließen oder nicht?

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RS17:

Ich bin auch der persönlichen Meinung, dass die brandschutzrechtliche Auflage, höher einzustufen ist, als meinetwegen der Schutz vor Gefahr eines Einbruches. Allerdings wurde hier im Faden ja auch schon dargelegt, dass auch ein Einbruch hypothetisch eine Gefahr für Körper und Leben sein kann.

Ich habe mich mal kurz mit zwei Mietrechtler unterhalten (kurzes, zweiminütiges Gespräch). Die Reaktion war interessant, beide verwiesen auf das Urteil vom Frankfurter Landgericht, aber auch auf das Urteil vom Amtsgericht Hannover. Dieses besagt, dass der Hausverwalter nach Abwägung selbst bestimmen kann, wie die Hausordnung ist und dass das Gericht dies dann zu akzeptieren hat.

Beide reagierten so, dass ich vermute, dass die juristische Lage möglicherweise derzeit noch nicht wirklich eindeutig ist.

Und daher bin ich gespannt, was in Deinem Falle herauskommt.

A(liceimzWondeNrlanxd


Das aktuelle Beispiel aus Bayern ist m. M. nach auch etwas anders gelagert. Der Verurteilte hatte keine Genehmigung in dem Haus Personen übernachten (ist von 54 illegalen Unterkunftsmöglichkeiten für Übernachtungsgäste die Rede) zu lassen.

Da er der Meinung war, dass er brandschutztechnisch nicht nachrüsten könne, erklärte er den Behörden (Landratsamt), die ihn dazu aufgefordert hatten die brandschutzrechtlichen Auflagen zu erfüllen, dass es im Haus zukünftig zu keinen Übernachtungen mehr käme. Dagegen hat er aber dann doch verstoßen. Er hat somit die Behörden getäuscht, den Brandschutz unterlaubterweise umgangen und damit leichtfertig das Leben anderer riskiert.

R{S-17F00


Selbst wenn bei einem Einbruch weder Leib und Leben in Gefahr waren, so hinterlässt das bei vielen ein Trauma, wenn die ganze Bude durchwühlt wurde. Es gibt sogar Menschen, die anschließend ausziehen, weil sie sich in ihrer alten Wohnung nicht mehr sicher fühlen.

Die Entscheidung des Amtsgerichts Hannover besagt nur, dass der Vermieter selber, also der Eigentümer, festlegen kann ob die Haustüre nachts abgeschlossen werden muss oder nicht. Der Hausverwalter selbst kann das nicht. Er verwaltet nur und lässt die Eigentümer darüber abstimmen. Ein guter Hausverwalter wird aber auch darauf hinweisen, dass der Beschluß in der Eigentümerversammlung die Haustüre nachts abzuschließen nicht einer ordnungsgemäßen Verwaltung entspricht, und daher nicht bindend ist. Kurz gesagt ein solcher Beschluß ist für die Katz. Genauso ist es mit dem lapidaren Satz in der Hausordnung, dass das Halten von Tieren verboten ist. Daran muss sich niemand halten, weil dies unwirksam ist (dazu gibt es ein Urteil vom OLG Saarbrücken).

Bei mir ist das so, dass meine Miteigentümerin abschließt, ich das aber nicht will. Bei einem Mehrheitsverhältnis von 50% zu 50% ist also keine Einigung erreichbar. Was das Urteil vom Landgericht Frankfurt betrifft wurde hier auf der Eigentümerversammlung mehrheitlich beschlossen, dass die Tür nachts abgeschlossen wird (Das Amtsgericht in Kassel hat diesen Beschluß für rechtmäßig erklärt). Das Landgericht Frankfurt hat diesen Beschluß aber wieder gekippt, weil es dem Brandschutz widerspricht und es technische Möglichkeiten gibt beiden Sicherungsinteressen gerecht zu werden. Insofern denke ich, dass ich gute Chancen habe mit meiner Unterlassungsklage Erfolg zu haben.

Die Rechtslage ist leider sehr widersprüchlich, weil in den Landesbauordnungen nicht eindeutig geregelt ist welche technischen Vorraussetzungen eine Fluchttür oder deren Schloss in einem Rettungsweg erfüllen muß. Dort steht nur, dass ein Weg ins Freie führen muss. Vom Landgericht Köln gibt es sogar ein Urteil aus dem Jahr 2013, wonach der Bewohner des Erdgeschosses dazu verdonnert wurde, die Haustür abzuschließen. Ich bin überzeugt davon, dass auch dieses Urteil vom OLG in Köln bei Wiederaufnahme des Verfahrens und unter Berücksichtigung des Brandschutzes wieder einkassiert würde.

Mit dem Fall in Bayern wollte ich nur klar machen, welche Folgen es hat, wenn man sich wissentlich oder trotz Vorwarnung über den Brandschutz hinwegsetzt. Staatsanwälte sind in solchen Fällen gnadenlos. Oder anders ausgedrückt, wer es billigend in Kauf nimmt dass Menschen zu Schaden kommen macht sich strafbar.

a|n_re


Auwei. Ihr habt doch alle einen Schlüssel oder nicht?

Meine, unsere Haustüre bleibt und ist IMMER geschlossen. Amtsschimmel hin oder her.

AuliceimWo2nderlxand


Du hast Recht, ich hätte formulieren sollen: der Hausverwalter als ausführendes Organ für den/die Eigentümer/gemeinschaft.

Staatsanwälte sind in solchen Fällen gnadenlos.

Ist auch richtig so. :)^ Denn das was da passiert ist, ist ja grauenhaft und für die Opfer gleichfalls "gnadenlos" gewesen. :-/

Ich drücke Dir die Daumen, dass Du bei dem Richter/in Gehör findest. :)^

Es ist nur verwirrend, dass die Gericht zu so unterschiedlichen Ergebnissen kommen und so eine Eindeutigkeit nicht erkennbar ist. Es ist alles ein bisschen unsicher...

TVelehfonfelnlxe


an_re,

und weshalb ist das so? Gab es bei euch im Haus schon einmal Einbrüche? Besteht die Gefahr, dass euer Haus zum Ziel von Einbrechern wird?

Welcher Einbrecher kommt denn durch die Haustür? Der moderne Einbrecher bedient sich entweder eines Tricks, um ins Haus zu gelangen, oder nutzt offenstehende Fenster, Terassen, Kellertüren. Die Haustüre ist für Einbrecher absolut uninteressant, zumal diese in der Regel von Nachbargebäuden einsehbar ist.

Eine abgeschlossene Haustüre bietet nur Nachteile. Dem Pizzaboten muss aufgeschlossen werden. Das war in meinem früheren Wohnhaus (Hochhaus Baujahr 1950) immer sehr "amüsant", wenn man dann im Schlafanzug aus dem 10. Stock zur Haustüre dackeln durfte, weil mal wieder jemand von innen abgeschlossen hatte...

Im Brandfall steht man vor verschlossener Türe. Personen, die aus irgendwelchen Gründen das Haus schnell verlassen möchten (man denke an häusliche Gewalt...) können es nicht. Es gibt technische Lösungen, und man sollte sie auch nutzen wenn man denn unbedingt eine Hochsicherheitshaustüre benötigt. Abschließen ist einfach nur lästig, unnötig und im Ernstfall auch gefährlich, ohne dass es im positiven Sinne sicherheitsrelevant wäre. Gerade bei meinem Beispiel von eben wäre ein Einbrecher einfach durch eine der Kellertüren ins Haus gekommen, die allesamt veraltete Schlösser aus den 1950er Jahren hatten, statt den Weg über die Haustüre zu nehmen.

E0hemalOiger NVutzer (#421x703)


Auwei. Ihr habt doch alle einen Schlüssel oder nicht?

Meine, unsere Haustüre bleibt und ist IMMER geschlossen. Amtsschimmel hin oder her.

Das sei dir in deinem Privateigentum selbst überlassen.

Ich wünsche dir allerdings niemal, das du nachts um 2 Uhr vor der verschlossenen Haustüre steht und es hinter dir lichterloh brennt.


In einem Mehrfamilienhaus ist das ohne die zuvor genannten baulichen Veränderungen nicht zulässig.

l$erch@efnzu3nge


Ich finde es sehr traurig, dass hier der rechtliche Weg beschritten wird, statt dass eine -hier im Thread wiederholt benannte- existente technische Lösung Anwendung findet!

E-hemal5iger oNutzer (i#42170x3)


@ lerchenzunge

Ja, schon seltsam dieses Phänomen.

Wenn die Leute "Angst" haben um einen Einbruch wird vermutlich alles andere denken abgeschaltet.

Auf der einen Seite Angst das etwas gestohlen wird und auf der anderen Seite zu knausrig, 150€ zu investieren.

R*S-1]7L00


Hallo lerchenzunge,

das ist nicht nur traurig! Es kostet mich seit acht Jahren Nerven dieser alten Dame klar zu machen, dass so etwas nicht geht. Jeder Vorschlag das Problem mit einem anderem Schloß zu lösen wird von ihr abgelehnt. Wenn man nicht Selbstjustiz ausüben möchte bleibt einem leider nur der Weg zum Gericht.

Dazu fällt mir nur das Zitat von Albert Einstein ein: Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.

M[onstxi


Als wir noch in Berliner Altbauten wohnten, war es uns durchaus wichtig, dass zumindest in der Nacht die Haustüre verschlossen war. Nach der Wende hatten wir längere Zeit das Problem, dass dort Polen übernachteten und im Treppenhaus ihre Exkremente hinterließen. Schon dies war für uns ein Grund, auf eine geschlossene Haustür zu drängen. Später waren es Einbrüche in den obersten Geschossen (wo man bekanntlich besonders unbeobachtet ist), die nur mit verschlossener Haustüre zu verhindern waren.

In meiner Wohnung im 4. OG wurde einst eingebrochen, als ich für eine Woche verreist war. Geklaut hatte man nur wenig (ich besaß kaum etwas, was Diebe interessierte), aber dass da Fremde in meinem intimen Bereich zugange waren, die alles gründlich verwüsteten bzw. mutwillig zerstörten, fand ich alles andere als witzig. Meine Wohnung war ein einziger Trümmerhaufen. Bücher waren aus den Regalen genommen und wahllos zerrissen worden. Der Inhalt meiner Aktenordner lag zerstreut und z.T. zerrissen in der Wohnung herum, darunter wichtige Studienunterlagen und meine begonnene Examensarbeit. Alte Fotos mit Erinnerungswert lagen zerrissen herum. In meinem Bett strahlte mir ein mittig platzierter Scheißhaufen entgegen, der wenigstens nicht mehr stank. Geklaut wurden eine goldene Halskette mit Anhänger von meiner Patentante und ein Diamantring meiner Uroma. Hätten sie doch nur den alten S/W-Fernseher oder das Transistorradio entwendet, das hätte mir weniger weh getan ...

In keinem einzigen der vielen Miethäuser, in denen ich wohnte, hatte es übrigens jemals gebrannt.

Siilbe!rmolnAdauxge


Es gibt doch, neben dem schon erwähnten, auch Schlösser, da kommt man von außen nur mit Schlüssel rein, von innen ist offen

Bei uns war lange Zeit das Problem dass die Haustür sperrangelweit offen blieb :-(

AaliceKimWoCnKderxland


Jeder Vorschlag das Problem mit einem anderem Schloß zu lösen wird von ihr abgelehnt.

Ich überlege mir gerade, ob man vor Gericht so was als Vorschlag bringen könnte. Die Erlaubnis, dass so ein Schloss eingebaut werden kann, man sich dann aber die Kosten teilt. Oder läuft das dann auf einen Vergleich hinaus? ":/

A+liceimWhonderlaxnd


Monsti:

Das ist heftig... :-/ :(v Wahrscheinlich kommen daher die Gerichte zu so unterschiedlichen Urteilen, weil die Wohn/Gefahrenlagen auch unterschiedlich sind und daher der Vermieter aufgrund der Erfahrung abwägen kann.

Trotzdem bin ich immer noch der Meinung, dass im Falle eines Brandes so ein Haus für Bewohner und gegebenenfalls Gäste u. U. zur tödlichen Falle werden kann. Auch wenn ich weiß, das Einbrüche sicher häufiger vorkommen, als Hausbrände.

Bisher gibt es wohl noch keine Gesetze, die in Mehrfamilienhäusern vorschreiben, dass der Einbau eines Panikschlosses Vorschrift ist. Es ist nur die Lösung, die sich aus der momentanen Gesetzeslage ergibt. So habe ich das verstanden. Es ist wohl ein kleines Dilemma. :-/

R<S-1x700


Diesen Vorschlag sollte man schon vorher machen, damit es gar nicht erst zu einer Gerichtsverhandlung kommt und genau das habe ich, leider vergeblich, getan.

Da meine Miteigentümerin nicht dazu bereit ist sich auf irgendeinen Kompromiss einzulassen und weiterhin die Tür abschließt bleibt mir gar nichts anderes übrig als auf Unterlassung zu klagen.

Ein Vergleich ist immer eine teure Sache, da sich dann beide die gerichtlichen und die außergerichtlichen Kosten teilen müssen. Ich habe deswegen auch keinerlei Interesse daran in der Gerichtsverhandlung einen Vergleich zu erzielen. Ich bin zwar immer noch bereit mich an den Kosten für das Auswechseln des Profilzylinders oder des Schlosses zur Hälfte zu beteiligen, aber die Kosten für die Klage soll die alte Concierge gefälligst selber tragen.

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