» »

Auf welcher Grundlage wird die Armutsgrenze in D berechnet?

Cpin~namxon4 hat die Diskussion gestartet


Da das Thema "Armutsgrenze" im Faden "Hunger und Schuld" gerade etwas gestreift wurde und ich es spannend finde, den Faden aber nicht schreddern wollte, hier ein neuer Faden dazu.

Wie also wird diese festgelegt?

In folgender Quelle

[[http://www.cecu.de/armutsgrenze.html]]

findet man diese Angaben:

Single-Haushalt:

979 Euro

2 Erwachsene, 2 Kinder:

2.056 Euro

Auf folgender Website habe ich sowohl eine Art Berechnungsgrundlage hierfür gefunden, als auch eine Erklärung dafür, warum Familien im Verhältnis viel weniger Geld zugestanden wird als Single-Haushalten.

[[http://www.arm-und-reich.de/verteilung/mittelschicht.html]]

Ein Alleinstehender zum Beispiel zählt demnach zur Mittelschicht im engen Sinne, wenn er zwischen 1.310 und 2.460 Euro verdient. Andere Grenzwerte gelten für Familien, weil diese andere Bedürfnisse haben. Statistiker ziehen deshalb das sogenannte bedarfsgewichtete Nettoeinkommen heran. Hinter diesem Begriff steckt die Idee, dass es ein Unterschied ist, ob jemand einen Single-Haushalt führt und jede Anschaffung – von der Waschmaschine bis zum Fernseher – alleine finanzieren muss, oder ob er in einem Mehr-Personen-Haushalt lebt und somit Vorteile durch das gemeinsame Wirtschaften hat, weil Waschmaschine oder Auto von mehreren genutzt werden. Deshalb werden die Haushaltseinkommen nach dem Bedarf gewichtet: Der erste Erwachsene hat den Faktor 1, jedes weitere Haushaltsmitglied ab 14 Jahre den Faktor 0,5, Kinder unter 14 Jahren bekommen den Faktor 0,3. Eine vierköpfige Familie braucht also nicht das Vierfache eines Singles, um zur Mittelschicht zu gehören, sondern nur gut das Doppelte.

Ich verstehe das Prinzip schon, habe aber nicht den Eindruck, dass das soo gewaltig gewichtet werden dürfte. Es stimmt zwar, dass Anschaffungen gemeinsam getätigt werden können, aber Geräte gehen bei gehäufter Nutzung ja auch schneller kaputt als Geräte in Single-Haushalten.

Es macht ja einen Unterschied, ob ich als Single meine Maschine 2 Mal die Woche laufen lasse oder als große Familie 1 - 2 Mal am Tag. Die Wäsche von meinem Freund und mir hat sich, seit wir zusammengezogen sind, zumindest verdoppelt ;-D (abgesehen von Geschirrtüchern und Bettlaken, ich geb's zu ;-) ). Auch isst man ja nicht plötzlich weniger, nur weil man zusammenwohnt, jeder muss sein Öffi-Ticket zahlen und Kleidung braucht auch jeder für sich. Gut, bei Kindern können kleinere Geschwister auch mal was von den größeren auftragen und man kriegt hier und da Familienrabatte bei Veranstaltungen o.ä. Aber fällt das so ins Gewicht?

Ich kenne noch den Spruch, dass ein Kind so viel kostet wie ein Einfamilienhaus, bis es auf eigenen Beinen steht. Deswegen frage ich mich halt, wie realistisch solche Berechnungen sind und wie die überhaupt erhoben werden. Ich persönliche fände wohl diese Gewichtung angebrachter:

Der erste Erwachsene hat den Faktor 1, jedes weitere Haushaltsmitglied ab 14 Jahre den Faktor 0,8, Kinder unter 14 Jahren bekommen den Faktor 0,5.

Auch von diesem bedarfsgewichteten Nettoeinkommen ab frage ich mich, warum man relative Armut misst. Relative Armut zu messen hilft ja schon dabei, Statistiken zu erstellen und zu sehen, wie der Wohlstand in einem Land verteilt ist. Gibt es denn aber auch Erhebungen dazu, wann der Lebensstandard so niedrig ist, dass man als relativ arm gelten müsste?

Antworten
dpummsc1hmarrQer7x4


Gibt es denn aber auch Erhebungen dazu, wann der Lebensstandard so niedrig ist, dass man als relativ arm gelten müsste?

meinst du "absolut"? wenn nein, verstehe ich deinen letzten absatz nicht.

Cjinnamjonx4


meinst du "absolut"? wenn nein, verstehe ich deinen letzten absatz nicht.

Ich meinte nicht "absolut". "Absolut" bedeutet ja, dass man nur etwa 1 US-Dollar pro Tag zur Verfügung hat, wenn ich richtig informiert bin.

Vielleicht meine ich eher "gefühlte Armut", auch wenn es das auch nicht richtig trifft.

Ich meine eben einen Ansatz, bei dem man die Armut innerhalb eines Landes nicht an einem durchschnittlichen Gehalt misst, sondern an der Möglichkeit, bestimmte Güter zu erwerben oder auch nicht zu erwerben.

a1nfa[ngmitfrxeude


eine möglichkeit stellt der gini-koeffizient dar. da war das aktuelleste, was ich gefunden habe von 2014 und bezog sich auf daten von 2012. [[http://www.handelsblatt.com/politik/international/diw-studie-deutschland-hat-groesste-vermoegensungleichheit-in-der-eurozone/9541460.html demnach]] ist in keinem anderen land der eurozone das vermögen so ungleich verteilt, wie in deutschland. ungleiche verteilung heisst auch immer, dass die relative armut sehr hoch ist, denn wenige haben sehr viel, in der mitte haben einige ein bisschen was und unten viele gar nix.

ich würde auch vermuten, dass die werte sich seit 2012 noch verschlimmert haben und dass die armut grösser geworden ist.

2011 hat sich wegen der miesen sozialpolitik in D sogar von die UN besorgt [[http://www.taz.de/!5116959/ gezeigt]].

das problem ist, dass es in deutschland keine genauen zahlen gibt. über die vermögen der reichen und superreichen weiss der staat nichts. wirtschaftswissenschaftler und insider vermuten daher, dass das vermögen der oberen 10-20% in deutschland noch viel höher ist und dass daher die ungleichheit noch höher ist.

Vielleicht meine ich eher "gefühlte Armut", auch wenn es das auch nicht richtig trifft.

diesen ansatz finde ich auch sinnvoller, als den etwas willkürlichen 1 dollar-ansatz. mit einem dollar kann ich vielleicht in afrika dafür sorgen, dass ich satt und sauber bin, mehr aber auch nicht. in europa und deutschland kommt dazu noch ein gigantischer batzen für miete, versicherungen, lebensmittel, kleidung, usw. dazu. und da hat man noch keine luxusgüter wie mal eine flasche wein hier oder ein bio-steak da erworben und hat auch noch nicht am sozialen und kulturellen leben teilgenommen. die eintrittspreise für kino, zoo oder konzerte sind ja auch nicht grade günstig.

wie gesagt, ich halte mich da an den gini-koeffizienten. und da bin ich sicher, dass der noch krasser ausfallen würde, wenn genauere zahlen vorliegen würden.

A!ufDKerAr*beiZt


Von einer anderen Seite aus betrachtet: ich hab letztens gelesen das die Menschen zwischen 30-50% ihres Nettolohnes (je nach Region) nur für die Wohnung ausgeben. Und Räume wie Badezimmer und Küche sind erstmal unabhängig von der Anzahl der Personen die sie verwenden. Sagen wir so: wenn ein Single mit 50 qm für Küche, Wohnzimmer, Schlafzimmer, Badezimmer auskommt, braucht es für eine weitere Person vielleicht 65 - eben ein zusätzliches Schlafzimmer. 100qm sind meistens für eine 4-köpfige Familie mehr als ausreichend und dabei nicht das 4fache einer Single-Wohung sondern nur das doppelte.

Der Hausrat-Versicherung ist die Personenanzahl egal. Die Haftplicht für Familien kaum teurer als die Single-Haftpflicht. Heizkosten sind die Personen egal. Strom auch nur zu einem kleinen Teil abhängig von der Personenanzahl.

CGinna0monx4


Das mit dem Gini-Koeffizienten schaue ich mir nachher mal in Ruhe an, muss gleich noch aufräumen :)D . Aber danke für deine ausführliche Nachricht, anfangmitfreude @:) !

Von einer anderen Seite aus betrachtet: ich hab letztens gelesen das die Menschen zwischen 30-50% ihres Nettolohnes (je nach Region) nur für die Wohnung ausgeben. Und Räume wie Badezimmer und Küche sind erstmal unabhängig von der Anzahl der Personen die sie verwenden. Sagen wir so: wenn ein Single mit 50 qm für Küche, Wohnzimmer, Schlafzimmer, Badezimmer auskommt, braucht es für eine weitere Person vielleicht 65 - eben ein zusätzliches Schlafzimmer. 100qm sind meistens für eine 4-köpfige Familie mehr als ausreichend und dabei nicht das 4fache einer Single-Wohung sondern nur das doppelte.

Da ist schon was dran, da kann ich den Ansatz auf jeden Fall verstehen, weitere Haushaltsmitglieder nicht mit dem Faktor "1" zu belegen. Wenn man den Partner aber z.B. mit dem Faktor "0,5" belegt, frage ich mich eben, ob das wirklich so passt. Bevor ich mit meinem Partner zusammengezogen bin, habe ich für die Miete ca. 100 Euro mehr gezahlt. Ich spare also schon, aber jetzt auch nicht sooo massiv.

Und zum Thema "Badezimmer" würde ich nur gerne sagen: Bei 4 Personen sollte nach Möglichkeit schon ein zweites Badezimmer vorhanden sein, das wird sonst nicht lustig ;-D !

Der Hausrat-Versicherung ist die Personenanzahl egal. Die Haftplicht für Familien kaum teurer als die Single-Haftpflicht.

Aber bei der Hausratversicherung spielt zumindest die Wohnungsgröße eine Rolle. Aber so viel teurer wird es nicht, das stimmt.

Heizkosten sind die Personen egal.

Wenn sich alle im selben Raum aufhalten schon. Da das als Familie ja aber nicht oft so ist/sein muss, kann man schon mit höheren Heizkosten rechnen.

Strom auch nur zu einem kleinen Teil abhängig von der Personenanzahl.

Echt? Bei meinem Stromanbieter spart man im "Doppelpack" nur geringfügig.

LGoplaxX5


Ich finde auch, dass die Defintion der Armutsgrenze als Prozentsatz des Median- oder Durchschnittseinkommen nicht so ganz das Wahre ist.

Und zum Thema "Badezimmer" würde ich nur gerne sagen: Bei 4 Personen sollte nach Möglichkeit schon ein zweites Badezimmer vorhanden sein, das wird sonst nicht lustig ;-D !

Also ich habe bis 18 zuhause gewohnt und das gemeinsame Badezimmer zu viert war nie auch nur ansatzweise ein Problem. Und das obwohl alle das Bad jeweils einzeln genützt haben. Gut, mag davon abhängen, wie umfangreichen Stylingaufwand die Familienmitglieder betreiben (und ob in dem Bad auch die einzige Toilette ist) aber wer zu viert nicht mit einem Badezimmer auskommt hat m.E. die Ansprüche schon ganz schön hochgeschraubt. ":/

CWinVnam\onx4


Also ich habe bis 18 zuhause gewohnt und das gemeinsame Badezimmer zu viert war nie auch nur ansatzweise ein Problem. Und das obwohl alle das Bad jeweils einzeln genützt haben. Gut, mag davon abhängen, wie umfangreichen Stylingaufwand die Familienmitglieder betreiben (und ob in dem Bad auch die einzige Toilette ist) aber wer zu viert nicht mit einem Badezimmer auskommt hat m.E. die Ansprüche schon ganz schön hochgeschraubt. ":/

Davon bin ich ausgegangen @:) . Ein weiteres WC im Haus ist für mich auch eine Art weiteres Badezimmer, auch wenn nicht voll ausgestattet.

CKinWnMamonx4


P.S.: Und trotzdem braucht es auch bei einem Badezimmer und einem WC morgens eine gewisse Organisation, sodass das Bad auch jedem zugänglich ist. Kommt halt auch drauf an, ob alle gleichzeitig los müssen oder nicht, noch duschen wollen oder nicht. Abends dasselbe. Und ausgiebig zu duschen ist halt auch schwierig, wenn es immer drei Leute gibt, die evtl. noch auf Klo wollen (vorausgesetzt, es gibt kein zweites). Hängt halt auch wieder davon ab, inwiefern sich die Aufenthaltszeit aller Familienmitglieder in der Wohnung überschneidet. Und es ist natürlich auch die Frage, wo man die Grenze zwischen "Luxus" und "Grundbedürfnis" zieht. Das ist ja überhaupt so die Kernfrage meines Fadens, ob man diese Grenze halbwegs objektiv ziehen kann und wenn ja, wie.

CHinnnamo/n4


Habe mir das mit dem Gini-Koeffizienten jetzt mal angeschaut. Ich denke, dass das definitiv ein besseres Maß als die Armutsgrenze und/oder Median ist, um den Wohlstand eines Landes zu beurteilen. Wenn meine Quelle stimmt (wikipedia :=o ) ist Japan da ja ganz weit vorne mit dabei beim gleichmäßigen Wohlstand? Deutschland fällt dann ab unter die Top 20 zwischen Länder wie Ruanda oder Bangladesh :=o . Klingt jetzt für mich als Laie nicht so pralle. Naja ^^.

N?ann9i77


Echt? Bei meinem Stromanbieter spart man im "Doppelpack" nur geringfügig.

Naja siehs mal so, ob ich allein oder zu zweit vor dem Fernseher sitz ist dem Strompreis wurscht. ;-) Licht, Kühlschrank, Gefrierschrank, Herd etc das selbe. Ich als Single muss das alleine bezahlen, zu zweit braucht man vielleicht geringfügig mehr, dafür kann mans teilen. ;-)

CPinnXamxon4


Naja siehs mal so, ob ich allein oder zu zweit vor dem Fernseher sitz ist dem Strompreis wurscht. ;-) Licht, Kühlschrank, Gefrierschrank, Herd etc das selbe. Ich als Single muss das alleine bezahlen, zu zweit braucht man vielleicht geringfügig mehr, dafür kann mans teilen. ;-)

Wenn dem so ist, werde ich das ja bei der nächsten Rückzahlung merken :)z . Vom jetzigen Abschlag her geht mein Anbieter zumindest nicht von größeren Ersparnissen aus. Das mit dem Fernseher stimmt, da verbraucht man ja wirklich gleich viel, aber auch nur, wenn beide immer zur selben Zeit fernsehen. Wir haben z.B. auch zwei Computer, die genutzt werden, 2 (Mini-)Kühlschränke, wo vorher jeder nur einen hatte, wir kochen mehr, teilweise auch häufiger. Ob sich das so viel nimmt ist halt die Frage.

a nfansgmlitfreuxde


Habe mir das mit dem Gini-Koeffizienten jetzt mal angeschaut. Ich denke, dass das definitiv ein besseres Maß als die Armutsgrenze und/oder Median ist, um den Wohlstand eines Landes zu beurteilen. Wenn meine Quelle stimmt (wikipedia :=o ) ist Japan da ja ganz weit vorne mit dabei beim gleichmäßigen Wohlstand? Deutschland fällt dann ab unter die Top 20 zwischen Länder wie Ruanda oder Bangladesh :=o . Klingt jetzt für mich als Laie nicht so pralle. Naja ^^.

bei wikipedia wäre ich da vorsichtig. die daten sind zum teil aus verschiedenen jahren und teilweise noch uralt und daher nicht mehr wirklich aussagekräftig.

es ist da ziemlich schwer, international vergleichbare daten zu finden, denn der gini-koeffizient wird zum teil auf unterschiedliche art berechnet und anhand teilweise auch mangelhafter daten.

was ich noch finden konnte, war eine [[https://qzprod.files.wordpress.com/2013/05/gini-coefficient-for-germany-years-approximate-_chart.png?w=640 grafik]], die die entwicklung des gini-koeffizienten für deutschland seit 1985 zeigt.

C%innamxon4


Ja, deswegen schrieb ich ja auch, dass meine Quelle wiki ist - :=o .

Die Grafik ist interessant. Es gab da ja einen rapiden Anstieg zwischen 2000 und 2005. Warum das denn?

a0nfangmNitf<reudxe


Die Grafik ist interessant. Es gab da ja einen rapiden Anstieg zwischen 2000 und 2005. Warum das denn?

ich vermute, das war der auftakt zur finanzkrise. sozusagen die blase, die sich erst aufbaute und dann 2007 platzte. damals haben ja einige leute mit griechischen staatsanleihen oder fonds mit amerikanischen immobilien oder mit spekulation auf grundnahrungsmittel viel geld verdient.

Wollen Sie selber etwas dazu schreiben?

Dann melden Sie sich an bzw. lassen Sie sich jetzt registrieren, das ist kostenlos und innerhalb weniger Minuten erledigt. Interessant sind sicher auch die übrigen Diskussionen des Forums Beruf, Alltag und Umwelt oder aber Sie besuchen eines der anderen Unterforen:

Allergien · Zahnmedizin


Nicht angemeldet: Anmelden | Registrieren | Zugangsdaten vergessen? | Hilfe

Startseite | Impressum | Nutzungsbedingungen | Netiquette | Datenschutz | Mobile Ansicht   © med1 Online Service GmbH