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Auf welcher Grundlage wird die Armutsgrenze in D berechnet?

a[nfang2mit7freudxe


@ aug233:

dem stimme ich ein stück weit zu. armut ist meiner erfahrung auf dem land wirklich was anderes. dort kennt man die leute und teilt auch mal miteinander. hier und da bekommt man was umsonst und gibt mal was, wenn man kann. auch kommt auf dem land eher wenig exorbitanter reichtum vor. die wohlhabenden auf dem land sind schnell gezählt: der pfarrer, lehrer und beamte und schliesslich künstler und aussteiger. ergo lohnt es sich auf dem land auch nicht, dutzende geschäfte im dorf zu haben, sondern vielleicht eines oder zwei. alle kaufen dort ein und alle fahren für weitere einkäufe in die stadt.

in der stadt hingegen kannst du dir nur als wirklich reicher eine wohnung in bestlage leisten. selbst der pfarrer, beamte oder lehrer muss mitunter abstriche machen in der wohnungssuche, sei es bei der zimmerzahl, wohnungsgrösse oder bei der lage. auch gibt es in der stadt an jeder ecke geschäfte, die dir zeigen, wie arm du bist, denn wirklich darin einkaufen gehen kannst du auch nur sporadisch. es fängt schon damit an, dass du dir morgens einen kaffee beim bäcker holst - der ist meiner erfahrung nach auf dem land wesentlich günstiger, als in der stadt.

und zu guter letzt kommt auch noch die chance zur teilweisen selbstversorgung. ob man nun hühner hält oder einen apfelbaum pflegt oder eine obstwiese sein eigen nennt oder, oder, oder. auf dem land gibt es in jeder familie den ein oder anderen, der sich teilweise selbst versorgt und mit dem überschuss nachbarn und verwandte versorgt. in der stadt kannst du das vergessen.

was mich zu der frage bringt, wieso es die menschen trotzdem in die stadt zieht? ;-D

ich landei wollte als kind immer in der stadt leben, fand es auf dem dorf furchtbar öde und langweilig, fand die freizeitchancen erbärmlich und die menschen borniert.

nun leb ich in der stadt und finde das überangebot an freizeit ermüdend und teilweise lächerlich (letztens der "tag des schlafes") und finde auch das shopping-angebot nicht mehr so doll, wie früher. denn damals zahlten meine eltern, wenn wir mal in der stadt waren, nun muss ich selber zahlen. ungerecht! ;-D

letztendlich ist es ein phänomen, das psychologen noch untersuchen müssen, warum menschen in städte ziehen.

I$sab@elxl


cinnamon4

Per se zu sagen, arm ist nur, wessen Existenz bedroht ist, widerspricht doch total dem Punkt, dass Armut subjektiv sein soll.

Ja, ist mir im Nachhinein auch aufgefallen - war unglücklich ausgedrückt. ;-)

Ich meinte damit, wenn man es objektiv betrachtet, dann sollte man eben von "Existenzgrenze" oder bedrohter (in gesundheitlicher, nicht menschenwürdiger) Existenz reden.

Arm daran ist z.B., dass gesunde Ernährung da vermutlich sehr auf der Strecke bleibt. Man kann sich darüber streiten, wie ungesund Nahrungsmittel aus konventioneller Landwirtschaft wirklich sind, aber dass sie stark mit Antibiotika und Pestiziden belastet sind, ist Fakt. Als an der Armutsgrenze lebender Mensch, geschweige denn als Hartz-IV-Empfänger, hat man kaum die Möglichkeit, seine Nahrungsmittel in guter Qualität zu erwerben. Man ist auf die Discounter angewiesen. Es wird einem also die Möglichkeit genommen, sich gesund zu ernähren und damit Krankheiten vorzubeugen.

Das halte ich für recht überzogen.

- Erst mal kann ich mich auch mit dem Geld von HartzIV bei guter Planung durchaus gesund ernähren. (Diese "Fallbeispiele" die man immer wieder von den Medien vorgesetzt bekommt kann ich nicht als repräsentativ anerkennen.)

- Dann hängt es natürlich davon ab, was ich unter "gesunder Ernährung" verstehe.

- Ich will es nicht groß ausdiskutieren, aber diesen "Fakt" den Du da erwähnst, dem stimme ich nicht komplett zu. Zumindest mittlerweile werden gerade Lebensmittel vom Discounter sehr stark kontrolliert. Und schwarze Schafe gibt es auch bei den sogenannten "Bio-Bauern" etc.. Das sind ja auch nicht Alles automatisch Engel.....

- Fast Jeder den ich kenne, auch die, die mehr verdienen, die man sogar fast als wohlhabend bezeichnen kann, kaufen bei Aldi und Co. ein. Auch wenn manche zusätzlich den Metzger/Landwirt etc. ihres Vertrauens haben mögen. Oder auch mal einen Fisch oder ein Stück Fleisch für 30 Euro pro Kilo kaufen mögen - aber Du wirst mir zustimmen, dass das für eine gesunde Ernährung nicht zwingend nötig ist.

Man hat nicht die Möglichkeit, optimal medizinisch versorgt zu werden, da man sich ausschließlich die Kassenleistungen leisten kann. Das ist definitiv besser als nichts, aber in einer Mehrklassengesellschaft (privat/gesetzlich/Selbstzahler) wird man als armer Mensch immer Abstriche machen müssen - und das meine ich nicht im medizinischen Sinne ;-D .

Auch das halte ich für überzogen.

Ok, Ausnahme ist sicher ein chronisch kranker Mensch der bestimmte medizinische Versorgung braucht, das räume ich ein.

Man ist dann arm, weil man vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen ist.

The same....überzogen.

Ich war jahrelang in einem sehr geringen Einkommsenbereich, fühlte mich aber nie ausgeschlossen. "Nur" weil ich nicht in Restaurants, ins Kino etc. gehen konnte, hatte ich dennoch genug Kontakte und Möglichkeiten.

Man ist dann arm, weil man sich nicht selbst verwirklichen kann. Kurse an Volkshochschulen kosten Geld, Musikunterricht kostet Geld, die Mitgliedschaft im Fitnesscenter oder Sportverein kostet Geld. Von Reisen will ich gar nicht ersten reden.

Ich kann/konnte mich auch ohne viel Geld selbst verwirklichen. Man muß nur kreativ sein ;-). Hier sind wir jetzt aber wirklich auf einer sehr, sehr subjektiven Ebene ;-).

Arm ist man nicht, wenn man die Wahl hat, wie man leben will.

Ganz genau! Und die Wahl wie ich leben will, die habe ich auch mit wenig Geld (HartzIV).

Dass Reiche und Arme so selten zusammenfinden, hat ja weniger damit zu tun, dass sich "gleich und gleich" gern gesellt, sondern dass Reiche und Arme meist in völlig unterschiedlichen Kreisen verkehren und daher keine Berührungspunkte haben. Das kann zum Einen natürlich gewollte Abgrenzung bedeuten; es ist aber auch einfach so, dass ich mir als Hartzer halt nur die öffentliche Schule und nicht die Elite-Schule leisten kann. Ich kann mir nur ne normale Uni und keine reiche Privat-Uni leisten. Als Mensch ohne Kapital lebe ich am Rand der Städte, die Reichen können sich die Wohnungen in der Innenstadt leisten. Als Reicher kaufe ich schlimmstenfalls bei Alnatura, als Armer bestenfalls bei REWE.

Puh....ziemlich krasse Vorstellungen. So ein wenig sehr schwarz-weiß, oder nicht?

Mein Freundes-, Bekannten-, ja sogar Familienkreis ist da völlig bunt gemischt. Von recht wohlhabend (mit "reich" bin ich immer etwas vorsichtig, ist ähnlich wie bei "arm" ;-)), über Mittelstand, bis hin zu wenig (man muß eben rechnen, mehr planen). Ich gehöre noch immer zu Letzteren, habe mich aber noch nie ausgegrenzt gefühlt. Ich kann eben bestimmte Dinge nicht tun, mir nicht leisten - dafür sehe ich aber auch, dass die Menschen mit mehr Geld nicht unbedingt glücklicher sind....

Es hängt immer von Einem selbst ab - solange die Existenzgrenze nicht erreicht ist.

I_sabLell


anfangmitfreude

Schönes Stichwort (ich reiße es jetzt mal ein wenig aus dem Zusammenhang, sorry ;-)):

es fängt schon damit an, dass du dir morgens einen kaffee beim bäcker holst

Ich habe es erlebt, dass Menschen gejammert haben sie hätten zu wenig Geld - trotzdem ich ihnen einen Kaffee bei mir anbot, lieber zum nächsten Bäcker gegangen sind und 3 Euro für einen "Kaffee to go" ausgegeben haben, dazu dann noch - man war ja nun schon mal da - für weitere 2 Euro irgendein Gebäck dazu, obwohl ich frischen Kuchen da hatte...also nicht mißverstehen, sie waren da bei mir zu Besuch, aber der Kaffee vom Bäcker war eben 'schicker', es war ja noch nicht mal so, dass meiner ihnen nicht schmeckte! Und die 'Apfeltasche' vom Bäcker, darauf hatten sie eben mehr Lust als auf meinen Kirschkuchen...

Klar, muß Jeder selbst wissen. Dann aber zu jammern, man habe ja kein Geld für XY - da habe ich kein Verständnis für. Ich sehe darin auch so eine Art "Status Symbol" nach Außen hin vorzuheucheln, "seht mal, ich kann das"....solche Menschen sind sicher in gewisser Weise "arm" - aber noch sicherer nicht in der Hinsicht auf das Geld.

Ich kann mich nicht hinstellen und sagen: "Ich bin arm" - denn solange ich die Wahl habe was ich mit dem Geld mache welches mir zur Verfügung steht, wo ich meine Prioritäten diesbezüglich setze noch wählen kann, solange bin ich nicht arm.

Ich persönlich rauche, schrieb ich ja schon. Meine Entscheidung. Ich könnte dieses Geld auch für einen Urlaub sparen oder für (teurere) Klamotten oder eine Spülmaschiene - was auch immer. Aber ich entscheide das. Und solange ich das kann, bin ich nicht arm.

T8ragis@che8rClxownfisch


Ich habe es erlebt, dass Menschen gejammert haben sie hätten zu wenig Geld - trotzdem ich ihnen einen Kaffee bei mir anbot, lieber zum nächsten Bäcker gegangen sind und 3 Euro für einen "Kaffee to go" ausgegeben haben, dazu dann noch - man war ja nun schon mal da - für weitere 2 Euro irgendein Gebäck dazu, obwohl ich frischen Kuchen da hatte...also nicht mißverstehen, sie waren da bei mir zu Besuch, aber der Kaffee vom Bäcker war eben 'schicker', es war ja noch nicht mal so, dass meiner ihnen nicht schmeckte! Und die 'Apfeltasche' vom Bäcker, darauf hatten sie eben mehr Lust als auf meinen Kirschkuchen...

Klar, muß Jeder selbst wissen. Dann aber zu jammern, man habe ja kein Geld für XY - da habe ich kein Verständnis für.

Jepp, das sehe ich auch so.

Solche Falschheiten erlebe ich mit den Leute auch immer, auch in anderer Hinsicht. Man merkt dann immer im Nachhinein, dass die Not dann ja wohl doch nicht so groß war wie das Gejammer darüber.

Twragi:scherCclownfisxch


Leuten muß es heißen. Habe Fitz in den Fingern und Tastatur kaputt. *rausred* %:|

I}sab^elxl


TragischerClownfisch

Mir geht es eher darum aufzuzeigen, dass man ja die Wahl hat.

Wie gesagt, ich rauche, da sagen auch sehr Viele: "Wie kann man Geld so verpulvern?" Ist ok, so hat eben Jeder seine Ansicht. Doch solange ich es finanziell kann (mein Geld für so etwas eben nicht Existentielles ausgeben kann), "darf" ich mich nicht gleichzeitig hinstellen und darüber jammern, dass ich mir ja z.B. nichts anständiges (gesundes) zu Essen kaufen könnte.

Mir geht es hier nicht um die Entscheidung des Einzelnen für was er sein Geld ausgibt, sondern um das "Jammern".

Und darum, dass ich solange nicht "arm" bin, solange ich solche Entscheidungen noch treffen kann.

Heißt: wer mal eben ca. 5 Euro beim Bäcker ausgeben kann obwohl er es woanders kostenlos haben könnte (oder der eben raucht ;-)), rein aus Lust und Laune - dem kann es finanziell nicht so schlecht gehen.

abugj233


Irgendwo vorn schrieb jemand: "..wenn arm, dann vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen..". Einspruch: es kommt auf den Anspruch an! Wer bei der Richtung Musik etwas für Klassik übrig hat, der bekommt im Gewandhaus Leipzig für kleines Geld eine Karte, auch für tolle Konzerte. In einer anderen Stadt für 20,- Euro Jahresbeitrag Zutritt zu allen Konzerten einer Musikakademie, und das sind gut 60 bis 80 Konzerte im Jahr!

Für jene, die Discounter-Ernährung für gefährlich halten: läuft bei uns seit über 30 Jahren und die Ärzte finden keine Gesundheitsgefährdung.

Ärzteversorgung: selbstverständlich gibt es in der Stadt mehr davon, aber deren Geschäftsmodelle sind mit denen eines Autohauses austauschbar; es geht um Rendite! Auf dem Land denkt der Arzt unter Umständen anders und ist nicht sofort zur Stelle. Ja, da stirbt es sich schon mal schneller! Sind 5 oder 10 Jahre mit Halbseitenlähmung ein Lebensziel?

CNinn#amon4


@ Isabell

Per se zu sagen, arm ist nur, wessen Existenz bedroht ist, widerspricht doch total dem Punkt, dass Armut subjektiv sein soll.

Ja, ist mir im Nachhinein auch aufgefallen - war unglücklich ausgedrückt. ;-)

Ich meinte damit, wenn man es objektiv betrachtet, dann sollte man eben von "Existenzgrenze" oder bedrohter (in gesundheitlicher, nicht menschenwürdiger) Existenz reden.

Naja, aber genau darum geht es mir in diesem Faden hier ja nicht. Dass kaum jemand in Deutschland unterhalb der Existenzgrenze leben muss, haben wir ja schon geklärt, das war ja gar nicht Thema. Es geht darum, was jedem Menschen zustehen sollte. Oder meinst du, dass man eben das nicht messen kann aus deiner Sicht?

Das halte ich für recht überzogen.

- Erst mal kann ich mich auch mit dem Geld von HartzIV bei guter Planung durchaus gesund ernähren. (Diese "Fallbeispiele" die man immer wieder von den Medien vorgesetzt bekommt kann ich nicht als repräsentativ anerkennen.)

Darf ich dich ganz ehrlich interessiert fragen, wie das geht? Ich finde es wirklich bemerkenswert - auch noch unter dem Aspekt, dass du rauchst - dass du genug Geld für gesunde Ernährung übrig hast.

- Dann hängt es natürlich davon ab, was ich unter "gesunder Ernährung" verstehe.

Das stimmt.

- Ich will es nicht groß ausdiskutieren, aber diesen "Fakt" den Du da erwähnst, dem stimme ich nicht komplett zu. Zumindest mittlerweile werden gerade Lebensmittel vom Discounter sehr stark kontrolliert. Und schwarze Schafe gibt es auch bei den sogenannten "Bio-Bauern" etc.. Das sind ja auch nicht Alles automatisch Engel.....

Da hast du natürlich Recht. Bäume mit Kupfer zu spritzen ist ja nun auch nicht wirklich besser als herkömmliche Pestizide zu benutzen, z.B. Jetzt aber auch mal abgesehen von den Schadstoffen, sind in regionalen oder (!) Bio-Lebensmitteln nachweislich mehr Nährstoffe enthalten, und zwar viel mehr als in konventionellen oder weit gereisten Artikeln. Wenn man also im Aldi (z.B.) ausschließlich frische und regionale Waren pflanzlicher Natur kauft, wird wohl auch das gesund sein. Sobald man aber tierische Produkte kauft oder verarbeitete Lebensmittel, wird man mit Bio immer um ein Vielfaches besser - in gesundheitlicher und moralischer Hinsicht - versorgt werden. Warum steht das nicht allen Menschen zu?

- Fast Jeder den ich kenne, auch die, die mehr verdienen, die man sogar fast als wohlhabend bezeichnen kann, kaufen bei Aldi und Co. ein. Auch wenn manche zusätzlich den Metzger/Landwirt etc. ihres Vertrauens haben mögen. Oder auch mal einen Fisch oder ein Stück Fleisch für 30 Euro pro Kilo kaufen mögen - aber Du wirst mir zustimmen, dass das für eine gesunde Ernährung nicht zwingend nötig ist.

Das stimmt. Ich halte aber auch nichts davon, wenn wohlhabende Menschen standardmäßig bei Aldi einkaufen. Mit mehr Geld geht da auch einfach eine gewisse Verantwortung einher, finde ich.

Auch das halte ich für überzogen.

Ok, Ausnahme ist sicher ein chronisch kranker Mensch der bestimmte medizinische Versorgung braucht, das räume ich ein.

Und chronisch krank sind immer mehr Menschen. Alleine psychisch Erkrankte, aber auch Menschen mit Bluthochdruck, Krebs, Stoffwechselstörungen. Ausreichende medizinische Betreuung findet hier leider nicht immer statt, kann man nicht selbst zuzahlen.

The same....überzogen.

Ich war jahrelang in einem sehr geringen Einkommsenbereich, fühlte mich aber nie ausgeschlossen. "Nur" weil ich nicht in Restaurants, ins Kino etc. gehen konnte, hatte ich dennoch genug Kontakte und Möglichkeiten.

Um ehrlich zu sein, übersteigt das im Moment meine Vorstellungskraft. Ich denke da an Treffen bei mir Zuhause, zum Grillen oder Kaffeetrinken. So hält man seine Kontakte, neue kann man aber kaum treffen.

Ich kann/konnte mich auch ohne viel Geld selbst verwirklichen. Man muß nur kreativ sein ;-). Hier sind wir jetzt aber wirklich auf einer sehr, sehr subjektiven Ebene ;-).

Ja, natürlich ist das subjektiv. Es ist halt auch die Frage, was man unter Selbstverwirklichung versteht. Man hat mit wenig Geld bestimmt die Möglichkeit, sich Papier und Stift zu kaufen und zu malen, auch am PC Geschichten zu schreiben - wenn einem das aber nicht liegt? Seine Fähigkeiten und Interessen frei zu entfalten, stelle ich mir anders vor.

Vielleicht ist meine Vorstellungskraft aber auch tatsächlich einfach zu begrenzt.

Arm ist man nicht, wenn man die Wahl hat, wie man leben will.

Ganz genau! Und die Wahl wie ich leben will, die habe ich auch mit wenig Geld (HartzIV).

Hm... das sehe ich eben anders. Und wenn, ist sie viel eingeschränkter als bei jemandem, der wohlhabend oder gar reich ist.

Puh....ziemlich krasse Vorstellungen. So ein wenig sehr schwarz-weiß, oder nicht?

Nö, finde ich jetzt nicht.

Mein Freundes-, Bekannten-, ja sogar Familienkreis ist da völlig bunt gemischt. Von recht wohlhabend (mit "reich" bin ich immer etwas vorsichtig, ist ähnlich wie bei "arm" ;-)), über Mittelstand, bis hin zu wenig (man muß eben rechnen, mehr planen). Ich gehöre noch immer zu Letzteren, habe mich aber noch nie ausgegrenzt gefühlt. Ich kann eben bestimmte Dinge nicht tun, mir nicht leisten - dafür sehe ich aber auch, dass die Menschen mit mehr Geld nicht unbedingt glücklicher sind....

Hm... für mich gibt es da eben eher 5 als 3 Kategorien. Reich, wohlhabend, Mittelstand, etwas knapper und arm. Die Armutsgrenze heißt ja auch nicht umsonst Armutsgrenze und nicht "Etwas-weniger-gut-betucht-Grenze". Hast du denn Gründe dafür, dass so - für mich klingt es - schwammig auszudrücken?

Und natürlich ist Glück nicht in erster Linie eine Frage des Geldes. Es gibt da sogar Untersuchungen zu, die besagen, dass ab einem bestimmten Einkommen die Zufriedenheit der Menschen sogar wieder sinkt. Bis zu einem gewissen Einkommen steigt sie jedoch auch.

[[http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/reichtum-studie-60-000-euro-jaehrlich-reichen-fuer-vollendetes-glueck-a-716132.html]]

C.inniamoxn4


es kommt auf den Anspruch an! Wer bei der Richtung Musik etwas für Klassik übrig hat, der bekommt im Gewandhaus Leipzig für kleines Geld eine Karte, auch für tolle Konzerte. In einer anderen Stadt für 20,- Euro Jahresbeitrag Zutritt zu allen Konzerten einer Musikakademie, und das sind gut 60 bis 80 Konzerte im Jahr!

Ja, Leipzig ist ja eh ein günstiges Pflaster. Ich sage auch nicht, dass Teilhabe unmöglich ist, aber sie ist doch stark erschwert.

Für jene, die Discounter-Ernährung für gefährlich halten: läuft bei uns seit über 30 Jahren und die Ärzte finden keine Gesundheitsgefährdung.

Nee? Zuletzt war es doch Glyphosat, meine ich.

Ärzteversorgung: selbstverständlich gibt es in der Stadt mehr davon, aber deren Geschäftsmodelle sind mit denen eines Autohauses austauschbar; es geht um Rendite! Auf dem Land denkt der Arzt unter Umständen anders und ist nicht sofort zur Stelle. Ja, da stirbt es sich schon mal schneller! Sind 5 oder 10 Jahre mit Halbseitenlähmung ein Lebensziel?

Ich denke, mein Schwiegervater findet schon, dass es besser ist, dass er halbseitig gelähmt ist und nicht tot. Hätte ihn früher ein Arzt gefunden, wäre er vermutlich nicht mal das.

afnfangmi^tfWrxeude


@ isabell:

Ich habe es erlebt, dass Menschen gejammert haben sie hätten zu wenig Geld - trotzdem ich ihnen einen Kaffee bei mir anbot, lieber zum nächsten Bäcker gegangen sind und 3 Euro für einen "Kaffee to go" ausgegeben haben, dazu dann noch - man war ja nun schon mal da - für weitere 2 Euro irgendein Gebäck dazu, obwohl ich frischen Kuchen da hatte...

ich habe sowas noch nie erlebt. ;-D daher steht wohl aussage gegen aussage.

einzelfälle sind statistisch gesehen unbedeutend. auch ausreisser.

von diesen deinen persönlichen erfahrungen nun auf das armutsniveau in D zu schliessen oder darauf, wie arm menschen wirklich sind und wann sich jemand arm fühlen darf, halte ich für falsch.

ebenso könnte ich argumentieren, dass ein alg2-empfänger nicht zu jammern hat, was kultur angeht. er hat ja i.d.r. einen fernseher zuhause. zu kultur gehört aber nunmal mehr, konzerte, events, theater, usw. und daran nicht teilhaben zu können, weil das kleingeld fehlt, kann einen menschen durchaus subjektiv arm machen.

du magst urteilen, dass es für einen menschen nix existenzielles ist, sich von seinem eigenen geld einen popeligen kaffee und ein teilchen kaufen zu können, ein anderer mag der meinung sein, dein rauchen ist durchaus ein existenzielles bedürfnis. das will ich nur sagen: was existenziell ist und wo die armutsgrenze ist, das entscheidet jeder für sich selbst ganz alleine.

a-ug:233


@ anfangmitfreude,

ab wann besitzt eine Statistik Aussagekraft? Beispiel: wir stellen uns morgen mit der Alternative Kaffee aus der Kanne oder 2,- Euro auf die Hand in die Fußgängerzone. Welches Ergebnis muss sich bei 100 Personen ergeben um eine statistische Aussage zu sein?

a`nfdangmitf~reudxe


@ aug233:

die erhebung würde eher funktionieren, wenn wir anbieten, entweder einen kaffee von isabell geschenkt zu bekommen oder sich einen kaufen zu können. der coffee to go ist vielleicht einfach bequemer, da im mitnehmbaren pappbecher?

TbragEischesrClownbfiscxh


Heißt: wer mal eben ca. 5 Euro beim Bäcker ausgeben kann obwohl er es woanders kostenlos haben könnte (oder der eben raucht ;-)), rein aus Lust und Laune - dem kann es finanziell nicht so schlecht gehen.

Isabell

Ja, genau das meinte ich mit meinen Worten auch.

adug2A33


@ angstmitfreude:

Vorschlag angenommen, welche Zahlen müssen was ergeben?

Isabell, denn Kaffee bekommst natürlich ersetzt!

lFercBheOnzunge


nochmal aus einer ganz anderen Richtung gedacht, ein edanke, der mir beim Besuch einer frühneuzeitlichen Burg kam: die Edelleute, Grossgrundbesitzer, Adligen damals die in den Burgen und Schlössern wohnten waren ja die reiche Oberschicht, die mit grossen Vermögen, Dienern, teurem Schmuck, Gemälden, teurer Kleidung, Pelzen etc.

Aber

- wenn es kalt war im Winter, dann sassen die in zugigen, kalten Gemäuern dicht gedrängt am Ofen, die Fenster waren im Winter mit Brettern verschlossen, um -mehr schlecht als recht- den Wind abzuhalten, daher sass man im Halbdunkel, wem kalt war der musste im Winter in der Stube im Pelzmantel sitzen und sich vom Diener eine Wärmflasche bereiten lassen. Heute hingegen leben sogar fast alle Hartz IV Empfänger in Wohnungen mit Zentralheizung, Isolierung, Doppelverglasung etc.

- wenn es dunkel wurde, sassen auch die reichen Adligen zumeist bei funzeligen Tranlampen oder Kerzen. Heute kann fast jeder Hartz IV Empfänger einfach elektrisch Licht einschalten und so die Nacht zum Tag machen

- gesundes, frisches, unverseuchtes Wasser war oft auch gegen gutes Geld nicht verfügbar. Prinz Albert (der Mann von Queen Victroia) starb an Typhus, welches er durch verseuchtes Wasser im Palast sich zuzog. Heute hat fast jeder Hartz IV Empfänger einen Trinkwasseranschluss, aus dem er jederzeit sauberes, scharf überwachtes Wasser ohne jede Gesundheitsgefahr entnehmen kann

- die Notdurft entrichtete damals auch der Adel über dem Donnerbalken und fror sich dort ggf. im Winter die Kronjuwelen ab. Heute geht auch fast jeder Hartz IV Empfänger auf eine wohnungseigene, saubere, effiziente und warme Spültoilette

- nicht einheimische Nahrungsmittel, beispielsweise Südfrüchte, waren dem Volk damals quasi unbekannt, aber auch in reichen Adelskreisen war deren Genuss beschränkt auf seltene Anlässe. Heute kann fast jeder Hartz IV Empfänger ohne finanzielle Probleme beim Discounter zu fast jeder Jahreszeit Orangen, Zitronen, Bananen, Kakao, Kaffee etc. kaufen

- bereits eine mittlere Reise innerhalb Deutschlands war auch für Adlige damals mit viel Aufwand und Unbequemlichkeiten verbunden. Heute kann fast jeder Hartz IV Empfänger mit etwas Umschau nach preiswerten Tickets mit Bahn oder Fernbus bequem in wenigen Stunden von einem Ende Deutschlands ans andere Ende reisen.

- eine Reise quer durch Europa, zB. nach Italien, oder ins Heilige Land war auch für reiche Adlige damals eher eine "einmal-im-Leben" Sache. Heute kann sich fast jeder Hartz IV Empfänger mit etwas Ansparwillen regelmäßig, wenn auch nicht jedes Jahr, so doch alle paar Jahre, einen Urlaub auf Mallorca leisten.

- damals mussten sich Adlige ihre eigenen Hofkapellen oder Hoftheater, mindestens aber einen Hofnarren halten, wenn sie Unterhaltung wollten, heute sind eine Vielzahl von Kanälen zur individuellen Unterhaltung wie Radio, CD-Player, Spotify, Fernsehen, DVD, Youtube etc. für fast jeden Hartz IV Empfänger zugänglich

- Nachrichteninformationen erreichten auch Adlige auf längeren Distanzen nur mit erheblicher Verzögerung und ab und an auch gar nicht, heute kann jeder Hartz IV Empfänger über Zeitungen, Radio, Fernsehen, Internet sich täglich umfassend aus unterschiedlichen Quellen informieren

- wollte ein Adliger in Hannover zB. mit seinen Verwandten in England kommunizieren, so ging das nur per Brief mit langen Brieflaufzeiten. Heute kann auch ein Hartz IV Empfänger quasi rund um die Welt direkt mit jedem Menschen kommunizieren, schriftlich per Mail, die Stimme hören per Telefon, sogar sehen per Skype o.ä.

- wurde ein reicher Mensch damals krank, so konnte er auch gegen Geld nur eine sehr beschränkte medizinische Hilfe erhalten, auch weil viel Wissen über Krankheiten und ihre Entstehung noch nicht existierte, zB. Ärzte nach der Leichenschau ohne Händewaschen direkt zur Geburtshilfe gingen! Heute steht auch einem Hartz IV Empfänger eine sehr umfassende medizinische Versorgung zur Verfügung.

Dies machte sich auch in der Lebenserwartung der Menschen bemerkbar. Ein Mitglied der Unterschicht in London 1842 zum Beispiel hatte eine durchschnittliche Lebenserwartung von gerademal 22 Jahren. Aber auch die durchschnittliche Lebenserwartung eines Mitglieds der Oberschicht war mit 44 Jahren erschreckend gering. Heute ist die Lebenserwartung auch von Hartz IV Empfängern weit über 70.

Meine Schlussfolgerungen daraus nun sind

- heute lebt ein Hartz IV Empfänger in vielerlei Hinsicht so gut oder besser als die Könige und Adligen und Superreichen vor einigen Generation

- Grund dafür ist der wissenschaftlich-technologische Fortschritt, also die Schaffung von neuen Möglichkeiten und neuem Vermögen, nicht etwa eine sozialistische Verteilung von Vorhandenem.

- wollen wir in Zukunft die Armut weiter bekämpfen, so sollte wir uns daher nicht mit irgendwelchen Verteilungskämpfen rumschlagen, sondern Wissenschaft und Technik fördern und voranbringen!

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