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Auf welcher Grundlage wird die Armutsgrenze in D berechnet?

CLinnam,on4


- wollen wir in Zukunft die Armut weiter bekämpfen, so sollte wir uns daher nicht mit irgendwelchen Verteilungskämpfen rumschlagen, sondern Wissenschaft und Technik fördern und voranbringen!

Das ist definitiv ein Punkt, das stimmt.

Allerdings ist es nicht nur das. Beispiel: Krebs.

Sowohl in den USA als auch in Deutschland sind die neusten Kenntnisse die Krebstherapie betreffend vorhanden. In Deutschland wird jeder Mensch, der Krebs bekommt, versorgt. Wie ich ja schon andeutete, manchmal nicht optimal, aber man hat auch als Armer wenigstens eine Chance. In den USA sterben noch oft Menschen an Krebs, weil sie sich die Behandlung nicht leisten können. Das liegt dann schon am Sozialsystem.

Ich glaube, ich weiß, was du sagen wolltest, lerchenzunge. Niemandem in Deutschland geht es heut mehr so schlecht wie den Menschen in Mittelalter und wir leben sogar besser als die meisten Adligen von damals. Allerdings macht es für mein Anliegen mehr Sinn, die Lage der Armen von damals und heute und die Lage der Reichen von damals und heute zu vergleichen. Die armen Menschen haben einen großen Sprung gemacht, die Reichen aber einen noch größeren.

Wenn man von den Mitteln und dem Wissen ausgeht, welches der damaligen Gesellschaft und welches der heutigen Gesellschaft bereitsteht, werden die Menschen sowohl in der mittelalterlichen als auch in der heutigen Zeit ungleich und ungerecht behandelt, he nach Stand bzw. Einkommen.

Das zu verändern bedeutet neben dem Fortschritt in Technik und Wissenschaft auch einen Fortschritt im wirtschaftlichen und sozialen Denken. Denn sonst werden die Reichen den Armen immer 100 Schritte voraus sein, egal wann man so einen Vergleich zieht.

C{innaLmxon4


Mir ist da gerade auch noch ein witziger Vergleich eingefallen. Vergleichen wir doch mal die Lage der Superreichen heute mit der der Armen des Mittelalters:

- Die armen Menschen damals durften viel saubere Luft atmen als die Reichen heutzutage. Luftverschmutzung wie sie heute stattfindet gab es damals noch nicht.

- Die Armen mussten keine Angst haben, Kleidung zu tragen, die mit Schadstoffen belastet ist. Alles wurde selbst gemacht und man kannte das Schaf, von dem die Wolle kam, mit Vornamen. Kleidung von Tommy Hilfiger wird am selben Standort produziert wie Kleidung von KIK.

- Die Armen damals kannten keine Pestizide. Ihr Gemüse und Obst war von Natur aus BIO, genauso wie ihr Fleisch. Da konnte einen auch kein BIO-Laden der Welt verarschen.

- Die Armen von damals waren weder Handy- noch Mikrowellenstrahlung ausgesetzt. Das geht den Reichen heutzutage ganz anders.

Ich will damit nur aufzeigen, dass solche Vergleiche schnell unverhältnismäßig werden können.

h]ikl.einexs


Abgesehen von den Handy- und Mikrowellenstrahlungen, stimmt das alles für Europa leider nicht. Die Umwelt- und Luftverpestung war (vor allem in europäischen Städten) um ein vielfaches höher. Jedenfalls gilt das für die europäischen Länder im Mittelalter. Und mit welchen Stoffen gefärbt, gekocht, gegerbt, gearbeitet wurde...da würde uns heute schlecht werden. Bleitrinkbecher, Bleifarben, keine Rußabzugsmöglichkeiten in Häusern mit offenen Feuerstellen...das sind nur so drei Dinge, die mir einfallen. Die Leute sind ja nicht nur wegen der schlechteren Hygiene oder der härteren Arbeit früh gestorben. Die haben sich oft ihr Leben lang nach und nach vergiftet/vergiften lassen.

hGiklIeinexs


Also, ich muss leider zugeben, dass mein Beitrag nicht viel zur Diskussion beiträgt. Es unterstreicht lediglich den Punkt, dass es den Armen im Mittelalter generell und immer und universal schlechter ging als (unseren) Armen heute.

Tut mir leid ;-D

CuinFnamoxn4


Die Umwelt- und Luftverpestung war (vor allem in europäischen Städten) um ein vielfaches höher.

Obwohl es damals weder Autos, noch Industrie gab? Wie denn das?

Und mit welchen Stoffen gefärbt, gekocht, gegerbt, gearbeitet wurde...da würde uns heute schlecht werden.

Da wird mir sogar heute noch schlecht, wenn ich mir ansehe, mit was für Stoffen unsere Nahrung, Kleidung, unsere Fußböen, unsere Wände etc. belastet sind.

Bleitrinkbecher, Bleifarben, keine Rußabzugsmöglichkeiten in Häusern mit offenen Feuerstellen...das sind nur so drei Dinge, die mir einfallen.

Ja, das mit dem Blei war ne blöde Sache. Bis vor einiger Zeit gab es dafür Asbest in vielen Gebäuden. Und wer weiß, womit wir dieser Tage so vergiftet werden...

Die Leute sind ja nicht nur wegen der schlechteren Hygiene oder der härteren Arbeit früh gestorben. Die haben sich oft ihr Leben lang nach und nach vergiftet/vergiften lassen.

Die Menschen hatten auch nicht zuletzt eine schlechtere Lebenserwartung, weil die medizinische Versorgung um ein Vielfaches schlechter war als heute.

Also, ich muss leider zugeben, dass mein Beitrag nicht viel zur Diskussion beiträgt. Es unterstreicht lediglich den Punkt, dass es den Armen im Mittelalter generell und immer und universal schlechter ging als (unseren) Armen heute.

Ich weiß. Ich schrieb ja auch, dass die Armen von heute in puncto Versorgung und Wohlstand einen großen Sprung gemacht haben seitdem. Mein Beitrag war mehr als Unterstreichung davon gedacht, dass man die heutigen und die damaligen Zustände nicht wirklich vergleichen kann ;-) .

CUinmnamhonx4


Btw. fällt mir gerade ein - ich habe ja von den Armen gesprochen! Und arm waren in der Regel die Bauern oder gar Unfreie und die lebten wohl eher selten in der Stadt. Also trifft das mit der besseren Luft doch zu.

l[ereche}nzunxge


Die Umwelt- und Luftverpestung war (vor allem in europäischen Städten) um ein vielfaches höher.

Obwohl es damals weder Autos, noch Industrie gab? Wie denn das?

erstmal gab es sehr wohl Industrie, also produzierendes Gewerbe. Zum Beispiel Schmelz- und Glashütten, Köhlereien, Schmiede, Gerbereien. Dann aber auch den Hausbrand (Holz, aber auch Torf und Kuhdung, dann oft auch sehr schwefelhaltige Kohle).

Ein anderer sehr wesentlicher Einfluss war aber auch das Fehlen von Abwassersystemen. Die Fäkaliengruben verpesteten nicht nur die Luft, sie waren auch Krankheitsquellen (Cholera, Pest...) Sie waren auch gefährlich: Methangasbrände in Fäkaliengruben waren gerade in Städten keine Seltenheit und Ursache manch tödlicher Feuersbrunst (wenn sowas erstmal auf die Holzhäuser übergriff...) Dazu kam, dass auch die Stadtbevölkerung meist Tiere hielt, deren Ausscheidungen auf den Strassen lagen...

Es ist kein Wunder, dass die Kirchen im Mittelalter die Tradition prägten, in ihren Räumen Weihrauch zu verteilen, der einzige Ausweg gegen den Gestank der Stadtzentren.

lwerche#nzungxe


Denn sonst werden die Reichen den Armen immer 100 Schritte voraus sein, egal wann man so einen Vergleich zieht.

wohl wahr. Aber ist das schlimm? Solange nur alle, also Arme und Reiche sich vorwärts bewegen können und dies möglichst schnell, scheint mir die Frage des Abstandes sekundär.

Die Kraft in die Verringerung des Abstandes zu stecken, scheint mir da fehlinvestiert, mir scheint es wichtiger, die Geschwindigkeit, mit der alle voran kommen, zu erhöhen!

Um mal das Beispiel Krebsbehandlung zu nehmen: Krebs ist noch nicht hinreichend verstanden, die derzeitigen Behandlungsmethoden kratzen nur an der Oberfläche, es ist noch viel Forschung erforderlich, wenn man denn irgendwann einmal wirklich sichere Heilung oder gar Prävention erreichen will. Mir scheint es da wichtiger, die Forschung voranzutreiben, auch auf die Gefahr hin, dass erstmal nur die Reichen davon profitieren, als auf dem Status quo gerecht verteilt zu verharren...

CHinnam\on4


wohl wahr. Aber ist das schlimm? Solange nur alle, also Arme und Reiche sich vorwärts bewegen können und dies möglichst schnell, scheint mir die Frage des Abstandes sekundär.

Hm... das kann man so sehen. Allerdings birgt diese Diskrepanz trotzdem eine so himmelschreiende Ungerechtigkeit, das ich das so einfach nicht sehen kann.

Mir scheint es da wichtiger, die Forschung voranzutreiben, auch auf die Gefahr hin, dass erstmal nur die Reichen davon profitieren, als auf dem Status quo gerecht verteilt zu verharren...

Mir scheint beides gleich wichtig. Fortschritt und Gerechtigkeit schließen sich nicht aus, ganz im Gegenteil kann echter Fortschritt nur Hand in Hand mit Gerechtigkeit gehen.

lte rchenAzunxge


Allerdings birgt diese Diskrepanz trotzdem eine so himmelschreiende Ungerechtigkeit, das ich das so einfach nicht sehen kann.

mag schon sein, aber dies sollte den Blick nicht verstellen vor den Möglichkeiten des Fortschritts für Arme.

Mal als simples Beispiel: sollte das autonom fahrende Auto von Google (oder anderen) Wirklichkeit werden und in den Strassenverkehr einziehen, so wird das zunächst sicher furchtbar teuer sein und nur Reiche werden sich ein solches Fahrzeug leisten können. Man könnte also die "himmelschreiende Ungerechtigkeit", die sich darin zeigt, bedauern und beklagen und das "böse Google" beschimpfen, warum die denn nichts für Arme machen. Man könnte auch beklagen, dass das autonome Auto Taxifahrer aus ihren Jobs drängt, dass also dort kleine Unternehmer ihres Einkommens beraubt werden, wärend große Konzerne abkassieren.

Man könnte aber auch die Entwicklung und Forschung an diesen teuren Autos loben und unterstützen, in der Gewissheits, dass mit jedem Prozessfortschritt die Kosten sinken und vielleicht schon in 20 Jahren ein autonomes Auto nicht teurer als ein normales Fahrzeug sein wird. Und dass dies für viele Menschen enorme Lebensqualitätsfortschritte bedeuten würde! Dass so beispielsweise Alte, Kranke und Behinderte, aber auch Kinder und Jugendliche in ländlichen Regionen Möglichkeiten zur Teilhabe am Leben erhalten würden, die es nie vorher gab, dass das Leben vieler Pendler wesentlich bequemer würde, dass die Zahl der Verkehrstoten runtergehen würde. Dass also in Summe das Leben vieler, auch armer Menschen sehr viel besser würde!

Das ist nämlich das Tolle an wissenschaftlich-technischem Fortschritt: während bei Geld in der Praxis erwiesen ist, dass ein "Trickle down" ("Reaganomics") nicht funktioniert, läuft ein Trickle-down bei technischem Fortschritt fast automatisch!

annfavn$gmitf0reudxe


erstmal gab es sehr wohl Industrie, also produzierendes Gewerbe. Zum Beispiel Schmelz- und Glashütten, Köhlereien, Schmiede, Gerbereien. Dann aber auch den Hausbrand (Holz, aber auch Torf und Kuhdung, dann oft auch sehr schwefelhaltige Kohle).

Ein anderer sehr wesentlicher Einfluss war aber auch das Fehlen von Abwassersystemen. Die Fäkaliengruben verpesteten nicht nur die Luft, sie waren auch Krankheitsquellen (Cholera, Pest...) Sie waren auch gefährlich: Methangasbrände in Fäkaliengruben waren gerade in Städten keine Seltenheit und Ursache manch tödlicher Feuersbrunst (wenn sowas erstmal auf die Holzhäuser übergriff...) Dazu kam, dass auch die Stadtbevölkerung meist Tiere hielt, deren Ausscheidungen auf den Strassen lagen...

Es ist kein Wunder, dass die Kirchen im Mittelalter die Tradition prägten, in ihren Räumen Weihrauch zu verteilen, der einzige Ausweg gegen den Gestank der Stadtzentren.

die von dir angesprochene industrie gab es zwar, war aber zahlenmässig sehr überschaubar und ganz und gar kein vergleich zu unserer heutigen grossindustrie. dazu musst du dir nur daten der CO2-messung aus eiskernen ansehen. die menge des gases in der luft war über das mittelalter und die frühe neuzeit relativ konstant und schoss um 1850 in die höhe.

hinzu kommt, dass der ganze vergleich hinkt, da im MA die mehrheit der menschen auf dem land lebten. hauptwirtschaftszweig war die landwirtschaft und der durchschnittsmitteleuropäer war bis weit über das MA hinaus schlichtweg bauer. ergo war er oft unfrei oder zumindest an seine scholle gebunden, er musste den zehnt abführen und dazu noch frondienste bei seinem grundherrn ableisten. die stadt sah der durchschnittsmensch damals also nicht, denn er schnupperte landluft. der durchschnittsmensch heute ist aber nunmal städter und selbst, wenn er sich dazu entscheidet, auf dem land zu leben, hat er oft auch negative auswirkungen des technologischen fortschritts zu spüren.

von einem reinen fortschritt würde ich daher nicht reden. es ist eine veränderung, womöglich auch eine kontinuierliche weiterentwicklung, aber eben auch nicht unbedingt zum besseren.

der bauer des mittelalters hätte sich z.b. "gefreut", wenn zwischen seinem hof und seinen feldern eine autobahn läge und er deshalb nicht mehr seine arbeit machen kann.

hinzu kommt, dass der technologische fortschritt keine weiterentwicklung für den durchschnittsmittelaltermenschen bedeutet hat. die wesentliche weiterentwicklung war die bauernbefreiung, ein sozialer und politischer prozess. ebenso von bedeutung war die reformation sowie die säkularisation und letztlich der reichsdeputationshauptschluss. all das passierte natürlich weit nach dem MA, aber es waren soziale und politische entwicklungen, welche mit der technologischen entwicklung einher gingen. nur auf letztere zu setzen, ist meiner meinung ein fehlschluss.

cula3iCrext


Man kann sich darüber streiten, wie ungesund Nahrungsmittel aus konventioneller Landwirtschaft wirklich sind, aber dass sie stark mit Antibiotika und Pestiziden belastet sind, ist Fakt. Als an der Armutsgrenze lebender Mensch, geschweige denn als Hartz-IV-Empfänger, hat man kaum die Möglichkeit, seine Nahrungsmittel in guter Qualität zu erwerben. Man ist auf die Discounter angewiesen. Es wird einem also die Möglichkeit genommen, sich gesund zu ernähren und damit Krankheiten vorzubeugen. Man hat nicht die Möglichkeit, optimal medizinisch versorgt zu werden, da man sich ausschließlich die Kassenleistungen leisten kann.

Das finde ich ehrlich gesagt wahnsinnig übertrieben. Auch für konventionelle Lebensmittel gelten Lebensmittelgesetze. Die Discounter haben es ermöglicht, dass heute die breite Bevölkerungsmasse Zugang zu einer riesigen Auswahl an günstigem Essen hat. Und das sogar ohne soziale Stigmatisierung, weil wirklich fast jeder bei Discountern einkauft. Was die Leute kaufen bleibt ihnen natürlich selbst überlassen. Man kann bei Aldi Obst und Gemüse kaufen oder bei Alnatura Tk-Pizza und Fertiggerichte voller Fett und Salz.

Für gute medizinische Versorgung braucht man keine Privatkasse, die auch Homöopathie oder sowas zahlt. Die Gesetzliche deckt das notwendige ab. Der Nutzen von vielen Igel-Leistungen ist umstritten und in Deutschland ist eher die medizinische Überversorgung ein Problem als das Gegenteil.

Der letzte Punkt mit der sozialen Teilhabe stimmt schon eher. Mit wenig Geld ist man tatsächlich oft außen vor. Wobei es stark darauf ankommt, wie kreativ jemand damit umgeht.

Da hast du natürlich Recht. Bäume mit Kupfer zu spritzen ist ja nun auch nicht wirklich besser als herkömmliche Pestizide zu benutzen, z.B. Jetzt aber auch mal abgesehen von den Schadstoffen, sind in regionalen oder (!) Bio-Lebensmitteln nachweislich mehr Nährstoffe enthalten, und zwar viel mehr als in konventionellen oder weit gereisten Artikeln. Wenn man also im Aldi (z.B.) ausschließlich frische und regionale Waren pflanzlicher Natur kauft, wird wohl auch das gesund sein. Sobald man aber tierische Produkte kauft oder verarbeitete Lebensmittel, wird man mit Bio immer um ein Vielfaches besser - in gesundheitlicher und moralischer Hinsicht - versorgt werden. Warum steht das nicht allen Menschen zu?

Sicher gibt es einen Unterschied zwischen Bio und konventionell, aber ein Vielfaches? Wohl eher ein paar Prozent. In Deutschland leidet niemand an Nährstoffmangel (und wenn, dann durch grundsätzlich falsche Ernährung, aber nicht aus Mangel an Geld für Bioware).

Außerdem gibt es Bio schon längst auch im Discounter. Die Existenz einer "besseren" Warengruppe hat für Druck gesorgt und die Anbieter müssen nachziehen.

C~inn amxon4


@ clairet

Das finde ich ehrlich gesagt wahnsinnig übertrieben. Auch für konventionelle Lebensmittel gelten Lebensmittelgesetze.

Ja, aber diese werden immer wieder umgangen. Zuletzt mit Glyphosat. Das liegt daran, dass in der konventionellen Landwirtschaft nur Wert darauf gelegt wird, dass die vorgegebenen Richtlinien eingehalten werden. Ob Menschen, Tiere und Pflanzen leiden, ist nicht wichtig. Das hat etwas mit der zugrunde liegenden Einstellung hinter dieser Wirtschaftsart zu tun. Bei BIO ist das anders. Natürlich will auch ein BIO-Bauer Profit machen, aber nur unter sehr guten, wenn nicht den besten, Bedingungen für alle Lebewesen.

Die Discounter haben es ermöglicht, dass heute die breite Bevölkerungsmasse Zugang zu einer riesigen Auswahl an günstigem Essen hat.

Ist es nicht eher umgekehrt? Dadurch, dass es ALDI und co. gibt, kann die Regierung niedrigste soziale Stütze und Löhne rechtfertigen? Das wäre mal interessant zu wissen, was da Ursache und was Wirkung ist.

Und das sogar ohne soziale Stigmatisierung, weil wirklich fast jeder bei Discountern einkauft.

Ja, leider.

Was die Leute kaufen bleibt ihnen natürlich selbst überlassen. Man kann bei Aldi Obst und Gemüse kaufen oder bei Alnatura Tk-Pizza und Fertiggerichte voller Fett und Salz.

Ja, das stimmt. Ich habe ja auch schon angeführt, dass beispielsweise regional angebautes, konventionelles Gemüse aus dem ALDI BIO-Gemüse in nichts nachsteht. Bei anderen Warengruppen ist das aber anders und kaum jemand lebt ausschließlich von Gemüse, auch wenn es einen großen Teil der Nahrung ausmachen sollte.

Für gute medizinische Versorgung braucht man keine Privatkasse, die auch Homöopathie oder sowas zahlt. Die Gesetzliche deckt das notwendige ab. Der Nutzen von vielen Igel-Leistungen ist umstritten und in Deutschland ist eher die medizinische Überversorgung ein Problem als das Gegenteil.

Erkältungsmedikamente sind also nicht notwendig, um mal das harmloseste Beispiel aufzugreifen?

Und ich meine ja nicht mal sowas wie "wick medinait", sondern einfache Nasensprays, Halsschmerztabletten, Inhalationsmittel, Fiebersenker. Natürlich kann man jetzt argumentieren, dass auch Hausmittel hilfreich sein können, aber auch diese kosten Geld und wirken langsamer. Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, als Erkältungsmittel noch von der Kasse getragen wurden. Und da behaupte noch mal einer, der allgemeine Wohlstand steigt...

Der letzte Punkt mit der sozialen Teilhabe stimmt schon eher. Mit wenig Geld ist man tatsächlich oft außen vor. Wobei es stark darauf ankommt, wie kreativ jemand damit umgeht.

Ja, natürlich muss man da findig werden. Ich kenne auch ein Restaurant in der Innenstadt, welches mittags alles zum halben Preis anbietet. Oder Theater, die am Abend der Aufführung die Restkarten auch um 50 % reduziert, wenn nicht mehr, anbieten. Es ist nicht unmöglich, aber stark erschwert.

Sicher gibt es einen Unterschied zwischen Bio und konventionell, aber ein Vielfaches? Wohl eher ein paar Prozent. In Deutschland leidet niemand an Nährstoffmangel (und wenn, dann durch grundsätzlich falsche Ernährung, aber nicht aus Mangel an Geld für Bioware).

Entschuldige, das war von mir verwirrend formuliert. Erst schreibe ich, dass ich nicht von den Schadstoffen spreche, schreibe dann das hier:

Jetzt aber auch mal abgesehen von den Schadstoffen, sind in regionalen oder (!) Bio-Lebensmitteln nachweislich mehr Nährstoffe enthalten, und zwar viel mehr als in konventionellen oder weit gereisten Artikeln.

Wo ich auch noch einen Fehler gemacht habe - eigentlich hätte der Satz so lauten müssen:

Jetzt aber auch mal abgesehen von den Schadstoffen, sind in regionalen konventionellen oder (!) Bio-Lebensmitteln nachweislich mehr Nährstoffe enthalten, und zwar viel mehr als in konventionellen oder biologischen weit gereisten Artikeln.

Da habe ich bei dem ganzen "konventionell" und "BIO" ein paar "konventionell" und "BIO" vergessen |-o .

Und dann schreibe ich wieder über die Schadstoffe, ohne das kenntlich zu machen:

Sobald man aber tierische Produkte kauft oder verarbeitete Lebensmittel, wird man mit Bio immer um ein Vielfaches besser - in gesundheitlicher und moralischer Hinsicht - versorgt werden. Warum steht das nicht allen Menschen zu?

Sorry, da war es wohl schon etwas zu spät für mich zum schreiben oder ich war sonstwie neben der Kappe.

Wobei ich sagen muss, dass man bei BIO trotzdem auch bei Fleisch einfach bessere Ware bekommt. Da ist das komplette Fleisch mit feinen Fettfasern durchzogen und es gibt nicht nur am Rand einen Fettklumpen. Das Fleisch verliert beim Braten viel weniger Wasser. Wie sich das genau auf die Nährstoffzusammensetzung auswirkt, weiß ich aber nicht.

Außerdem gibt es Bio schon längst auch im Discounter. Die Existenz einer "besseren" Warengruppe hat für Druck gesorgt und die Anbieter müssen nachziehen.

Das begrüße ich auch sehr.

@ lerchenzunge

Allerdings birgt diese Diskrepanz trotzdem eine so himmelschreiende Ungerechtigkeit, das ich das so einfach nicht sehen kann.

mag schon sein, aber dies sollte den Blick nicht verstellen vor den Möglichkeiten des Fortschritts für Arme.

Tut es bei mir nicht.

Ich habe eher das Gefühl, die Möglichkeiten des Fortschritts verstellen deinen Blick auf die Ungleichheit von arm und reich und die damit einhergehende Notwendigkeit einer Veränderung.

Wenn man mal aufzählt, was die Politik so verzapft hat in den letzten Jahren: Abschaffung der Reichensteuer, Hochsetzen des Renteneintrittsalters, die Riester-Rente, Hartz IV, Abnahme der Leistungen, die die gesetzliche Krankenkasse zahlt etc.p.p. Da wird mir schon ganz anders. Um fair zu bleiben: Das Kindergeld wurde etwas erhöht und ein geringer Mindestlohn mit viel Zähneknirschen und Schlupflöchern eingeführt, das könnte man gerade so noch als "gut" verbuchen. Böse Zungen würden sagen, dass das eher kleine Opfer waren, um die Bevölkerung zu beruhigen.

Als neuster Clou wird wohl gerade eingeführt, dass alleinerziehende Mütter, die Hartz IV beziehen, für jeden Tag, an dem eines ihrer Kinder beim Vater ist, 10 Euro weniger Hartz IV für die Kinder erhalten.

Also mich macht sowas fassungslos.

c>laiQrext


@ Cinnamon4

Auch bei Bio gab es schon Skandale. Dem deutschen Bio-Bauern kann man vielleicht vertrauen, aber der kann die Nachfrage nicht decken. Mittlerweile ist das ein internationales Business. Bio-Ingwer aus China oder Bio-Kartoffeln aus Ägypten kaufe ich aber nicht, dann lieber konventionell aus Deutschland.

Dass Bio-Fleisch oder Metzger-Fleisch besser schmeckt weiß ich natürlich. Ich glaube nur nicht, dass es gesundheitlich einen großen Unterschied macht. Ich denke, dass Lebensstil und Ernährungsstil viel ausschlaggebender sind.

Ist es nicht eher umgekehrt? Dadurch, dass es ALDI und co. gibt, kann die Regierung niedrigste soziale Stütze und Löhne rechtfertigen? Das wäre mal interessant zu wissen, was da Ursache und was Wirkung ist.

Aldi gab es schon lange vor Hartz4, ich denke diese Marktnische für sehr günstige Lebensmittel gibt es immer. Selbst viele Gutverdienende gehen ja zu Aldi, weil sie eben ihre Prioritäten anders setzen. Problematisch finde ich eher die Tafeln, wo die Überflussgesellschaft ihre Reste loswird und sich dabei noch gut fühlen kann. Aldi ist immerhin ein normaler Laden, in dem man selbst auswählt was man kauft und man ist Kunde statt Bittsteller.

Erkältungsmedikamente sind also nicht notwendig, um mal das harmloseste Beispiel aufzugreifen?

Gerade die nicht, weil die meisten teurer Unsinn sind. Unabhängige Tests kommen da regelmäßig zu vernichtenden Urteilen: [[http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/medikamenten-check-viele-erkaeltungsmittel-wirken-kaum-a-937439.html]]

Es gibt schon einen Grund, warum die Kassen das Zeug nicht übernehmen.

Fiebersenker wie Parazetamol wirken, aber Generika sind sehr billig zu kaufen.

Als neuster Clou wird wohl gerade eingeführt, dass alleinerziehende Mütter, die Hartz IV beziehen, für jeden Tag, an dem eines ihrer Kinder beim Vater ist, 10 Euro weniger Hartz IV für die Kinder erhalten.

Also mich macht sowas fassungslos.

Da hast du recht, ich finde das auch absolut lächerlich und kleinlich. Ich wäre dafür, dass man sich diesen ganzen Überwachungsquatsch spart.

C2innamtoxn4


Auch bei Bio gab es schon Skandale. Dem deutschen Bio-Bauern kann man vielleicht vertrauen, aber der kann die Nachfrage nicht decken. Mittlerweile ist das ein internationales Business. Bio-Ingwer aus China oder Bio-Kartoffeln aus Ägypten kaufe ich aber nicht, dann lieber konventionell aus Deutschland.

Dass es da auch schon Skandale gab, stimmt. Und das regionale Produkte meist mehr Nährstoffe enthalten als weit gereiste - egal ob BIO oder nicht, stimmt auch. Trotzdem sollte man immer ein Auge darauf haben, was man da an Pestiziden und Antibiotika-Verunreinigungen zu sich nimmt. Denn da schneidet BIO einfach besser ab. Und auch moralisch gesehen ist BIO die bessere Wahl.

Übrigens ist BIO auch nicht gleich BIO. Beim so genannten "EU-BIO", welches auch vorwiegend im Discounter angeboten wird, kann es eher zu Verstößen gegen die Richtlinien kommen, weil nicht so stark kontrolliert wird. Das ist bei demeter z.B. ganz anders.

Dass Bio-Fleisch oder Metzger-Fleisch besser schmeckt weiß ich natürlich. Ich glaube nur nicht, dass es gesundheitlich einen großen Unterschied macht. Ich denke, dass Lebensstil und Ernährungsstil viel ausschlaggebender sind.

Ich denke halt, dass beides wichtig ist.

Aldi gab es schon lange vor Hartz4, ich denke diese Marktnische für sehr günstige Lebensmittel gibt es immer.

Was gab es denn vor Aldi und co.?

Gerade die nicht, weil die meisten teurer Unsinn sind. Unabhängige Tests kommen da regelmäßig zu vernichtenden Urteilen: [[http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/medikamenten-check-viele-erkaeltungsmittel-wirken-kaum-a-937439.html]]

Es gibt schon einen Grund, warum die Kassen das Zeug nicht übernehmen.

Fiebersenker wie Parazetamol wirken, aber Generika sind sehr billig zu kaufen.

Den teuren Unsinn muss die Kasse ja auch nicht zahlen. Du schreibst ja aber auch selbst, dass Paracetamol wirksam ist. Warum wird das also nicht getragen? Einfach nur schlafen - das macht doch niemand bei einer Erkältung. Selbst die, die auf Medikamente vollständig verzichten, nehmen Fußbäder, Kartoffel- oder Zwiebelwickel, inhalieren Salzwasser, trinken Salbeitee etc. Halsschmerzen können richtig böse werden und ich bin wirklich dankbar für jeden Wirkstoff, der die Schmerzen lindert.

Ob Homöopathie nun wirksam ist oder nicht und deshalb von der Kasse getragen werden sollte oder nicht - diese Diskussion würde den Rahmen hier wohl sprengen. Ich bin einfach dafür, dass die Menschen stets die freie Wahl haben und probieren können, welche Medikamente für sie Sinn machen und helfen und welche nicht.

Die Kasse trägt übrigens auch keine so genannten "Nahrungsergänzungsmittel". Frauen haben in den Jahren der Fruchtbarkeit oft Eisenmangel, ja, auch wenn sie keine Veganer oder Vegetarier sind. Trotzdem muss man seine Eisenpräparate selbst zahlen. Ich selbst habe Hashimoto und muss deswegen einerseits Selen einnehmen, um meinen Stoffwechsel stabil zu halten, und neige andererseits zu Nährstoffmängeln, weswegen ich Vitamin D substituieren muss. Wird auch beides nicht von der Kasse getragen. Überhaupt leiden viele Mitteleuropäer an Vitamin-D-Mangel, einfach, weil man in diesen Breitengraden nur als Feldarbeiter o.ä. genügend Vitamin D aufnimmt. Wenn man von 08:00 Uhr bis 17:00 Uhr im Büro sitzt, wird das schwierig.

Da hast du recht, ich finde das auch absolut lächerlich und kleinlich. Ich wäre dafür, dass man sich diesen ganzen Überwachungsquatsch spart.

Ich hoffe einfach mal, dass das eh nicht durchkommt und dieses Gesetz wieder gekippt wird. Familien- und kinderfeindlicher geht's ja kaum noch.

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