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Auf welcher Grundlage wird die Armutsgrenze in D berechnet?

aUug2c33


Cinnamon4, wenn ich durch den Bezug von Bürgergeld ein ausreichend sorgenfreies Leben führen kann, warum soll ich dann noch arbeiten? Nur zur Selbstbestätigung? Die ist auch anders zu erlangen. Bei Bürgergeld zum Beispiel würde von den mir persönlich bekannten Psychotherapeuten eine mit drei Kindern ohne Probleme gänzlich auf ihre Arbeit verzichten - im Umkehrschluss verringert sich damit das Angebot an Therapiemöglichkeiten. Und dieses Einzelbeispiel lässt sich auf viele andere Bereiche übertragen.

a[nfangmiXtfrheudxe


@ aug233:

ich hatte auch schwierigkeiten, deinen beitrag zu verstehen, jetzt versteh ich aber, was du meinst.

ich habe einfach einen anderen ansatz und kann den dir anhand deines beispiels auch gut erklären. deine psychothereutin mit drei kindern hat keine lust auf ihren job. sagen wir mal, es gibt bürgergeld und sie kann damit aufhören. dann gibt es zwei möglichkeiten: entweder, sie findet ihr glück darin, sich um die kinder zu kümmern und tut dadurch der allgemeinheit etwas gutes oder sie hat die möglichkeit nach einer gewissen auszeit einen beruf auszuüben, der sich ihr zuvor vielleicht noch gar nicht ermöglicht hätte.

sagen wir mal, sie hat durch das bürgergeld die chance, z.b. gleichzeitig ein menschenwürdiges leben zu führen und sich nebenher noch künstlerisch zu betätigen? vielleicht ist sie ja ein neuer van gogh und weiss es noch nicht?

hinzu kommt dann ausserdem auch, dass arbeitszeiten grundsätzlich flexibler werden können. wer keine grossen sprünge machen will oder mit wenig geld auskommt, kann in teilzeit arbeiten und wer sich teure reisen oder einen gewissen luxus leisten möchte, arbeitet eben vollzeit und bekommt aber auch wirklich etwas dafür.

und den von dir angesprochenen mangel an therapeuten gibt es doch jetzt schon. allerdings hinkt dein vergleich. ich bin zwar kein insider und kenne die statistiken nicht. aber frag die dir bekannten therapeut/innen doch mal, wieviele ihrer patienten krank sind, weil sie

1.) unter dem leistungsdruck der gesellschaft zusammenbrechen

2.) unter burnout leiden

3.) unter dem stigma ALG2 leiden und dadurch depressionen bekommen?

durch ein bürgergeld würden also auch die erkrankungen drastisch zurück gehen. wer dann z.b. unter burnout leidet, kann einfach mal ein halbes jahr oder ein jahr auf eine halbe stelle wechseln. und selbst ein jobverlust wäre dann kein weltuntergang mehr, denn du würdest ja jederzeit auf ein einigermassen erträgliches finanzielles niveau zurückfallen.

du möchtest sozusagen mehr ärzte einstellen, um krebs zu behandeln, ich möchte einen weg finden, ihn zu heilen. ;-)

und langfristig wird es nicht ohne bürgergeld gehen. die technisierung und modernisierung der gesellschaft schreitet voran. arbeit für alle wäre zwar noch da, jedoch lässt sie sich nicht bezahlen. deutschland versucht, mit ländern wie china mitzuhalten und muss dementsprechend die produktivität der arbeitnehmer steigern, um im internationalen wettbewerb nicht unter zu gehen. das geht eben nur dadurch, dass ein arbeitnehmer innerhalb des gleichen zeitraums immer effektiver arbeitet. damit arbeitet er aber letzten endes anderen die arbeit weg. mit ein grund für die arbeitslosigkeit.

aCug23x3


@ anfangmitfreude,

ja, so könnte es sein. Sicher wird es solche Einzelbiografien geben. Die hat es in der Vergangenheit auch schon gegeben, wir haben sie nur selten zu sehen bekommen.

Das sich der Bedarf an Psychotherapie verringert wenn der Leistungsdruck wegfällt - das zu erwarten fällt jenen schwer, die sich seit 40 Jahren beruflich in der Psychotherapie bewegen; ist am Wochenende erst eingehend besprochen worden. Es wird einige Einzelfälle weniger geben und in diese Lücken passen dann andere hinein.

Meine Meinung: nach 100 Jahren würde sich der Idealzustand in einer Gesellschaft mit Bürgergeld einstellen können. Begründung: die Brüche in den Lebensläufen nach 1990 sind erst dann nicht mehr zu spüren, wenn diese Menschen aus dem Erwerbsleben ausgeschieden sind. Frühestens also ab 2050. Da aber deren Kinder von diesen Brüchen beeinflusst wurden, darf man noch mal ein Generation, also 30 Jahre dazu rechnen. Was werden die nächsten 65 Jahre bringen?

aunf|angmistfre~ude


Das sich der Bedarf an Psychotherapie verringert wenn der Leistungsdruck wegfällt - das zu erwarten fällt jenen schwer, die sich seit 40 Jahren beruflich in der Psychotherapie bewegen; ist am Wochenende erst eingehend besprochen worden. Es wird einige Einzelfälle weniger geben und in diese Lücken passen dann andere hinein.

kannst du näher ausführen? interessiert mich wirklich, denn wenn ich mich in meinem persönlichen umfeld umsehe und die leute ansehe, die entweder eine therapie machen/gemacht haben oder denen es psychisch sehr schlecht geht und die eigentlich eine nötig hätten, sehe ich vor allem menschen, denen schon viel damit geholfen wäre, wenn der leistungsdruck auf der arbeit wegfallen würde und wenn sie finanziell etwas beruhigter schlafen könnten.

sagen wir, die fallen in der utopischen bürgergelds-gesellschaft als patienten alle weg - wer bleibt dann noch? angstpatienten? traumaopfer?

Meine Meinung: nach 100 Jahren würde sich der Idealzustand in einer Gesellschaft mit Bürgergeld einstellen können. Begründung: die Brüche in den Lebensläufen nach 1990 sind erst dann nicht mehr zu spüren, wenn diese Menschen aus dem Erwerbsleben ausgeschieden sind. Frühestens also ab 2050. Da aber deren Kinder von diesen Brüchen beeinflusst wurden, darf man noch mal ein Generation, also 30 Jahre dazu rechnen. Was werden die nächsten 65 Jahre bringen?

kannst du das noch etwas ausführen? ist schwer zu verstehen, was du meinst. |-o

welche brüche in lebensläufen nach 1990 meinst du und inwieweit wirken sie sich aus?

danke! *:)

CYin}namwon4


welche brüche in lebensläufen nach 1990 meinst du und inwieweit wirken sie sich aus?

Ich vermute, aug bezieht sich auf die Wende, ist aber nur eine Vermutung, wie gesagt.

Ich möchte dir auch für die Erklärungen danken, aug *:) !

Cinnamon4, wenn ich durch den Bezug von Bürgergeld ein ausreichend sorgenfreies Leben führen kann, warum soll ich dann noch arbeiten? Nur zur Selbstbestätigung? Die ist auch anders zu erlangen. Bei Bürgergeld zum Beispiel würde von den mir persönlich bekannten Psychotherapeuten eine mit drei Kindern ohne Probleme gänzlich auf ihre Arbeit verzichten - im Umkehrschluss verringert sich damit das Angebot an Therapiemöglichkeiten. Und dieses Einzelbeispiel lässt sich auf viele andere Bereiche übertragen.

Das könnte passieren. Ob es passieren würde, weiß man halt nicht. Wie hier schon mehrere geschrieben haben, müssten Arbeitgeber eben ihre Jobangebote attraktiver gestalten als es oftmals derzeit der Fall ist. Und sicherlich gäbe es auch Menschen, die Zuhause bleiben. Ich denke jedoch, dass die wenigsten Menschen nur "unnütz" rumsitzen würden, sondern dann eben durch ehrenamtliche Arbeit oder die Kinderaufzucht (wie das klingt ;-D ) einen wertvollen Beitrag leisten würden.

Und durch Bürgergeld wäre es auch mehr Menschen vergönnt, zu studieren, und so z.B. Psychotherapeut zu werden. Manch einer würde das vielleicht gerne machen, kann es sich aber nicht leisten. Das Psychotherapie-Studium ist wohl sehr hart und nebenbei noch zu arbeiten, daher sehr, sehr, sehr schwer. Und dann verdient man als Psychotherapeut auch noch verhältnimäßig schlecht. Hausärzte und Psychotherapeuten verdienen in der Riege der arztnahen Berufe am wenigsten, dann wird man halt lieber Radiologe.

Wäre schön, wenn man das Bürgergeld recht risikolos einfach mal ausprobieren könnte. Ich glaube ja grundsätzlich an das Gute im Menschen und daher auch, dass das gut funktionieren würde. Aber wissen kann man es natürlich nicht, bevor man es nicht ausprobiert hat.

calair:ext


Gerade bei Ärzten oder Psychotherapeuten glaube ich nicht, dass viele den Job endgültig an den Nagel hängen würden. Vielleicht für eine gewisse Zeit wenn die Kinder klein sind. Aber die meisten mögen ihre Arbeit. Das Problem ist der Zeitdruck, die Bürokatie, das Trimmen auf größtmögliche Effizienz.

Das ist im Moment in fast allen Berufen so, überall soll die Produktivität nochmal gesteigert werden (am besten um einen festgelegten Prozentsatz jedes Jahr), die Kosten immer weiter gesenkt. Aus den Menschen das letzte herausgepresst werden. Meiner Meinung nach kann das einfach nicht so weitergehen.

Ich könnte mir vorstellen, dass in einem Szenario mit BGE die Jobwelt sehr viel flexibler wird. Dann arbeitet der Psychotherapeut vielleicht nur 3 Tage pro Woche in dem Job und fährt zusätzlich noch das Müllauto durch die Gegend, weil das sein Kindheits-Traumberuf war oder macht irgendwas anderes. Ist das Traumtänzerei? Vielleicht. Aber wir brauchen neue Modelle, denn die Automatisierung von vielen Jobs wird kommen und die Gesellschaft kann nicht die einen als Verlierer am Rand stehen lassen und den anderen immer mehr Verdichtung der Arbeit zumuten.

a<ug23x3


Erklärung in mehreren Abschnitten, weil Mittagspause ansteht, der Kochtopf wartet auf mich.

Brüche nach 1990: ja, ich meine die Wende in Deutschland und dass viele Betroffene nicht das Glück hatten auf einen ordentlichen Arbeitsplatz, eine ungestörte Fortsetzung des Berufslebens und alles was damit zusammen hängt. Viele sind einfach "unter die Räder gekommen", um es zusammenzufassen. Diese Menschen haben wir in Praxis erlebt; aber auch schon deren Kinder. Und da beobachteten wir einen Unterschied zu den Menschen, die nicht davon betroffen waren. Nur die gleichen Brüche gab es mit 1945, als sich viele Familien neu finden mussten, eben weil sie nicht mehr dort wohnen konnten wie zuvor; weil der Arbeitsplatz verschwunden war; weil der Ernährer nicht zurück kam. Diese Eltern haben an ihre Kinder etwas weitergegeben, was sich nicht global beschreiben lässt, was aber im Einzelfall in der Gegenüberstellung zu anderen Kindern aus unveränderten Lebensverhältnissen deutlich zu erkennen ist.

azug{233


Beispiel 2: Cinnamon4 und Psychologiestudium, eine oft gehörte Vorstellung, und vielfach romantische Vorstellung. Warum wird wohl Psychologie studiert? Recht oft, um sich selbst und sein eigenes Leben besser zu verstehen. Wenn es klapp und damit noch Geld zu verdienen ist, umso besser. Bleibt aber die Frage, ob man damit auf Dauer seine Zufriedenheit findet. Die Geldtöpfe sind streng reglementiert, Zugang erst nach langen Wartezeiten und dann mit etwas Glück oder man wandert in Industrie, Handel, Forschung und hat sich wieder dem unterzuordnen, der das Sagen hat. Freiheit? Es gibt hier erkennbar drei oder vier Psychotherapeuten; ich bin keiner!

Ja, mit Bürgergeld hätte ich selbst vor 30 Jahren nach einer anderen Beschäftigung suchen können und vielleicht etwas gefunden, das meinen Wünschen näher lag. Nur nützen solche Rückwärtsbetrachtungen nichts.

a/ug2x33


zu der Anmerkung und Frage:

sehe ich vor allem menschen, denen schon viel damit geholfen wäre, wenn der leistungsdruck auf der arbeit wegfallen würde und wenn sie finanziell etwas beruhigter schlafen könnten.

von @anfangmitfreude:

enormer Leistungsdruck und/oder finanzielle Sorgen können auf die Gesundheit einen wesentlichen Einfluss haben und wer es rechtzeitig erkennt sucht zur Klärung und Unterstützung eine Hilfe in der Psychotherapie. Nur würde ich keine mathematische Formel wagen mit dem Inhalt: weniger Leistungsdruck = kein Therapiebedarf. Für Leistungsdruck lässt sich jede andere Belastung einsetzen. Nur ein Beispiel: Leistungsdruck weggefallen, Person kann es sich erlauben zu Hause zu bleiben - und verlässt über Jahre hinweg dieses Haus nicht mehr selbständig aus Angst, draußen im realen Leben nicht zurecht zu kommen.

Aus den Beobachtungen über viele Jahre, sowohl in West wie in Ost, finanzielle Sorgen lösten vordergründig recht oft Therapiebedarf aus; nur waren diese Sorgen weg, dann stellten sich ganz bald andere ein.

a2ug23x3


Aber wir brauchen neue Modelle, denn die Automatisierung von vielen Jobs wird kommen und die Gesellschaft kann nicht die einen als Verlierer am Rand stehen lassen und den anderen immer mehr Verdichtung der Arbeit zumuten.

Wie ist eure Einschätzung zu folgenden Einzelheiten der heutigen Realität:

- Schreinermeister bekommt weder Gesellen noch Lehrlinge, aber die Wünsche der Gesellschaft nach erneuerten Fenster, eingebauten Küchen usw steigen; Ergebnis daraus: es wird in vertretbarem Umfang mehr gearbeitet; wegen der notwendigen Qualität wird man nicht schneller arbeiten können und wollen.

- IT-Techniker; Einbau von Warn- und Überwachungssystemen. Die Nachfrage bringt volle Auftragsbücher, das vorhandene Personal nimmt nicht im gleichen erforderlichen Umfang zu.

- Erzieherin in kirchlichem Kindergarten; Gruppen über den zulässigen Zahlen voll, kranke Mitarbeiter, von keiner Seite wird bei den Verantwortlichen auf Abhilfe gedrängt!

Stehen durch ein System BGE (Bürgergeld) mehr Arbeitskräfte zur Verfügung?

auug23x3


Anmerkung: die Erzieherin droht durch die Arbeitsbedingungen wirklich ernsthaft krank zu werden!

NUamjxa


Es gibt aber doch nicht deshalb zu wenig ErzieherInnen, weil es einfach zu wenig arbeitsfähige Menschen gibt. Sondern u.a. deshalb, weil dieser ziemlich verantwortungsvolle und stressige Job nicht genug wertgeschätzt und nicht genug bezahlt wird.

a{ung2x33


Namja, wie bringt man eine Gesellschaft dazu, einen bestimmten Job besser zu bezahlen? Die Kirchen sind inzwischen Wirtschaftsunternehmen wie alle anderen, wenn sie sich auf solchen Sektoren bewegen. Also müssten die Eltern ran und für die Erzieher etwas drauf legen. Wo klappt das?

Wie bringt man eine Gesellschaft dazu, eine bestimmte Berufsgruppe in ihrem Wert höher einzuschätzen? Das fragen sich die Soziologen seit Jahrzehnte und finden keine schlüssige Antwort.

Hat jemand ein Beispiel, warum Tochter oder Sohn nicht den Beruf des Erziehers gewählt hat?

lAerc*henMzuSnge


Die Diskussion hat sich ja schon weit in eine andere Richtung bewegt, aber ich wollte trotzdem noch kurz hierauf eingehen:

Ich habe eher das Gefühl, die Möglichkeiten des Fortschritts verstellen deinen Blick auf die Ungleichheit von arm und reich und die damit einhergehende Notwendigkeit einer Veränderung.

der Kern meiner Aussage ist, dass echte Fortschritte in der Lebensqualität der Menschen, auch und gerade der Armen nie durch neue (vielleicht fairere?) Umverteilung des Vorhandenen, sondern nur durch Schaffung von Neuem erreicht wurden. Und dies sogar dann, wenn dieses Neue nicht fair verteilt wurde.

Mal ein eher triviales Beispiel:

noch bis in die 90er hinein war es mit erheblichem Aufwand verbunden, fremdsprachige Literatur im Buchhandel zu erwerben (sofern es sich um etwas anderes als die Schulklassiker handeln sollte). Aufwand sowohl im Sinne Recherche als auch Beschaffung mit langen Wartezeiten und hohen Aufschlägen. Dies war auch und gerade für Ärmere eine Beschränkung, zum Beispiel für Schüler und Studenten, die Schwierigkeiten hatten, Originalliteratur abseits des mainstream zu beschaffen und dafür oft ziemlich finanziell bluten mussten. Dann ist der Onlinebuchhandel ("etwas Neues") aufgekommen und plötzlich waren auch fremdsprachigen Bücher leicht in den Onlinedatenbanken zu finden und sehr viel günstiger und schneller verfügbar. Das hat die Lebensqualität aller, auch und gerade armer Menschen verbessert (Bildungschancen erhöht), ging aber einher mit einer Konzentration im Buchhandel und damit eher zunehmender Ungleichheit.

Ein anderes Beispiel wären die Discounter: die haben viele kleine Läden kaputtgemacht, gleichzeitig aber die Lebensqualität armer Menschen signifikant erhöht durch die sichere Bereitstellung preisgünstiger und qualitativ hochwertiger Waren...

I@sabexll


cinnamon4

Ich persönliche denke, dass eine gerechtere Verteilung der Gelder schon viel bewirken würde.

Das ginge z.B. über die Idee des Bürgergeldes.

Dann hätte der -platt ausgedrückt- "Faule" dasselbe Geld wie der "Fleißige", der Fleißige aber fühlt sich eben nicht benachteiligt gegenüber dem Faulen, da er ja dann mehr Geld hat, bzw. die Möglichkeit hat sich auszutoben.

Sicher, man kann jetzt einwenden, dass ja durch das Bürgergeld Jobs nicht garantiert sind, schon gar nicht die, die man will. ;-) Aber deswegen ist es bisher ja nur eine (utopische) Idee, die noch in keinem Fall umsetzbar ist.

und bitte jetzt keine Raucherdiskussion, darum geht es hier nicht!

Nee, die wollte ich auch gar nicht anstoßen.

Ich meinte auch nicht explizit Dich damit - ist nur ein Erfahrungswert aus solchen Diskussionen ;-).

Wo schrieb ich denn etwas von völlig überteuerten Kursen?

Hast Du nicht, eben nur, dass sie sich ein Mensch mit weniger Geld nicht leisten kann. Das "überteuert" kommt von mir, wenn man sich mal die Volkshochschulkurse so anschaut....puhh...also selbst wenn ich das Geld hätte würde ich es mir drei Mal überlegen :-/.

Ich wollte damit nur ausdrücken, dass man im allgemeinen nicht "arm" ist, bzw. viele andere Möglichkeiten hat, als eben Geld für eine Weiterbildung oder um kreativ sein zu können, sich auszutoben.

Oder eine Reise nach Schottland *.*. Nenn mich Idealist, aber ich finde, solche Dinge sollte sich jeder leisten können.

Jaaa...da würde ich auch gerne mal hin ;-). Aber "sollte man sich leisten können", also quasi von alleine, ohne viel dafür tun zu müssen - das sehe ich eben anders. Dann darf man eben nicht rauchen, und/oder kein Fitnesscenter besuchen, nicht wöchentlich ins Kino gehen, nicht jede Woche zwei Mal essen gehen usw.....und spart das Geld für die Reise. Meine Entscheidung, auch als Mensch mit wenig Geld.

Allgemein geht es doch um die Ansprüche die man hat. Und welche man nun mal unbedingt erfüllen möchte und welche nicht. Eigene Prioritäten eben.

Und ich kann keinen Anspruch nach Außen stellen es sei denn, es geht nun mal nicht anders. Und da kann ich nun mal nicht verlangen, dass mir hier sämtliche Ansprüche erfüllt werden.

Ich finde das auch wirklich bewunderswert, dass du da so gut mit umgehst. Ich glaube, ich bin nur einfach noch nicht bereit, den Wunsch zu Veränderung der Umstände aufzugeben.

Wer sagt denn, dass ich das tue? ;-)

Vielleicht werde ich es nie sein ;-D. Das wird mir bestimmt so manch traurige und wütende Stunde bringen, aber vielleicht bewirkt es irgendwann auch was? Wenn viele traurige und wütende Menschen sich zusammen tun?

Negative Gefühle führen seltenst zu konstruktiven, positiven Umsetzungen.

Und sich nicht von rechten Ideen blenden lassen?

??

Vielleicht kommt dieser Tag irgendwann und das wäre sehr schön. Deswegen kann ich meine Träume einfach nicht aufgeben, weil mir sonst die Leidenschaft fehlt, weiter für die Rechte der Armen einzutreten. Heißt nicht, dass man das nicht auch anders erreichen kann, aber für mich ist es einfach so.

Das ist ja der Punkt: Für welche Rechte die es noch nicht gibt willst Du eintreten, bzw. welche Rechte gibt es denn Deiner Meinung nach für "die Armen" nicht?

Mal von den Ausnahmefällen bei denen das Amt Mist macht (nicht zahlt, Anträge verbummelt etc.) abgesehen: ALGII und Sozialhilfe sind festgelegte Sätze. Warum kommen die Einen damit aus und die Anderen nicht? Steht damit nicht die Frage im Raum, dass wenn von "Ungerechtigkeit" gesprochen wird, das Pferd vielleicht von Hinten aufgezäumt wird? Wie willst Du eine Gerechtigkeit schaffen ohne den "Armen" selbst mit in die Verantwortung zu ziehen? (Jetzt mal die Bürgergeld-Utopie außen vor).

Denn das ist der Punkt den ich mit dem "Bäckerkaffee" schon angesprochen habe: Es ist zwar die freie Entscheidung der Person, aber eben auch deren Verantwortung. Und wenn z.B. ich am Ende des Monats knapp bin, dann gebe ich nicht dem niedrigen ALGII-Satz (oder Lohn oder, oder) die "Schuld", sondern dann sage ich "Mußt Du mit klarkommen, dann höre auf zu rauchen" (oder was auch immer ;-)).

Wenn ich eines Tages in meinen ideellen Ruhestand gehe, kann ich mein Schicksal hoffentlich auch so gelassen hinnehmen und trotzdem glücklich sein.

Wie kommst Du darauf, dass ich in einem "ideelen Ruhestand" sei? Ich habe immer noch Ziele und Träume und ja, ich möchte auch manche Dinge verändern. Das Eine (zufrieden zu sein mit der Situation in der ich bin) hat doch mit dem Anderen (Ziele, Träume etc.) nichts zu tun?

Ich wollte in meinem letzten Beitrag übrigens nicht sagen, dass du keine Ideale hast oder so. Das kam mir beim Nachlesen nochmal in den Sinn.

Oh....ok @:) (ich lasse das oben trotzdem stehen ;-)).

Ich habe einfach für mich das Gefühl, wenn ich das Träumen aufgebe, gebe ich die Leidenschaft auf, und wenn ich das aufgebe, gebe ich das Kämpfen für eine bessere Welt auf. Und das kann ich einfach nicht. Das gilt aber nur für mich und man kann an seinen Idealen auch auf andere Weise festhalten, ich weiß nur (noch) nicht, ob oder wie ich das könnte, wenn ich nicht mehr traurig oder wütend werde. Vielleicht kann man ja sogar klüger handeln, wenn man nicht mehr traurig oder wütend ist.

Das kann man definitiv ;-).

Ich bin sicher in Einzelfällen nicht so gelassen wie es hier scheint. ;-D Ich bin ein Mensch, der in der Tat auch mal "rumschimpft", mich machen bestimmte Vorfälle die in er Welt oder im Umfeld passieren natürlich auch mal wütend/traurig. Nur lasse ich mich von diesen Gefühlen nicht (dauerhaft) beherrschen. Sie verfliegen, weil dann mein Pragmatismus durchkommt. Siehe oben was das Thema "Gerechtigkeit" angeht.

Du sprichst auch irgendwo das Alter an (ich weiß, das ist nicht böse von Dir gemeint @:)): Ich habe auch mit 20 oder 30 schon genauso gedacht wie heute. Ich war nur impulsiver, habe mich den spontanen Gefühlen mehr hingegeben und habe mich dadurch öfter mal verstrickt ;-D.

Manchmal glaube ich, dass man, sobald man sagt, man wäre für "BIO" oder "Homöopathie" gleich mit irgendwelchen abgedrifteten Sektenangehörigen assoziiert wird, die eigentlich erstmal langfristig resozialisiert werden müssen, bis sie wieder ernst genommen werden dürfen und überhaupt dazu in der Lage sind, zu differenzieren und sinnvolle Beiträge zu schreiben.

Nein, sorry wenn das so rüberkam. Das wollte ich nicht behaupten. Ich wollte nur eben dem anderen Extrem ("nur wer Bio kaufen kann, kann sich auch gesund ernähren") entgegenwirken. ;-).

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